Microsoft globalisiert Dynamics AX

Microsoft globalisiert Dynamics AX

Microsoft rüstet seine Enterprise-Resource-Planning(ERP )-Produktlinie für den gehobenen Mittelstand, Dynamics AX, für den internationalen Einsatz aus – die Realisierungspartner müssen noch nachziehen.

Von links nach rechts zu lesen, bildet für Europäer keine Herausforderung – sie sind es von kleinauf gewohnt. Menschen aus arabischen Ländern fällt das schon schwerer; sie lesen und schreiben von rechts nach links. Die von Microsoft für Mitte des Jahres angekündigte neue Version Dynamics AX 2009 bietet deshalb jetzt auch eine auf der Bürosoftware Office basierende Benutzeroberfläche an, die von rechts nach links aufgebaut ist. Der Rechtsnach- links-Client stellt sicher keine große technologische Erweiterung der einst unter dem Produktnamen Axapta auf den Markt eingeführten Enterprise-Resource-Planning( ERP)- Produktlinie dar, aber für die Benutzerakzeptanz in Ländern des Nahen Ostens wie Saudi-Arabien dürfte er einen wichtigen Beitrag leisten – und diese spielt eine entscheidende Rolle bei globalen ERP-Roll-Outs (siehe dazu auch den Beitrag „Globale ERPProjekte managen“ ab Seite 24).

Microsoft-CEO Steve Ballmer stellte auf der Kundenveranstaltung Convergence die neuesten Entwicklungen für die Dynamics-Produktlinien vor.

Länderspezifische Mandanten erleichtern Administration
Eine wichtige technologische Voraussetzung für den internationalen Einsatz einer betriebswirtschaftlichen Software bildet dagegen die Möglichkeit, das ERP-System mit mehreren Firmen/Mandanten in einer Codeund Datenbank-Instanz aufzusetzen und mit einem Länderschlüssel zu versehen. Dann enthält beispielsweise der italienische Mandant auch nur die für dieses Land benötigten Lokalisierungen. Ändern sich zum Beispiel die Steuergesetze in Italien, wird nur ein Update für den Teil des Systems notwendig, der mit dem entsprechenden Country Key verknüpft ist. „Das erleichtert die Systemadministration von Dynamics AX erheblich“, lobt Christian Hestermann, Research Director beim Analystenhaus Gartner, die neue Version. Bisher hat der Gartner-Analyst empfohlen, eine Instanz pro Land oder zumindest pro Region mit ähnlicher Legislation für die in 40 Länderversionen verfügbare ERP-Software aufzusetzen.
Microsoft hat Dynamics AX 2009 auch mit erweiterten Funktionen für das Compliance-Management ausgestattet, verbunden mit der Möglichkeit einer in den Workflow integrierten digitalen Signatur. Wo immer ein Prozessschritt unabdingbar eine Unterschrift verlangt, beispielsweise bei der Qualitätssicherung, dem USGesetz zur verbindlichen Regelung der Unternehmensberichterstattung, dem so genannten Sarbanes-Oxley Act, oder der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA), die beispielsweise in der Pharmaindustrie eine wichtige Rolle spielt, sei das laut Hestermann eine äußerst nützliche Funktion einer internationalen ERP-Software.

Partnerzertifizierung Certified for Dynamics empfohlen
Während Microsoft seine Flaggschiffproduktlinie im ERP-Geschäft für den internationalen Einsatz hochrüstet, haben bislang jedoch nur wenige Vertriebs- und Realisierungspartner globale Strukturen etabliert. „Vor allem größere Kunden wollen auch in internationalen Projekten einen Partner als Generalunternehmer“, moniert Hestermann. Doch nur die wenigen ganz großen Dynamics-Partner wie Tectura und Qurius sind bislang auch mit eigenen Niederlassungen in vielen Ländern vertreten. Potenzielle Dynamics-Kunden sollten bei der Partner- und Lösungswahl auch auf die Zertifizierung Certified for Microsoft Dynamics achten. Diese stellt hohe Anforderungen an die Codequalität der Lösung des Dynamics- Partners, an die Qualifikation seiner Mitarbeiter und erfordert eine Mindestzahl von Projekten. „Ein komplexes Projekt ohne diese Partnerzertifizierung würde ich niemandem mehr empfehlen“, betont Hestermann.

Business Intelligence direkt in Dynamics AX integriert
Neben der internationalen Ausrichtung der ERP-Produktlinie will Microsoft auch Werkzeuge für die Geschäftsdatenanalyse und Berichterstellung in Dynamics AX integrieren. „IT-Verantwortliche müssen so nicht mehr eine separate Business- Intelligenc-Umgebung aufbauen“, hebt Kees Hertogh, Director Dynamics AX Product Management bei Microsoft, hervor. Anwender könnten mit Hilfe dieser so genannten Embedded Business Intelligence Trends und Geschäftsgelegenheiten anhand von Standard-, Ad-hoc- und analytischen Berichten schneller erkennen. Gemäß der Rolle eines Mitarbeiters im Unternehmen, zum Beispiel eines Geschäftsführers oder Vertriebsleiters, stellt die Software vordefinierte Performance-Indikatoren auf der Benutzeroberfläche in Form einer Instrumententafel, dem so genannten Dashboard, grafisch dar. „Damit erfüllt Microsoft die Erwartungshaltung der Kunden, die zunehmend Business-Intelligence-Funktionalitäten innerhalb des Unternehmens nachfragen“, sagt Frank Naujoks, Analyst bei IDC, und ergänzt: „Zusätzlich haben es Drittanbieter schwerer, mit ihren Angeboten bei Microsoft-Kunden zu reüssieren.“ Wer diese integrierten Business- Intelligence-Tools nutzen will, braucht allerdings auch den SQL Server von Microsoft. Laut Microsoft- Manager Hertogh nutzt die Mehrheit der Dynamics-AX-Kunden bereits die hauseigene Datenbank. Wie groß die Mehrheit genau ist, wollte er auf Nachfrage jedoch nicht verraten. Vor allem die ebenfalls von der Microsoft-Software unterstützten Oracle-Datenbanken sind bei der Dynamics-AX-Kundschaft verbreitet im Einsatz. hei