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IT-Strategie
Die Technologiekonferenz SAP TechEd findet vom 14. bis 16. Oktober in Berlin statt (www.sapteched.com). Erstmals wird dort auch der von dem Enterprise- Resource-Planning(ERP)-Anbieter übernommene Business-Intelligence- Spezialist Business Objects als SA P-Unternehmen mit Vorträgen vertreten sein. Weitere Schwerpunkte der diesjährigen SAP TechEd liegen auf der Technologieplattform SAP NetWeaver, der SAP Business Suite, Service-orientierten Architekturen (SOA), Java und ABAP. Das Programm der SA P TechEd ist auf die Interessen der IT-Community im SAP-Ecosystem ausgerichtet. Technologie- Experten leiten Workshops – von Themeneinführungen bis zu technischen und interaktiven Präsentationen. In Berlin wird SA Ps Co-CEO Léo Apotheker Hauptredner sein. Die Themen Strategieumsetzung verbessern, Prozesseffizienz steigern und Agilität erhöhen stehen im Mittelpunkt seiner Keynote. hei

Henning Kagermann sagte Mitte Juli in einem Interview, dass SAP die Ausgaben für Forschung und Entwicklung senken werde. Hat das Auswirkungen auf Ihre Arbeit?
Wir unternehmen große Anstrengungen in Forschung und Entwicklung und unsere Kapazitäten sind mit der Übernahme von Business Objects noch um einiges gewachsen. Henning Kagermanns Äußerungen sind keinesfalls so zu verstehen, dass wir unsere Anstrengungen reduzieren. Es geht vielmehr darum, dass wir im Bereich Forschung und Entwicklung noch effizienter werden. Wir bauen unsere Software für eine große Anzahl von Geschäftsprozessen in vielen Unternehmen und Branchen zur Nutzung in fast allen Ländern der Welt. Darüber hinaus hat unsere Software eine lange Lebensdauer. Bei dieser Breite und Vielfalt des Softwareportfolios sind von Zeit zu Zeit Effizienzinitiativen notwendig. Eine solche Initiative hat Henning Kagermann angekündigt. Es geht weniger darum, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung zu senken, als vielmehr darum, die Effizienz zu erhöhen.

Vishal Sikka ist seit Ende Mai 2007 Chief Technolgy Officer der SAP AG . Er ist verantwortlich für die Roadmap und die Entwicklung aller SAPProdukte, die sowohl fortlaufend Innovationen als auch langfristigen Nutzen für die Kunden bieten sollen. Er hat bei SAP eine führende Rolle bei der strategischen Ausrichtung der SAP-Entwicklungen und setzt die Leitlinien für die Architektur der neuen Softwaregeneration von SAP.
Die SAP-Anwender erwarten den neuen Release SAP NetWeaver 7.1. Wird dieser pünktlich verfügbar sein und was sind die wesentlichen Highlights?
Das neue Release wird pünktlich verfügbar sein. Die wesentlichen Neuerungen von SAP NetWeaver 7.1 betreffen die Funktionen für Enterprise SOA, Business Process Platform (vgl. is report 5/08, Seite 17) und die Funktionen für Business Process Management, die aus dem Projekt Galaxy resultieren. Gerade bei den Funktionen für Business Process Management in SAP NetWeaver 7.1 zeigen sich zum ersten Mal in der IT-Industrie die Vorteile, die aus der Verbindung unseres Know-hows über Applikationen und Technologie in einem Produkt resultieren. Dabei geht es nicht nur um die Modellierung, das Design und die Ausführung von Geschäftsprozessen sowie deren laufende Überwachung und Management. Hinzu kommen die Möglichkeiten, die Applikation eng mit den Funktionen für Business Process Management zu koppeln. Das gibt es sonst nirgendwo.
Worum geht es bei dem auf der Sapphire vorgestellten Konzept des Sideby- Side-Deployment?
Unsere Kunden wollen den Kern ihrer SAP-Applikationen, auf denen ihre fundamentalen mission critical Geschäftsprozesse ablaufen und die stabil arbeiten, möglichst unverändert lassen. Wenn aber doch Veränderungen notwendig sind, weil etwa Unternehmen akquiriert wurden oder es Neuerungen bei Regularien oder Gesetzen gibt, suchen unsere Kunden nach einer Lösung, die zum einen die Skalierbarkeit, Stabilität und Integrität der eingesetzten Software sichert, aber anderseits auch Innovation, Flexibilität und Anpassungen ermöglicht. Zur Lösung dieses Konflikts gibt es von SAP die so genannten Enhancement Packages, die eine kontinuierliche Evolution der Anwendungen und auch der Geschäftsprozesse ermöglichen. Die Enhancement Packages werden aber nicht in die SAP-Applikationen eines Unternehmens eingebettet, sondern der Betrieb erfolgt Side-by-Side. Manche dieser Packages bieten kontinuierliche Innovation des Kerns, andere völlig neue Funktionen und Geschäftsinnovationen. Das heißt, die alte und neue Software sind weiter separierte Teile, aber dennoch auf derselben technologischen Plattform integriert. Darum geht es beim Konzept des Side-by-Side-Deployment. Damit wird die Arbeit des Anwenders unabhängig von der Evolution in der Infrastruktur der Anwendungen.
SAP hat die selbst entwickelte Datenbank MaxDB, die über MySQL mit einer Open-Source-Lizenz vertrieben wurde, wieder auf die eigene Preisliste genommen und will sie weiterentwickeln. Welche Rolle wird MaxDB in der Zukunft zukommen?
MaxDB ist eine Datenbank mit sehr guter Performance und sehr hoher Stabilität, die offensichtlich sehr gut mit unseren Anwendungen zusammenarbeitet. Als High-End- Datenbank eignet sie sich auch für den Einsatz in sehr großen Unternehmen. Unsere Kunden nutzen aber auch andere Datenbanken zusammen mit SAP-Anwendungen. Datenbanken werden jedoch immer mehr als austauschbare Massenware (Commodity) betrachtet. Trotzdem investieren wir viel in Innovationen für unsere Datenbanken – sowohl in MaxDB als auch in BIA, unseren Business Intelligence Accelerator. Die Nutzung dieser In-Memory- Datenbanken mit der Engine SAP TREX werden wir, zum Beispiel für Analyse-Anwendungen, ausbauen.
Als Chief Technology Officer beobachten Sie sicherlich auch Open-Source- Communities. Werden Open-Source- Anwendungen zu Wettbewerbern von SAP-Angeboten – vielleicht nicht in den nächsten zwei Jahren, aber dann in zehn Jahren?
Nein, das glaube ich nicht. Bei der Bewertung der Open- Source-Idee ist zwischen der Lizenzierung und den rechtlichen Aspekten auf der einen Seite und dem Community- Gedanke auf der anderen Seite zu unterscheiden. Die Open- Source-Idee ist ein wundervolles Beispiel dafür, was passiert, wenn engagierte Programmierer sich zusammentun und in einer Community fundamentale Innovationen intensiv vorantreiben. Linux ist nur das bekannteste von einer Vielzahl von positiven Beispielen. SAP wird auch weiterhin mit Open- Source-Lösungen arbeiten und die Vorteile daraus nutzen. Das ist aber vom Thema der Lizenzierung zu trennen, denn als kommerzieller Software-Anbieter müssen wir unser geistiges Eigentum schützen.
Ein anderes aktuelles Thema sind so genannte Mash Ups für Business Applications, die immer mehr Verbreitung finden. Was bietet die SAP auf diesem Gebiet?
Ich möchte zunächst erklären, worum es bei Mash Ups überhaupt geht. Business Applications unterscheiden sich ganz fundamental an der Benutzeroberfläche. Unsere Lösungen werden fünf bis zehn Jahre oder sogar noch länger in Unternehmen eingesetzt. Bei solch lang andauernden, vertrauensvollen Kundenbeziehungen stellt sich die Frage, wie Innovationen ins Unternehmen gebracht werden, ohne dass die Stabilität der genutzten Software-Applikationen gefährdet wird. Denn Innovationen gibt es regelmäßig bei Hardware, bei der Speicheroder Netzwerktechnologie. Auch Programmiersprachen ändern sich sehr häufig, etwa jedes Jahr gibt es hier große Neuerungen. Aber noch wichtiger sind die Innovationen bei Technologien für die Benutzeroberfläche, die etwa die Wiedergabemöglichkeiten (rendering capabilities) oder die Arbeit des Anwenders (user experience) beeinflussen. Nach meiner Beobachtung gab es in den letzten fünf Jahren zweimal pro Jahr eine neue Technologie für die Benutzeroberfläche auf dem Markt. Microsoft hat gerade Silverlight angekündigt, davor gab es viel Bewunderung für das Apple iPhone. In der jüngeren Vergangenheit wurde viel über AJAX oder Google Earth gesprochen. Es geht nun um die Frage, wie diese Konzepte mit einer stabilen Kern- Anwendung genutzt werden können. Die Antwort ist unsere Timeless Software Strategy. Dabei wird jede Art von User Experience auf unserer Business Process Platform verankert, auch solche, die bisher noch gar nicht bekannt, angedacht oder erfunden wurde. Wir entwickeln unsere Business Process Platform und wissen noch gar nicht, wie sie in drei oder fünf Jahren verwendet wird. Wir betrachten Mash Ups als einen anderen Weg, die User Experience zu kreieren, zu optimieren und auf die Business Process Platform zu bringen. Es gibt Mash Ups in SAP CRM 2007, in SAP Business By Design, in unseren mobilen Lösungen und in SAP NetWeaver Composition Environment. Es gibt auch eine Reihe von Branchen-Mash-Ups, die unsere Partner entwickelt haben. Es gibt also keinen Mangel an Mash Ups in den Produkten von SAP. Im Gegenteil: Ich erwarte eine Menge neuer Mash Ups auf der Basis unserer Business Process Platform. Übrigens besitzen auch die Produkte von Business Objects viele Möglichkeiten für Mash Ups.
Mash Ups sind eine ziemlich neue Technologie – ABAP, SAPs proprietäre Programmiersprache, ist es nicht. Wird ABAP bald verschwinden?
Durch die Investitionen, die wir über die Jahre getätigt haben, schafft ABAP ein enorm hohes Leistungsvermögen der Anwendung zur Laufzeit (runtime capability). Hinzu kommt eine hohe Effizienz im Programmiermodell, mit dem sich die Kern-Applikationen bauen lassen, so dass ich kategorisch ausschließen kann, dass ABAP in der nächsten Zeit verschwinden wird. Ich habe mich schon während meines Studiums mit der Lebensdauer von Programmiersprachen befasst. Heute muss ich jedes Mal lachen, wenn jemand behauptet, ABAP wird bald verschwinden. Ein Freund, der als Chief Technology Officer bei Tata Consultancy, einem unserer Partner in Indien, arbeitet, berichtet mir, dass die Anzahl der in Cobol geschriebenen Programmzeilen weltweit immer noch steigt. Und der letzte Compiler für Cobol wurde Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts erstellt. Ich bin ziemlich sicher, dass ABAP für einen langen Zeitraum erfolgreich weiter existieren wird. Dabei ist mir bewusst, dass bei Mash Ups oder anderen Entwicklungen für die Benutzeroberfläche ABAP gar keine Rolle spielt. Es gibt Mash Ups, die in vielen Programmiersprachen entwickelt wurden, es gibt auch Mash Ups, die ganz ohne Programmiersprachen, etwa mit SAP Visual Composer, modelliert wurden. Ich bin überzeugt, dass die Frage der Programmiersprache gänzlich unabhängig ist von der Gestaltung der Benutzeroberfläche und anderer Composites oder kundenspezifischer Applikationen und damit von der Arbeit des Benutzers mit einer Anwendung.
Für die Nutzung von SAP Business By Design bietet SAP jedem Kunden einen eigenen Blade Server.
Wäre es nicht besser, mit einer so genannten Multi- Tenant-Lösung, wie sie etwa Salesforce. com verwendet und bei der mehrere Anwenderunternehmen auf einer Datenbank und einem Server arbeiten, schneller Kunden zu gewinnen?
Die Frage von Multi-Tenancy ist unabhängig vom Betrieb der Anwendung On Demand, wie es bei SAP Business By Design geschieht. So unterstützt unsere Programmiersprache ABAP Multi-Tenancy bereits seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Sogar SAP R/2 war eine Multi-Tenant- Lösung. Das Multi-Tenancy-Konzept, bei der mehrere Anwender eine Datenbank gemeinsam nutzen, ist also nichts Neues. SAP Business By Design ist eine integrierte End-to-End-Suite mit Funktionen für das Finanz- und Personalwesen, die Produktion, den Einkauf oder Customer Relationship Management. Bei dieser Breite an Anwendungen gibt es andere wichtigere Themen als Multi-Tenancy. So ist darauf zu achten, dass ein Kunde, etwa durch Analyse von Verkaufsdaten, nicht so viele Systemressourcen benötigt, dass andere Anwender dadurch in ihrer Arbeit behindert werden. Die Anwendung von Salesforce. com hat einen sehr engen Fokus und dafür reicht eine einfache, geradezu naive IT-Architektur aus. Das ist auch der Grund, warum für Analysen die Daten aus Salesforce.com in andere Analyse-Anwendungen exportiert werden müssen. Das ist nicht praktikabel, wenn das gesamte Unternehmen mit einer Anwendung gesteuert werden soll, wie es mit SAP Business By Design möglich ist.
Das Composition Framework ist jetzt Teil von SAP NetWeaver. Welche Bedeutung haben Composite Applications in der Zukunft?
Ich glaube, Composite Applications werden sehr wichtig. Zwar hat unsere Business Suite ein sehr breites Funktionsspektrum, deckt aber immer noch nicht alle Anforderungen der Anwender restlos ab. Es gibt immer kundenspezifische Anwendungen, um die Einzigartigkeit eines Geschäftsmodells abzubilden. Anwender sind immer auf der Suche nach Innovation und der „letzten Meile“ zu ihren spezifischen Anforderungen, um ihre Geschäftsstrategie weiterzuentwickeln. Dabei können Composite Applications helfen. SAP bietet kein Tool, wie es IBM oder andere Anbieter haben. Trotzdem besitzen wir enormes Expertenwissen, das wir in den letzten zwanzig Jahren angesammelt haben, während wir unsere Anwendungen entwickelten und zusammenbauten. Das SAP NetWeaver Composition Environment ist das Ergebnis der Fähigkeiten, ein Programmiermodell als Werkzeug zu verwenden, und dem Verständnis für Anwendungssoftware und deren Möglichkeiten. Diese Kombination ist einzigartig und erlaubt unseren Kunden, ihre Geschäftsstrategie weiterzuentwickeln. dk/hei