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SAP setzt auf Echtzeit-Computing

In Memory, On Demand und mobiler Zugriff – das sind die Eckpfeiler von SAPs Produktstrategie. Mit allen drei Technologien sollen Kunden ihre IT-Systeme unterbrechungsfrei erweitern können.

Freitag 21. Mai 2010
SAPs CO-CEO Jim Hagemann Snabe stellt auf der Kundenkonferenz Sapphire die Produktstrategie des Softwarekonzerns vor.

Die neue Doppelspitze der SAP hat auf der Kundenkonferenz Sapphire die künftige Produktstrategie des Softwarekonzerns vorgestellt. Jim Hagemann Snabe in Frankfurt und Bill McDermott in Orlando hoben hervor, dass die Globalisierung, die Konsolidierung von Branchen und Märkten, die zunehmende Mobilität und das rasante Anwachsen von Datenmengen das heutige Wirtschaftsleben deutlich beeinflussen werden. SAP unterstütze ihre Kunden daher mit einer Produktstrategie, die auf drei Säulen beruht:  klassische Vor-Ort-Installationen (On-Premise),  über das Internet zur Verfügung gestellte Software (On-Demand) und Lösungen für mobile Endgeräte (On-Device).

SAP will Marktführerschaft bei On-Demand-Software

"Wir betreten den On-Demand-Markt mit dem erklärten Ziel, Marktführer zu werden", betont Snabe . Zwei Ansätze seien für das On-Demand-Angebot der SAP dabei wesentlich: Erstens On-Demand als Erweiterung für Unternehmen, die Prozesse wie Vertriebsautomatisierung, Reisekostenabrechnung oder Talent Management ausbauen wollen. Zweitens On-Demand als umfassende Suite für Unternehmen, die planen, ihr komplettes Geschäft darüber zu führen. SAP will sicherstellen, dass die Angebote vernetzt auf einer stabilen und skalierbaren Plattform bereitgestellt werden. Die Technologieplattform SAP NetWeaver werde auch künftig eine wichtige Rolle spielen und bereichsübergreifendes Arbeiten in heterogenen IT-Landschaften ermöglichen.
 

Framework für Funktionserweiterungen

„Die meisten unserer Kunden betreiben heterogene IT-Landschaften, die sie weiterentwickeln wollen, ohne die bestehenden Systeme abzulösen“, erklärt SAP-CTO Vishal Sikka. „Wir haben ein Framework erschaffen, mit dem sich die heutigen IT-Systeme schrittweise und ohne Unterbrechung um neue Funktionalitäten erweitern lassen.“ Erweiterungsbedarf sieht Sikka in drei Bereichen: In-Memory-Technologie, Zugriff über Smartphones sowie On-Demand-Lösungen.

In-Memory-Technik beschleunigt die Analyse
Die In-Memory-Technologie lädt die Bewegungsdaten von unternehmensweiter Standardsoftware (ERP) in den Hauptspeicher, um schneller darauf zuzugreifen und sie in Echtzeit zu analysieren. Ausgangspunkt sind laut Sikka die enormen Fortschritte in der Hardware: „Die heutigen Blade-Server verfügen über 64 Prozessorkerne und 2 Terabyte Hauptspeicher. Diese Rechenpower nutzen wir für die Echtzeitanalyse.“
Ein weiterer technischer Kniff zur Beschleunigung der Analyse besteht darin, die Datenbanken nicht mehr wie bisher in Zeilen, sondern in Spalten abzulegen. Dabei lässt sich jedes Datenfeld als Index benutzen. Daten aus nicht benötigten Feldern werden bei Abfragen nicht eingelesen. Während die bisherige satzweise Speicherung die Daten lediglich um den Faktor zwei komprimiert, schrumpft der Umfang bei der spaltenorientierten Speicherung um den Faktor 20. Kombiniert man die In-Memory-Technik mit einer spaltenorientierten Datenbank beschleunigt sich die Antwortzeit bei der Abfrage um den Faktor 1000 bis 10000.

In-Memory-Technik läuft in mehreren Produkten
Aktuell läuft die In-Memory-Technik in mehreren Produkten: im SAP BusinessWarehouse-Accelerator, im SAP BusinessObjects Explorer Accelerator, in der Kundenmanagementlösung SAP CRM, im Supply-Chain-Modul Advanced Planner and Optimizer (APO) sowie im T-Rex-Data Warehouse der On-Demand-Suite SAP BusinessByDesign.
Neu ist eine Appliance namens Business Analytics, welche Echtzeit-Analysen von Daten aus operativen Systemen, Data-Warehose-Lösungen und dem Internet ermöglicht. Die zugrunde liegende Engine kombiniert die In-Memory-Technik mit Tools zur Datenmodellierung und zum Datenmanagement. Laut Sikka lassen sich die Appliances mit SAP ERP 6.0 sowie mit R/3 ab Version 4.6 koppeln. Es handelt sich dabei um Blade-Server von SAP-Partnern wie HP und IBM.

Smartphones sollen Desktop-Rechner erweitern
Der zweite Eckpfeiler von SAPs Produktstrategie ist der Zugriff auf ERP-Software von Mobilgeräten aus. „Der Desktop der Zukunft ist auf Mobilgeräten zu finden“, versichert SAPs CO-CEO Jim Hagemann Snabe. Damit die Walldorfer erfolgreich in diesen Markt einsteigen, haben sie die Übernahme von Sybase angekündigt, das sich unter anderem auf Datenbanken für Mobilgeräte spezialisiert hat, sowie auf Middleware, welche unterschiedliche Typen von Smartphones verwaltet.
„Die mobile Revolution steht noch am Anfang“, erläutert Sikka. Wir nehmen die Herausforderung an, unsere Produkte über ein Framework mit Mobilgeräten zu verbinden.“ Über die Sybase-Middleware will der SAP-CTO den Anwendern auf Iphones, Blackberrys, Android-Geräten und anderen Smartphones eine „native Benutzeroberfläche“ zur Verfügung stellen, welche die unterschiedlichen technischen Möglichkeiten der Geräte voll ausreizt. Bisher nutzt die SAP für diese Koppelung die Plattform Netweaver Mobile. Bereits 2009 hatte SAP eine strategische Partnerschaft mit Sybase geschlossen, um seine Unternehmenssoftware auf Smartphones verfügbar zu machen. Das erste Produkt dazu nennt sich Mobile Sales und richtet sich an Vertriebsmitarbeiter. Auch die jüngste Version von SAP BusinessByDesign unterstützt mobile Endgeräte.

On-Demand-Lösungen mit enger Integration
Die dritte Säule von SAPs Produktstrategie betrifft On-Demand-Computing. Die größte technische Herausforderung dabei besteht laut Sikka darin, das Master Data Management sowie Datensicherheit und Compliance mit dem Cloud-Gedanken zusammen zu bringen. Produktseitig unterstützt SAP das On-Demand-Prinzip in mehreren Varianten: SAP BusinessByDesign als komplette ERP-Suite, Funktionsmodule, wie die Sustainability Application zur Kontrolle von CO2-Emissionen, die sich an Inhouse-Systeme anflanschen lassen, und schließlich eine Infrastruktur für On-Demand-Anwendungen, welche die Walldorfer zusammen mit Partnern wie VMware, Cisco, IBM, HP und Amazon anbieten.

Einstiegsbarriere für SAP ByD gesenkt
Die On-Demand-Suite SAP BusinessBydesign werden die Walldorfer nach jahrelanger Verzögerung ab Ende Juli breit vermarkten. Im Featurepack 2.5 hat die Lösung eine Multitenant-Architektur bekommen. Ähnlich wie beim Cloud-Computing-Pionier Salesforce laufen nun die Instanzen mehrerer Kunden auf einem Server. In den früheren Versionen hatte SAP für jeden Kunden einen eigenen Blade-Server eingerichtet. Damit ließen sich allerdings die Betriebskosten nicht auf den angestrebten Wert senken.

Singe Tenancy oder Multi Tenancy zur Auswahl
Künftig können die Kunden frei entscheiden, ob sich einen Server mit mehreren Mandanten teilen (Multi Tenancy) oder einen dezidierten Server mieten (Single Tenancy). „Ich gehe davon aus, dass sich die große Mehrheit der Mittelstandskunden aus Kostengründen für die Multi-Tenancy-Variante entscheiden wird“, prognostiziert Eric Duffaut, Executive Vice President und General Manager Global SME Indirect Channel. „Großkonzerne mit scharfen internen Compliance-Richtlinien können eine Single-Tenancy-Variante wählen und diese auf Wunsch sogar in ihrer privaten Cloud betreiben.“
Mit 133 Euro pro Nutzer und Monat sind die Lizenzgebühren für SAP BusinessByDesign gleich geblieben. Die Mindestabnahme ist allerdings von ehemals 25 auf zehn Anwender geschrumpft. „Wir haben die Einstiegsbarriere gesenkt“, erläutert Duffaut. Zum Preisunterschied zwischen Multi- und Single-Tenancy macht er keine Angaben.

On-Demand-Vertrieb läuft über Lösungspartner
Der Vertrieb von SAP BusinessByDesign erfolgt laut Duffaut vorrangig über Partner. Diese können branchenspezifische Formulare und Reports für ihre Kunden erstellen, die Software um zusätzliche Funktionen erweitern, Mashup-Technologien wie Google oder Mapquest integrieren oder Services beispielsweise für die Personalabrechnung einbinden. Als technische Plattform will SAP den Lösungspartnern eine Cloud-basierte Entwicklungsumgebung auf Basis von Microsoft Visual Studio zur Verfügung stellen. Diese wird momentan von ausgewählten Partnern in Deutschland und den USA getestet und soll bis Jahresende allen Partnern zur Verfügung stehen.

SAP-ByD-Partner spielen wichtigen Part
Bislang läuft der Vertrieb von SAP BusinessByDesign über eine auf On-Demand-Produkte spezialisierte Mannschaft. Mittelfristig wird sich das laut Duffaut ändern: „In der Rampup-Phase leistet dieses Team den Support für andere Partner. Wenn sich der Vertrieb stabilisiert hat, werden wir auf einen Portfolio-Ansatz umsteigen. Entscheidend ist dann ausschließlich der Bedarf des Kunden. Es wird Partner geben, die sowohl Inhouse- als auch On-Demand-Produkte vertreiben. Diese haben dann üblicherweise für beide Produktlinien getrennte Verkaufsteams.“ Beim Vertrieb der On-Demand-Software konzentriert sich die SAP zunächst auf die USA, Deutschland Frankreich und Großbritannien. Später ist eine Ausdehnung auf Indien und China geplant.

Vertriebslösung fordert Salesforce heraus
Neu sind die Einstiegspakete von SAP BusinessByDesign, die den schnellen Start mit ausgewählten Funktionen ermöglichen sollen. Sie enthalten Kernfunktionaliäten für die Unternehmenssteuerung, das Projektmanagement oder die Vertriebssteuerung. Im Zuge ihres Wachstums können Kunden den Umfang der Lösung flexibel um zusätzliche Funktionen erweitern. „SAP will ähnlich wie Salesforce CRM-Funktionen im On-Demand-Modell anbieten“, erläutert PAC-Analyst Frank Niemann. „Kunden sollen in der Lage sein, mit der Vertriebslösung zu starten. Hier besteht bei vielen Unternehmen Bedarf und Interesse.“
„Die Abgrenzung zwischen SAP BusinessBydesign und SAP Business One scheint aktuell zu stimmen“, erläutert I2S-Analyst Frank Naujoks. „Mit SAP BusinessByDesign wollen die Walldorfer mehr als die zehn Mindestnutzer erreichen. Bei SAP Business One liegt nach unserer Schätzung die durchschnittliche Installationsgröße bei acht Nutzern.“
Zusammen mit Microsoft haben die Walldorfer das gemeinsame Projekt Duet Enterprise vorgestellt. Diese Technik verknüpft SAP Anwendungen mit Microsoft Sharepoint. Das erste Release soll Ende des Jahres erscheinen. Über sogenannte Template Starter Kits schaffen SAP und Microsoft die technische Basis für Erweiterungen von Lösungspartnern. Duet Enterprise ist das erste Produkt im Rahmen des Projekt Gateway. Es handelt sich dabei um ein Framework, welches Funktionen in unterschiedlichen Plattformen und Umgebungen darstellen soll. Jf

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