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„Es gibt keine allgemeingültige SAP-Strategie, die für jeden passt“, erklärt Thomas Otter, SAP Lead Analyst bei Gartner. „Jedes Unternehmen muss selbst die eigenen Erfordernisse mit der Produktpolitik von SAP abgleichen.“ Klarheit gewinnen IT-Leiter wenn sie verstehen, wie sich die SAP verändert hat: „Noch vor zehn Jahren hat in erster Linie die Produktentwicklung das Unternehmen bestimmt“, erinnert sich Otter. Vorstandsmitglieder wie Henning Kagermann oder Peter Zencke hatten selbst Programme entwickelt. Die meisten Entscheidungen waren daher technologiegetrieben. Heute hingegen sind im SAP-Vorstand die Verkaufsspezialisten wie Léo Apotheker am Ruder, und die würden nach Sales-Aspekten entscheiden. Als Beispiel hierfür nennt der Analyst die Preisgestaltung des Enterprise Support. Diese habe SAP weniger mit hauseigenen Beweggründen, sondern mit einem Vergleich zum Konkurrenten gerechtfertigt: „Oracle verlangt 22 Prozent, deshalb macht es SAP ebenfalls.“
Bestandskunden sollen das Wachstum tragen
Die Einsicht, vor welchen Herausforderungen die Hersteller gerade stehen, und wie sie gegenüber Konkurrenten agieren, ist hilfreich beim Entwickeln einer Strategie für die unternehmensweite Standardsoftware (ERP) im Unternehmen. „Der Markt für große ERP-Projekte schrumpft deutlich“, erklärt der Gartner-Analyst das Geschäftsklima der Walldorfer. „Das On-Demand-Produkt BusinessByDesign ist noch nicht marktreif, und der Umsatz mit den Business-Objects-Lösungen kann kurzfristig die Lücke nicht schließen.“ Die Konsequenz daraus: Während SAP noch vor einigen Jahren den Hauptteil ihres Geschäfts mit neuen Kunden gemacht hat, kommen heute rund 70 Prozent der Umsätze aus der Bestandskundenbasis. „Mangels neuer Kunden versucht SAP das Geschäft mit den Stammkunden hochzutreiben“, meint Otter. Beispiele hierfür seien der Verkauf zusätzlicher Business-Intelligence-Module oder die Erhöhung der Wartungsgebühr.
Konkurrenzumfeld hat sich grundlegend geändert
Auch das Konkurrenzumfeld für die Walldorfer hat sich grundlegend geändert: Vor zehn Jahren waren Best-of-Breed-Anbieter wie Siebel die wichtigsten Wettbewerber, heute hingegen ist es Oracle. Mit IBM rückt SAP enger zusammen: „Die Release-Zyklen der Datenbank IBM DB2 werden mit denen der SAP-Produkte synchronisiert“, berichtet Otter. „Außerdem haben IBM und SAP eine Vertriebspartnerschaft für DB2 geschlossen.“ Mit Microsoft pflegen die Walldorfer ein ambivalentes Verhältnis: einerseits herrscht eine harte Konkurrenz zwischen den Produkten Dynamics AX und NAV sowie SAP All in One und SAP Business One, andererseits kooperieren beide Hersteller bei Duet sowie in Sachen Business Intelligence. Die Redmonder empfehlen SAP BusinessObjects Plannig and Consolidation als bevorzugte Software für Kunden auf der Microsoft-Plattform.
BusinessObjects-Übernahme markiert Wendepunkt
Die Übernahme von Business Objects sieht Otter als Wendepunkt für die SAP: „Positiv werte ich den Einfluss von Business Objects auf die NetWeaver-Entwicklung. Das Sustainability Dashboard ist zudem ein gutes Beispiel, wie sich SAP und BusinessObjects einender annähern. Die vormals vergleichweise schwache Business-Intelligence-Strategie der Walldorfer werde über eine neue Produkt-Roadmap gestärkt. Allerdings werden laut SAP der Bex Analyzer und der Bex Report Designer nicht mehr eigenständig weitergeführt, sondern unter dem Codenamen Pioneer in die SAP BusinessObjects-Suite integriert. Anwender müssen die geänderte Roadmap nun dem eigenen Bedarf gegenüber stellen: „SAP-Verkäufer sind gerade sehr scharf darauf, die alten Bex-Produkte durch BusinessObjects-Angebote zu ersetzen“, berichtet Otter und warnt: „Die Anwender sollten sich den Funktionsumfang sehr genau ansehen, denn die BusinessObjects-Software und die alte Bex-Reihe überlappen sich nicht vollständig.“ Den Zeitpunkt eines möglichen Umstiegs sollten Unternehmen nach den eigenen Erfordernissen bestimmen und sich nicht durch die SAP drängen lassen. Ein Blick auf die Angebote anderer Hersteller sei hilfreich: „Im Business-Intelligence-Markt gibt es jede Menge Anbieter mit guten Produkten“ betont Otter. „Evaluieren Sie diese und treffen eine intelligente Entscheidung darüber, ob SAP BusinessObjects oder aber das Produkt eines anderen Herstellers Ihre Bedürfnisse am besten abdeckt.“
Stammkunden flirten mit Best-of-Breed-Herstellern
Der Blick ins Angebot von Drittherstellern ist in der einstmals sehr markentreuen SAP-Bestandskundenbasis inzwischen an der Tagesordnung. Als einen der Auslöser hierfür sieht Otter die Erhöhung der Wartungskosten: „In den vergangenen 18 Monaten beobachten wir, das viele der SAP-Stammkunden ihre Grundhaltung überdenken, nach der sie beim Systemausbau bisher oft ohne viel nachzufragen SAP-Produkte bevorzugt haben“, berichtet der Analyst. „Niemand will sein SAP-System komplett ablösen, denn das wäre viel zu teuer. Aber für Anwendungen außerhalb des Kernsystems sehen sich die Anwender Alternativen an. Entweder wollen sie damit die Abhängigkeit von einem Hersteller etwas reduzieren, oder aber sie wollen schlicht Verhandlungsdruck auf die Walldorfer ausüben.“
SAP-Module im Kernsystem und Best-of-Breed-Anwendungen in den Randbereichen, wo sich Innovationen abspielen – so die neue Strategie einiger altgedienter SAP-Anwender. SAP kontert mit dem Konzept der „Timeless Software“: Kernbereiche im System bleiben über Jahre stabil, während Enhancement Packages das System um neue Funktionen erweitern. Anwender können sich daraus diejenigen Funktionen herauspicken, die sie gerade für ihr Geschäft brauchen. Die Upgrades sollen so mit deutlich weniger Aufwand ablaufen.
Support-Preiserhöhung aufgeschoben
Für heftigen Unmut unter den Anwendern sorgen SAPs Enterprise Support sowie die Erhöhung der Gebühren für den Basis-Support. „Vertraglich kann SAP diese Umstellung durchsetzen“, berichtet Otter. „Ich glaube aber nicht, dass sich das Unternehmen damit einen Gefallen tut.“ So müssten SAP-Verkäufer in Kundengesprächen inzwischen aufwändig die neuen Support-Regelungen erklären und rechtfertigen, bevor sie neue Software vorstellen. Dass in Deutschland und Österreich andere Konditionen gelten als im Rest der Welt, verärgert ausländische Kunden: „Preiserhöhungen werden nur dann akzeptiert, wenn der Hersteller sie konsequent anwendet“, erklärt Otter.
Die SAP hat allerdings am 1. Dezember bekannt gegeben, die Preiserhöhung für den Enterprise Support aufzuschieben. „Es bleibt auf alle Fälle bis auf weiteres beim derzeitigen Preisniveau für den Enterprise Support, das heißt der Preiscap ist auf 18,36 Prozent begrenzt“, erklärt SAP-Sprecher Christoph Liedtke. Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) e. V. begrüßt diesen Schritt.
Thirdparty-Support ist ein Nischenmarkt
Sehr verlockend klingt in vielen Ohren aber dennoch das Angebot von Rimini Street, den SAP-Support für die Hälfte des SAP-Preises zu leisten. Herstellerbehauptungen, dass Rimini Street nicht über die Kenntnisse und die Mannschaft verfüge, um für SAP-Systeme einen schnellen und effektiven SAP-Support zu gewährleisten, lässt Otter nicht gelten: „Rimini Street findet jede Menge erfahrener SAP-Consultants, die nicht mehr reisen, sondern von zuhause aus arbeiten wollen. Die Chance, dass diese Spezialisten ein Problem bereits im ersten Versuch lösen, ist sehr groß.“ Trotz der Preisvorteile empfiehlt Otter den Thirdparty-Support ausschließlich Sonderfälle: „Es ist eine Option für Unternehmen, deren Verhältnis mit ihrem ERP-Anwender nicht mehr funktioniert, und die ihre Systeme in Zukunft nicht erweitern wollen. Für Anwender, die den ERP-Hersteller als Innovationspartner betrachten, passen solche Angebote hingegen nicht.“Obwohl Rimini Street derzeit rasant wächst, stellt Thirdparty-Maintenance derzeit noch eine Marktnische dar. Wie sich die Nachfrage in Zukunft entwickelt, hängt laut Otter nicht nur von den Wartungsanbietern ab, sondern vom Verhalten der großen Software-Anbieter: „Wenn Unternehmen den Wertbeitrag des Hersteller-Supports als hoch einschätzen, wird die Nachfrage nach Alternativangeboten relativ gering sein. Fühlen sich die Anwender dagegen abgezockt, haben Drittanbieter ein leichtes Spiel.“ jf
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