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Exklusiv-Interview mit Vorstand SAP BusinessObjects „Kunden legen Wert auf Branchenlösungen“

Der für SAP BusinessObjects verantwortliche SAP-Vorstand John Schwarz sagt im Exklusiv-Interview mit dem is report-Redakteur Jürgen Frisch warum Echtzeit-Analyse, On-Demand-Betrieb und Branchenlösungen Trends im Business-Intelligence-Markt sind und welche Lösungen der Softwarekonzern dafür bereit stellt.

Montag 23. November 2009
John Schwarz, Chief Executive Officer (CEO) des SAP BusinessObjects- Lösungsportfolios und Mitglied des Vorstands der SAP AG.

Welche Megatrends sehen Sie derzeit im Business-Intelligence-Markt?
Der Einsatzbereich von BI-Applikationen verschiebt sich vom klassischen Reporting auf Basis von historischen Bewegungsdaten in Richtung Realtime-Analyse Unternehmen wollen die Performance ihrer Geschäftsbereiche in Echtzeit analysieren und sofort sehen, wie sich beispielsweise Kundenpräferenzen ändern. Zunehmend nutzen Manager in der Führungsebene BI-Tools, um geschäftliche Risiken zu erkennen und möglichst früh gegenzusteuern.

Laut SAP-CEO Leo Apotheker sollen die Anwender im Rahmen von SAPs Hybrid-Strategie zwischen Inhouse-Software und On-Demand-Betrieb wählen können. Gilt das auch für Business-Intelligence-Anwendungen?
Ja. SAP BusinessObjects liefert sogar die erste Multitenant-On-Demand-Applikation der SAP. Sie bietet Zugang zu gehosteten Abfrage- und Reporting-Tools. Bis heute haben wir dafür 230 000 Anwender. Unternehmen können ihre komplette BI-Implementierung in der Cloud betreiben und wählen, ob sie die Daten im eigenen Rechenzentrum vorhalten oder extern hosten. Reine On-Demand-Anwendungen wie SAP Business ByDesign enthalten integrierte Analyse-Fähigkeiten.

Gelten diese Angebote ausschließlich für Unternehmen, die SAP ERP einsetzen, oder zielen Sie auch auf Anwender mit Standardsoftware von Drittanbietern?
BusinessObjects hat sich schon immer als Best-of-Breed-Anbieter positioniert, der Datenbanken und Applikationen aller Hersteller unterstützt. Unter dem SAP-Dach werden wir diese Ausrichtung beibehalten und neben SAP ERP auch mit Anwendungen von Oracle, Microsoft, IBM sowie anderen Anbietern arbeiten. Auch Kundendaten aus Anwendungen von On-Demand-Anbietern wie Salesforce.com sowie Informationen aus Applikationen zur Logistiksteuerung lassen sich mit unseren On-Demand-Lösungen auswerten.

SAS Institute bietet branchenspezifische BI-Applikationen und Datenmodelle an, während sich SAP BusinessObjects auf generische Anwendungen konzentriert. Planen auch Sie künftig Branchenversionen?
Ja, wir werden in Zukunft vorkonfigurierte Analyse-Tools anbieten Kunden legen Wert auf Branchenlösungen, weil sie zunehmend weniger eigene Expertise und Ressourcen haben, die Anwendungen für ihren Bedarf anzupassen. Den Wettbewerb mit SAS Institute bestehen wir bereits heute sehr gut. Unsere Lösungen sind deutlich einfacher zu bedienen als die SAS-Lösungen, die meist hoch spezialisierte Statistikexperten erfordern.

Inwieweit werden ihre künftigen Branchenlösungen auf die in der NetWeaver-Plattform hinterlegten Modellprozesse zurückgreifen?
In der NetWeaver-Plattform und den angeschlossenen Modulen der SAP Business Suite werden Ereignisse angestoßen und abgebildet, die die Analyse-Tools von SAP BusinessObjects auswerten. Die Integration zwischen beiden Welten wird sehr eng sein. Darüber hinaus werten Applikationen von SAP BusinessObjects künftig auch Informationen aus, die in Datenbanken, Data Warehouses und Prozessplattformen anderer Hersteller liegen.

Wodurch hebt sich der SAP BusinessObjects Explorer von Konkurrenzangeboten ab?
Diese Software bietet einen völlig neuen Einstieg in die Business-Intelligence-Welt: Bisher mussten Anwender im Detail wissen, wie sie eine Abfrage anlegen und welche Daten sie analysieren. Mit dem SAP BusinessObjects Explorer können auch Anwender ohne Kenntnisse von BI-Werkzeugen ihre Fragen in natürlicher Sprache stellen, sich anhand der Antworten immer tiefer in die Daten einarbeiten und die Ergebnisse grafisch oder als Tabelle ausgeben lassen. Das zweite nahezu konkurrenzlose Merkmal ist die In-Memory-Datenverarbeitung. Hierbei werden Informationen auf dem SAP Business Warehouse in einen Datenwürfel geladen und stehen dann zur Analyse bereit. Die Abfragen und Auswertungen laufen so zwei- bis dreimal schneller ab als in der Datenbank.

Besteht bei einem so einfach zu bedienenden Tool nicht die Gefahr, dass Anwender ohne Analysekenntnisse ohne es zu merken Fragen stellen, auf die sie keine statistisch abgesicherten Antworten bekommen?
Diese Gefahr sehe ich nicht. Die Anwender stellen in natürlicher Sprache Fragen über die Performance ihres Geschäftsbereichs. Sie greifen dabei ausschließlich im Rahmen ihrer Zugangsberechtigung auf Daten zu. Statistische Fragen werden erst bei Vorhersagen relevant. Hier können und werden sich Anwender ohne Statistikkenntnisse Unterstützung von Experten holen.

Welche Verbesserungen planen Sie für die nächste Version von SAP BusinessObjects Explorer?
Wir vergrößern die Offenheit. Bisher erforderte der SAP BusinessObjects Explorer aktuelle Installationen von SAP NetWeaver und SAP Business Warehouse. Die Version, welche wir gerade auf den Markt bringen, kann auf alle Varianten des SAP Business Warehouse zugreifen. Im Frühjahr werden wir eine Version vorstellen, die Informationen aus Data Warehouses und Datenbanken sämtlicher Hersteller im Hauptspeicher analysieren kann.

Seit der Integration der SAP BusinessObjects-Anwendungen hat SAP im BI-Portfolio Überlappungen, beispielsweise Bex Analyzer und Bex Report Designer. Wollen Sie diese Anwendungen einstellen?
Die beiden Produkte werden nicht mehr eigenständig weitergeführt. Wir entwickeln aber unter dem Codenamen Pioneer eine Nachfolgeversion, welche die Funktionen des SAP-BusinessObjects-Tools Voyager und von SAPs Bex-Produkten kombiniert. Pioneer wird als Teil der SAP BusinessObjects Suite erscheinen.

IBM und HP liefern End-to-End-Lösungen, die Analyse-Tools, Datenbanken und Server enthalten. Oracles Exadata auf einem SUN-Server ist derzeit ein Marktrenner. Behindern solche Konkurrezangebote nicht die Partnerschaften?
Nein, wir konkurrieren zwar in bestimmten Bereichen, aber wir sind dennoch auch Partner. Oracle beispielsweise verlangt von seinen Kunden, dass sie den kompletten Stack an BI-Lösungen aus einer Hand beziehen, SAP BusinessObjects bietet dagegen die maximale Offenheit. IBM wiederum hat zwar ein relativ offenes Angebot, aber zu einer End-to-End-Lösung fehlen einige wichtige Bestandteile wie etwa Navigation und unternehmensweite Suche. Wir schließen Partnerschaften, um Kunden übergreifende Angebote zu machen. Mit den gleichen Anbietern konkurrieren wir dort, wo wir glauben, eine bessere Lösung zu haben.

Gilt das auch für IBM und HP, die einerseits Partner für den SAP Business Warehouse Accelerator sind, andererseits eigene BI-Produktlinien vermarkten?
Ja. Die Partnerschaft mit IBM bezieht sich auf Datenbanken, Server und Services. Mit Oracle unterhalten wir eine Datenbank-Partnerschaft, mit HP, EMC und Cisco kooperieren wir bei Servern, Speichern und Netzwerkkomponenten. Wir kooperieren bei BI-Lösungen, wo wir können, und stehen im Wettbewerb, wo es nötig ist.

Wie sieht die Partnerschaft mit Teradata aus? Marktkenner spekulieren, dass SAP dieses Unternehmen kaufen will.
An Spekulationen über SAPs Zukaufpolitik möchte ich mich nicht beteiligen. Unsere Partnerschaft mit Teradata ist sehr stark und die Kunden profitieren enorm von der Integration unserer Technologien.

Welche Business-Intelligence-Lösungen bietet SAP mittelständischen Unternehmen?
Ein Drittel unseres Geschäftes entfällt heute auf auf Unternehmen im Mittelstand. Zum Einsatz kommen dort insbesondere Lösungen wie Crystal Reports, Xcelsius, die SAP BusinessObjects Edge Produktreihe sowie der SAP BusinessObjects Explorer. Alle sind auf die Bedüfnisse dieser Unternehmen zugeschnitten. Mit einfach zu bedienenden Lösungen im Portfolio von SAP BusinessObjects, die Inhouse und in als On-Demand-Variante laufen, wollen wir diesen Anteil noch ausbauen. jf

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