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IT-Strategie

90 PROZENT der US-Unternehmen führen Maßnahmen zur Datenpflege entweder bereits durch oder sie planen deren Einsatz in den nächsten zwölf Monaten. Das zeigen Studien, die Forrester im Auftrag des Datenqualitätsspezialisten Trillium 2010 und 2011 bei Unternehmen mit 1000 und mehr Angestellten durchgeführt hat. Die Treiber für diese Initiativen fallen je nach Branche unterschiedlich aus. Oft konzentriert sich der Business Case auf Umsatzsteigerung über optimiertes Direktmarketing oder Kosteneinsparungen infolge einer höheren Effizienz im Betrieb. Gesetzlich regulierte Branchen wie Banken, Versicherungen und medizinische Betriebe verweisen auf Compliance-Anforderungen, während Fertigungsbetriebe, Händler oder Konsumgüterhersteller über eine bessere Datenqualität ihre Effizienz steigern und die Kosten senken wollen.
Die allgegenwärtige Kluft zwischen den von der IT-Abteilung betriebenen Initiativen zur Datenqualität und den von den Fachabteilungen angestoßenen Initiativen zur Prozessverbesserung betrachtet der auf Business Process Management spezialisierte Forrester-Analyst Clay Richardson als eine Folge des Silodenkens der beiden Akteure: „Die effiziente Zusammenarbeit zwischen Fachabteilung und IT-Managern ist sowohl bei der Datenqualität als auch bei der Prozesssteuerung der Schlüssel zum Erfolg.“ Geschäftsprozesse geraten ins Stocken, wenn sie nicht auf verlässliche Daten aufbauen, und Initiativen für mehr Datenqualität bringen keinen Business-Nutzen, wenn die betroffenen Informationen nicht die geschäftskritischen Prozesse und Entscheidungen abbilden.
38 Prozent der in der Studie befragten Manager bezeichneten die Datenqualität in ihrem Unternehmen als Flaschenhals, der Geschäftsabläufe negativ beeinflusst. 48 Prozent der Befragten sehen hingegen keinen solchen Zusammenhang. Die Kluft zwischen Fachabteilung und IT kritisieren Data Stewards, welche den Managern aus der Fachabteilung die Synergien zwischen Datenmanagement und Geschäftsprozesssteuerung näherbringen wollen. 28 Prozent der Befragten berichteten, dass in ihrem Unternehmen die Initiativen in Sachen Datenmanagement und Prozesssteuerung weitgehend unverbunden nebeneinander herlaufen. 18 Prozent der Befragten erkannten keinen Zusammenhang zwischen beiden Initiativen. Lediglich 26 Prozent gaben an, dass die Verantwortlichen Business Process Management und Datenqualität ihre Aktionen koordinieren und sicherstellen, dass die Teams gut zusammenarbeiten.
Insgesamt zeigen die Studienergebnisse, dass die Manager aus IT und Fachbereich das Thema Datenqualität sehr hoch ansiedeln. 85 Prozent der Befragten betrachten es als wichtigen Teil ihrer Verantwortung. Offensichtlich ist dieses Thema im Status vom Rang „nice to have“ und „taktisch“ auf die Bewertungsstufe „strategisch mit Unterstützung des Topmanagements“ aufgestiegen. Die hohe Wertschätzung bedeutet, dass Unternehmen ihre Datenqualität verbessern müssen: In einer ähnlichen Forrester-Studie aus dem Jahr 2010 schätzten 13 Prozent der Befragten die Qualität ihrer Daten als hoch ein, 48 Prozent hingegen als niedrig.
In Geschäftsprozessen werden Daten nicht nur gesammelt, sondern auch erzeugt und verändert. Wichtig dabei ist es, ob und inwieweit sich die Daten dazu eignen, einen weiteren Schritt anzustoßen, und inwieweit ihre Qualität im Prozessverlauf stabil bleibt. In der Studie hatte Forrester danach gefragt, welche Kernprozesse und -funktionen am meisten von der Datenqualität abhängen. Die höchsten Werte erzielen das Kundenbeziehungsmanagement mit 45 Prozent sowie alle Aktivitäten mit einem direkten Kundenbezug mit 40 Prozent der Nennungen. Beispiele für die letztgenannte Kategorie sind Account Management, Kundendienst sowie Cross-Channel-Verkäufe über das stationäre und mobile Internet.
Marketing kommt auf 30 Prozent der Nennungen und leidet damit nach Ansicht der Befragten vergleichsweise wenig unter schlechten Daten. Das heißt allerdings laut Richardson nicht, dass Marketiers an einer hohen Datenqualität wenig Interesse haben. „Gerade Direktmarketing stellt einen der ausgereiftesten Business Cases für Verbesserungen der Datenqualität dar. Marketiers investieren bereits seit Jahren in die Bereinigung und Anreicherung ihrer Kundendaten, um das Wissen über die Kunden zu verbessern, die Trefferquote ihrer Kampagnen sowie den Erfolg ihrer Cross-Selling Aktionen zu erhöhen.“ Der niedrigere Erfolg einer Marketing-Kampagne aufgrund schlechter Datenqualität treibe zwar deren Kosten in die Höhe, habe aber dennoch im Vergleich zu gesetzlich regulierten Prozessen in der Finanzbranche ein geringeres Schadenspotenzial.
Das Nachzeichnen der negativen Auswirklungen schlechter Daten auf Kernprozesse stellt lediglich den ersten Schritt dar. Die nächste Herausforderung besteht darin, Prozesse und Technologien aufzusetzen, welche die Datenqualität verbessern. Forrester empfiehlt den Unternehmen dazu sechs Maßnahmen.
Die dargestellten Maßnahmen sind in den befragten Unternehmen unterschiedlich verbreitet. 54 Prozent fokussieren ihre Anstrengungen auf eine bessere Abstimmung zwischen Business Process Management und Datenpflege, 48 Prozent konzentrieren sich auf Data Governance, während 46 Prozent das automatisierte Monitoring in den Vordergrund rücken. Geht es um Kundenbeziehungsmanagement (CRM) kommt die Abstimmung zwischen Prozesssteuerung und Datenpflege auf 39 Prozent, Data Governance auf 37 Prozent und Datenbereinigung auf 24 Prozent der Nennungen. Richardson führt dies darauf zurück, dass viele CRM-Systeme bereits von sich aus Basismaßnahmen der Validierung und Bereinigung von Daten unterstützen. Bei unternehmensweiter Standardsoftware (ERP) hingegen kamen die Initiativen zur Datenpflege mit 53 Prozent der Nennungen auf den Spitzenplatz, wobei 44 Prozent der Befragten sowohl Data Governance, Data Stewards und Master Data Management einsetzen.
„Wurde das Datenqualitätsmanagement einst ausschließlich der IT-Abteilung zugeschlagen, so ist es heute im Topmanagement angekommen“, berichtet Richardson. „Die Verantwortung der Fachabteilungen für Daten ist allerdings noch ungewohnt für viele Unternehmen. Notwendig ist hier ein Change Management, das allen Prozessbeteiligten die Methoden für Data Governance näherbringt.“ jf