Microsoft Exklusiv Interview: In Memory ändert die Datenbank-Spielregeln

Der Microsoft SQL Server lagert nur heiße Daten im Hauptspeicher, erklärt Microsoft-Manager Hans Wieser. Die Datenbank erkenne selbst, welche Daten vom RAM am meisten profitieren.

Das In Memory OLTP des MS SQL-Server ist eine Erweiterung bereits bestehender In-Memory-Funktionen in den Bereichen Data Warehousing und Business Intelligence. Bitte vergleichen Sie das In Memory Konzept von Microsoft mit anderen In Memory Produkten wie SAP HANA, IBM DB2 BLU oder Oracle-Database 12c.

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Hans Wieser, Big Data Business Lead, Microsoft

Aktualisierbare Spaltenspeicher, hohe Kompressionsraten und intelligente In Memory Architekturen sind generell Merkmale moderner Datenbanken. Beim MS SQL Server sind sie seit der Version 2012 Standard. Andere Hersteller wie Oracle oder IBM haben nachgezogen. In Memory stellt eine Technologie dar, die für alle Spieler die Rahmenparameter verändert, nach denen sie Datenbanken konzipieren. Die Latenzzeiten und damit die Kosten für Lese- und Schreiboperationen verändern sich, aber auch die Volatilität der Daten und die Nachvollziehbarkeit von Operationen. Das mussten vor allem die Anbieter lernen, die mit In Memory quasi am Reißbrett komplett neu angefangen haben.

SAP HANA geht davon aus, dass sämtliche Daten im Hauptspeicher liegen. Andere Anbieter wie Oracle oder Teradata arbeiten hingegen mit einer Schichtarchitektur, bei der nur die wichtigsten Daten im RAM sind, alles andere wird beispielsweise auf Flashdisk gelagert. Wie stellt sich Microsoft hier auf?

Auch Microsoft arbeitet mit einer hybriden Architektur, bei der ausschließlich die am häufigsten genutzten Tabellen im Hauptspeicher liegen. Im Gegensatz zu manch anderen Anbieter ist bei Microsoft zur Nutzung der neuen Fähigkeiten keine Neuprogrammierung notwendig. Das System erkennt selbsttätig, welche Tabellen und Routinen von einer Lagerung im Hauptspeicher am meisten profitieren.

SAP nutzt SAP HANA als Programmplattform und verlagert Funktionen von betriebswirtschaftlicher Software (ERP) in die Datenbank. Hat Microsoft ähnliches vor?

Der MS SQL Server unterstützt Stored Procedures seit vielen Releases. In der Version 2014 analysiert das System die Stored Procedures und legt sie bei häufiger Nutzung im Hauptspeicher ab. Das steigert die Performance enorm. Es dürfte interessant sein, zu beobachten, welchen Nutzen SAP-Anwender dem Aufwand der Codemigration abgewinnen, was de facto der Neuentwicklung ihres ERP Systems in einer anderen Datenbank gleichkommt. Wir wollen bei MS Dynamics die Wahlfreiheit unserer Kunden nicht dadurch einschränken, dass diese Anwendung wegen der Code-Verlagerung nur noch mit einer einzigen Datenbank läuft. Wir wollen unseren Kunden in der hybriden IT von morgen mehr Flexibilität ermöglichen, nicht weniger. In diese Richtung gehen auch unsere partnerschaftlichen Bestrebungen mit Oracle oder SAP auf MS Azure, sowie die Verwaltung von Mobilgeräten durch die Enterprise Mobility Suite.

Der MS SQL-Server hat einen noch stärkeren Anschluss an die Cloud als seine Vorgänger. Ein Ziel ist es, die Einführung von Clouds für SQL-Datenbanken zu vereinfachen und hybride Szenarien zu unterstützen. Wie sehen solche Szenarien in der Praxis aus und was sind deren Vorteile?

Moderne Rechenzentrumsarchitekturen bieten Elastizität, das Abfangen von Lastspitzen sowie eine  einfache horizontale Skalierung. Wie ein Anwenderbeispiel bei  Lufthansa Systems zeigt, können Cloud-basierte Systeme als zusätzliches Sicherheitsnetz dienen, Darüber hinaus gibt es eine zunehmende Zahl von Anwendungsfällen, in denen Daten nicht relational gespeichert werden können oder müssen, und das Abspeichern in anderen Strukturen schneller und einfacher ist. Oft ergänzen Cloud-Module klassische analytische Systeme um Kontextinformationen, welche die Interpretation vorhandener Daten erleichtern. Mögliche Architekturen beschreibt ein Whitepaper auf MSDN.

Big Data und NoSQL sind große Schlagworte in der Analytik-Welt. Wie stellt sich der MS SQL Server 2014 hier auf? Was sind die neuen Funktionen?

Die moderne IT verlangt nach flexiblen und elastischen Architekturen. Eine Betrachtung des MS SQL Server als Einzelprodukt greift viel zu kurz. Mit Cloud OS offeriert Microsoft ein Gesamtkonzept, das neben dem MS SQL Server weitere Technologien wie HDInsightoder Machine Learning umfasst. MS Azure Table Spaces erlaubt den Betrieb von NoSQL Datenbanken, ergänzt um die Verarbeitung komplexer Ereignisse sowie von Videodaten über Intelligent Systems Services. Eine Übersicht der neuen Funktionen von MS SQL Server 2014 findet sich auf der Microsoft-Website.

Analysten verweisen darauf, dass der MS SQL Server stärker als die frühere Variante mit anderen Microsoft-Produkten wie beispielsweise MS Excel und MS Sharepoint funktional verwoben ist. In Sachen Integration ist das sicher ein Vorteil. Andererseits müssen Anwenderunternehmen nun eine produktübergreifende Strategie formulieren, um den vollen Nutzen zu bekommen. Schreckt das möglicherweise nicht den einen oder anderen Anwender ab?

Der Anspruch, eine einzelne IT-Architektur als Antwort auf alle Fragen zu nutzen, bereitet vielen IT-Chefs Kopfschmerzen. Das zeigt sich beispielsweise, wenn sie auf ihren Mainframe, ihr IBM AS/400-System oder auf ihre in die Jahre gekommenen Unix-Systeme schauen. Flexiblere Architekturen mit gemeinsamen Konzepten für Sicherheit, Entwicklung und Verwaltung erweisen sich demgegenüber als Vorteil. Sämtliche in der Microsoft Architektur verwendeten Einzelprodukte finden sich in Leader Quadranten der führenden Analystenhäuser. Insofern machen Kunden keinen Fehler, wenn sie ihre bestehende Architektur sukzessive um Microsoft Komponenten ergänzen. Je homogener eine Architektur ist, desto geringer fallen die Aufwände für Schulung aus. Je mehr Komponenten derCloud OS Plattform hinzukommen, desto höher steigen Flexibilität und Elastizität.

Mit Power BI für Office 365 fasst Microsoft Business Intelligence Tools unter einem Cloud-basierten Service zusammen. Auf welche Unternehmensgröße und auf welche Branchen zielt dieser Service?

Power BI für Office 365 zielt auf Unternehmen aller Größen und Branchen. Kleinere Unternehmen bekommen erstklassige analytische Funktionen ohne große Vorab-Investitionen. Großunternehmen, die keinen Komplettumstieg realisieren wollen, können mit Power BI ihre BI-Systeme funktional ergänzen. Die Data Governance Funktionen von Power BI basieren auf einem Gesamtkonzept für Sicherheit und Verwaltung. So können beispielsweise einzelne Fachabteilungen Power BI als Vorreiter einführen, ohne dass damit eine separate Schatten-IT entsteht, die neben potenziell ausufernden Kosten auch Risiken für Daten und ihre Verfügbarkeit birgt. Vielmehr zielt Power BI auf die maximale Produktivität der analytischen Nutzer und stärkt gleichzeitig die Kontrollfähigkeit der IT-Abteilung.

Wer hostet und wer vermarktet Power BI? Microsoft selbst und/oder Partner?

Microsoft hostet Power BI als eine Erweiterung von MS Office 365. Eine Vielzahl unserer Partner bietet dazu Mehrwertleistungen an, die branchenspezifisches Know-How beinhalten. Zu diesen Partnern gehören beispielsweise Accenture/Avanade, pmOne, Oraylis, cundus, ixto oder KI Business Performance.

Wie hoch ist die Nachfrage für Power BI in Deutschland und Europa?

Die Nachfrage ist sehr hoch. Auf unserer Anwenderkonferenz Synopsis vor wenigen Wochen berichtete Engineering Chef Kamal Hathi von Milliarden von natürlichsprachigen Abfragen gegen das neue MS Power BI.

Fürchten unabhängige Sofwarehersteller (ISVs), die auf Basis von Microsoft-Technologie entwickeln, nicht, dass Microsoft mit Power BI eine direkte Konkurrenz zu ihnen aufbaut?

Das glaube ich nicht. Wir kooperieren sehr eng mit ISVs, und diese ergänzen die horizontale Microsoft Plattform um branchenspezifische Funktionen für bestimmte Anwenderkreise. jf

 

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