
Sie sind hier:
Startseite
News

Die Volatilität verändert alles: „Controller finden heute keine Konjunkturzyklen mehr vor, auf die sie sich einstellen können“, berichtet Dr. Uwe Michel, Mitglied des Vorstands von Horváth & Partners Management Consulting, der im September erstmals das Stuttgarter Controller-Forum leitet. „Die wirtschaftlichen Schwankungen werden häufiger, gleichzeitig nimmt die Intensität der Ausschläge zu.“ Früher hätten sich Unternehmen auf planbare Zyklen einstellen können und wussten, wann sie investieren sollten und wann besser nicht. „Antizyklisches Handeln war häufig richtig.“
Das gilt zwar im Prinzip noch immer, doch der Zyklus lässt sich nur noch sehr schwer prognostizieren. Controller versuchen, den Zeitpunkt, die Stärke und Länge des nächsten Ausschlags vorherzusehen und das Management von entsprechenden Maßnahmen zu überzeugen.
Bei der Fülle an Kennzahlen und Steuerungsinformationen ist laut Michel der strenge Fokus auf die wirklich relevanten Daten wichtig. Planung, Reporting und Forecasting müssten stets mit den gleichen Kennzahlen arbeiten. Nur dann sei eine Vergleichbarkeit hergestellt. Die Kennzahlen sollen nicht nur das Unternehmen als Ganzes, sondern auch die oft weltweit vernetzte Wertschöpfungskette abbilden: „Controller müssen erfassen und prognostizieren, wie sich beispielsweise Änderungen der Nachfrage in China an anderen Stellen im Unternehmen auswirken, etwa der Supply Chain in Europa,.“
Strategische Ziele sind ebenso wichtig wie Finanzdaten
Zu den Leading Indicators, also den vorlaufenden Indikatoren, gehören laut Michel nicht alleine die Finanzdaten, sondern auch Informationen mit Bezug zu den strategischen Zielen des Unternehmens, zu den Märkten, zu den Kunden und zum Wettbewerb. „Wenn diese Informationen nicht nur in Reports und Forecasts zur Verfügung gestellt, sondern regelmäßig in Meetings diskutiert werden, können die Manager daraus Maßnahmen für die Zukunft ableiten. “
Sehr wichtig dabei sei die Geschwindigkeit: „Es macht einen großen Unterschied, ob das Management die Informationen zeitnah bekommt oder erst im nächsten Monatsbericht, der mehrere Wochen hinterher hinkt.“
Frühwarnsysteme habe die Managementlehre bereits vor zwanzig Jahren unter dem Banner Risikomanagement entwickelt. Diese Lehren hätten sich bislang nicht durchgesetzt, was sich laut Michel ändern dürfte: „Die Unternehmen werden schrittweise ein Risikomanagement einführen, weil sie das angesichts der Volatilität einfach brauchen.“
Ein wichtiger Teil der Risikovorsorge ist die sogenannte Szenario-Technik, die sich damit beschäftigt, wie sich Unternehmen mit Eventualplänen beispielsweise auf mögliche Konjunkturflauten einstellen. Auf dieser Basis entstehen Eventualpläne. „Wenn man merkt, dass eine gefährliche Entwicklung eintritt, ist es immer besser, einen Plan B in der Schublade zu haben“, erläutert Michel das Prinzip.
Anzeige
is report Business Intelligence Guide 2012/2013
Der neue is report Business Intelligence Guide 2012/2013 wird gerade produziert.
Nähere Informationen und einen Buchungscoupon finden Sie hier.
Bei Fragen steht Ihnen Herr Raupach unter 089 / 90 48 62 - 30 oder sraupach@isreport.de gerne zur Verfügung.
Rollierende Forecasts erleichtern die Budget-Erstellung
Im vergangenen Jahr war auf dem Stuttgarter Controller-Forum eine verstärkte Forderung nach sogenannten rollierenden Forecasts zu hören. Dieser Begriff bezeichnet eine periodenorientierte Planungsform, bei der Planungen nach bestimmten Zeitintervallen aktualisiert, konkretisiert oder überarbeitet werden. „Ein typischer Vorlauf beträgt vier bis sechs Quartale“, berichtet Michel aus seiner Beratungspraxis.
Die Hauptmotivation für die Einführung solcher Forecasts sei der Versuch, auf die Volatilität zu reagieren. Hinzu kämen Synergieeffekte: bei einem rollierenden Forecast entstehe das Budget oftmals quasi als Nebenprodukt. Dem ursprünglichen Aufwand steht also später möglicherweise eine Entlastung gegenüber.
Bei der Einführung von rollierenden Forecasts müssen Unternehmen laut Michel darauf achten, dass sie sich auf die relevanten Größen konzentrieren und nicht etwa versuchen, sämtliche Einzelgrößen aus Monats- oder Quartalsreports in den Forecast zu integrieren. Da die Finanzabteilung für rollierende Forecasts keine zusätzlichen Mitarbeiter bekomme, müsse sich der Aufwand dafür in engen Grenzen halten.
In der Praxis beobachtet Michel zwei Möglichkeiten der rollierenden Planung: „Manche Unternehmen fragen bottom up die Einschätzungen derjenigen Manager ab, die Kontakt zum Kunden und Märkten haben und das künftige Bestellverhalten einschätzen können. Die Alternative zu dieser eher zeitintensiven Methode ist eine Automatisierung über statistische Verfahren. Dabei sind die Ergebnisse nicht unbedingt schlechter.“ Auch eine Kombination beider Varianten sei möglich: man fragt die Einschätzungen der Verkäufer ab und fährt eine statistische Auswertung dagegen.
Zukunftsprognosen nach Art eines Wetterberichts
Beim Stichwort ‚statistische Auswertung’ kommen IT-Systeme ins Spiel, und an denen hat Michel einiges auszusetzen: „Controlling-Systeme sind heute oftmals zu starr, vergangenheitsorientiert und bisweilen aufgebläht und bürokratisch.“ Zumindest die Aufblähung lässt sich nach Einschätzung des Controlling-Experten jedoch gar nicht vermeiden: „Künftige Systeme müssen mehr Informationen verarbeiten als heute, und es wird immer aufwändiger, die Daten so vorzuhalten, dass Controller daraus strukturierte Ableitungen herstellen können.“
Unverzichtbare Hilfswerkzeuge für die Ableitung von Schlussfolgerungen und das Entwickeln von Notfallszenarien sind Business-Intelligence (BI)-Tools. Laut Michel werden die sich nicht nur in Sachen Geschwindigkeit, sondern auch in der Analyse- und Prognosefähigkeit weiterentwickeln: „Die Meteorologen sagen heute voraus, wann, wo und in welcher Stärke ein Unwetter kommt.
Solche Prognosen werden künftige Business-Intelligence-Systeme auch leisten müssen.“ Wenig verwunderlich ist der Trend zur Mobilität: Künftige Systeme würden nicht nur Papier ausspucken, sondern den Anwendern die Ergebnisse ortunabhängig auf Smartphones und Tablet-PCs präsentieren.
Die benutzerfreundliche Darstellung lässt laut Michel oftmals zu wünschen übrig: „Viele Systeme geben noch immer lange und unübersichtliche Zahlenkolonnen aus. Unsere Berater entwerfen in Kundenprojekten benutzerfreundliche Layouts und sorgen über Schnittstellen dafür, dass die notwendigen Daten da hinein laufen. jf