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Guter Start für Stuttgarter Fachmesse IT&Business

Die Stuttgarter Messe IT&Business will die ehemalige Münchner-Messe SYSTEMS beerben. Zumindest die ERP-Hersteller fühlen sich in Baden Württemberg gut aufgehoben.

Mittwoch 07. Oktober 2009
Die IT&Business in Stuttgart möchte den Besuchern und Ausstellern der ehemaligen SYSTEMS eine neue Heimat geben - der Start scheint gelungen.

Mehr als 300 Aussteller freuten sich am ersten Tag der IT&Business über regen Kundenzuspruch. Vor allem die Standardsoftwerker (ERP) gehen davon aus, dass sie in Stuttgart eine neue Heimat finden.

Attraktive Konzeption

„Die IT&Business verfolgt eine für uns sehr attraktive Konzeption“, erklärt Dirk Sonntag, Sprecher des SAP-Komplettdienstleisters All for One. „Die thematische Fokussierung gefällt uns deutlich besser als die der ehemaligen Münchner SYSTEMS. Diese Messe war in den vergangenen Jahren stetig erodiert, so dass wir uns am Schluss nicht mehr gut aufgehoben fühlten.“ Obwohl das Geschäft mit Neulizenzen bei All for One 2009 im Vergleich zum Vorjahr branchentypisch zurückgegangen ist, konnte der SAP-Dienstleister wegen der deutlichen Zunahme beim Outsourcing sein Ergebnis insgesamt deutlich steigern. Im Stammkundengeschäft dominieren derzeit kleinere Projekte etwa die Einführung von Liquiditäts- und Forderungsmanagement. „Die Projektvolumina umfassen jetzt überwiegend kleinere Häppchen als vorher“, berichtet Lars Landwehrkamp, Vorstandsvorsitzender von All for One. „Die Kunden werden vorsichtiger und nehmen nicht mehr eine Millionen Euro in die Hand, sondern eher 100.000 oder 50.000 Euro.“.

Zurückhaltung im Neugeschäft – Bestandskunden optimieren Systeme

Ähnlich positiv über den Messestandort Stuttgart äußert sich Leo Ernst, Finanzvorstand des ERP-Herstellers proALPHA. „Das Ende der SYSTEMS hat aus unserer Sicht eine Lücke hinterlassen. Die IT&Business ist war kleiner, aber wir fühlen uns gut aufgehoben.“ Ähnlich wie All for One verzeichnet auch proALPHA eine deutliche Zurückhaltung im Neugeschäft. Aufgefangen werde dies allerdings durch Bestandskunden, die ihre IT-Systeme optimieren. Dominierende Themen seien derzeit im Handel die Beschleunigung von Prozessen im Auftragsdurchlauf sowie die bessere Steuerung der Lieferkette. In Sachen serviceorientierte Architektur (SOA) verzeichnet Ernst ein steigendes Kundeninteresse „Die Anwender verlangen Funktionalitäten, nicht SOA an sich“, berichtet Ernst und ergänzt: „Sie können große Vorteile daraus ziehen, wenn sie die Ablauflogik und die Geschäftsprozesse zentral im Service Repository verwalten. Anpassungen beispielsweise für andere Länder klappen mit SOA sehr viel einfacher und schneller.“ Mit dezidierten SOA-Projekten halten sich aber auch proALPHA-Kunden bislang eher zurück: Die Unternehmen müssen zunächst ihre IT-Mitarbeiter in der SOA-Technologie schulen und dann ihre Abläufe ordnen und optimieren.“

Auch Martina Wöhr, Sprecherin des CRM-Spezialanbieters CAS Software, hat von der IT&Business einen guten Eindruck: „Unsere Partner haben darauf gedrängt, dass wir hier ausstellen. Die Messe ist gut mit Ausstellern besetzt, allerdings dominiert das Thema ERP sehr stark. Wir würden uns wünschen, dass mehr CRM-Anbieter beteiligt sind, um auch das Thema Kundenbeziehungsmanagement zu stärken.“

 Widersprüchliche Aussagen über Power-basierte ERP-Systeme

„Stuttgart startet mit einer schönen Regionalmesse“, berichtet Ralf Gärtner, Vorstand Marketing und Vertrieb des ERP-Herstellers Comarch (ehemals: SoftM). „Alle unsere Wettbewerber sind hier, und da dürfen wir auch nicht fehlen. Mit dem Kundenzuspruch am ersten Tag sind wir sehr zufrieden.“ Neben der Power-(ehemals AS/400-) basierten  Comarch SoftM Suite vertreibt das Unternehmen die Java-Lösung Semiramis sowie Altum, das sich an kleinere Unternehmen richtet. Das Neugeschäft findet laut Gärtner vorzugsweise mit Semiramis statt. „Kunden der Power-basierten Systeme zeigen momentan wenig Bereitschaft zur Erweiterung. Sie können wohl auch ihre Kompetenzen in Bezug auf diese Plattform nur schwer ausbauen.“ Comarch arbeitet daher an einem Hosting-Angebot für die Comarch SoftM Suite und will dafür die Rechenzentren in Polen nutzen. Bei Semiramis berichtet Gärtner von einer steigenden On-Demand-Nachfrage. Weltweit habe das Unternehmen für die Java-Software 100 On-Demand-Kunden, davon 10 in Deutschland.

„Von einer Flaute auf der Power-Plattform kann keine Rede sein“, kontert Stephan Dürr, Marketingmanager des ERP-Herstellers Oxaion. „Von unseren letzten zehn Neukunden haben sich sieben für diese Plattform entschieden und nur drei für unsere Java-basierte Software Oxaion Open.“ Die Oxaion Business Solution stellt eine Weiterentwicklung der AS/400-basierten EP-Lösung Frida dar. 2008 hatte Oxaion die plattformunabhängige Lösung Oxaion Open vorgestellt, „weil wir stärker wachsen wollen, als der AS/400-Markt“, betont Dürr. Bislang sei kein einziger Kunde on der Oxaion Business Solution zu Oxaion Open migriert. „Wir haben viele Kunden aus dem Maschinenbau, und die setzen nicht auf Java, sondern auf höchstmögliche Ausfallsicherheit“, berichtet Dürr. „Genau hier fühlen sie sich mit der Power-Plattform von IBM sehr gut bedient.“

Zur Teilnahme an der IT&Business hat sich Oxaion laut Dürr bereits im Vorjahr entschieden. „Uns gefällt der klare Fokus auf den Mittelstand und wir sind mit den Kundenkontakten zufrieden. Bei der Systems waren unsere Streuverluste größer, und im Konzept der Nachfolgemesse Discuss&Discover haben wir uns gar nicht wiedergefunden.“

Steigende Nachfrage nach Risikomanagement

Lobend über das Stuttgarter Messekonzept äußert sich auch Elke Aßmus, Marketing-Leiterin des ERP-Herstellers AP AG. „Man merkt, dass die Messe neu ist, aber wir haben eine ausreichende Zahl von Kunden am Stand. Uns gefallen insbesondere die Fachforen, den hier können wir unsere Themen vertieft darstellen.“ Inhaltlichen Zuspruch verzeichnet AP in Sachen Risikomanagement sowie Advanced Planning and Scheduling (Produktionsplanung). Beide Anforderungen hat der Hersteller in seine ERP-Software integriert: Das Risikomanagement basiert auf Microsoft Sharepoint und nutzt dessen Möglichkeiten für Collaboration und Dokumentenmanagement. Bei der Produktionsplanung arbeitet AP seit Januar 2008 mit dem französischen Spezialhersteller Ortems zusammen und hat dessen Lösung in APplus integriert. jf