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Cloud- und Mobile-Lösungen bringen gemeinsam IT-Anwender voran

Ausgabe 1+2/2012

Cloud- und Mobile-Lösungen bringen gemeinsam IT-Anwender voran

Bei Cloud Computing und Mobile Enterprise handelt es sich nicht um kurze Hypes, sondern um eine Sprunginnovation. Lünendonk Consulting sagt, worauf IT-Manager achten müssen.

Der Begriff

Sprunginnovation geht auf die zyklische Konjunkturtheorie des russischen Wirtschaftswissenschaftlers Nikolai Kondratjew zurück und bezeichnet Veränderungen, die sich deutlich von einem rein linearen Wachstum abheben. Genau das beobachtet der Consulter Thomas Lünendonk, Gründer und Inhaber von Lünendonk Consulting, bei Cloud und Mobility: „Wir bewegen uns gerade in eine ganz neue Phase hinein. Beide Aktionsfelder sind innovative Ansätze. Die Potenzierung entsteht dadurch, dass für die Masse der mobil erzeugten und verarbeiteten Daten Cloud-Konzepte ideal geeignete Infrastrukturen und Organisationsformen darstellen.“

Standardisierte Anwendungen wandern sehr oft in die Cloud

Die Cloud verspricht den Unternehmen, dass sie standardisierte Applikationen kostengünstig und flexibel nach Bedarf nutzen können. Der Einstieg in dieses Betriebsmodell erfordert laut Lünendonk zunächst strategische Vorüberlegungen: die Unternehmen müssten sich darüber klar werden, wie viel Rechenkapazität sie künftig selber vorhalten wollen. Ist diese Frage geklärt, eignen sich „alle standardisierten Komponenten und Prozesse mit einer hohen Reife“ für den Betrieb in der Cloud. Als Beispiele nennt der Consulter E-Mail, Messaging, Kundenbeziehungsmanagement, Personalabrechnung und -verwaltung sowie Finanzen und Rechnungswesen. Lediglich selbst erstellte oder stark individualisierte Anwendungen würden die Unternehmen wohl auch künftig im eigenen Haus betreiben.
Die Web-Angebote differenzieren sich in die Varianten Public Cloud, Private Cloud und Hybrid Cloud. Die Public Cloud betrachtet Lünendonk als idealen Platz für hoch standardisierte und skalierbare Geschäftsprozesse. Die Unternehmen bezahlen hier lediglich das, was sie nutzen. Branchenspezifische Geschäftsabläufe beispielsweise für Automobilzulieferer würden künftig in einer Private- beziehungsweise Community Cloud laufen. Hierbei betreibe ein Dienstleis­ter für mehrere Unternehmen aus einer Branche eine mit typischen Abläufen vorkonfigurierte Web-Plattform. Der Begriff Hybrid Cloud schließlich bezeichnet eine Mischform, bei der Unternehmen standardisierte Sys­temteile in der Private Cloud und individuelle Teile inhouse betreiben.

Cloud-Anwendungen sind wenig individuell

Der Einstieg in die Cloud kann laut Lünendonk schrittweise vonstatten gehen. Unternehmen werden am Anfang noch große Systemteile individualisiert im eigenen Haus betreiben, diese aber nach und nach standardisieren und in die Public Cloud migrieren. Cloud-Angebote erlauben typischerweise weniger Individualisierungen als eine Inhouse-Implementierung. Nach und nach würden Unternehmen diese Variante laut Lünendonk akzeptieren: „Früher haben Anwender gefordert, dass sich die Software an das Unternehmen anpassen muss. Inzwischen haben sie festgestellt, dass einerseits in hoch standardisierten Business-Anwendungen sehr viel Prozess-Know-how steckt und sich andererseits die Abläufe im eigenen Unternehmen nicht fundamental von der Verfahrensweise anderer Unternehmen unterscheiden. Daher steigt die Bereitschaft, sich bei der Implementierung betriebswirtschaftlicher Software auf Standards einzulassen.“
Hindernisse für die Cloud-Akzeptanz stellen bislang die Bereiche Datensicherheit und Compliance dar. Im ersten Fall hält Lünendonk die Bedenken der Anwender für völlig überzogen: „Professionelle Rechenzentren bilden die Datensicherheit viel besser ab, als Mittelständler sich das jemals werden leisten können.“ Schwieriger sei der Fall bei den Compliance-Anforderungen, die festlegen, dass sensible Daten in Deutschland oder zumindest innerhalb der EU lagern müssen. An diese Regeln müssten sich Anwender und Dienstleister halten. Die Anbieter müssten den Kunden gegenüber klar darlegen, wo ihre Daten lagern und welchen Datenschutzrichtlinien sich der Provider unterwirft. Das ist ähnlich wie bei dem Stromkunden. Die wollen heute auch wissen, ob der Anbieter Energie aus Wasser, Gas oder Atomkraft erzeugt.“

Die Digital Natives fordern Web-Technik

Bleibt das Bauchgefühl vieler Unternehmen, die ihre Daten am liebsten im eigenen Haus lagern wollen. Lünendonk hält das für eine psychologische Grundeinstellung, die stark vom Alter abhängt: „Wer in seiner frühen Berufserfahrung noch das Diktat von Briefen und die Papierpost gewohnt war, will heute seine Rechner und Daten am liebsten im eigenen Haus haben. Bei Digital Natives ist das ganz anders, denn sie sind mit Facebook, YouTube und Twitter aufgewachsen.“ Genau hier schließe sich auch der Bogen zwischen Cloud und Mobility: Digital Natives ziehen sich Musik und Videos aus dem Netz und wollen diesen Umgang mit Technologie auch in ihrem Beruf nutzen. „Mobility durch Smartphones und Tablet PCs sorgt in einem viel stärkeren Maße als Laptops und Notebooks dafür, dass sich die Unternehmensgrenzen auflösen.“
Ähnlich wie die Cloud wartet Mobility mit vielfältigen Nutzenversprechen auf: Außendienstmitarbeiter arbeiten mit aktuellen Kundendaten, erledigen Bestellvorgänge vor Ort und Servicetechniker greifen auf Maschinendokumentationen zu. Sogar per Video können mobile Mitarbeiter untereinander kommunizieren. Die klassischen Büroarbeitsplätze lassen sich zudem durch Home Offices oder sogar durch einen Schreibtisch im Internet-Cafe ersetzen. „Der Standort wird in dieser neuen Arbeitswelt zunehmend unwichtig“, so Lünendonk.
Hürden für den Einstieg in das mobile Arbeiten sind die Kosten für Anschaffung, Verwaltung und Betrieb der Geräte sowie die Datensicherheit. Die Kos­ten lassen sich für Unternehmen laut Lünendonk dadurch senken, dass sie ihren Mitarbeitern einen Zuschuss für den Erwerb privater Geräte geben und diese dann ins Unternehmensnetz integrieren. Für einfache Kundenmanagement-Anwendungen oder Kalenderdiens­te existierten Flat­rate-Angebote, die pro Person und Monat einen einstelligen Euro-Betrag kos­ten. Die Sicherheit hänge von der eingesetzten Technik und vom jeweiligen Dienstleiter ab. Außerdem müss­ten die Mitarbeiter ein Bewusstsein und eine Compliance für den Umgang mit sensiblen Daten auf Mobilgeräten entwickeln.

Nutzenargumente rangieren höher als Technologie

Sowohl bei der Cloud als auch beim Thema Mobility sollte der Grund für den Einstieg laut Lünendonk der betriebswirtschaftliche Nutzen sein und nicht die technischen Möglichkeiten. Zu den monetären Vorteilen komme eine verbesserte Mitarbeiterbindung: „Gerade junge Angestellte wollen heute mit IT-Systemen arbeiten, die sie aus ihrem Privatleben kennen“, erläutert der Consulter. „Deshalb kommen Unternehmen weder um die Cloud noch um mobile Anwendungen herum.“ Eine Erleichterung für den Einstieg könne es sein, dass man bei standardisierten Applikationen auf einen Cloud-Anbieter zurückgreift, der sowohl in der IT-Welt als auch in der Telekommunikation aktiv ist. jf