SAP HANA Marketplace: Schaufenster für Business Solutions - is report

SAP HANA Marketplace: Schaufenster für Business Solutions

Mit Apps aus dem Web-Store will die SAP Fachabteilungen ansprechen. Wegen der komplizierten übergreifenden Lizenzierung beschaffen aber nur wenige Unternehmen SAP-Software ohne Rücksprache mit der IT.

Mit dem  in den SAP Store eingebetteten SAP HANA Marketplace verfolgt SAP die Vision eines Internet-Marktplatzes für Business Software. Als Vorbild gilt der Apple App-Store iTunes. „Wir wollen unseren Kunden ein One Stop Shopping für Lösungen auf Basis von SAP HANA geben und sie dabei unterstützen, wenn sie diese Lösungen kennenlernen und testen wollen“, berichtet Matthias Haendly, Vice President Product Marketing bei SAP. Über die Cloud-Infrastruktur des SAP Store sei es möglich, den Unternehmen eine Software sehr schnell zur Verfügung zu stellen. Produkte, die in der SAP- oder der Amazon-Cloud liefen, seien bereits innerhalb einer Stunde verfügbar.
Ergänzende Software mit einem unmittelbaren Nutzen

Aktuell enthält der SAP HANA Marketplace etwa 50 Anwendungen von SAP selbst und von Partnern. „Insbesondere Fachabteilungen sind bereit, ergänzende Software, die ihnen einen unmittelbaren Nutzen bringt, über das Web zu beziehen“, berichtet Haendly. Meist seien dies kleine Anwendungen, welche die tägliche Arbeit unterstützen und ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen. „Cloud-Anwendungen erfordern kein großes Commitment, weil die Unternehmen dafür keine Hardware anschaffen und diese auch nicht aufwändig implementieren müssen“, erläutert Haendly. „Stattdessen lassen sie sich bei Bedarf auch für einen begrenzten Zeitraum mieten.“

Als Beispiel für einen begrenzten Zeitraum nennt der SAP-Marketier den Proof of Concept, also ein Projekt, dass die Machbarkeit und den Nutzen einer größeren Applikation belegen soll. Als Beispiel für eine kleine App verweist Haendly auf SAP Mobile Documents. Mit dieser Anwendung ließe sich nach dem Vorbild von Dropbox in Arbeitsgruppen Dokumente teilen, im Gegensatz zum Vorbild allerdings abgesichert und verschlüsselt.

Lumira-SAP-Market

Über das Self-Service Business-Intelligence-Tool SAP Lumira können Anwender Datendiagramme erstellen und mit Kollegen teilen.

Auf der Hausmesse Sapphire hatten die Walldorfer im vergangene Jahr die App-Sammlung SAP Fiori (italienisch: Blumen) und das Analysewerkzeug SAP Lumira vorgestellt. SAP Fiori umfasst 25 Apps, mit denen sich beispielsweise Rechnungen, Reisekostenabrechnungen oder Kundenaufträge auf Mobilgeräten bearbeiten lassen. Die Apps ließen sich den Nutzerrollen Manager, Angestellter, Vertriebsmitarbeiter und Einkäufer zuordnen. SAP Lumira stellt eine überarbeitete Version der Business-Intelligence-Lösung SAP Visual Intelligence dar. Anwender könnten mit diesem Self-Service-Tool Datendiagramme erstellen und mit Kollegen teilen. Die Enterprise Edition koste 22 Euro pro Anwender und Monat.

SAP HANA Infrastruktur im Abonnement betreiben

Anwendungen auf Basis der In-Memory-Datenbank SAP HANA stehen im Fokus von SAP HANA Marketplace. Haendly verweist auf die abonnementbasierte Option für die SAP HANA Infrastruktur, die Testversion von SAP BW powered by SAP HANA sowie die Applikation SAP Sales and Operations Planning. Die abonnementbasierte SAP HANA Infrastruktur soll eine Implementierung von Applikationen innerhalb weniger Minuten ermöglichen. Kunden und Partner hätten die Möglichkeit, die Infrastruktur mittels ihrer SAP HANA-Lizenz direkt vom SAP HANA Marketplace aus aufzurufen.

Über die Textversion von SAP BW powered by SAP HANA könnten Anwender im Praxisbetrieb nachvollziehen, wie die In-Memory-Datenbank auch SAP BW beschleunige. Mit der Web-Applikation SAP Sales and Operations Planning könnten Unternehmen Geschäftsabläufe im Verkauf und im Marketing planen, automatisieren und den Erfolg analysieren.

Neben den Unternehmen sind auch die SAP Partner eine Zielgruppe des SAP HANA Marketplace. Der Web-Marktplatz biete nicht nur eine Plattform für den Vertrieb von Part­nerlösungen, sondern auch eine Möglichkeit für Entwickler, um Ideen auszutauschen und gemeinsam Produkte zu entwickeln. Zertifizierte Lösungen erhielten das Label „powered by SAP HANA“. Sowie die Zahl der im Marketplace verfügbaren Lösungen zunimmt, sollen weitere Funktionen hinzukommen, beispielsweise das Beurteilen von Entwicklern und Systemintegratoren.

Der Web-Store dient als Schaufenster für SAP-Partner

Ob Fachabteilungen und IT-Abteilungen künftig bereit sind, auch größere Anwendungen über das Web zu beziehen, erscheint nach den Erfahrungen aus dem Web-Store von SAP Business ByDesign unklar. Laut den Aussagen von Rainer Zinow, Senior Vice President der SAP Cloud Unit, kauften die Kunden dort im vergangenen Jahr vorrangig kleinere Erweiterungen: „Bei Branchenlösungen informieren sich Interessenten zunächst im App-Store und nehmen dann Kontakt mit dem jeweiligen Partner auf. Der App-Store ähnelt momentan einem Schaufenster, in dem Partner ihr Branchen-Know-how darstellen. Den durchgängigen elektronischen Einkauf einer solchen Lösung nutzen die Unternehmen bislang eher selten.“

Andreas Giraud_DSAG

„Für die Unternehmen muss auch nach dem Kauf einer App transparent sein, welche Folgekosten durch deren Betrieb und Betreuung entstehen“, fordert Andreas Giraud, Mitglied im Vorstand, Fachressort Technologie, der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe DSAG.

Andreas Giraud, Mitglied im Vorstand der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe DSAG, Fachressort Technologie, verzeichnet bislang sehr wenige Rückmeldungen der SAP-Anwender zum SAP HANA Marketplace. Als Portal für Informationen über neue Anwendungen eigne sich der Web-Marktplatz. Beim Kauf von Applikationen gebe es allerdings mehrere Hürden: zentral geregelte Einkaufsprozesse, die Lizenzierung, den unter Umständen komplexer werdenden Betrieb des SAP-Systems und Sicherheitsbestimmungen in den Unternehmen, die den Einsatz von Applikationen verbieten, die über das Internet bezogen wurden.

Ohne die IT-Abteilung finden kaum App-Käufe statt

Die Prozesse für den Einkauf von Software regeln Unternehmen laut Giraud unterschiedlich. In den meisten Fällen stimme eine Einkaufsabteilung die Software-Bestellungen mit dem SAP-Hauptansprechpartner im Unternehmen ab – alleine schon wegen der Preisverhandlung. Der Fachbereich könne zwar die Apps auswählen, in der Regel hätten die Endanwender aber nicht die Berechtigung, über den Einsatz von Software zu bestimmen.

Bezüglich der Lizenzierung seien im Marketplace zwar die technischen Abhängigkeiten der Apps aufgeführt. Die Lizenzierung der Backend-Software sei aber so komplex, so dass eine Kaufentscheidung immer der Rücksprache mit der IT-Abteilung und dem SAP Account Manager bedürfe. Weil einige Apps entsprechende Software im Backend benötigten, machten sie möglicherweise den Betrieb des SAP-Systems komplexer. Auch hier sei eine Rücksprache mit der IT-Abteilung unerlässlich. Eine weitere Hürde stellten die Sicherheitsbestimmungen in vielen Unternehmen dar, die es verhinderten, dass Anwender auf geschäftlich genutzten Smartphones und Tablets zusätzliche Software installieren.

In vielen Unternehmen fänden Einkauf, Bereitstellung und Betrieb an unterschiedlichen Stellen statt. Von daher sei nicht zu erwarten, dass schon bald Tausende von Endkunden im SAP HANA Marketplace einkaufen. Das würde sich erst dann ändern, wenn SAP auch für Endkunden integrierte Preis-Angebote anbiete. „Nötig ist ein sehr einfaches Lizenzmodell, das eine Kombination mit den Backend-Lizenzen berücksichtigt“, fordert Giraud. „Für die Unternehmen muss auch nach dem Kauf transparent sein, welche Folgekosten durch Betrieb und die Betreuung einer App entstehen. Schließlich will niemand ungeplant seine Lizenzmenge überschreiten.“ jf

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