Microsofts ERP-Lösung für den Mittelstand

Microsoft runderneuert Dynamics NAV

Microsoft bietet das neue Release 2009 von Dynamics NAV seit Dezember 2008 in Deutschland an. Die ERP-Suite für den Mittelstand zeigt sich jetzt auch technologisch auf dem neuesten Stand. Die Redaktion des is report erläutert Details.

Kirill Tatarinov, Chef der Microsoft Business Solutions zeigt das neue Release.

Funktional hat

Microsoft seine Enterprise-Resource-Plannig (ERP)-Software Dynamics NAV im Release 5.0 deutlich erweitert. Technologisch hat der Softwarekonzern die Lösung zur Unternehmenssteuerung erst in der Nachfolgeversion 2009 auf eine neue Ebene gehoben.

Webservices ermöglichen den schnellen Datenzugriff

Den größten Schritt macht der Softwareriese dabei mit der neuen Drei-Schichten-Architektur für Microsoft Dynamics NAV 2009. Diese bietet Anwendern eine Infrastruktur, um bei fortlaufendem Betrieb der Geschäftsprozesse ihrer Kunden, Anpassungen an der Lösung vorzunehmen sowie neue Funktionalitäten oder neue Benutzer hinzuzufügen. Einen Beitrag hierzu leisten den Angaben zufolge die in der ERP-Software verfügbaren Webservices. Sie ermöglichen laut dem Softwarekonzern den Zugriff auf Daten und Geschäftslogik von anderen Lösungen aus und unterstützen somit den Informationsaustausch sowie die Integration in andere IT-Systeme. Das neue Release basiert auf dem Microsoft .NET Framework. Dies helfe, zusätzliche .NET-Anwendungen schnell zu entwickeln und zu integrieren. Firmen, die beispielsweise Call-Center-Funktionalitäten für Telemarketing in ihrem Betrieb einführen möchten, können eine Webservice-Applikation nutzen, um Kunden Zugriff auf die in Microsoft Dynamics NAV 2009 gespeicherten Daten zu gestatten. Dies könne beispielsweise im Kundenmanagement für den Aufbau von Kundenportalen genutzt werden.

Rollenbasierte Oberfläche reduziert Informationssuche

Neben der Drei-Schichten-Architektur und der Verfügbarkeit von Webservices hat Microsoft die ERP-Suite für mittelständische Unternehmen mit einer neuen Benutzeroberfläche ausgestattet. „SAP versteht Geschäftskunden gut, und Apple Privatkunden – Microsoft beide", behauptet Kirill Tatarinov, weltweit verantwortlich für die Microsoft Business Solutions. Dass der Softwarekonzern diesem Anspruch auch in der neuen Version gerecht werde, zeige unter anderem der neue rollenbasierte Client. 21 so genannte Rollenzentren versorgen den Angaben zufolge den Mitarbeiter mit Daten, Werkzeugen und aufgabenrelevanten Funktionen, auf die er über eine einzige Oberfläche Zugriff habe. Diese 21 Zentren entsprechen laut Hersteller den wichtigsten Jobfunktionen innerhalb eines klassischen mittelständischen Betriebs. Ein Rollenzentrum priorisiere dabei seine tägliche Aufgaben an Hand seiner Funktion im Betrieb. Es diene auch dazu, neue Ansichten, beispielsweise branchenspezifische oder benutzerdefinierte Arbeitsoberflächen, zu erstellen.

Beispielsweise ist der Einkauf im Wesentlichen für die Beschaffung sämtlicher Materialien und Artikel zuständig – vom Bürobedarf bis hin zu Lagerartikeln. Sein Ziel ist es, die von den jeweiligen Abteilungen benötigten Artikel kostengünstig in einem qualitativ hochwertigen Zustand zum gewünschten Termin zu erhalten. Typische Aufgaben eines Einkäufers sind dabei das Einholen interner und externer Angebote, Erstellen von Einkaufsbestellungen, Auffüllen des Lagerbestands sowie Überprüfen von Lieferscheinen, Einkaufsbestätigungen und Teillieferungen. Microsoft Dynamics NAV 2009 biete hier ein Rollenzentrum, das dem Mitarbeiter relevante Daten in einer Ansicht zur Verfügung stellt. Über dieses Zentrum erhalte er unter anderem einen Überblick über anstehende und fällige Bestellungen sowie Rahmenbestellungen, Einkaufsanfragen, Einkaufsreklamationen und -gutschriften oder buchhalterisch relevante Vorgänge wie eine Kreditorenübersicht, fällige Einkaufsrechnungen sowie Buchungsblätter und Analyseberichte. Die Suche nach Informationen entfalle ebenso, wie mögliche Inkonsistenzen bei der Verarbeitung komplexer Einkaufsprozesse.

Grafische Berichtsfunktionen erweitern die rollenspezifische Benutzeroberfläche von Microsoft Dynamics NAV 2009.

Gartner empfiehlt Sure-Steps-Implementierung

IT-Entscheider, deren Unternehmen bisher mit Eigenentwicklungen oder älteren ERP-Systemen gearbeitet haben, sollten laut Christian Hestermann, Research Director beim Analystenhaus Gartner, Microsoft Dynamics NAV 2009 in ihre Lösungsauswahl einbeziehen - vorausgesetzt, dass ein Dynamics-Partner die vom Kunden benötigte Branchenlösung auf die neue Software-Architektur anhebt. Der Gartner-Analyst rät aber jedem Kunden, die ERP-Software mit der Implementierungs-Methodologie Sure Steps von Microsoft einzuführen, und bei der Partner- und Lösungswahl auf die Zertifizierung „Certified for Microsoft Dynamics" zu achten. Letztere stellt hohe Anforderungen an die Codequalität der Lösung des Dynamics-Partners, an die Qualifikation seiner Mitarbeiter und erfordert eine Mindestanzahl von Projekten. „Ein komplexes Projekt ohne diese Partnerzertifizierung würde ich niemandem mehr empfehlen", betont Hestermann. IT-Verantwortliche sollten auch bedenken, dass Microsoft als weltweit größter Softwarehersteller zwar hohe Investitionssicherheit bietet, für die auf Dynamics-NAV-basierenden Branchenlösungen kleinerer Dynamics-Partner gelte das aber nicht im selben Maße.

Die durchschnittliche Zahl der Anwender liegt bei Dynamics-NAV-Installationen laut Hestermann bei circa 25. „In vielen Unternehmen arbeiten daher oft nur 10 bis 15 Benutzer mit der Software", erklärt der Gartner-Analyst. IT-Entscheidern in Unternehmen dieser Größe empfiehlt Hestermann daher, auch Lösungen wie die Office Line von Sage, Infor ERP COM oder iscala von Epicor in die Software-Auswahl zu nehmen. Business One von SAP decke ebenfalls die Anforderungen dieser Unternehmen ab, sei aber von den Gesamtkosten für das Projekt meist deutlich teurer. „Vor allem die Beratertage schlagen hier zu Buche", begründet Hestermann dies. 

Null-Prozent-Finanzierung bis März 2009 lockt Neukunden

Damit IT-Entscheider in wirtschaftlich schwieriger werdenden Zeiten nicht gezwungen sind, Investitionen zurückzustellen, finanziert Microsoft den Kauf von Dynamics-Lizenzen und die Kosten für das erste Wartungsjahr zu Null-Prozent – allerdings nur für Kunden, die bis zum 20. März 2009 kaufen. Die Laufzeit des Kredits beträgt drei Jahre. Auf den Dynamics-Produktlinien basierende Branchenlösungen von Microsoft-Partnern schließt das Angebot nicht ein. „Das ist so, als würden bei einem Autokauf, die Sitze nicht mitfinanziert", kritisiert Eric Scherer, Geschäftsführer des Analysten- und Beratungshaus intelligent systems solutions (i2s). Mittelständische Unternehmen würden laut Scherer das Angebot aber begrüßen. hei