Mobile-Apps-Entwicklung: Nativ versus HTML5

Mobile-Apps-Entwicklung: Nativ versus HTML5

Mobile Apps beschleunigen viele Geschäftsprozesse und erhöhen die Produktivität. Bei der Entwicklung stehen IT-Manager meist vor der Entscheidung auf Basis von HTML5 oder nativ zu programmieren. Ein Faktenvergleich hilft bei der Auswahl.

Von Thomas Martens, Manager bei der Cubeware GmbH

HTML5 oder nativ? Was sind die Vor- und Nachteile dieser Entwicklungsansätze und warum sollte man sich als Anwender beim Evaluierungsprozess damit auseinandersetzen?

Definition

  • HTML5 ist eine textbasierte Auszeichnungssprache zur Strukturierung und semantischen Auszeichnung von Inhalten wie Texten, Bildern, Hyperlinks etc. im World Wide Web. Im Gegensatz zu den Vorgängern der Dokumentenbeschreibungsstandards unterstützt HTML5 ohne zusätzliche Plug-Ins Videos, Audiodateien und dynamische Grafiken. HTML5-basierte Apps unterstützen diese Funktionalitäten demnach auch. Da es sich um eine Web-Entwicklung handelt, greifen HTML5-Apps über einen Webbrowser auf Inhalte zu.
  • Eine native App ist eine spezifische Anwendungssoftware für ein mobiles Betriebssystem (OS). Sie wird direkt auf dem Device installiert und interagiert über das Betriebssystem ohne Umwege mit der Hardware des jeweiligen Geräts. Im Prinzip stehen so alle Funktionalitäten des OS und des Geräts zur Verfügung.

Die jeweiligen Vorteile
Da es sich bei HTML5 um einen quasi Webstandard handelt und er ohne zusätzliche Plug-Ins auskommt, sind darauf basierte Apps im Prinzip unabhängig von der Geräteklasse (Smartphone oder Tablet), vom Gerätetyp (z.B. Hardware, Bildschirmgröße etc.) und vom eingesetzten OS (z.B. iOS, Android, Windows-Derivate etc.). In Kombination mit dem Design- und Technologieansatz „Responsive Webdesign“ kann sich eine HTML5-basierte App automatisch den jeweiligen Eigenschaften des aufrufenden mobilen Endgeräts anpassen. Dadurch muss sich die IT/Entwicklung nur um eine App kümmern und die Anwender können mit beliebigen Devices darauf zugreifen.

Eine native App lebt von der engen „Verdrahtung“ mit dem jeweiligen Betriebssystem und der Gerätehardware. Dadurch erreicht sie ein nicht zu übertreffendes Maß an Usability, Performance, Funktionalitätsdichte und Look&Feel. Sie passt sich nativ ihrer Umgebung an. Entwickler finden ein gut dokumentiertes Rahmenwerk vor und können bei Bedarf jedes Feature des Geräts ansteuern und pointierte Lösungen umsetzen. Anwender können nach den bekannten Bedienparadigmen mit der App interagieren und müssen keine Umwege über den Browser gehen. Dies erhöht nachweislich die Akzeptanz von mobilen Apps im Berufsalltag.

Die jeweiligen Nachteile
HTML5 ist nach wie vor nicht einheitlich als Standard verabschiedet worden. Es existieren zwei verschieden Arbeitsmodelle von W3C und WHATWG. Es handelt sich bei HTML5 also um einen „quasi de-facto-Standard“. Dies hat zur Folge, dass sich sowohl Entwickler als auch Anwender in die indirekte Abhängigkeit der Webbrowser-Anbieter begeben. Vorgenommene Spezifikationen an den Browsern haben direkte Auswirkungen auf HTML5-Apps. Features, die in der Vorgängerversion reibungslos funktionierten, können in der neuen Version Fehler verursachen. Durch die sehr kurzen Release-Zyklen im Browser-Umfeld sind also kontinuierliche Nachbesserungen von Nöten. Der Wartungsaufwand steigt, trotzdem nur eine App angeboten wird.
Dieser Technologie-Gap sorgt auch auf Anwenderseite für Probleme: Neben der Performance und dem Look&Feel, die bei nativen Apps besser bedient werden können, kann die Usability durch den (vorübergehenden) Wegfall von Features – und damit auch die Anwender-Akzeptanz – gefährdet werden.

Native Apps müssen für jedes mobile OS speziell entwickelt und angepasst werden. Der Entwicklungsaufwand ist bei einer fragmentierten Unternehmens-IT und bei der Unterstützung einer BYOD-Strategie als hoch einzustufen. Bei einer BYOD-Strategie laufen Anwender Gefahr, dass für ihre Devices entweder keine native App angeboten wird oder aber nur eine ältere Version gegenüber einem anderen OS zur Verfügung steht. Dies kann den Frustfaktor erhöhen.

Die Bedeutung für Mobile Business Intelligence (BI)

Wie bei allen Applikationen steht auch bei Mobile BI der Anwendernutzen im Vordergrund. Deshalb ist es für Unternehmen dringend notwendig, gemäß der dargelegten Vorteils-/Nachteils-Argumentation, eine Mobile-BI-Strategie aufzusetzen, die Hand in Hand mit der allgemeinen Mobility-Strategie geht.

Führt man sich aktuelle Marktzahlen im mobilen Bereich vor Augen, ist anders als im Consumer-Bereich, die Fragmentierung in der Geschäftswelt nicht gravierend. Bei den mobilen Betriebssystemen in der Geschäftswelt führt in Deutschland, nach aktuellen Daten der Marktforscher von Lünendonk, Apple iOS mit 74,4 Prozent Marktanteil, mit weitem Abstand gefolgt von Blackberry mit 47,8 Prozent und Android mit 45,6 Prozent* (* Mehrfachnennungen waren in der Umfrage möglich).
An Apples Führungsrolle dürfte sich angesichts der Business-Funktionen von iOS 7 auch in naher Zukunft wenig ändern. Auch hinsichtlich des Themas Bring-your-own-device BYOD ist die Stimmung, laut den Analysten von Forrester, in Europa verhalten. Bislang sind nur 15 Prozent der europäischen Unternehmen über die Pilotphase hinausgekommen. Lediglich 9 Prozent davon beziehen Tablets in die Strategie mit ein.

Unternehmen, die hinsichtlich der Mobilmachung von Business Intelligence beziehungsweise im Hinblick auf die Enterprise-Mobility-Strategie keinen BYOD-Ansatz verfolgen, sind in den essentiellen Bereichen Performance, Usability, Look&Feel, Wartung und Support mit nativen Apps also nach wie vor gut beraten. Thomas Martens/hei

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