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Informationen zur BARC Software-Evaluation "Service-orientierte Architekturen"

Ziel der neuen BARC Software-Evaluation „Service-orientierte Architekturen" ist es, dem Anwenderunternehmen durch gezielte Informationen eine bessere Entscheidungsgrundlage bei der Auswahl einer SOA-Plattform zu ermöglichen. Unternehmen müssen selbst entscheiden, welche der Kriterien und Funktionalitäten sie zur Abdeckung ihrer Anforderungen für wichtig erachten. Die Software-Evaluation beschreibt und bewertet SOA-Plattformen verschiedener Hersteller, liefert dadurch alle wichtigen Informationen und ermöglicht damit eine unternehmensspezifische Beurteilung und Einordnung der am Markt erhältlichen Angebote. Noch in diesem Jahr wird die Software-Evaluation um einige weitere SOA-Anbieter ergänzt.

Die Software-Evaluation kann zum Preis von 750 Euro zzgl. Mehrwertsteuer kann hier oder über den Buchhandel (ISBN 978-3937818-34-4) erworben werden. Darüber hinaus können auch einzelne Systembeschreibungen bezogen werden. Käufer der gesamten Studie erhalten zwölf Monate Online-Zugriff auf die Produktbewertungen, einschließlich aller in dieser Zeit veröffentlichten zusätzlichen Produktbeschreibungen und etwaigen Updates der bereits vorhandenen Produktbeschreibungen.

Evaluation von Plattformen für Service-orientierte Architekturen

Der Blick hinter den SOA-Hype

Die Verwirklichung Service-orientierter Architekturen (SOA) versprechen ­einige Software-Anbieter. Eine neue Software-Evaluation hat bislang vier SOA-Plattformen intensiv untersucht und gibt Anwendern konkrete Empfehlungen.

Der Markt für SOA-Plattformen

ist hochgradig heterogen, dynamisch und in der Folge auch intransparent. Grund hierfür sind zum einen die bis heute unscharfe Begriffsklärung einer Service-orientierten Architektur (SOA) und zum anderen die daraus resultierende unterschiedliche Schwerpunktsetzung der einzelnen Anbieter im SOA-Umfeld. Darüber hinaus existiert noch eine Vielzahl an Publikationen, die mitunter völlig unterschiedliche Schwerpunkte im Themenumfeld der SOA setzen. Für interessierte Anwendungsunternehmen wird es so zunehmend schwieriger, langwieriger und kostenintensiver, einen Überblick über diesen Markt zu er- und behalten.

Abhilfe leisten will die neue Software-Evaluation des Lehrstuhls für BWL und Wirtschaftsinformatik der Universität Würzburg von Prof. Thome in Zusammenarbeit mit dem Business Application Research Center (BARC). Diese umfassende Studie richtet sich gezielt an Unternehmen, die die Einführung einer SOA geplant haben und nun nach einem leistungsstarken Partner unter den SOA-Anbietern suchen. Die Untersuchung gibt Informationen, Analysen und Hintergründe zu verschiedenen SOA-Plattformen.

Neue standardisierte Methode zur Beschreibung und Bewertung

Ausgangspunkt der Software-Evaluation ist eine von den Autoren neu entwickelte standardisierte Methode zur Beschreibung und Bewertung der Leistungsfähigkeit unterschiedlicher SOA-Plattformen. Es wurden die Angebote von vier für den deutschsprachigen Markt relevanten SOA-Anbietern eingehend untersucht. Für die umfangreichen Tests der vier Systeme wurden praxisrelevante Business Cases entwickelt, die den Anbietern mit der Bitte um eine Stellungnahme und Lösung der Problemstellung vorgelegt wurden.

Die Software-Evaluation „Service-orientierte Architekturen" gliedert sich in mehrere große Bereiche, wobei die Systemuntersuchungen den Hauptanteil ausmachen. Neben einer allgemeinen, für die Software-Evaluation verbindlichen SOA-Definition wird ein Referenzschichtenmodell aufgebaut, das die unterschiedlichen Ebenen einer SOA repräsentiert. Dieses Schichtenmodell verfügt auch über einen Migrationspfad, der später Teil der Analyse ist. So kann ein interessiertes Unternehmen nicht nur die technischen und fachlichen Möglichkeiten einer SOA-Plattform nachvollziehen, sondern auch mögliche Implementierungsmethodologien und die während der Implementierung möglichen Unterstützungen durch den Anbieter abfragen.

Auf Basis des SOA-Blueprints wurde ein mehr als 300 Fragen umfassender Fragebogen entwickelt, der den Anbietern übermittelt wurde und der die Schichten des Blueprints abdeckt. Neben technisch-orientierten Punkten fokussiert der Fragebogen auch auf mögliche Verbindungen zwischen der SOA und dem Management von Geschäftsprozessen bzw. der betriebswirtschaftlichen Nutzung der SOA. Die von den Anbietern ausgefüllten Fragebögen sind ebenfalls Teil der Veröffentlichung und geben Antworten auf Fragen wie „Besteht die Möglichkeit zur Simulation orchestrierter Geschäftsprozesse?" oder „Welche Konnektoren/Adapter existieren zu Legacy-Systemen (zum Beispiel ERP-Systeme)?". Auf Basis der ausgefüllten Fragebögen wurden Business-Szenarien erstellt, deren Bearbeitung die Softwarehersteller präsentieren mussten. Anschließend wurden die Systeme nochmals im Softwarelabor einem Test unterzogen. Ergebnis sind Anbieterbeschreibungen, die neben technischen und fachlichen Beschreibungen auch noch Stärken und eventuelle Schwächen der SOA-Plattformen aufzeigen. Sehr unterschiedlich war die Leistungsfähigkeit der untersuchten SOA-Stacks auf den unterschiedlichen Schichten des SOA-Referenzmodells, bei der Lösung der Business-Cases oder bei der Bewältigung des Migrationspfades. Auch das Vorgehen bei der Implementierung spiegelte die unterschiedlichen, in der Literatur definierten Methoden wider.

Die Anbieter, die in der ersten Runde der Sofware-Evaluation „Service-orientierte Architekturen" teilnahmen, waren (in alphabetischer Reihenfolge): Intersystems, Inubit AG, Oracle und SOPERA, ein Anbieter, der seine Plattform mit einer Open-Source-Lizenz anbietet. Ergebnisse der Software-Evaluation „Service-orientierte Architekturen" zeigt die Tabelle.

Charakteristika der Anbieter

Für die einzelnen Anbieter konnten darüber hinaus noch diverse essentielle, spezifische Charakteristika identifiziert werden. Diese werden in der Studie eingehend untersucht und bewertet.

In Auszügen sind dies für den SOA-Stack der SOPERA GmbH Advanced Service Factory (ASF) unter anderem: Lifecycle Management der Business Architektur, Plug-In-Konzept, Geschäftsprozessmodellierung, Open-Source-Ansatz, Best-of-Breed, Technologieunabhängigkeit, Seperation of Concerns und ein ausgefeiltes Policy-Konzept.

Für den SOA-Stack Ensemble 1.2 der Intersystems GmbH sind die relevanten Prinzipien und Ansätze folgende: SOA-Entwicklungsumgebung, architektonische Durchgängigkeit, Geschäftsprozessmodellierung, Verkürzung der Entwicklungszeit und die Einbindung der User-Interaktion.

Auch für die Lösung BPM Suite Toolset Version 5.0 der Inubit AG konnten diverse Charakteristika identifiziert werden, die im Rahmen der Studie konkretisiert worden sind. Dazu gehören: Durchgängigkeit, Geschäftsprozessmodellierung, Closed-loop-Ansatz, Plug-In-Konzept, hoher Vorfertigungsgrad auf Workflow-Ebene und Code-free-Ansatz.

Schließlich wurden noch für Oracles Fusion Architecture Release 10.1.3.3 einige wesentliche Aspekte definiert. Diese sind: SOA-Reifegradmodell eines Unternehmens, Fokussierung auf offene Standards, Geschäftsprozessunterstützung, Durchgängigkeit, Vorfertigungsgrad auf Workflow-Ebene und die Einbindung der User-Interaktion.

Nach der jeweiligen Identifikation der unterschiedlichen Schwerpunkte und Charakteristika der einzelnen SOA-Plattformen werden weitere, für ein Anwenderunternehmen wichtige Punkte ausführlich behandelt. Dazu zählen mögliche Kostenmodelle der Einführung und die jeweilige Vorgehensweise bei der SOA-Implementierung durch den Anbieter und die Frage, wie granular Services geschnitten sein sollten.

Herangehensweisen der Anbieter

Die einzelnen Anbieter verfolgen unterschiedliche Herangehensweisen bei einer SOA – umso wichtiger für ein interessiertes Unternehmen, hier den Überblick zu haben. In aller Kürze werden im Folgenden die wesentlichen Aspekte der Anbieter genannt.

Hinsichtlich der untersuchten Suite der SOPERA GmbH lässt sich beispielsweise feststellen, dass die Verbindung des Open-Source-Gedankens mit einem Best-of-Breed-Ansatz dem Anwendungsunternehmen viel Entscheidungsfreiraum lässt. So kann ein Anwendungsunternehmen für jede Komponente individuell bestimmen, ob ein Einsatz lohnt oder nicht. Dagegen müssen auf der Geschäftsprozessebene kleinere Abstriche gemacht werden. Darüber hinaus wird die Erstellung von grafischen Oberflächen nicht unterstützt. Die Darstellung von (Echtzeit-)Kennzahlen in der fachlichen Sicht ist aufgrund der eigenen Implementierungsmethodologie derzeit noch nicht möglich.

Bei der Lösung der InterSystems GmbH hingegen ist zu berücksichtigen, dass hier vor allen Dingen Entwickler sehr interessante Ansätze mit einer Abstraktionsebene, einer integrierten Datenbank und einem Sequenzdiagramm finden. Darüber hinaus sticht die durchgängige Architektur hervor, die die Möglichkeit bietet, technische Abläufe zu modellieren, zu verfolgen und aufgrund der integrierten Datenbank persistent zu speichern. Dafür verfügt die Lösung über Defizite im Bereich der Umsetzung der fachlichen Anforderungen in einer SOA. Darüber hinaus können aus fachlicher Sicht einzelne Objekte oder Services nur schwer gefunden werden, da es kein herkömmliches Repository gibt. Es existiert zwar eine Art Registry, das aber keine zwingende Dokumentation der Funktionalität beinhaltet.

Die Suite der Inubit AG kann dagegen gerade auf der Geschäftsprozessebene überzeugen. Darüber hinaus existieren die Möglichkeit der Echtzeitüberwachung laufender Prozesse sowie ein hoher Vorfertigungsgrad und eine feine Lizenzierbarkeit. Allerdings werden keine nicht-funktionalen Servicebeschreibungen bei der Orchestrierung unterstützt. Dieser Mangel kann aber durch die Definition von Metadaten zum Teil abgefangen werden.

Der SOA-Stack von Oracle schließlich verfügt über einen hohen Integrationsgrad aller Komponenten und die konsequente Unterstützung des Geschäftsprozesslebenszyklus. Auch Oracle nutzt offene Standards und bietet neben einigen obligatorischen Teilen eine Vielzahl von Komponenten, die optional eingebunden werden können. Darüber hinaus nimmt Oracle in diversen Standardisierungsgremien direkten Einfluss auf die weitere Entwicklung von technischen De-facto-Standards im Rahmen einer SOA. Schließlich wird bei Oracle ein in der Praxis erprobtes Domänenmodell für die Servicedefinition verwendet, was eine rasche und projektbezogene Implementierung der SOA-Suite ermöglicht.