Stolpersteine auf dem Weg zum internationalen ERP-Roll-out

Ausgabe 12/2011

Coaching Zone: Stolpersteine auf dem Weg zum internationalen ERP-Roll-out

Die Implementierung eines Enterprise-Resource-Planning(ERP)-Systems auf internationaler Ebene ist keine triviale Angelegenheit. Sieben Stolpersteine zeigen, worauf IT-Manager achten müssen.

In einer

exportorientierten Wirtschaft ist es auch für mittelständische Unternehmen selbstverständlich, international zu operieren. Die folgenden sieben Stolpersteine zeigen, worauf IT-Manager achten sollten, wenn sie dabei nicht straucheln wollen.

  1. Realistische Zeit- und Ressourcenplanung für die Implementierung
    Während IT-Entscheider den jeweiligen ERP-Hersteller beim Kauf einer Lösung meist auf einen strikten Zeitplan für die Implementierung festlegen, werden die eigenen Ressourcen häufig falsch eingeschätzt. In der Praxis ist davon auszugehen, dass für jeden externen Beratungstag zwei bis drei Tage an internen Arbeitsleistungen anfallen können.
    Generell werden bei der Planung einer internationalen ERP-Implementierung die vorbereitenden Arbeiten meist nicht ausreichend berücksichtigt, zum Beispiel die Konsolidierung von Stammdaten. Landesorganisationen verfügen oft über eigene Artikel- oder Stücklistennummern oder -strukturen, die vor der Einführung einer zentralen ERP-Lösung erst noch bereinigt und konsolidiert werden müssen.

  2. Teambildung
    Auch wenn die Einführung eines unternehmensweiten ERP-Systems immer eine zentrale Entscheidung der Geschäftsführung sein wird, so kann eine Implementierung doch nur erfolgreich sein, wenn sie als gemeinsame Aufgabe aller Niederlassungen verstanden wird. Haben regionale Organisationen den Eindruck, dass ihnen ein neues System bloß aufok­troyiert oder das „eigentlich“ bessere System weggenommen wird, so wird sich das im Prozess der Realisierung in mehr oder weniger starken Friktionen niederschlagen. Die verantwortlichen Stellen müssen daher offen kommunizieren, für Teamgeist sorgen, Hindernisse aus dem Weg räumen und auch entsprechende Anreize schaffen.

  3. Auswahl des Herstellers
    Wer ein ERP-System international einsetzen will, muss sich auf einen Hersteller verlassen können, der auch international in den entsprechenden Märkten präsent ist. Dazu gehört auch, dass ein Support in der Landessprache geleistet werden kann und dass ein Support-Zeitfenster in der jeweiligen Ortszeit zur Verfügung gestellt wird.

  4. Zentrale IT-Struktur als Basis
    Mit Rücksicht auf die in vielen Regionen nach wie vor bestehenden Leitungsprobleme wählen Unternehmen für ihre ERP-Systeme in fernen Ländern immer wieder dezentrale Lösungen. Durch diesen Ansatz entstehen jedoch regelmäßig Probleme, beispielsweise bei der Datenkonsis­tenz oder beim Installieren von Programmänderungen und Upgrades. Die dabei entstehenden Kosten sind um ein Vielfaches größer als die für die Nutzung zentraler Lösungen notwendigen teueren Verbindungen, zum Beispiel mit MPLS (Multiprotocol Label Switching).

  5. Dokumentation
    Die Geschäftsprozesse, die von ERP-Systemen abgebildet werden, sind heute zwar in der Regel vorschriftsmäßig dokumentiert, aber gerade bei internationalen Implementierungen wird häufig versäumt, die Dokumentation auch darüber hinaus aktuell zu halten und beispielsweise Änderungen über den gesamten Lifecycle hinweg nachzudokumentieren.

  6. Vereinheitlichung von Prozessen
    Ein einheitliches ERP-System dient immer auch der Vereinheitlichung der Geschäftsprozesse. Dabei müssen bisher dezentral organisierte regionale Gesellschaften in das Gesamt-Modell integriert werden. Bei der Evaluierung unterschätzen Unternehmen diesen Aspekt häufig und setzen insbesondere den jenseits von IT und ERP-Systemen erforderlichen organisatorischen Aufwand zu gering an.

  7. Gesetzliche Vorschriften
    Viele Unternehmen unterschätzen, wie viele Bereiche von der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften betroffen sind. So muss zwar ein einheitliches, zentrales Controlling aufgebaut werden, das alle Niederlassungen erfasst, dieses muss aber wiederum die lokalen Vorschriften in jedem Land berücksichtigen.

Der Coach: Herbert Feuchtinger ist Director Consulting & Support bei IFS in Erlangen.