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„Mit dem Featurepack 2.5, das Mitte dieses Jahres erscheint, bekommt Business Bydesign eine Multi-Tenant-Architektur“, berichtet Peter Lorenz, Leiter SME Solutions bei der SAP, die größte Änderung des On-Demand-Produkts. Ähnlich wie bei der Cloud-Lösung Salesforce.com laufen dann die Instanzen mehrerer Kunden auf einem Server.
Bislang richtet SAP für jeden Kunden einen eigenen Blade-Server ein. Die Mandantenfähigkeit ist für die Walldorfer ein wichtiger Schritt, um die eigenen Betriebskosten für die Software deutlich zu senken.
Über die aus anderen SAP-Lösungen bekannten Mandanten-Konzept geht die neue Architektur deutlich hinaus, wie Rainer Zinow, Senior Vice President Business SAP ByDesign Strategic Solution Management, erklärt: „In der Business Suite gibt es den sogenannten Mandanten Null. Dessen Einstellungen werden an alle anderen Mandanten weitervererbt, die auf diesem System laufen.“ Großunternehmen nutzen diese Funktion, um die Einstellungen über mehrere SAP-Instanzen hinweg zu standardisieren. In der mandantenfähigen Version von SAP Business ByDesign ist eine solche Standardisierung nicht erwünscht. „Die verschiedenen Anwender dürfen und wollen voneinander nicht das geringste wissen“, erläutert Zinow. „Deshalb haben wir das Mandantenkonzept bis in die tiefsten Schichten so geändert, dass die Systeme völlig voneinander isoliert sind.“
Kundenspezifische Erweiterungen in eigener Programmschicht
Um Release-fähig zu sein, werden die Einstellungen für kundenspezifische Erweiterungen in einer eigenen Programmschicht gespeichert. So lässt sich das Kernmodul darunter zentral austauschen, ohne die individuellen Einstellungen anzutasten. Die Updates können beispielsweise nur nachts am Wochenende laufen“ berichtet Lorenz. „Wir zielen auf eine maximale Dauer von acht bis zehn Stunden.“
Wie SAP-Technikvorstand Jim Hagemann Snabe dem is report bereits im September berichtet hatte, plant SAP zusätzlich zur mandantenfähigen Version auch ein Single-Tenancy-Angebot von Business ByDesign. In der Codebasis unterscheiden sich die beiden Versionen nicht , wie Zinow erklärt: Die Single-Tenancy-Version würde schlicht auf einem dezidierten Server laufen. Dieses Angebot richte sich an Unternehmen mit einem besonders hohen Sicherheitsbedürfnis beziehungsweise sehr hohen Ansprüchen an die zeitliche Flexibilität von Upgrades. Da die Betriebskosten der Single-Tenancy aufgrund der dezidierten Betriebsmannschaft höher sind, müssten die Kunden dafür einen höheren Preis bezahlen. Einzelheiten darüber zum Preismodell stehen laut Zinow noch nicht fest.
Anwender können Bildschirmmasken personalisieren
Die zweite große Änderung von SAP Busines ByDesign in Featurepack 2.5 betrifft die Benutzeroberfläche. Es handelt sich um eine Rich Internet Architecture auf Basis von Microsoft Silverlight, bei der das Rendering für die Grafik vollständig entkoppelt abläuft. „Wenn es der Administrator genehmigt, können Anwender mit wenigen Klicks jede einzelne Maske in Aussehen und Funktion personalisieren“, erläutert Lorenz. IBIS-Vorstand Wolfgang Walz geht davon aus, dass die anpassbare Oberfläche nicht nur den Komfort der Anwender steigern, sondern die Betriebskosten der SAP senken soll: „Ursprünglich war es so gedacht, dass ein Anwender beim Hersteller anruft, wenn er eine Maske ändern will. Inzwischen haben die Walldorfer erkannt, dass derartige Anpassungen bei fast allen Unternehmen vorkommen. Daher haben sie eine Lösung entwickelt, bei der die Kunden ihre Änderungen selbst vornehmen.“
Microsoft Silverlight ermöglicht Zugriff über Mobilgeräte
Die Silverlight-Technologie ermöglicht auch den Zugriff über Mobilgeräte wie etwa IPhone, Blackberry oder Windows-Mobile-Smartphones. „Anwendung und Ablauflogik bleiben gleich, lediglich die Darstellung wird für die Mobilgeräte geändert“, so Lorenz. Die Daten für Kartendienste wie Google Maps werden extern gerechnet, nicht im Smartphone selbst. Ebenfalls über Silverlight realisiert wird die Anbindung an MS Excel sowie Mashup-Verknüpfungen etwa mit Google Maps oder einem Logistikdienst von FedEx. Der Zugriff auf diese Dienste erfolgt in einer eigenen Webservices-Schicht.
Excel erhält direkten Kontakt zur Analyse- und Suchmaschine
Auch in Sachen Echtzeit-Analyse stehen Erweiterungen an: Über ein Plugin bekommt MS Excel den direkten Kontakt zur Analyse- und Suchmaschine von SAP Business ByDesign. Dank des T-Rex-Datawarehouse werden sämtliche Transaktionsdaten im Hauptspeicher gehalten. Das beschleunigt den Zugriff darauf sowie die Auswertung über die integrierten Analysewerkzeuge von Business Objects.
Branchenfunktionen ab 2011
Den nächsten großen Schritt planen die Walldorfer für 2011: SAP Business ByDesign wird dann über eine separate Schicht verfügen, in der SAP-Partner Branchenfunktionen abbilden. Über ein Software Development Kit auf Basis von MS Visual Studio lassen sich eigene Business Objekte sowie zusätzliche Ablauflogik mit der Kernanwendung von SAP Business ByDesign verknüpfen. Die Architektur der Applikation wird dann aus drei Schichten bestehen, wie Zinow erklärt: „Die unterste Schicht ist der von SAP entwickelte und gewartete Standardquellcode. In der mittleren Schicht finden sich die Branchenerweiterungen der Partner, und in der oberen Schicht die Anpassungen der Kunden. Alle drei Ebenen sind völlig voneinander getrennt.“
Damit die Partner ihre Branchenlösungen kostengünstig erstellen können, bekommen sie Unterstützung aus Walldorf: „Wir gehen gerade Branche für Branche durch und ermitteln, welche Funktionalitäten der Software noch fehlen“, berichtet Zinow. „Funktionen mit Plattform-Charakter, etwa die Abbildung von Chargen oder Nachweise für regulierte Industrien kommen von der SAP selbst. Alles, was oben drauf läuft, etwa ein System für das Laborinformationsmanagement, können die Partner entwickeln und vermarkten.“
Vertriebspartner soll die Verbreitung beschleunigen
Die Branchenlösungen betrachtet SAP als Möglichkeit, Business Bydesign in den Massenmarkt zu bringen. „Der Hebel über Partner ist immer größer als der Hebel, den wir aus eigener Kraft realisieren können“. erklärt Zinow. „Wenn ein SAP-Dienstleister eine Branchenlösung erstellt, wird er Kooperationen mit Systemhäusern in anderen Regionen oder anderen Branchen anstreben.“ Aktuell bildet SAP Business ByDesign 30 Geschäftsprozesse aus den Zielbranchen Professional Services und diskrete Fertigung ab.
Internet-Marktplatz für Partnerlösungen
Für den Vertrieb dieser und weiterer Lösungen richtet SAP einen Internet-Marktplatz ein. Vorbild dafür ist der Apple-Store für Iphone-Applikationen sowie Microsofts Internet-Marktplatz für Branchenlösungen auf Basis der Dynamics-Produkte.
Derzeit hat SAP 18 Partner, die Branchenlösungen für SAP Business ByDesign entwickeln. Walz geht davon aus, dieser Vertriebsweg nach einem Ausbau die Verbreitung im Markt beschleunigen wird: „Spezialisierte Systemhäuser sind für den Vertrieb im Mittelstand deutlich besser aufgestellt als die Hersteller selbst. Microsoft hat den Vertrieb seiner Dynamics-Branchenlösungen sehr erfolgreich organisiert. Deswegen glaube ich, dass dieser Weg auch bei der SAP funktionieren wird.“ Dennoch werde es wohl noch einige Zeit dauern, bis die On-Demand-Lösung aus Walldorf Akzeptanz im Massenmarkt findet: „In den vergangenen zwei Jahren ist mit Business Bydesign eine Menge passiert. Es werden aber bestimmt noch mal zwei Jahre vergehen, bis eine größere Zahl guter Branchenlösungen verfügbar ist.“
Option für den Mittelstand
Positiv über SAP Business ByDesign äußert sich Frank Naukoks, Analyst von I2s: „SAP ist mit Business Bydesign auf einem guten Weg. Umfangreiche Funktionalitäten sind in einer Suite zusammengefasst und bilden den Unternehmensalltag und die Compliance-Anforderungen gut ab. Für einen Großteil der Unternehmen zwischen 50 und 500 Mitarbeitern aus den Branchen Professional Services und diskrete Fertigung stellt das Produkt eine prüfenswerte Option dar.“ jf
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