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Exklusiv Interview mit Stephan de Haas

Systemmodernisierung spart Betriebskosten ein

Stephan de Haas, Leiter Global Solution Architecture bei T-Systems, erklärt, wie sein Outsourcing-Angebot gleichzeitig die Bereiche Kostensenkung und Modernisierung bedient.

Auf welche Kundenprobleme zielt das T-Systems-Angebot Transformational Outsourcing?

Die meisten Unternehmen betreiben heute historisch gewachsene und heterogene IT-Landschaften, die eine hohe Komplexität und dadurch hohe Betriebskosten und technische Betriebsrisiken aufweisen. Unsere Kunden suchen deswegen vereinfachte IT-Strukturen, die geringe Kosten bei verbesserter Qualität bieten und mit ihrem Geschäftsvolumen wachsen - aber auch schrumpfen können. Unser Outsourcing-Ansatz zielt auf standardisierte IT-Landschaften und Geschäftsprozesse, bessere Servicequalität und transparentere Strukturen. Um dies zu erreichen, übernehmen wir die Systeme und optimieren sowohl die Technologie als auch die damit abgebildeten Geschäftsprozesse in mehreren Schritten.

Wie sehen die ersten Schritte aus?

Zunächst ermittelt T-Systems die Ansatzpunkte zur Optimierung der IT-Landschaft. Wir übernehmen den Betrieb der Infrastruktur und überführen die Systeme in unser Dynamisches Outsourcing-Modell. Dabei standardisieren und konsolidieren wir zunächst die Infrastruktur und migrieren die vorhandenen SAP-Systeme, Standardanwendungen wie etwa Microsoft Exchange Server und selbstentwickelte Applikationen in ein T-Systems-Rechenzentrum auf unsere Dynamic-Service-Plattform. So erzielen wir Kosteneinsparungen, erhöhen die Betriebsqualität und der Kunde kann Rechenleistungen nach seinem Bedarf in Anspruch nehmen.

Wie geht es dann weiter?

Der zweite Schritt sind Application Management Services, also die Standardisierung der Pflege- und Wartungsprozesse für die Applikationen. Das ermöglicht weitere Verbesserungen in puncto Kosten und Service. Nach Abschluss des technischen Upgrades gehen wir durch Applikationsrationalisierung die Hebel der Standardisierung auf Ebene der Geschäftsprozesse an. Im Rahmen dieser Applikationsmodernisierung lösen wir selbst entwickelte Anwendungen durch Standard-Applikationen ab und führen individuelle Modifikationen in den Herstellerstandard zurück. Vorteile für den Kunden sind agilere und effizientere Geschäftsprozesse und eine geringere Fehleranfälligkeit.

Wie lange dauert diese Transformation?

Nach ungefähr 18 Monaten sind die beschriebenen Schritte durchlaufen und die Kosten gesenkt. Nach Abschluss dieser Transformation passen wir unsere Services ständig an die weitere Entwicklung der Anforderungen des Kunden an.

Bisher haben Outsourcing-Verträge hauptsächlich auf Kostensenkung abgezielt. Wie erweitern Sie diesen Ansatz auf die Modernisierung der Systeme?

Wir koppeln im Outsourcing-Vertrag den Betrieb der Systeme mit deren Modernisierung. Beim Vertragsabschluss wissen manche Kunden jedoch noch nicht, ob sie sämtliche Systemverbesserungen wie eine SAP Konsolidierung und Harmonisierung mit T-Systems oder einem anderen Partner machen werden. Deswegen folgen konkrete Vorschläge zur Applikationsmodernisierung durch T-Systems auch als Business Cases. So zeigen wir dem Kunden weitere Einsparungen im Betrieb von T-Systems. In solchen Fällen enthält der Outsourcing-Vertrag nicht das gesamte Projektbudget.

Die Architektur eines IT-Systems hängt immer auch von den betriebswirtschaftlichen Zielen eines Unternehmens ab. Werden diese Ziele vom Unternehmen, vom Dienstleister oder von beiden gemeinsam formuliert?

Die Formulierung der Ziele erfolgt am besten gemeinsam. Der CIO gleicht die künftige IT-Landschaft mit den Business-Zielen seines Unternehmens ab. T-Systems tritt hier als Partner auf, der Best Business Practices aus anderen Unternehmen und Branchen einbringt. Diese betreffen nicht nur die IT-Systeme, sondern auch die Gestaltung der Geschäftsprozesse.

Wie geht T-Systems vor, wenn ein Unternehmen beim Outsourcing zwar Kostenvorteile wahrnehmen will, aber die Inves­tition in Zukunftstechnologien scheut?

Unser Ansatz adressiert genau diese Frage. In einer Konjunkturflaute haben Unternehmen fundamentale Beweggründe dafür, Investitionen zurückzustellen. Oftmals sichert dann die Kostensenkung das Überleben des Unternehmens für die nächsten zwölf Monate. Application Management ist hierfür eine sehr effiziente Methode, die anhand von wenigen fundamentalen Änderungen in den Wartungsprozessen der Applikationen schnell Einsparpotenziale erzeugt. So entsteht die Basis für eine spätere Modernisierung, die im Wesentlichen durch die Einsparungen finanziert wird.

Sinken die Outsourcing-Gebühren, wenn ein Unternehmen in einer Konjunkturflaute sein IT-System verkleinert?

Ja, unsere Dynamic Services senken Kosten, wenn wir aus der Systemlandschaft des Kunden Server herausnehmen. Die konkreten Bedingungen dafür richten sich nach der Systemgröße und sind in den Verträgen individuell geregelt.

Wie haben die Kunden ihre Systeme in den vergangenen zwei Jahren entwickelt?

Als die Konjunktur eingebrochen ist, haben viele Unternehmen ihre Systeme verkleinert und dadurch ihre Kosten gesenkt. Dadurch sind sie jetzt sehr gut für die Zukunft aufgestellt. Aus den Reihen der Automobilindustrie bekommen wir bereits wieder Anfragen, um beispielsweise Systeme für das Kundenbeziehungsmanagement in China aufzubauen. Die Unternehmen merken jetzt, dass es sich lohnt, bei einem Outsourcing-Vertrag nicht ausschließlich auf die Kosten zu schauen.

Welche Bedeutung hat das Konzept der Service-orientierten Architektur (SOA), wenn es um den Ausbau einer Systemlandschaft geht?

SOA kommt erst zum Tragen, wenn die Zeichen auf Wachstum stehen und das Unternehmen seine Anwendungen standardisiert und konsolidiert hat. Dann hilft dieses Architekturkonzept den Unternehmen, ihre Geschäftsprozesse flexibler abzubilden.

Gibt es hierbei auch Ausnahmen?

Ja. Je nach Industrie kann eine SOA-Architektur auch die Vorraussetzung auf dem Weg zur Standardisierung und Konsolidierung der Applikationen sein. Wenn Unternehmen beispielsweise eine alte und heterogene Mainframe-Landschaft betreiben, bei der Standardsoftware wie SAP keine Alternative darstellt, und sie in den kommenden Jahren die Plattform wechseln wollen, dann schafft SOA die technischen Voraussetzungen für eine schrittweise Migration in eine offenere Systemlandschaft.

Welche Spareffekte erzielen Ihre Kunden im Durchschnitt? Lässt sich das pauschalisieren?

Das Einsparpotenzial hängt vom Ursprungszustand des Systems ab und von der jeweiligen Phase der Optimierung und Transformation. Wenn ein Unternehmen seine Prozesse noch kaum standardisiert hat, kein Offshoring betreibt und der Betrieb nur gering automatisiert ist, lassen sich Einsparungen bis zu 50 Prozent erzielen. Weitere 15 Prozent könnten eingespart werden, wenn wir die SAP-Systeme übergreifend harmonisieren und konsolidieren. Gemessen am Ausgangszustand sind das dann noch mal 7,5 Prozent an Einsparungen im IT-Budget und Effekten in den Geschäftskosten, die absolut gesehen weitaus bedeutender sind. Die Daumenregel lautet: Im Durchschnitt lassen sich meistens Einsparungen von 30 Prozent erzielen. jf