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Kundenmanagement (CRM)

Mobiles Arbeiten
hat in Europa in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens IDC wird sich der Anteil der ortsunabhängig tätigen Arbeitnehmer bis zum Jahr 2013 um etwa fünf Prozent erhöhen. Als Treiber dieses Trends sehen die Analysten unter anderem den technischen Fortschritt bei Smartphones, die seit 2008 ein Wachstum von über 60 Prozent aufweisen. Für die Studie EMEA Enterprise Mobility Survey hatte IDC 1240 IT-Entscheider in 13 europäischen Ländern nach den Trends hinsichtlich mobiler Mitarbeiter im Unternehmen gefragt. Vier Trends haben die Analysten identifiziert, welche Enterprise Mobility zu einem heißen Thema für 2011 machen.
Im Zuge der Erfolgswelle des iPad kommen laut IDC Tablet-PCs ganz groß in Mode. Neben Apple entwickeln auch Hardwarehersteller wie RIM, Cisco und Avaya Geräte für Unternehmenskunden. Für den Unternehmenseinsatz halten die Analysten ein effektives Management sowie Sicherheitskontrollen dieser Geräte für dringend erforderlich.
Viele Unternehmen werden es laut Prognose der Analysten den Mitarbeitern künftig erlauben, ihre persönlichen Mobilgeräte auf eigene Verantwortung für betriebliche Zwecke zu nutzen. Dadurch steige die Nutzung von gängigen Endgeräten und Applikationen in Unternehmen drastisch an, und die IT-Verantwortlichen würden alle Mühe haben, die technologische Kontrolle zu behalten.
Ein weiterer Trend sei die zunehmende Verbreitung von mobilen Unternehmensapplikationen unter anderem über Enterprise App Stores. IT-Abteilungen werden sich laut IDC künftig darum kümmern müssen, mobile Anwendungen für Mitarbeiter sicher bereitzustellen und zu implementieren. Delivery- und Management-Plattformen zur Bereitstellung mobiler Applikationen rücken daher in den Mittelpunkt.
Neben Apple sehen die IDC-Analysten Google als einen der am stärksten wachsenden Anbieter. „Android stößt in Europa auf sehr großes Interesse“, erklärt Nicholas McQuire, Research Director Enterprise Mobility bei IDC. „Das ist überraschend, denn die Plattform wurde ursprünglich für den Privatanwender konzipiert und weist deshalb einige Sicherheitslücken und Managementschwächen auf.“ Erst in der nächsten Android-Version dürften diese Probleme behoben sein. Dank der künftigen Integration mit Google Apps und der Google Voice-Plattform werde Android im Segment Business Mobility zu einem starken Mitbewerber für Apple, Microsoft und Nokia/Symbian.
Die rasante technische Entwicklung befeuert das Interesse an mobilen Lösungen bei den Anwendern und Anbietern. Leistung und Funktionsumfang von Smartphones und Tablet-PCs haben in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt, ebenso Speicherplatz und Akkulaufzeit. Bei der einfachen Bedienbarkeit stechen insbesondere Apple-Geräte hervor. Weitere Impulse für die Beliebtheit mobiler Anwendungen liefern die steigende Verfügbarkeit und die sinkenden Preise für die Nutzung der Mobilfunknetze. Der Datenübertragungsstandard GPRS (General Packet Radio Service) ist zwar allgemein verfügbar, gilt aber inzwischen als alter Hut. Höhere Übertragungsgeschwindigkeiten bieten UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) sowie der kommende Standard LTE (Long Term Evolution).
Die beliebtesten Applikationen bei den Anwendern betreffen das Kundenbeziehungsmanagement (CRM). Kundendaten, Angebote und Servicetickets, die sonst nur innerhalb des Unternehmens oder über eine Web-Applikation am Laptop verfügbar sind, lassen sich damit auch von Tablet-PCs und Smartphones aus abrufen. Ist die entsprechende Applikation entsprechend ausgestattet, kann der Innendienst eines Unternehmens den mobilen Außendienstlern Mitteilungen zukommen lassen. Außerdem können die mobilen Kundenbetreuer ihre Aktionen rasch untereinander abstimmen.
Laut einer Marktstudie von Forrester setzt derzeit mehr als die Hälfte der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sowie ein Drittel der mittelständischen Betriebe mobile CRM-Lösungen ein. Das Interesse des Mittelstands wächst stark, denn laut Studie planen 63 Prozent dieser Unternehmen eine Investition in Mobillösungen. Die Palette an CRM-Applikationen für Smartphones und Tablet-PCs ist breit. Fast alle namhaften CRM-Hersteller haben inzwischen Lösungen für Blackberrys, PDAs, Smartphones unter Windows Mobile, Symbian, Android sowie Apples iPhone im Angebot.
Die Schweizer Business System Integration AG (BSI) bietet mit BSI CRM für I-Phone einen CRM-Client, der dem mobilen Zugriff auf das Zentralsystem ermöglicht. Anwender können damit Informationen zu Kundenadressen und Aufträgen abfragen, telefonieren sowie SMS oder E-Mails verfassen. Kontakte, die der Außendienst auf dem
iPhone erfasst, lassen sich mit dem Inhouse-System abgleichen.
Für Blackberrys und Windows-Mobile-Geräte hat der Mittelstandsanbieter Sage einen Smartphone-Client für die CRM-Lösung SalesLogix im Angebot, der den kompletten Verkaufsprozess abbildet. Zu den Besonderheiten der Applikation gehören laut Anbieter die umfangreichen Möglichkeiten der individuellen Anpassung. So könne der Anwender Inhalte, Dialoge, Listen und Auswertungen auf dem mobilen Endgerät per Drag&Drop nach seinen Bedürfnissen und Vorlieben frei definieren. Beim Remote Client arbeiten die Vertriebsmitarbeiter im Kundengespräch mit einer lokalen Datenkopie, welche sie später im Büro mit dem zentralen Datenbestand synchronisieren. Das Remote Office unterstützt darüber hinaus die Synchronisierung vernetzter Anwender in dezentralen Büros. Das Business Cockpit schließlich zeigt reisenden Mitarbeitern anhand von Charts die laufende Geschäftsentwicklung an.
An Nutzer von SAP CRM richtet sich der Blackberry Client for SAP CRM. Damit können Außendienstmitarbeiter auch dann mit den Kundendaten arbeiten, wenn sie unterwegs einmal keinen Empfang haben. Ein lokaler Cache speichert die Daten auf dem Mobilgerät und synchronisiert sie später mit dem Zentralsystem. Nachrichten vom hausinternen CRM-System über aktuelle Verkaufschancen bekommt der mobile Vertriebsmitarbeiter in sein E-Mail-Postfach. Eine Datensynchronisation gleicht die Informationen zwischen SAP CRM und dem Blackberry Enterprise Server ab. Die iPhone-Plattform unterstützt SAP bereits seit der Verfügbarkeit von SAP CRM 2007.
On-Demand-Pionier Salesforce stellt seinen Kunden mit Salesforce Mobile ein CRM-Tool für das iPhone zur Verfügung. Dank der Integration mit den E-Mail-, Telefon- und Maps-Funktionen des Apple-Smartphone können Vertriebsmitarbeiter unterwegs auf sämtliche Kundendaten zugreifen und Telefonanrufe und E-Mails direkt aus Salesforce CRM starten. Vertrieben wird die iPhone-Erweiterung für Salesforce in Apples App Store in den drei Versionen Free, Lite und Full.
Der österreichische CRM-Anbieter Update Software hat sowohl für das iPhone als auch für Blackberrys sowie Windows- und Symbian-PDAs mobile Kundenmanagement-Tools im Programm. Update Seven Touch ist ein Browser-basierter iPhone-Client mit einer Dotnet-basierenden Web-Applikation und einer Multitouch-fähigen Benutzeroberfläche. An PDA-Anwender richtet sich Update Seven PDA, während Blackberrys oder der Nokia Communicator von Update Seven Mobile unterstützt werden.
Neben der Kundenbetreuung richten Unternehmen den Mobilzugriff auf IT-Systeme auch für andere Geschäftsprozesse wie Warenwirtschaft und Logistik ein. Herstellerseitig sind hier zwei Strategien zu beobachten: Große Anbieter wir SAP und Microsoft entwickeln eigene Mobilplattformen, auf deren Basis Partner Branchenlösungen erstellen, während kleinere mittelstandsorientierte Standardsoftwerker Mobillösungen als ergänzende Module anbieten.
So lässt sich die ERP-Standardsoftware des Karlsruher Mittelstandsanbieters Industrial Application Software ohne Zusatzsoftware vom iPad aus über das Web bedienen. Mitarbeiter können damit beispielsweise online überprüfen, ob Lieferungen rechtzeitig eingegangen sind oder verschickt wurden, die Produktion wie geplant läuft oder die Umsatzzahlen sich wie geplant entwickeln. Canias ERP stellt eine Web-basierte Lösung dar, die sich zeitgleich über einen Desktop-Rechner, ein Notebook oder ein Smartphone via Browser nutzen lässt.
Microsoft hat für die Produktlinie MS Dynamics NAV eine mobile Software entwickelt, die sich laut Herstellerangaben vollständig in das ERP-System integrieren lässt. Die Funktionen von MS Dynamics NAV mobile richten sich vorrangig an Mitarbeiter im Verkaufsaußendienst und im technischen Kundendienst. Über Entwickler-Tools entwickeln Softwarehäuser branchenspezifische Lösungen. Ein Beispiel für eine derartige Applikation ist Tectura Mobile Solutions des Microsoft-Partners Tectura AG. Es handelt sich um eine Außendienstlösung, die den Zugriff auf sämtliche Module von MS Dynamics NAV ermöglicht. Die Applikation Handyman des Dortmunder Microsoft-Partners ePocket Solutions ermöglicht einen bidirektionalen Datenaustausch mit MS Dynamics NAV und MS Dynamics Ax. Sie richtet sich ebenfalls an den Außendienst: Servicetechniker können damit am Windows-Smartphone Kundendienstaufträge erfassen und Wartungstermine vor Ort vereinbaren. Vom Smartphone aus wandern die Daten per Mobilfunk in das ERP-System.
Der auf die IBM-Power-Plattform (ehemals System I) spezialisierte Ettlinger Mittelstandsanbieter Oxaion offeriert mit Oxaion Mobis einen Java-Client für mobile Endgeräte, welcher den Zugriff auf das ERP-System Oxaion Business Solutions ermöglicht. Die Lösung umfasst die Module Vertrieb, Service und Logistik. Außendienstmitarbeiter können auf dem Zentral-
system damit tagesaktuell Lagerbestände, Lieferzeiten und Preislisten abfragen. Servicetechniker greifen unterwegs auf Fertigungsstücklisten oder das Ersatzteilverzeichnis zu. Über ein Cockpit lässt sich der Einsatz der Wartungsmitarbeiter von der Zentrale aus steuern.
Der mittelstandsorientierte Standardsoftwerker Proalpha Business Solutions kooperiert bei mobilen Lösungen mit der Potsdamer Commsult AG. Deren Lösung Mobile ERP ist laut Herstelleraussage in der Lage, die auf mobilen Endgeräten erfassten und abgerufenen Daten auch im Offline-Betrieb bis zur Synchronisation mit dem Zentralsystem vorzuhalten. Um den mobilen Zugriff beispielsweise bei Instandhaltungs- oder Auslieferprozessen unterbrechungsfrei zu gewährleisten, greift die Lösung via Web Services auf die in Proalpha vorliegenden Daten und Funktionen zu. Im Rahmen der asynchronen Offline-Verarbeitung lädt das Modul Mobile ERP-Daten aus Proalpha in das Mobilgerät und synchronisiert sie mit dem Zentralsystem, sobald eine Online-Verbindung besteht.
Auch der ERP-Marktführer SAP setzt bei Mobilanwendungen auf Partnerlösungen. Die SAP-Tochter Steeb Anwendungssysteme bietet beispielsweise im Rahmen des Zusatzangebots Mobile Datenerfassung eine Lösung, welche logistische Prozesse in der Lieferkette verbessern soll. Lagermitarbeiter scannen hierbei mit mobilen Erfassungsgeräten Barcodes und RFID-Informationen von Artikeln. Die Erfassungsgeräte sind über WLAN mit dem SAP-System verbunden und tauschen die Informationen in Echtzeit aus. Ein Beispielsszenario ist die Inventurzählung: Bereits während der Erfassung von Lagerorten und Beständen laufen die Daten ohne Zeitverzug ins SAP-System. Die Mobillösung von Steeb benötigt keine zusätzliche Middleware.
Auch die Commsult AG hat mit Mobile ERP eine Lösung für den Mobilzugriff auf SAP-Systeme im Angebot. Sie richtet sich an den technischen Kundendienst. Servicetechniker können damit ihre Termine und ihre Ersatzteile über PDAs koordinieren. Reparaturen sowie Rückmeldungen zu Aufträgen lassen sich vor Ort erfassen und sind nach dem Datenabgleich im Zentralsystem verfügbar. Über das integrierte Synchronisationsmodul lassen sich auch Offline-Szenarien abbilden, bei denen die Wartungstechniker vor Ort komplette Konstruktionszeichnungen oder Ersatzteillisten auf dem Mobilgerät verfügbar haben.
Auch bei Business-Intelligence-Applikationen fordern die Anwender zunehmend einen mobilen Zugriff. Ein Beispiel hierfür ist das im Juli 2010 vorgestellte Microstrategy 9, welches über einen Mobil-Server und lokale Clients den Zugriff über Apples iPhone und iPad ermöglicht. Die Applikation unterstützt alle Funktionalitäten der Microstrategy-Plattform. Sobald ein definierter Wert erreicht ist, erscheint über Apples Push-Notification-Dienst eine Warnmeldung auf dem Mobilgerät. Zu einem Workflow verknüpfte Reports leiten den Anwender bei der Entscheidungsfindung an. Auswahlkriterien werden dabei automatisch von einem Bildschirm auf den nächsten übertragen, um den logischen Kontext zu wahren. Zur Einbindung externer Daten in die Mobil-App unterstützt Microsotrategy 9 zudem RSS-Feeds (Really Simple Syndication). Um das Teamwork zu verbessern, lassen sich Reports und Dashboards vom iPad aus per E-Mail an Kollegen senden. Die Microstrategy-Applikation ist vollständig für das Apple-Betriebssystem iOS 4 zertifiziert und ermöglicht es den Anwendern dank der Mulititasking-Fähigkeit, ihre Arbeit genau an dem Punkt wieder aufzunehmen, wo sie beispielsweise durch einen Anruf unterbrochen wurde.
Dass sich auch Dokumentenmanagement-Anwender (ECM) um den Mobilzugriff bemühen, zeigt OS Mobile DMS des Berliner ECM-Herstellers Optimal Systems. Die Applikation ermöglicht den Zugriff auf das Enterprise-Content-Management-System über ein iPhone, ein Android-basiertes Smartphone oder einen Blackberry. Weitere Plattformen wie MS Windows Mobile sollen folgen. Die Mobilanwendung stellt den Zugriff auf E-Mails und das Intranet im Unternehmen her. Anwender können damit von überall her Kundenakten einsehen, Rechnungen recherchieren oder Angebote überprüfen. Da sich über das iPhone Fotos ins ECM-System laden lassen, können beispielsweise Bau- und Ortsbegehungen oder Unfallschäden vor Ort dokumentiert werden. OS Mobile DMS für iPhones, iPads und Android-Smartphones steht im Android-Market und Apple App Store zum kostenlosen Download. jf