Interview zur Produktentwicklung von Microsoft Dynamics mit weltweit verantwortlichem Manager

"Microsoft ist eine Plattform-Company"

Kirill Tatarinov, Corporate Vice President der Microsoft Business Solutions, sagt im Exklusivinterview mit dem is report, warum IT-Entscheider die Enterprise-Resource-Planning(ERP)-Produktlinie Dynamics auf der Rechnung haben sollten.

IT-Anwender verlangen zunehmend nach Software zur Analyse von Geschäftsdaten und Berichterstellung, also Business-Intelligence-Lösungen. Wie wird Microsoft dem gerecht?

Business Intelligence bildet beispielsweise eines der Kernelemente in unserem neuen Release 2009 von ­Dynamics AX. Anwender erhalten Analyse- und Berichtsdaten im Kontext ihrer spezifischen Funktion, die sie im Unternehmen einnehmen, beispielsweise als Vertriebsleiter oder Controlling-Mitarbeiter.

Der Interviewpartner

Kirill Tatarinov, Corporate Vice President Microsoft Business Solutions: „Business Intelligence ist ein Kernelement in Dynamics AX 2009.“

Vertriebsleiter benötigen auch Daten aus dem Customer-Relationship-Management-(CRM)-System für ihre Analysen und Berichte. Wie können diese Daten aus dem, auf einem anderen Code basierenden Microsoft CRM, in der ERP-Software Dynamics AX genutzt werden?

Der heutige Stand ist, dass dafür Lösungen unserer Softwarepartner notwendig sind. Im Bereich Business Intelligence haben wir mehrere, die diese Integration ermöglichen.

IT-Entscheider können Dynamics AX mit Microsofts eigener Datenbank SQL Server nutzen, aber auch mit Datenbanken von Oracle.

Wird Microsoft weiterhin Oracle-Datenbanken für Dynamics AX unterstützen, und gibt es Überlegungen, die Dynamics-Produktlinien für Datenbanken anderer Hersteller zu öffnen?

Es stimmt, wir unterstützen alte Dynamics AX-Installationen auf Oracle. Wir geben diesen Kunden die Möglichkeit, bei dem zu bleiben, was sie haben. Neue Szenarien wie Business-Intelligence-Funktionalität in Dynamics AX basieren aber auf unserem SQL Server und erfordern diesen auch. Er bietet umfangreichere Analysemöglichkeiten der Unternehmensdaten als jede andere Datenbank auf dem Markt. Deshalb ist es für die Dynamics-Produktlinien viel wichtiger, die Möglichkeiten und Vorteile des SQL Server auszuschöpfen, als diese für Datenbanken anderer Hersteller verfügbar zu machen.

Wodurch unterscheidet sich Dynamics AX 2009 von anderen ERP-Lösungen?

Beispielsweise durch die rollenspezifische Benutzeroberfläche und deren einfache intuitive Bedienung sowie durch die Integration in die Microsoft-Plattform. Anwender profitieren direkt von den Vorteilen, die sie beispielsweise durch den Windows Server 2008, den SQL Server oder den Office Share Point Server erhalten. Dazu kommen etwa 400 neue Funktionen, die von der spezifischen Branchenunterstützung bis zu neuen finanzwirtschaftlichen Fähigkeiten reichen.

Immer mehr Unternehmen, auch mittelständische, bieten ihre Produkte und Dienstleistungen welt- oder zumindest europaweit an. Wie unterstützt Microsoft Dynamics AX sie dabei?

Dynamics AX 2009 werden wir global anbieten. Lokalisiert ist die Software derzeit beispielsweise für die westeuropäischen Länder. Anfang nächsten Jahres kommen China, Japan, Indien und Brasilien dazu. Danach folgen Osteuropa und Russland. Dynamics AX 2009 bietet Multisite- und Multiclient-Unterstützung sowie Mehrwährungsfähigkeit und Mehrsprachenfähigkeit auf einer einzigen zentralen Instanz.

In Deutschland verkauft Microsoft unter anderem die Dynamics-Produktlinien AX und vor allem Dynamics NAV – ehemals Navision. Wie differenzieren sich diese?

Zunächst einmal ist zu sagen, dass Dynamics AX 2009 die Anforderungen des gesamten Mittelstands erfüllt. Wir haben Installationen mit fünf Anwendern und welche mit mehreren Tausend Anwendern.

Das würde bedeuten, dass die beiden Produktlinien im unteren Mittelstand miteinander konkurrieren, oder?

Nein, die Märkte für die beiden Produktlinien sind verschieden. ­Dynamics NAV wird typischerweise eingesetzt in Unternehmen mit einer Software-Instanz pro Land und einfacheren Anforderungen an die Anpassbarkeit der Anwendung. Es sind also unterschiedliche Produktlinien für unterschiedliche Anforderungen.

In den USA bietet Microsoft auch die ehemaligen Great Plains-Lösungen an. Wie lange kann Microsoft noch alle Dyna-mics-Produktlinien weiterentwickeln und unterstützen?

Unsere strategische Herangehensweise im ERP-Markt lautet: Business Ready Customer Care. Das bedeutet, dass wir die Produkte alle weiterführen und auch Support dafür in den Ländern anbieten, in denen sie verfügbar sind.

Microsoft bietet seine als CRM Live präsentierte und jetzt als CRM Online vermarktete On-Demand-Lösung für das Kundenmanagement bislang nur in den USA und Kanada an.

Wird Microsoft die zur Miete über das Internet beziehbaren Software-Anwendungen auch in anderen Ländern verkaufen?

Wir werden CRM Online definitiv global anbieten. Frühes­tens in sechs Monaten und spätestens in drei Jahren soll es soweit sein. Europa und speziell auch Deutschland werden dann ebenfalls dabei sein.

Die SAP unternimmt derzeit mit der Mittelstandslösung Business ByDesign den Versuch, eine integrierte Softwaresuite auch mit klassischen Geschäftsanwendungen wie Finanzbuchhaltung und Warenwirtschaft über das Internet zu vermarkten.

Was plant Microsoft in dieser Hinsicht?

Wir haben heute noch keine konkreten Pläne, auch kaufmännische Geschäftsanwendungen im engeren Sinne selbst über das Internet zu vermarkten. Aber wir versetzen verstärkt unsere Partner in die Lage, die Geschäftssoftware ihrer Kunden in einem Rechenzentrum für diese zu ­hosten. Bislang betreiben etwa 150 Microsoft-Partner dieses Geschäftsmodell. Gemäß unserer Roadmap für Dynamics AX und Dynamics NAV wird es künftig noch einfacher für unsere Partner, diese Produktlinien zu hosten.

Die Internet-Unternehmen Google und Salesforce.com haben eine starke Allianz im Markt für Geschäftsanwendungen geschlossen. Wie will Microsoft dem entgegentreten?

Es geht zu weit, Salesforce.com als Business-Application-Anbieter zu bezeichnen. Sie bieten gehostetes CRM an, und Google partizipiert daran mit einigen leichtgewichtigen Produktivitätstools. Mehr ist das nicht.

Eine Reihe unabhängiger Softwarehäuser – ISV – entwickeln ERP-Anwendungen auf der Infrastruktur-Software von Microsoft. Befürchten Sie nicht, dass diese wegen Dynamics auf andere Betriebssysteme oder Datenbanken wechseln?

Microsoft ist allen voran ein Plattform-Hersteller, und wir positionieren Dynamics immer mehr als eine Erweiterung dieser Plattform im Bereich Geschäftsanwendungen. Wir verzeichnen bereits einige ISV, die erfolgreich damit beginnen, zu Dynamics AX zu wechseln. Damit sind sie keine Softwarehäuser mehr, die auf Basis der Microsoft-Infrastruktur-Plattform ihre Lösungen entwickeln, sondern Dynamics-ISV, die die vollständige Microsoft-Plattform nutzen, um ihre Anwendungen zu entwickeln. Wir sehen, dass sich der Markt dahin entwickelt. hei