Sie sind hier:
Startseite
IT-Strategie
Zwei Hürden
sieht die Experton Group bei Unified- Communications-Projekten: Unternehmen müssen über einen Business Case im Vorfeld den geschäftlichen Nutzen aufzeigen. Außerdem geraten Fragen der Interoperabilität immer wieder zum Stolperstein.
„Der eigentliche und größte Nutzen von Unified Communications wird erst dann erschlossen, wenn die Workloads für Unified Communications aus verschiedenen bestehenden Geschäftsanwendungen heraus im Kontext der gerade anstehenden Aktivität des Mitarbeiters nutzbar sind", erklärt Axel Oppermann, Advisor bei der Experton Group. Dann reduziere sich der Trainingsaufwand für die Mitarbeiter, da die Kommunikation über ihre vertrauten Anwendungen läuft und nicht über ein neues System, in das sie erst eingewiesen werden müssen. „Dies erfordert ein hohes Maß an Interoperabilität zwischen Unified-Communications-Bausteinen, bestehenden Anwendungen sowie weiteren Infrastrukturkomponenten", erläutert Oppermann.
Die Realität sieht allerdings oft anders aus: So manches Unternehmen macht sich bei einem Unified-Communications-Projekt anfangs wenig Gedanken über Interoperabilitätsfragen. „Im Vordergrund der Vorhaben stehen zunächst einzelne Workloads wie Web-Konferenzen, Instant Messaging oder Präsenzinformationen", berichtet Oppermann. „Dabei passiert genau das, was man mit Unified Communications eigentlich verhindern wollte: es entstehen neue Silo-Anwendungen." Die negativen Folgen machen sich oft erst später bemerkbar, etwa wenn die Fachbereiche neue Anforderungen stellen, die durch die Silo-Anwendung nicht oder nur mit einem sehr hohen Integrationsaufwand umsetzbar sind.
Um diese Hürde zu überspringen, müssen laut Experton sowohl Anbieter als auch Anwender aktiv werden. Die Anbieter können mit auf Standards basierenden Lösungen und Schnittstellen eine Grundbedingung für Interoperabilität schaffen. Standards per se sorgen allerdings laut Oppermann nicht automatisch für Interoperabilität, denn sie lassen erheblichen Implementierungsspielraum. So seien einige Anwendungen zwar standardkonform, aber nicht völlig interoperabel mit anderen Anwendungen, die auf dem gleichen Standard basieren. Umso wichtiger sei es, dass Unternehmen bei der Projektplanung den Zugriff auf die Dokumentation der Standard-Schnittstellen der Anwender einfordern. „Weil nicht jeder Hersteller eine Politik der Offenheit verfolgt, müssen Unternehmen die Anbieter auf ihrer Short List in die Informationspflicht nehmen, um ihr Projekt nicht in einer späteren Phase auszubremsen", rät Oppermann.
Den Kunden empfiehlt Experton eine ganzheitliche Vorgehensweise. Zunächst gelte es, den Business Case für die konkret geplanten Unified-Communications-Projekte zu formulieren. Im nächsten Schritt müsse sich das Unternehmen einen Überblick über den Unified-Communications-Markt verschaffen. „Die Interoperabilität der eingesetzten Lösungen sollte ein strategisches Thema für IT-Entscheider sein", fordert Oppermann. „Das Ziel muss sein, offene Lösungen zu beschaffen, die mit anderen Produkten interagieren, um einen reibungslosen Austausch von Daten und Informationen zu erreichen." So stelle sich für CIOs die Frage, welche Infrastrukturkomponenten einschließlich verschiedenster Anwendungen generell relevant sind und wie die grobe Roadmap für die nächsten drei bis fünf Jahre aussieht. Zu guter Letzt müssten Anbieter identifiziert werden, welche die spezifischen Interoperabilitätsanforderungen des Unternehmens erfüllen. „Hier ist es zielführend, die Initiativen der Anbieter und ihre Motivation für Interoperabilität genau zu prüfen", erläutert Oppermann. „Unterstützt ein Anbieter anerkannte Standards, legt er seine Programmierschnittstellen offen, pflegt er ein solides Netzwerk an Implementierungspartnern und hängt der Erfolg seines Geschäftsmodells von Offenheit gegenüber Drittanbietern ab, so sind dies positive Zeichen."
Als Hilfsmittel zum Vergleich verschiedener Anbieter in der Produktauswahl hat Experton Group das Unified Communications Scorecard-Modell entwickelt (siehe untenstehende Grafik): Ausgegangen wird von drei imaginären Anbietern A, B und C. Während in den ersten beiden Auswahlphasen die Anbieter A und B die Ziele gut erreicht haben, trennt sich im Cloud-Szenario die Spreu vom Weizen: Anbieter A schneidet gut ab, weil er die Unified-Communications-Module und die Produktivitätsanwendungen gut integriert hat. Für alle weiteren Anwendungen gibt es offene Schnittstellen und Konnektoren. Anbieter B hingegen kann nur mit sehr hohem Aufwand und nur in eingeschränktem Umfang eine Integration herstellen. Anbieter C schließlich schneidet am schlechtesten ab. jf