SAS will Business Intelligence industrialisieren

SAS will Business Intelligence industrialisieren

Mit einer Gleichteil-basierten Analyse-Plattform sollen Unternehmen laut SAS Institute die Kosten senken und die Zahl der Projekte verdoppeln. Als Betriebsmodelle stehen On Premise und Cloud zur Wahl.

Als Vorbild dient mal wieder die Automobilindustrie. Pkw-Hersteller fertigen ihre Modellvarianten auf Basis einer gemeinsamen Plattform und speren dadurch enorme Summen. Unter dem Banner Analytic Factory will SAS Institute dieses Prinzip auf Business-Intelligence-Landschaften übertragen: „Bis zu 80 Prozent der Anforderungen der verschiedenen Analytik-Module in einem Unternehmen sind identisch“, erläutert Wolf Lichtenstein, Vicepresident Region DACH und Geschäftsführer Deutschland des Business Analytics Spezialanbieters SAS Institute. „In einem Hub&Spoke-Ansatz stellen wir sämtliche identischen Komponenten an zentraler Stelle bereit, wo sie einmal entwickelt und gepflegt, aber vielfach genutzt werden.“

Analytics-Projekte sollen nur die Hälfte kosten
Die Vorteile der Industrialisierung soll in der IT ähnlich groß ausfallen wie in der Automobilindustrie: im Endausbau könnten laut Lichtenstein die Kosten für BI-Projekte um bis zu 50 Prozent sinken, während die IT-Mannschaft gleichzeitig doppelt so viele Projekte betreut.“

Als praktisches Beispiel der Analytic Factory nennt Jim Davis, Vice President und Chief Marketing Officer von SAS Institute USA, die jüngste Version der SAS Customer Intelligence Suite: „In der Vergangenheit haben wir Applikationen für Marketing Automation, Marketing Optimization und Social Media Analysis verkauft. Jedes Modul hat seine Daten selbst verarbeitet. Beim Hub&-Spoke-Ansatz liegen die Analyselogik, die Datenverarbeitung und die Kontrolle der Datenqualität an einer zentralen Stelle.“

Virtual Applications für die Cloud
Die technologische Basis für die Analytic Factory bildet die im Juli dieses Jahres vorgestellte Version 9.4. der SAS Analytics Plattform. Zu den wesentlichen neuen Eigenschaften dieser Plattform gehört, dass die Software in Form von sogenannten Virtual Applications (vApps) bereitgestellt wird. Diese vApps enthalten neben der jeweiligen SAS-Software auch die benötigten Infrastrukturkomponenten wie Betriebssystem, Application Server, Webserver und gegebenenfalls eine Datenbank.

„Bei den Virtual Applications bündeln wir sämtliche Funktionalitäten in einem App-Server und liefern ein Framework für Monitoring und Management dazu“, erläutert Andreas Diggelmann, Vice President Research and Development, Analytics and Strategy bei SAS.

„Bei den Virtual Applications bündeln wir sämtliche Funktionalitäten in einem App-Server und liefern ein Framework für Monitoring und Management dazu“, erläutert Andreas Diggelmann, Vice President Research and Development, Analytics and Strategy bei SAS.

„Wir bündeln sämtliche Funktionalitäten in einer Virtual App und liefern ein Framework für Monitoring und Management dazu“, erläutert Andreas Diggelmann, Vice President Research and Development, Analytics and Strategy bei SAS. „Konfiguration und Optimierung haben wir für die vApps bereits durchgeführt. Das beschleunigt das Deployment.“ SAS übernimmt für sämtliche Komponenten die Wartung.

Die vApps laufen sowohl in einer klassischen On-Premise-Landschaft als auch in der Cloud. Der Betreiber der Cloud kann ein zum Unternehmen gehörender IT-Dienstleister sein (private Cloud), ein externer Infrastrukturanbieter (Public Cloud) oder auch SAS Institute im Rahmen eines Hosting-Vertrags. „Unternehmen können einzelne oder alle Module der BI-Landschaft oder auch den zentralen Hub in die Cloud verlagern“, erläutert Vice President Davis.

Interaktive Analyse lockt Nicht-Statistiker
Zeitgleich zur SAS Analytics Platform 9.4 ist eine neue Version des SAS Visual Analytics Explorer auf den Markt gekommen. Dieses Modul stellt eine Self Service-Umgebung für die grafische Analyse bereit, die sich an Fachanwender richtet. Mit Hilfe der interaktiven Visualisierung sollen auch Anwender ohne ausgeprägte Statistikkenntnisse durch die Daten navigieren und Zusammenhänge entdecken können.

Laut Entwicklungschef Diggelmann bringt SAS künftig alle sechs Monate ein neues Release dieser Komponente. Die jüngste Version sei an zwei Stellen erweitert worden: zum einen enthalte sie neue Algorithmen und Visualisierungsmöglichkeiten, zum anderen habe SAS im Rahmen des Kundenfeedbacks einige Funktionen hinzugefügt, welche Anwender klassischerweise in MS Excel nutzen.

Der Umgang mit dem SAS Visual Analytics Explorer kommt laut Diggelmann in vielen Unternehmen einem Kulturwandel gleich: „Die Anwender müssen keine Statistiker sein, aber sie sollten ein analytisches Interesse haben und gerne Hypothesen anhand von Zahlenauswertungen überprüfen. Sofern diese Denke vorhanden ist, fangen die Fachabteilungen sehr schnell an, sich spielerisch der Analytik zu nähern. Ist allerdings eine solche Kultur noch nicht vorhanden, richten die Unternehmen am besten ein zentrales Analytics-Lab ein und laden die Fachbereiche dorthin ein. Das ist einfacher, als wenn jeder Fachbereich ein eigenes BI-Projekt entwickelt.“

Fertigungsindustrie wird größter Datenproduzent
Parallel zur Industrialisierung der BI-Landschaft erweitert SAS Institute seinen Branchenfokus in Richtung Fertigungsindustrie: „Bisher war Analytik in der Fertigungsindustrie hauptsächlich in der Qualitätskontrolle im Einsatz“, erläutert der Deutschland-Geschäftsführer Lichtenstein. Neuere Anwendungen sind die Überwachung des Fertigungsprozesses und Predictive Asset Management. Weiterhin erarbeitet SAS Institute zusammen mit Großkunden Business Cases für zusätzliche Einsatzbereiche.

Mittelfristig soll die Fertigungsindustrie laut Prognosen von Marktbeobachtern zum weltweit größten Produzenten von Daten aller Art werden. Um diesen Markt zu erschließen, hat das Unternehmen im April in Deutschland ein Center of Excellence für den Industriesektor eingerichtet. Ziel ist es, den Kunden eine faktenbasierte zukunftsorientierte Analyse von Big Data im Umfeld von Industrie 4.0 anzubieten. jf

Kommentare sind deaktiviert