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Umfassende
Funktionalität zieht bei einer Business-Process-Management(BPM)-Suite meist hohe Lizenzkosten und großen Einarbeitungsaufwand nach sich. Einige BPM-Werkzeuge sind unerschwinglich für den Mittelstand und zudem für viele Anwendungsfälle unnötig. So lautet das Fazit einer vergleichenden Bewertung von BPM-Suites durch das Fraunhofer ISST. In der Studie verglich das ISST die Intalio Community Edition mit dem Liferay-Portal sowie die IDS Scheer Aris-Plattform mit SAP Netweaver 7.0 mit den Websphere-Business-Process-Management-Komponenten von IBM.
Noch immer sind laut dem Urteil der Forscher diejenigen Spezialhersteller führend, die eher vom Workflow als von der Service-orientierten Architektur her kommen. Global Player wie IBM, SAP, Oracle/BEA haben aber stark aufgeholt und werden – so die Prognose – wohl viele der Spezialhersteller überholen oder übernehmen. So gibt es beispielsweise ein Übernahmeangebot der Darmstädter Software AG für IDS Scheer.
IBM Websphere biete mächtige Funktionalitäten von Modellierung, über Simulation, Prozessimplementierung und Ausführung bis hin zum Business Activity Monitoring. Dem stehe eine hohe Komplexität gegenüber: So erschweren die getrennten Werkzeuge der Fachebene (Websphere Business Modeler WBM) und der IT-Ebene (Websphere Integration Developer WID und Rational Application Developer RAD) Modellanpassungen an eine geänderte Implementierung.
Bei kleineren Projekten ohne Rollenteilung werten die Forscher die Nutzung von zwei Entwicklungstools WBM und WID als ungünstig, denn eine Person muss zwei Tools beherrschen und synchronisieren. Besser sehe es bei großen Projekten aus, wo die Gesamtmodellierung der Prozessimplementierung vorausgeht. Hier überwiegen laut der Studie für den Fachanwender die Vorteile des speziell auf ihn zugeschnittenen Werkzeugs.
Insgesamt biete IBM keine integrierte BPM-Suite, sondern nähere sich diesem Ziel über die Interoperabilität zwischen mehreren Produkten. Die Forscher wünschen sich eine bessere Interoperabilität zu den Produkten anderer Hersteller sowie einfachere Wiederverwertbarkeit von Modellfragmenten. Als Vorteil werten sie den Gesamtzusammenhang in der Werkzeugpalette von Big Blue, die allerdings ihren Preis habe.
Der nächste Testkandidat ist die Kombination aus SAP Netweaver und Aris von IDS Scheer. SAP Netweaver ist ein nicht aufspaltbares Paket von Applikations-, Prozess- und Portalserver. Es erfordere sehr hohe Ressourcen und viel Installationsgeschick und sollte laut Fraunhofer ISST am besten vom Anbieter installiert werden. SAP Netweaver sei eine sehr mächtige Ausführungsplattform. Auch das SAP-Portal sei sehr umfassend, wenn auch an einigen Stellen etwas unübersichtlich. Nachteilig sehen die Forscher SAPs proprietären I-Views-Standard für Portlets.
Aris bewerten die Fraunhofer-Forscher als eine starke Design- und Controlling-Plattform im Hochpreis-Segment. Die webbasierten Werkzeuge unterstützen mehrere Modellierungsstandards. Die Werkzeuge für Business Activity Monitoring und -Controlling können Prozesse und Event-Logs aus heterogenen Quellen analysieren, bis hin zum Process Mining, also dem Analysieren von Auffälligkeiten in der Ausführung der Abläufe. Mit seinen zusätzlichen Implementation- und Strategy-Plattformen biete IDS Scheer ein fast rundes Angebot, dem lediglich die Prozessausführung fehlt.
Aris und SAP Netweaver seien ein gut eingespieltes Paar: Bestehende SAP-Modelle lassen sich in Aris Business Architect for SAP übernehmen, verändern und wieder in SAP Netweaver zur Ausführung bringen. Die von SAP Netweaver zur Laufzeit gesammelten Ist-Daten lassen sich mit dem Aris Process Performance Manager über einen SAP-Konnektor analysieren und als Realprozessmodelle darstellen.
Der dritte Vergleichskandidat ist die Kombination aus Intalio und Liferay. Bei Intalio loben die Forscher die Standardkonformität sowie die durchgängige Darstellung in der Modellierung. Dieser Ansatz eigne sich gut für kleinere Projekte. Abstriche müssen Anwender bei komplexen Prozessen, der Skalierbarkeit sowie im Business Activity Monitoring hinnehmen. Letzteres ist nur über die kostenpflichtige Enterprise Edition erhältlich. Liferay wiederum steht im Basis-Funktionsumfang dem Websphere-Portal kaum nach, enthält aber weniger DMS- und Suchfunktionalität sowie weniger Anwendungsmodule.
Generell komme es bei der Auswahl einer BPM-Suite stark auf die individuellen Anforderungen an. Stehen beispielsweise die Kosten oder die agile Anpassung von Prozessen im Vordergrund, so können Anwender ohne Risiko Intalio BPMS testen. Kommt es dagegen auf Robustheit, Skalierbarkeit und einen problemlosen Betrieb an, so bieten sich eher IBM Websphere oder die Kombination aus Aris von IDS Scheer und SAP Netweaver an. jf