ERP im Mittelstand

SAPs On-Demand-Geschäft wankt

SAP kämpft noch immer mit der Performance und den hohen eigenen Betriebskosten von Business ByDesign. IT-Analysten sagen, wie die ERP-Software zur Miete über das Internet doch noch für Mittelstandskunden attraktiv werden könnte.

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Markteinführung lautet derzeit die Go-to-Market-Strategie der SAP für ihre neue Mittelstandslösung SAP Business ByDesign. Aufgelöst heißt das, SAP wählt die Unternehmen aus, die sie als Kunden für die ERP-Software geeignet hält, und in Zusammenarbeit mit dedizierten SAP Teams begleiten die Walldorfer diese Kunden vom ersten Kontakt bis weit in die Phase der produktiven Nutzung von SAP Business ByDesign im Regelbetrieb. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse fließen laut Hans-Peter Klaey, Präsident SME SAP AG, ständig in die Produktentwicklung sowie auch in Service und Vertrieb ein. IT-Analysten sagen im Folgenden was dies bis dato gebracht hat:

Gartner: Kaum Branchenfunktionen

Christian Hestermann, Research Director ERP bei Gartner: „Auf der Sapphire 2009 hat SAP – nach einer zu langen Funkstille – Kunden und Interessenten ihre Mittelstandslösung live verfügbar gemacht. Dabei wurde klar, dass die Lösung durch eine breitere Funktionalität und eine höhere Durchgängigkeit glänzen kann als viele Wettbewerber. Aber es war auch sichtbar, dass die Benutzerfreundlichkeit und die Antwortzeiten der on demand betriebenen Lösung immer noch zu verbessern sind. Das seit kurzem verfügbare Feature Pack 2.0 bringt eine Menge neuer Funktionen, doch die Lösung wird auch weiterhin kaum branchenspezifische Funktionen enthalten; Dafür verweist SAP nach wie vor auf SAP Business All-in-One. Anwender waren im Gespräch mit Gartner insgesamt zufrieden, obwohl zur Zeit noch hoher Aufwand für Abstimmungen mit SAP betrieben wird und – unabhängig von der tatsächlichen Zahl – die Miete für mindestens 25 Benutzer anfällt. Das beläuft sich in fünf Jahren immerhin auf fast 200 000 Euro; ein klarer Beweis, dass on demand nicht automatisch billiger ist. Kleinere Fehler in der Lösung haben außerdem gezeigt, dass Anwender beim Upgrade einer On-Demand-Lösung ebenso gründlich testen müssen wie bei einer Lösung, die sie im eigenen Hause betreiben. Das setzt allerdings voraus, dass sie überhaupt im Detail erfahren, was der Anbieter im Hintergrund alles geändert hat, was oft nicht gegeben ist.

Der größte Teil der im Frühjahr 2008 angekündigten 12 bis 18 Monate bis zum breiten Markteintritt ist vergangen, aber noch macht SAP keine Aussagen zur endgültigen Verfügbarkeit. Der wichtigste Grund sind die hohen Kosten zum Betrieb der Lösung, die einen Einsatz bei hunderten oder gar tausenden Kunden für SAP nicht wirtschaftlich genug machen. Außerdem steht die Erweiterbarkeit durch Partner erst für 2010 an.

Trotz vielversprechender Ansätze im Produkt und im Vertrieb müssen sich Interessenten, die eine generell verfügbare, ausgereifte Lösung oder ein System in mehr als den heutigen sechs Ländern brauchen, also weiterhin gedulden oder nach einer Alternative umsehen."

IDC: Gute Anpassungsoptionen

Rüdiger Spies, Ind. VP Enterprise Applications, IDC: „Cloudy – sprich etwas neblig – ist SAPs Online-Strategie in Form von SAP Business-By-Design bisher gewesen. Es zeichnet sich zwar schemenhaft am Horizont ab, wie denn das SAP-SaaS-ERP-System aussehen soll und wie es sich anfühlen wird, das heißt, welche Performance es haben wird; dennoch mangelt es an konkreten Umrissen des Produktes. Gesprochen wird aber nun seit vielen Quartalen von dem SAP-Wundermittel, und die Reaktionen reichen von ‚überragend für ein SaaS-System‘ bis hin zu ‚Performance-mäßig nicht brauchbar‘. Diese extremen Positionen sind allerdings gut nachvollziehbar, denn das User-Interface, insbesondere in der Customizing-Phase, überzeugt durch gute, intuitive, grafisch gut geführte Geschäftsprozess-Anpassungsoptionen, die vielfach an gute Geschäftsprozesse-Designwerkzeuge à la Aris heranreichen. Dies verspricht eine gute Adaption an individuelle Geschäftsprozessbedürfnisse der angesprochenen mittelständischen Kunden. Der Preis für eine derart elegante und individuell gestaltbare Oberfläche muss allerdings im Backend bezahlt werden. Dort hatte sich SAP ursprünglich für ein Hardwaresystem mit einer Datenbank pro Kunde entschieden. Dieses ist unter Laborbedingungen auch akzeptabel. Aber für tausende von Kunden wird ein solches Setup zum Albtraum für das Systems-Management. Außerdem hat sich gezeigt, dass zu klein dimensionierte Blade-Server den Performance-Anforderungen nicht gerecht werden. Sicher helfen SAP an dieser Stelle die zunehmende Leistungsfähigkeit der Blades und die zunehmende Virtualisierung. Denn je größer der Virtualisierungsgrad ist, desto eher übernimmt ein einheitliches Systems-Management-System die Rolle eines Betriebssystems für ein umfassendes Blade-Center und reduziert so die manuellen Verwaltungsaufgaben. SAP war also seiner Zeit ein wenig voraus, so dass konsequenterweise die Zeit für SAP spielt. Diese Aussage gilt insbesondere auch deshalb, weil kein anderer ERP-Hersteller gleichen Maßstabs eine vergleichbare Lösung vorzuweisen hat. Es wird nun allerdings endgültig Zeit, dass SAP ‚The Cloud à la SAP‘ konkret erfahrbar macht."

PAC: Erweiterter Funktionsumfang

Tobias Ortwein, Marktanalyst und Berater im Bereich Software und Mittelstand bei Pierre Audoin Consultants (PAC): „Durch das anstehende Technologie-Update von SAP Business ByDesign (FP 2.0), könnte aus Sicht von PAC die Euphorie um diesen Service wieder deutlich steigen, denn die Erweiterung des Funktionsumfangs beeindruckt durch viele neue Features.

Insbesondere werden nun auch verstärkt die Belange von Dienstleistungsunternehmen, wie durch die Integration von Projekt- und Zeitmanagement, angesprochen, welche aus Sicht von PAC noch einen hohen Nachholbedarf beim Einsatz von ERP haben.

Zusätzlich bietet die Lösung neben der anwenderfreundlichen Oberfläche und intuitiven Bedienbarkeit künftig durch die enge Verzahnung mit MS Office-Anwendungen wie Outlook oder Excel, die Einbindung von Web Services wie Google Map und analytischen Funktionen, die SAP mit Crystal-Reports visualisiert, viele neue, interessante Features. Diese können die Anwenderakzeptanz und Produktivität deutlich steigern.

PAC geht davon aus, dass SAP nach dem Release die Markteinführung langsam hochskalieren wird. Zu einem langfristigen Erfolg gehört aber, dass das Modell erst einmal ohne Kompromisse mit einer ausgereiften Delivery- und Go-to-Market-Strategie in den Markt getrieben wird. Aus Sicht von PAC sind die Einbindung und Incentivierung der Partner, die elementare Bestandteile von SAPs Unternehmensstrategie sind, wichtige Erfolgsfaktoren. Insgesamt muss vor zu großer Euphorie gewarnt werden. Für einen schnellen Erfolg müssen nach Meinung von PAC auch die ERP-Interessenten wieder in Kauflaune kommen, und die ist aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage erst einmal noch getrübt."

i2s: Vorteil integrierte ERP-Lösung

Frank Naujoks, Direktor Research and Market Intelligence beim Zürcher Analysten- und Beratungshaus i2s: „SAP geht ab Herbst in die zweite Runde mit dem On-Demand-ERP-Produkt SAP Business by Design und liefert Funktionalitäten nach, die eigentlich schon zu Beginn wünschenswert gewesen wären. Die angepeilte Zielgruppe mit wenigstens 25 Anwendern und bis zu 500 Mitarbeitern hat heute in der Regel schon unterschiedliche Software im Einsatz, um das Alltagsgeschäft abzubilden. Den Vorteil einer integrierten Lösung nutzen allerdings nur wenige bis dato, wie die Ergebnisse der i2s ERP-Zufriedenheitsstudie 2008/09 gezeigt haben.

Doch SAP muss nicht nur eine Zielgruppe überzeugen, die traditionell IT-Innovationen gegenüber eher konservativ eingestellt ist, dass eine On-Demand-Lösung für sie das Richtige ist. Hinzu kommen interne Schwierigkeiten der SAP, die einem finanziell attraktiven Modell aktuell noch entgegenstehen. So muss SAP weiterhin für jeden Kunden einen eigenen Rechner aufsetzen und ist nicht in der Lage, mehrere Unternehmen von einem Rechner aus zu bedienen. Dies erhöht zwar einerseits die Sicherheit und beruhigt die Kundschaft. Aber andererseits erhöhen sich so auch die internen Betriebskosten bezüglich Hardware und der Maintenance von SAP gewaltig. Noch in der Entscheidung unsichere Interessenten könnte SAP vielleicht leichter überzeugen, wenn es die Möglichkeit gäbe, SAP Business ByDesign auf einem im eigenen Haus installierten Rechner zu betreiben. Anbieter wie WICE im CRM-Bereich bieten ein solches hybrides Modell an und ermöglichen Kunden die Wahlfreiheit, wo der Rechner steht." hei