Fehlendes Hadoop-Know-how bremst Big Data

Fehlendes Hadoop-Know-how bremst Big-Data-Projekte

Die Einsatzszenarien für Hadoop nehmen zu, aber fehlendes fachliches und technisches Know-how bremsen das Potenzial dieser Technologie. Das zeigt BARC-Studie zum Hadoop-Einsatz in Unternehmen.

„Viele Befragte bewerten Hadoop als kompliziert in der Anwendung und komplex im Betrieb“, erläutert Tim Grosser, Senior Analyst Datenmanagement bei BARC. „Mehr als die Hälfte aller Unternehmen sieht in der Anwendbarkeit für den Fachbereich die größte Schwachstelle des Hadoop-Ökosystems.“

„Viele Befragte bewerten Hadoop als kompliziert in der Anwendung und komplex im Betrieb“, erläutert Tim Grosser, Senior Analyst Datenmanagement bei BARC. „Mehr als die Hälfte aller Unternehmen sieht in der Anwendbarkeit für den Fachbereich die größte Schwachstelle des Hadoop-Ökosystems.“

Mit Big Data beschäftigen sich heute die meisten Unternehmen. Das hatte die BARC Studie Big Data Use Cases Survey 2015 erst kürzlich aufgezeigt. Eine Schlüsseltechnologie für Big-Data-Projekte stellt Hadoop dar. „Bei dieser jungen Technologie fällt es Unternehmen häufig schwer, zwischen Hype und tatsächlichem Mehrwert zu unterscheiden“, berichtet Timm Grosser, Senior Analyst Datenmanagement beim Business Application Research Center (BARC). „Unsere Studie zeichnet nach, wie und wo die Unternehmen Hadoop sinnvoll einsetzen, welche Stolpersteine bei der Implementierung lauern, und welche Vorteile sich in der Praxis tatsächlich ergeben.“

Die IT-Abteilungen treiben Hadoop-Projekte voran

261 Teilnehmer aus dem Dienstleistungssektor, der Industrie und der IT-Branche von Deutschland, Österreich und der Schweiz hat BARC zu ihren Erfahrungen mit Hadoop befragt. 78 Prozent der Befragten setzen diese Technologie bereits ein, planen dies oder können sich ein solches Projekt zumindest vorstellen.

Der mit 54 Prozent am häufigste genannte Treiber für Hadoop in den Unternehme ist die IT-Abteilung. Danach folgen mit 42 Prozent die Business-Intelligence-Organisation sowie mit jeweils 25 Prozent die Fachbereiche und das Management. „Dieses Ergebnis verwundert nicht, denn viele Befragten bewerten Hadoop als kompliziert in der Anwendung und komplex im Betrieb“, erläutert Grosser. „Mehr als die Hälfte aller Unternehmen sieht in der Anwendbarkeit für den Fachbereich die größte Schwachstelle des Hadoop-Ökosystems.“

Unternehmen, die Hadoop bereits nutzen, betonen IT-spezifische Nutzenaspekte: Die Nennungen reichen vom besseren Umgang mit heterogenen Datenquellen (62 Prozent), über eine kosteneffizientere Speicherung und Analyse von mehr und zusätzlichen Daten (52 Prozent), bis hin zum Monitoring und der Optimierung von IT-Systemen (48 Prozent). Die IT-Abteilungen betrachten Hadoop als eine Chance für neue Dienstleistungen auf Basis einer flexiblen und reaktionsschnellen Plattform.

Bei der Umsetzung einer Hadoop-Lösung geht es vielen Unternehmen zunächst um die Integration polystrukturierter Massendaten und erst später um den Ausbau von Analytics. Dennoch profitieren auch Fachbereiche, wenn das Unternehmen auf Hadoop setzt. „Nur so lässt sich erklären, dass 57 Prozent der Unternehmen mit Hadoop-Projekten auf eine gesteigerten Wettbewerbsfähigkeit und 38 Prozent auf eine Umsatzerhöhung verweisen“, berichtet Grosser.

Vom billigen Speicher zum strategischen BI-Baustein

Je weiter die Hadoop-Initiative fortgeschritten ist, umso häufiger treten auch Fachbereiche als treibendes Kraft dafür auf: „In Unternehmen mit Hadoop-Initiative ist die BI-Organisation in 48 Prozent und das Management in 36 Prozent der Fälle einer der Haupttreiber.“, berichtet Grosser. „Auf Unternehmen, in denen eine Initiative lediglich denkbar ist, trifft dies nur zu 33 beziehungsweise 17 Prozent zu.“

Auch die Antworten auf die Frage nach der Wichtigkeit von Hadoop zur Umsetzung der Datenstrategie/analytischen Ziele des Unternehmens, zeigen eine wachsende Relevanz dieser Technologie. Mehr als 80 Prozent der Befragten, die schon Erfahrung mit Hadoop haben, sehen künftig in der Umsetzung der Datenstrategie des Unternehmens und beim Erreichen der analytischen Ziele eine wichtige oder sehr wichtige Rolle für Hadoop. „Das ist ein beachtlicher Wert für eine Technologie, die noch mit sehr vielen Fragenzeichen behaftet ist“, erläutert Grosser. „Für Unternehmen, die schon auf Hadoop setzen, wandelt sich Hadoop von einer billigen Speicherplattform hin zu einem Enabler für Big Data Analytics.“

Für Hadoop-Projekte bauen die Unternehmen gerade IT-Ressourcen auf. Wer bereits Erfahrung mit Hadoop hat, investiert laut Studie insbesondere in die Weiterbildung des bestehenden IT-Personals (61 Prozent heute, 63 Prozent künftig), in die Schaffung neuer Stellen (34 Prozent heute, 45 Prozent zukünftig) und in die Erhöhung des Budgets für IT-Lösungen (32 Prozent heute, 35 Prozent künftig).

Den Umgang mit großen Datenmengen und die Analyse unstrukturierter Daten nennen die Unternehmen als häufigste Auslöser für Hadoop-Initiativen. Quelle: BARC

Den Umgang mit großen Datenmengen und die Analyse unstrukturierter Daten nennen die Unternehmen als häufigste Auslöser für Hadoop-Initiativen. Quelle: BARC

Die Szenarien für den Hadoop-Einsatz nehmen zu

Im Zuge der strategischen Aufwertung eröffnen sich mehr analytische Einsatzgebiete für Hadoop. Unternehmen, die derartige Projekte durchführen oder planen, experimentieren mit verschiedensten Anwendungsfällen. Die Studie nennt vier Beispiele:

  • Ablaufumgebung für die Datenerforschung: Diese Variante ist bei 24 Prozent der Unternehmen im Einsatz, die, schon Hadoop verwenden oder vorhaben, dies zu tun. Weiteren 65 Prozent planen einen solchen Einsatz
  • Technologie für die Integration, Speicherung und Verarbeitung polystrukturierter Daten: Das nutzen mehr als 20 Prozent der Befragten, weitere 72 Prozent planen dies.
  • Ergänzung des Data Warehouse als zusätzlicher Rechenkern oder günstiger Datenspeicher: das nutzen 16 Prozent, weitere 70 Prozent planten es.
  • Als Unterstützung der operativen Systeme nutzen 15 Prozent Hadoop, weitere 53 Prozent planen dies. Als abfragbares Content-Archiv kommt Hadoop bei 10 Prozent zum Einsatz, weitere 69 Prozent planen in solches Projekt.
  • „Die Vorteile als kostengünstiger Speicher und Enabler von Analytics spielt Hadoop vor allem dann aus, wenn es um große Datenmengen mit vor allem unterschiedlich strukturierten Daten geht“, erläutert Grosser.
Bei den Hindernissen für Hadoop-Projekte dominieren fehlendes technisches Know-how, fehlendes fachliches Know-how sowie fehlende überzeugende Einsatzszenarien.

Bei den Hindernissen für Hadoop-Projekte dominieren fehlendes technisches Know-how, fehlendes fachliches Know-how sowie fehlende überzeugende Einsatzszenarien. Quelle: BARC

Unsicherheit und Fehlendes Know-how

68 Prozent der Unternehmen, die sich eine Hadoop-Initiative vorstellen können, sehen in fehlendem technischen und 65 Prozent in fehlendem fachlichen Know-how das schwerwiegendste Problem beim Einsatz von Hadoop. Die Schwierigkeiten, diese Technologie richtig zu bewerten, zeigen sich in der Gegenüberstellung des erwarteten und tatsächlich erreichten Nutzens. „Hier klafft eine große Lücke zwischen Vorstellung und Realität“, berichtet Grosser. „Ein sicheres Indiz dafür, dass Unternehmen aufgrund mangelnden Wissens teilweise falsche Vorstellungen über den Mehrwert von Hadoop haben.“

Viele Unternehmen sind laut Studie für Hadoop-Projekte noch nicht bereit. „Insbesondere der explorative Charakter einer Big-Data-Analyse ist oftmals noch nicht in den Köpfen angekommen“, berichtet Grosser. „Vielerorts mangelt es an Mut, zu forschen und dabei Fehlschläge in Kauf zu nehmen. Stattdessen bestimmen althergebrachte Denkweisen für BI die Annäherung an Big Data und Hadoop.“ Für 68 Prozent der Unternehmen, die sich eine Hadoop-Initiative vorstellen können, muss ein konkreter Business Case samt Return on Investment vorhanden sein, bevor sie Hadoop einsetzen. „In der Praxis ist der ROIs in einem datengetriebenen, mit Daten forschenden Unternehmen nur bedingt anwendbar“, kritisiert Grosser.

Weitere fehlende Voraussetzungen sind die Unternehmenskultur für exploratives Arbeiten (39 Prozent) sowie das mangelnde Bekenntnis des Managements, sich zu einem datengetriebenen Unternehmen entwickeln zu wollen. Dies zumindest beklagen 43 Prozent der Unternehmen, die sich eine Hadoop-Initiative zumindest vorstellen können.

Vielerorts fehlen offenbar auch die technischen Voraussetzungen für Hadoop-Projekte. Jeweils 51 Prozent der Unternehmen, die sich eine Hadoop-Initiative zumindest vorstellen können, betrachten die Schaffung einer Big-Data-Architektur beziehungsweise der Integration von Hadoop in die bestehende Systemlandschaft als vordringliche Aufgaben. Konzepte und Blue Prints zur Umsetzung von Hadoop-Projekten scheinen in diesen Fällen zu fehlen.

Dank eines Sponsorings durch SAS Institute ist die Hadoop-Studie kostenfrei erhältlich unter www.barc.de/hadoop-survey . jf

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