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IT-Strategie

Cloud Computing
ist in Deutschland längst kein Hype mehr: „Mit Investitionen über einer Milliarde Euro im vergangenen Jahr in Technologien, Services und Beratung kann man ohne Übertreibung feststellen, dass Cloud Computing hierzulande in den Unternehmen längst Realität ist", berichtet Matthias Zacher, Senior Advisor bei der Experton Group. Das Marktforschungsunternehmen hat 2010 in mehreren Studien den aktuellen Stand sowie die Potenziale des Cloud Computing in Deutschland, Österreich und der Schweiz ermittelt. Mehr als 33 Prozent beschäftigen sich demnach intensiv mit dem Thema On-Demand-Computing. Während sich die meisten Unternehmen noch in der Entscheidungsfindung und Planung befinden, wächst der tatsächliche Nutzungsgrad von einer relativ kleinen Basis kontinuierlich.
Die strategische Relevanz sowie die intensive Beschäftigung der Unternehmen mit dem Thema Cloud Computing sollen den Markt in den kommenden Jahren deutlich verbreitern. Während 2010 gerade einmal 1,4 Prozent der aggregierten IT-Ausgaben in Cloud-Angebote fließen, sollen es 2015 bereits 9,1 Prozent sein. Laut den Prognosen der Experton Group liegen die Wachstumsraten bis 2015 bei über 40 Prozent pro Jahr. Die Grundlage dieses stabilen Wachstums sei unter anderem die Vielfalt der Wahlmöglichkeiten für kleine, mittlere und große Unternehmen. „Während bei anderen Innovationen oft ausschließlich die großen und finanzstarken Unternehmen profitieren, können über das Cloud Computing auch kleine und mittlere Betriebe ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern", erläutert Zacher. „Unternehmen beziehen ihre Software über das Internet, und Dienstleister entwickeln Services für die Cloud." Als Folge dieser Entwicklung prognostiziert die Experton Group eine Substitution traditioneller Technologien, Produkte und Hersteller: „Das Kräfteverhältnis verlagert sich tendenziell in Richtung der Internet- und Software-Unternehmen, während Infrastruktur- und Hardware-Anbieter weniger stark vom Cloud Computing profitieren", erklärt Zacher.
Drei Typologien unterscheiden die Analysten beim Cloud Computing: Private Cloud, Public Cloud und Hybrid Cloud. Bei der Private Cloud implementiert der Provider für jeden Kunden ein individuelles System, während die Unternehmen bei Public-Cloud-Angeboten auf entsprechende Infrastrukturen und Services zugreifen, ohne diese eng an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Beim Modell der Hybrid Cloud schließlich geht es um die Integrationsmöglichkeiten von Cloud Services in unternehmensinterne IT-Systeme sowie um die Verbindung von Systemen aus der Public Cloud mit solchen aus der Private Cloud.
Als Zielsetzung für den Einsatz von Cloud Computing nennen Anwender und Anbieter am häufigsten die Schlagworte „Senkung der IT-Kosten", „Verbesserung von Flexibilität und Agilität" sowie „Qualitätssteigerung". In Deutschland ist den Unternehmen die Skalierung der Ressourcen bei Bedarf am wichtigsten. Die Anwender versprechen sich demnach, dass ihr System bei einem On-Demand-Angebot bei Lastspitzen automatisch mitwächst, ohne dass sie in Zeiten mit einer geringeren Auslastung diese Ressourcen vorhalten und bezahlen müssen. Laut Experton lassen sich solche Anforderungen besonders effizient durch die Cloud-Computing-Varianten Platform-as-a-Service und Internet-as-a-Service unterstützen, wenn etwa zusätzliche Ressourcen an Storage und Rechenleistung nötig sind oder weitere virtuelle Appliances aufgesetzt werden sollen.
In Deutschland nennen die Befragten auch Einsparungen bei Hardware und in der Wartung als wichtige Ziele ihrer Cloud-Computing-Initiative. Unternehmen mit eigenen Rechenzentren können mittels Cloud Computing die internen Server- und Storage-Ressourcen besser ausnutzen und dadurch ihre IT-Gesamtkosten im Zaum halten. Unternehmen in Österreich und der Schweiz hingegen bezeichnen die Effizienzsteigerung als ihr wichtigstes Ziel im On-Demand-Computing.
Die beim Cloud Computing momentan am häufigsten genutzten Anwendungsszenarien sind der Betrieb von Web-Anwendungen, Storage und Backup sowie die Virtualisierung der Rechenzentrumsinfrastruktur. Andere Szenarien hängen stark von der Unternehmensgröße ab: Während viele große Unternehmen in Sachen Architektur, Performance und Sicherheit einer Cloud-Infrastruktur ihre individuellen Anforderungen durchsetzen, spielen andererseits standardisierte Angebote wie Software-as-a-Service (SaaS), Platform-as-a-Service (Paas) und Infrastructure-as-a-Service (IaaS) momentan die zentrale Rolle im Markt. Auf derartige Angebote entfallen derzeit etwa 48 Prozent aller deutschen Cloud-Umsätze.
In den meisten Unternehmen macht heute die Bereitstellung und der Betrieb von Applikationen für die Endnutzer gegenüber der hausinternen Entwicklung von Anwendungen den Großteil des IT-Budgets aus. Für eine Vielzahl von Projekten sorgt die Bereitstellung unternehmensweiter Standardsoftware zur Miete in der Cloud. Im vergangenen Jahr wurden in diesem Bereich hierzulande 440 Millionen Euro umgesetzt. Der nutzungsabhängige Bezug von Rechenleistung (CPU pro Stunde) oder Storage (Gigabyte pro Monat) im Rahmen von Infrastructure-as-a-Service kommt hingegen in Deutschland bislang deutlich seltener vor. Laut Prognose der Experton Group soll allerdings die Nachfrage nach derartigen Projekten bis 2015 deutlich anziehen. Die primäre Zielgruppe für den Aufbau individuell gestalteter Cloud-Infrastrukturen sind Großunternehmen und Service Provider. Laut Marktstudie wurden in die meist als Private Cloud betriebenen Infrastrukturen im vergangenen Jahr rund 400 Millionen Euro investiert. Bis 2015 soll dieser Bereich auf ein Volumen von 2,5 Milliarden Euro anwachsen.
Die Auswahl und Integration der Technologiekomponenten zum Aufbau von unternehmensinternen Cloud-Infrastrukturen stellt für viele IT-Enscheider eine große Herausforderung dar", berichtet Carlo Velten, Senior Advisor der Experton Group. „Da derzeit keiner der großen IT-Hersteller die komplette Bandbreite an Infrastruktur- und Softwarekomponenten anbieten kann, die zum Aufbau komplexer Cloud-Infrastrukturen notwendig ist, liegt die zentrale Hürde bei der Interoperabilität der Komponenten." Nur wenn Daten, Applikationen und Nutzerprofile über verschiedene Cloud-Plattformen und Herstellertechnologien portabel seien, ließen sich in den Projekten die langfristigen Ziele erreichen.
Um IT-Manager bei der Planung und Herstellerauswahl zu unterstützen, hat die Experton Group im Rahmen des „Cloud Technology Benchmark 2011" einen Produkt- und Technologievergleich durchgeführt, welcher die Angebote der großen IT-Hersteller auf Herz und Nieren untersucht. Die Studie liefert Architektur-Blueprints zum Bau von Private- und Hybrid Clouds und macht die Stärken und Schwächen der einzelnen Produkte transparent.
Das Untersuchungsspektrum der Studie reicht von den Netzwerkkomponenten über Server und Betriebssysteme, Virtualisierungs-, Security- und Storage-Komponenten bis hin zu Datenbanken, Middleware sowie Systemmanagement- und Monitoring-Tools, die zum Bau von Cloud-Infrastrukturen wichtig sind. Die Ergebnisse sollen CIOs eine Grundlage für den Bau von Private und Hybrid Clouds liefern und IT-Architekten bei der Bewertung und Auswahl der am besten geeigneten Technologie-Anbieter unterstützen. jf