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DSAG kritisiert Mittelstandsofferte für SAP-HANA

Die SAP bietet ihre In-Memory-Datenbank HANA auch im Mittelstand an. Doch die SAP-Anwendervertretung DSAG winkt bislang ab: Das Vertriebskonzept sei lückenhaft und es fehlten Szenarien für Einstieg und Skalierung.

Montag 27. Februar 2012
„Auch wenn das finale Pricing noch nicht fest steht, befürchten wir, dass die In-Memory-Technologie für große Teile des klassischen Mittelstandes schlichtweg zu teuer ist“, erklärt Marco Lenck, Vorstand Technologie der Deutschsprachigen SAP-Anwendervereinigung DSAG.

Das Pricing für die Mittelstandspakete auf Basis der In-Memory-Datenbank hat die SAP noch nicht genannt. Dennoch kritisiert die SAP-Anwendervereinigung DSAG das Angebot der Walldorfer als „bedingt tauglich für den Mittelstand“. Der erste Kritikpunkt betrifft laut DSAG-Technologievorstand Marco Lenck das Vertriebskonzept: „SAP hat zwei Produkte vorgestellt, SAP HANA für Business One und SAP HANA Edge Version. Das erstgenannte Paket richtet sich ausschließlich an Anwender von SAP Business One, also den kleinen Mittelstand. SAP Hana Edge Version zielt auf Anwender von SAP All-in-One, ist aber nur über den Channel erhältlich, also für indirekt betreute Kunden. Anwender, die von der SAP direkt betreut werden, haben momentan keine Möglichkeit, dieses Paket zu bekommen. Auch SAP ERP-Kunden bleiben außen vor. Das muss sich ändern.“

Nun kann man sicherlich davon ausgehen, dass die SAP bald einen Weg findet, wie alle kaufwilligen Anwender SAP HANA bekommen. Neben dem Vertriebskonzept sollten die Walldorfer laut Lenck auch Einstiegsszenarien und ein Skalierungsmodell schaffen. Beides sei noch nicht zufriedenstellend: „Unsere Mitglieder fragen, wie typische SAP-Anwender mit einem kleinen Projekt in die In-Memory-Technologie einsteigen und später nach oben skalieren könnnen. Genau hier ist die SAP HANA Edge Version limitiert, denn das Pricing gilt bis zu einer maximalen Systemgröße von 64 Gigabyte und einer maximalen Datenbankgröße von 32 Gigabyte. Eine Skalierung nach oben ist derzeit nicht vorgesehen.“

Unabhängig von der Kritik am aktuellen Angebot war SAP HANA eines der zentralen Themen der DSAG-Technologietage in Nürnberg. Die Anwender interessieren sich besonders für Business Cases. „Eine Rentabilitätsberechnung für die In-Memory-Technologie muss jedes Unternehmen selbst durchführen“, erklärt Lenck. Bausteine dafür seien der Kaufpreis für Lizenzen und Hardware, die Implementierungskosten sowie sowie der Aufwand für die Umschulung der Datenbankadministratoren und ETL-Verantwortlichen (Extraktion, Transformation, Laden). Auf der Haben-Seite stehe der Nutzengewinn: „Hier kalkulieren Unternehmen, wie sie durch SAP HANA ihre Infrastruktur vereinfachen und den Administrationsaufwand senken, weil sie bei Business-Intelligence-Anwendungen Aggregate sparen“, erläutert Lenck. „Weiteren Nutzen bieten Auswertungen, die vorher nicht möglich waren.“ Die schlichte Beschleunigung einer Anwendung sei zwar für Anwender interessant, lasse sich aber nur schwer betriebswirtschaftlich darstellen. Trotz aller Rechenmodelle zeigt sich Lenck skeptisch, dass Mittelständler in großem Stil von SAP HANA profitieren können: „Auch wenn das Pricing noch nicht fest steht, befürchten wir, dass die In-Memory-Technologie für große Teile des klassischen Mittelstandes schlichtweg zu teuer ist.“

Um Einsteiger an die Hand zu nehmen, plant der CIO-Kreis der DSAG in Zukunft beispielhafte Business Cases zu rechnen. „Wir wollen unsere Diskussion darauf fokussieren, welche Einflüsse SAP HANA auf die Geschäftsprozesse hat, und wie die Unternehmen damit die Administration verschlanken und den Betriebsaufwand für das System reduzieren können“, erläutert Lenck.

Auf der Wunschliste der Anwendervertreter steht eine Erweiterung der System Landscape Governance. Es handelt sich dabei um Leitlinien der SAP, die aufzeigen, wie die beste Wahl für Anwender aussieht, um ihre Systeme für einen bestimmten Anwendungsbereich aufzusetzen. Wer sich in diesen allgemeinen Empfehlungen nicht wiederfindet, bekommt Ausweichmöglichkeiten, wie er sein System sinnvoll konfigurieren kann. Die dritte Möglichkeit stellen Individualimplementierungen dar, die Unternehmen für Prozesse aufsetzen, mit denen sie sich dezidiert vom Wettbewerb absetzen wollen.

Mobilanwendungen waren ein weiteres Thema der DSAG-Technologietage. Auch hier wünschen sich die Anwendervertreter von der SAP konkrete Empfehlungen, wie sich diese Technologie in eine Systemlandschaft integrieren lässt. Eine interessante Möglichkeit wäre es, die Plattform für Mobilgeräte als On-Demand-Lösung von der SAP zuzukaufen. Dann müssten Unternehmen lediglich eine Verbindung von der Cloud-Plattform in ihr ERP-System schaffen. „Blueprints dieser Art könnten wir für die mobilen Lösungen der SAP sehr gut gebrauchen“, erläutert Lenck. jf

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