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IT-Strategie
„Enterprise-
Architekturen finden in Unternehmen ein steigendes Interesse“, berichtet Gartner-Analyst Philip Allega, der zu diesem Thema 2010 eine Hypecycle-Studie erstellt hat. Im Detail unterscheidet der Analyst drei Architekturansätze: die erste Variante fokussiert rein auf die Integrationstechnologie, die zweite Variante versucht, IT und Business miteinander zu verknüpfen, und die dritte verbindet die ersten beiden Ansätze und erweitert den Fokus auf Unternehmenskunden sowie auf Partner in der Lieferkette. „Die IT-Architekten der Bank of England versuchen die weltweiten Wirtschaftsverflechtungen abzubilden und zu simulieren“, beschreibt Allega ein Erfolgsbeispiel. „Dieser Ansatz geht weit über eine blanke Technologiebetrachtung hinaus. Er erfasst die unterschiedlichen Interessengruppen und Mitarbeiter und bildet deren Kommunikationsbedürfnisse ab.“
Im Hypecycle finden sich die drei Architekturansätze an unterschiedlicher Stelle: Die Technologie der ersten Generation hat das Plateau der Produktivität erreicht, und sehr viele Unternehmen erzielen damit ausgezeichnete Ergebnisse. Die zweite Generation, welche Business und IT enger verbindet, überschreitet gerade den Gipfel der überzogenen Erwartungen und wird laut Gartner-Einschätzung in zwei bis fünf Jahren das Plateau der Produktivität erreichen. Die dritte Generation, welche die gesamte Supply Chain in den Blick nimmt, entwickelt sich gerade. Allega geht davon aus, dass sie in den kommenden fünf bis zehn Jahren den Gipfel der überzogenen Erwartungen überschreiten wird und sich dann in Richtung Produktivität bewegt.
Der Gartner-Hypecycle von 2010 markiert einen Wendepunkt in der Einschätzung von Enterprise-Architekturen. Noch im Januar 2009 hatte die Analystin Anne Thomas Manes von der Burton Group die Service-orientierte Architektur (SOA) für tot erklärt: „SOA-Projekte sind in den meisten Unternehmen gescheitert“, resümierte die Analystin damals. Kaum eines der mit Services verbundenen Versprechen sei eingelöst worden. Unternehmen hätten zwar Millionen in den Architekturumbau investiert, dennoch stünden ihre IT-Systeme nicht besser da als zuvor.
„Enterprise-Architekturen sind hauptsächlich deshalb ins Tal der Desillusionierung gefallen, weil die IT-Architekten die Brücke von der Technologie zum Business nicht schlagen konnten oder wollten“, erklärt Allega. „Wenn SOA-Projekte ausschließlich aus technologischen Erwägungen in einem Unternehmen angesetzt werden, ist die Chance überaus groß, dass sie scheitern werden.“ Die enge Verflechtung von IT und Fachabteilung sieht der Gartner-Analyst als Grundvoraussetzung, die dabei hilft, gescheiterte Projekte wieder aufzunehmen und zum Erfolg zu führen. „Ein erfolgreiches Architekturkonzept erfasst zunächst den Ist-Zustand der Fachabteilungen, formuliert im zweiten Schritt konkrete Business-Ziele und zeigt im dritten Schritt auf, wie welche IT-Systeme miteinander kommunizieren müssen, um die gewünschten Ziele zu erreichen.“
In der vor kurzem ausgelaufenen Wirtschaftsflaute haben viele Unternehmen IT-Projekte entweder ganz gestoppt oder auf ein Minimum reduziert. Dieses Verhalten spart zwar Kosten, es kann aber laut Allega bereits nach einer relativ kurzen Zeit dazu führen, dass die Unternehmen mehr Geld investieren müssen als vorher, um ihre nach und nach veraltenden IT-Systeme am Leben zu erhalten. Hinzu kommen die Einschränkungen für die Fachabteilungen: „Der Verzicht auf die Modernisierung der IT kann beispielsweise verhindern, dass eine Bank, wie eigentlich geplant, ihren Finanzkunden auch Versicherungen verkauft. Spätestens dann, wenn ein Wettbewerber in dieses Geschäft einsteigt, muss die Bank ihre IT-Planungen wieder aufnehmen.“
Beim Neustart von IT-Projekten kommt laut Allega den Enterprise-Architekten eine erfolgsentscheidende Rolle zu: „IT-Manager müssen der Unternehmensführung im Detail darlegen, welche geschäftlichen Folgen der Verzicht auf eine bestimmte IT-Investition mit sich bringt. Bei künftigen Projekten sollten sie die gewünschten Fähigkeiten der IT-Systeme klar an den Business-Erfordernissen und den Bedürfnissen der Fachabteilungen ausrichten und im Rahmen von Governance nachzeichnen, ob sich Business und Technologie in die gewünschte Richtung bewegen oder nicht.“
Laut Umfragen planen 73 Prozent der Gartner-Kunden in den kommenden drei bis fünf Jahren Projekte in Sachen Enterprise-Architektur. Bis 2015 werden sich zudem laut Allega die Aufgabenbereiche der IT-Manager nicht mehr alleine auf die Technologie beschränken, sondern die gesamte Unternehmenssteuerung umfassen. Um sich auf die neuen Aufgaben vorzubereiten, sollten IT-Architekten sicherstellen, dass sich ihre aktuellen und künftigen Architekturkonzepte an einer klaren Business-Vision ausrichten. Dabei sollten sie vor allem diejenigen Technologien und Fähigkeiten in ihr Portfolio aufnehmen, die laut Gartners Hypecycle weniger als zwei Jahre von einer Mainstream-Verwendung entfernt sind. jf