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Mobility-Projekte erhöhen den Stellenwert der IT-Abteilung

Mobile Lösungen: Mobility-Projekte erhöhen den Stellenwert der IT-Abteilung

Die Integration von mobilen Lösungen ist technisch anspruchsvoll und komplex. Durch ihre Realisierung wird die IT aber zum(Mit-)Initiator von Innovationen der Geschäftsprozesse.

Mobility

erfährt momentan große Aufmerksamkeit. Die Entscheider in den Unternehmen – sowohl in der IT als auch in den Fachbereichen – treten aber normalerweise Hype-Themen mit einer gewissen Zurückhalten entgegen. Die Fragen, die in Unternehmen gestellt werden, sind demnach etwas anders formuliert: Wie groß ist der Aufwand für die Implementierung mobiler Lösungen? Wie groß sind die damit verbundenen Risiken? Wie lässt sich der Business Case berechnen? Gibt es bereits erfolgreiche Projekte, die sich adaptieren lassen? Und schließlich die entscheidende Frage: Was ist der Mehrwert des Einsatzes von Mobility?

Realität und Hype nähern sich an

Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen haben die Analysten von Pierre Audoin Consultants (PAC) im Auftrag von Atos Origin kürzlich eine Umfrage unter IT-Entscheidern der deutschen Fertigungsindustrie gemacht und die Frage gestellt, welchen Stellenwert die Integration von mobilen Lösungen hat, wo die Schwierigkeiten sind und welche Erfahrungen gemacht wurden. Das übergreifende Ergebnis ist bis zu einem gewissen Grad erstaunlich: Der größte Teil (93 Prozent) der über hundert befragten Unternehmen aus Branchen wie Automotive, Chemie, Anlagenbau und der Verbrauchsgüterindustrie arbeitet bereits an Mobility-Projekten, hat sie abgeschlossen oder bereitet sie gerade vor. Das zeigt, dass die Realität nicht ganz so weit dem Hype hinterher hinkt und es sich daher lohnt, die Umfrageergebnisse noch etwas genauer anzuschauen.

Die Mehrheit der Befragten unterstrich entweder vollständig oder in Teilen, dass die Integration von mobilen Lösungen technisch anspruchsvoll und komplex sei. Die IT-Leiter sind sich also der Aufgaben und der Herausforderungen bewusst, die bei Mobility-Projekten auf sie zu kommen. Ein wichtiger Aspekt, der diese Haltung unterstützt, ist das Fehlen von Standardlösungen. Besonders große Unternehmen (mit mehr als 2500 Mitarbeitern) bemängeln dies, da hier die Anforderungen an die IT besonders hoch sind und meist ein deutlich größeres Spektrum an Geschäftsprozessen abgebildet werden muss. Dass sie die neue Technologie beherrschen, davon gehen die Befragten aber zu großen Teilen aus. Nur etwa jeder zehnte sagt, dass mobile Projekte ein hohes Risiko bergen.
Die technische Umsetzung ist also nicht mehr die größte Schwierigkeit. Diese Erkenntnis passt auch zu dem übergreifenden Trend, dass die Innovationsschübe in der IT-Industrie nicht mehr in dem Maße aus neuen technischen Möglichkeiten stammen, sondern mehr und mehr eine Frage der intelligenten Nutzung bestehender Möglichkeiten wird. Daher müssen sich die Verantwortlichen – sowohl in den IT- als auch in den Nicht-IT-Bereichen – die Frage stellen, welche Ziele denn mit den Mobility-Projekten erreicht werden sollen. Die wichtigsten Ziele sind Prozess­innovationen: Verbesserungen der Service-Qualität, Effizienzsteigerung, mehr Flexibilität und Agilität sowie kürzere Reaktionszeiten. Die Hoffnung also, die hinter dem Einsatz mobiler Lösungen steht, sind weitreichende Eingriffe in die Arbeitsprozesse.

Aber wie wird die mobile Welt der Zukunft ausssehen? Wird sich die Erwartungshaltung der IT-Experten erfüllen und werden neue Prozesse auf Basis der mobilen Technologie entstehen? Um sich diesen Fragen zu nähern, lohnt es sich, einen Blick auf derzeit aktuelle Projekte zu werfen. Denn hieran kann man sehen, dass ein positiver unternehmerischer Effekt aus dem Zusammenspiel der unterschiedlichen Akteure – IT, Geschäftsbereich und Service-Partner – entsteht. Mobility-Projekte spielen dort ihre Stärke aus, wo der mobile Nutzer Daten empfangen oder senden kann, wo er sich vorher mit analogen Methoden behelfen musste. Besonders attraktiv wird die mobile Lösung, wenn sie kontext- oder ortsbezogen agieren kann. Dies kann beispielsweise die Dokumentation von Baumbestand mithilfe von Smartphones und GPS-Anbindung sein. Diese Art von Service fällt dann allerdings noch in die Kategorie der Rationalisierung der Arbeitsabläufe, da ein bestehender Prozess mit Hilfe der verfügbaren mobilen Technik optimiert wird.

In die Richtung der Prozessoptimierung zielt ein Projekt, das Atos Origin mit einer europäischen Großstadt durchführt. Unter dem Namen „Fix this“ können die Bürger dieser Kommune Straßenschäden oder Hauswand-Graffiti fotografieren und an die Stadtverwaltung schicken. Mit Hilfe der GPS-Daten lässt sich ohne großen Aufwand nachvollziehen, wo der Schaden besteht. Im Idealfall erhält die Stadt somit ein sehr viel genaueres Bild vom Zustand des Straßennetzes und kann dann, ebenfalls IT-optimiert, die Reparatur-Ressourcen optimal planen und im Zweifel schneller reagieren.

In einem anderen Projekt arbeitet Atos Origin über die Europäische Union mit anderen Partnern zusammen. REACT ist ein Service für Diabetes-Patienten, die digital wichtige Informationen über ihren Gesundheitszustand austauschen können – das Ziel ist, dem Patienten dort zu helfen, wo er sich befindet. Auch dieses Beispiel bedeutet nicht nur die Optimierung bestehender Arbeitsprozesse, sondern zieht die Entwicklung neuer Möglichkeiten nach sich.

Business-2-Business-2-Consumer nennt man die Projekte wie REACT: Ein IT-Provider wie Atos Origin entwickelt eine Lösung für ein Unternehmen, das dieses wiederum als Service seinen Endkunden anbietet. Hierdurch erhält die IT eine neue Rolle, die über die Optimierung der bestehenden Abläufe hinausgeht. Die IT wird zum (Mit-)Initiator von Geschäftsprozess-Innovationen und trägt somit direkter als bislang zum Geschäftserfolg des Unternehmens bei. Die IT rückt damit näher an die Fachabteilungen heran, beziehungsweise die Fachabteilungen an die IT. Denn während in Unternehmen derzeit die IT-Abteilungen oder die externen Provider häufig nur als Bereitsteller von Basisleistungen (Netzwerk, Speicher, E-Mail-Kommunikation, Anwendungslandschaft) gesehen werden, gilt es nun, gemeinsam intensiver über Projekte zur Innovation von Geschäftsprozessen zu reden. Die zu stellende Frage lautet nun: Welche Services auf Basis der neuen mobilen Möglichkeiten können IT und Fachabteilung gemeinsam dem Endkunden zur Verfügung stellen, beziehungsweise welche mobilen Services benötigen die Mitarbeiter, um eben diese neuen Möglichkeiten zu bieten. In den unterschiedlichen Branchen werden hier künftig unterschiedliche Antworten gegeben.

Cloud optimiert die Mobility

Es ist die Flexibilität, die die Dynamik von Mobility-Anwendungen auszeichnet, beziehungsweise auszeichnen wird. Das stellt dann auch die Verbindung von Mobility-Lösungen und Cloud-Computing-Ansätzen her: Es ist in jedem Fall sinnvoll, die Applikationsebene der mobilen Lösungen als Cloud zu organisieren und bereitzustellen. Je mehr Services das Endgerät aus der Cloud bezieht statt selbst zu speichern, desto flexibler wird die Architektur. Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel: Mobile-Pay­ment-Lösungen beispielsweise benötigen entsprechend ausgefeilte Applikationen auf dem Endgerät selbst, alleine um erweiterten Datenschutz- und Datensicherheitsrichtlinien zu entsprechen.

In der momentanen Hype-Diskussion sprechen viele davon, dass Cloud Computing selbst die Innovation sei, dabei ist die Cloud nur die Voraussetzung dafür. Cloud Computing ist eine bestimmte Art, die IT-Infrastruktur zu organisieren, die dann von Prozess-Innovationen genutzt werden kann.
Mobility wird in den deutschen Unternehmen nach und nach einziehen. Der erste Schritt gehört der Optimierung bestehender Abläufe und gleichzeitig die Organisation von Teilen der Infrastruktur nach Cloud-Prinzipien. Sobald diese Basisarbeit gemacht ist, beginnt die Prozess-Innovation. Frank Strasser/hei