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Enterprise Resource Planning (ERP)

Mittelständische
Unternehmen stellen sich zunehmend international auf. Was als Vertriebs- oder Service-Niederlassung beginnt, mausert sich oft zu einer internationalen Filiale. Auf die unternehmensweite Standardsoftware (ERP) kommen dabei neue Aufgaben zu. Die folgenden Anwenderberichte zeigen, wie Unternehmen ihre Stammdaten zentralisieren, in einem Hub-and-Spoke-Szenario ein zentrales ERP-System im Mutterhaus mit lokalen Systemen der Filialen koppeln, die Standorte webbasiert an das ERP-System im Stammhaus anbinden und die Programmmasken in den ausländischen Filialen über Unicode in die Landessprache bringen.
Für europäische Zulieferer ist die Globalisierung eine wichtige Zukunftsaufgabe. International aktiv ist auch Auto-Kabel, ein Hersteller und Entwickler von Kabelverbindungen mit Stammsitz in Baden-Württemberg. Innerhalb von 20 Jahren ist das Unternehmen zu einem Lieferanten geworden, der fast alle namhaften PKW-Hersteller zu seinen Kunden zählt.
Mit zunehmender Internationalisierung durch Übernahmen und Neubauten von Werken in ganz Europa, den USA, Mexiko und China wuchsen die Anforderungen an die IT. Auto-Kabel suchte nach einer unternehmensweiten Standardsoftware (ERP), die komplexe, geografisch verteilte Infrastrukturen abbildet. Im Jahr 2007 führte das Unternehmen Infor ERP XPPS 3.1 ein, zwei Jahre später folgte der Release-Wechsel auf die aktuelle Version Infor ERP Xpert 4.0. Mit Infor XPPS 3.1 implementierte Auto-Kabel einheitliche Berechtigungs- und Menüstrukturen weltweit in allen Niederlassungen. Vorher hatten die Standorte teilweise mit unterschiedlichen Lösungen gearbeitet. Außerdem konsolidierte die IT-Abteilung im Rahmen der ersten Implementierung zwei dezentrale Server in den USA und in Europa und fasste somit sämtliche Datenbanken der verschiedenen Vertretungen aus der ganzen Welt zentral zusammen. Mit dem Wechsel auf Infor ERP Xpert 4.0 kam die Kommunikation mit Hilfe von Unicode hinzu. „Für Unternehmen, die im asiatischen Raum tätig sind, ist die Abbildung des dortigen Zeichensatzes ein Muss", bemerkt Jan Wassermann, seit 2001 IT-Leiter bei Auto-Kabel.
Insgesamt arbeitet Auto-Kabel heute über alle Standorte hinweg mit den gleichen Stammdaten. „Alle Produkte, Lieferanten und Kunden sind aufgrund des Masterstammdatenkonzepts in allen Werken auf der Welt eindeutig", erläutert Wassermann. „Die Produktnummer verweist in allen Werken auf das gleiche Produkt." Auch das Reporting sei firmenübergreifend erheblich einfacher und transparenter geworden. „Durch die zentrale Datenbank können wir Informationen über alle Werke abfragen und per Knopfdruck Kennzahlen ermitteln. Das unterstützt die zentrale Steuerung enorm."
Sämtliche Mitarbeiter haben bei Auto-Kabel Zugriff auf Infor ERP Xpert 4.0. Alle Werke arbeiten mit der gleichen Version und so auch mit der gleichen Benutzeroberfläche. „Unsere ERP-Lösung bildet sämtliche Prozesse in allen Werken bis hin zum Kunden zuverlässig ab", freut sich Wassermann.
Wann immer es um Schrauben, Dübel, Möbel- oder Baubeschläge geht, ist man bei der Würth-Gruppe an der richtigen Adresse: Das Familienunternehmen aus Künzelsau in Baden-Württemberg ist Weltmarktführer im Handel mit Montage- und Befestigungsmaterial. Mit mehr als drei Millionen Kunden erzielte das Unternehmen 2009 einen Umsatz von 7,52 Milliarden Euro. Die Würth-Gruppe ist mit 400 Gesellschaften in 84 Ländern vertreten. Um die laufende internationale Expansion organisatorisch umzusetzen setzt der Konzern auf ein sich ergänzendes Portfolio: Im ERP-Bereich laufen SAP und Microsoft Dynamics AX in einem Hub-and-Spoke-Szenario.
Die Würth Phoenix-Gruppe ist als Kompetenzzentrum für die Konzeption und den Betrieb des Microsoft-Systems zuständig. „Mit MS Dynamics AX bilden wir die dezentralen Strukturen unserer Firmenverbünde auch organisatorisch ab", erläutert Manfred Dorfmann, IT-Leiter der Würth-Phoenix-Gruppe. Das System lässt sich leicht in vorhandene IT-Strukturen integrieren und ist somit flexibel in großen und kleinen Konzerngesellschaften einsetzbar."
Die betriebsspezifischen Anforderungen fasste man in Würth Phoenix Trade Plus zusammen, einer vollständig in MS Dynamics AX integrierten Branchenlösung. Die Software vertieft das ERP-System in der Warenwirtschaft und liefert zusätzliche Funktionen in puncto Business Intelligence. Der hohe Standardisierungsgrad kommt der Würth-Gruppe beim Aufbau neuer Gesellschaften zugute. „Mit Würth Phoenix Trade Plus und Dynamics AX aktivieren wir Neugründungen per Knopfdruck und implementieren Branchenspezifika mit einem sehr geringen Aufwand", betont Bernd Hubert Kofler, CEO der Würth-Phoenix-Gruppe.
MS Dynamics AX und Trade Plus sind in der Würth-Gruppe in über 30 Ländern bei mehr als 65 Unternehmen im Einsatz. Das Duo unterstützt die internationale Ausrichtung mit ihren vielen organisatorischen Einheiten. Branchenspezifika sind rasch implementiert und die Multisite-Fähigkeit ermöglicht den Zugriff auf den gesamten Datenbestand. Viele Unternehmen der Würth-Gruppe erzielten so deutliche Effizienzzuwächse. Der Kfz-Ausrüster Normfest beispielsweise senkte seinen Bestellaufwand um rund 50 Prozent.
Die Lindner-Gruppe mit Hauptsitz im bayerischen Arnstorf hat sich auf Innenausbau, Isoliertechnik und Fassadenbau spezialisiert. Das global aktive Familienunternehmen beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter und verfügt über zahlreiche weltweite Standorte, die Decken-, Boden- und Wandsysteme sowie Türen herstellen, vertreiben oder die Bauprojekte vor Ort betreuen. Größtes Auslandsprojekt ist derzeit der Innenausbau der Metro-Stationen in Dubai. Die Zusammenarbeit über Kontinente gehört dabei zum Alltag.
Die Geschäftsabläufe bildet Lindner mit der ERP-Software Oxaion ab. Zum Einsatz kommt dieses System nicht nur in Deutschland, sondern auch an den meisten ausländischen Standorten, wofür der ERP-Anbieter zahlreiche Sprachversionen zur Verfügung stellt. Die IT-Betreuung erfolgt über den Hauptsitz in Arnstorf. Das System läuft auf einem zentralen Server im Mutterhaus, wo sämtliche Daten vorgehalten und gepflegt werden. Die Filialen greifen über eine abgesicherte Internetverbindung darauf zu. „Neue Tochtergesellschaften schließen wir mit abgesicherten Internet-Verbindungen ans System an", berichtet Jürgen Marek, Abteilungsleiter für Systembetreuung bei Lindner. „Im Zentralsystem verwalte ich sie so, als säßen deren Mitarbeiter in Arnstorf."
Ein Multisite-Konzept gewährleistet eine effiziente Zusammenarbeit: Das ERP-System behandelt die Standorte als eigenständige Betriebe in Form von Mandanten, bildet aber die übergreifenden Abläufe so ab, als handle es sich um ein einziges Unternehmen. Sogenannte Intercompany-Prozesse übermitteln dabei etwa eine in Dubai angestoßene Bestellung automatisch an die Fertigung in Arnstorf. Auf demselben Weg tauschen die Mandanten auch Lieferscheine oder Rechnungen aus. Auch Verwaltungsarbeiten vereinfacht die Software erheblich, denn jegliche Leistungsverrechnung, etwa für das IT-Equipment und den Fuhrpark, wurde automatisiert. Anhand hinterlegter Verrechnungssätze ermittelt Oxaion, welche Kostenstelle mit welchen Beträgen zu belasten ist. Am Monatsende erzeugt die Software die entsprechenden Aus- und Eingangsrechungen in den Mandanten, gleichzeitig werden die zugehörigen Kostenstellen automatisch be- und entlastet.
Der Geschäftsbereich Komponentenfertigung der Felss Gruppe, die Rotaform GmbH, steuert seine Filiale in der Volksrepublik China mit unternehmensweiter Standardsoftware (ERP) aus dem Mutterhaus. Seit dem Joint Venture von Shanghai VW in China hat sich 1984 ein interessanter Markt für europäische Investoren entwickelt.
Als internationale Kunden der Felss-Gruppe bei Rotaform anfragten, ob das Unternehmen auch in China Teile produzieren könne, trat die Geschäftsleitung unverzüglich in intensive Verhandlungen ein und schloss langfristige Verträge über die Lieferung von Lenkungskomponenten ab. Die Produktion am Standort Wujiang wurde von Beginn an über IT-Systeme abgebildet. „Von den Prozessen bis hin zu betriebswirtschaftlichen Anwendungen und Auswertungen steuert die Felss-Gruppe alles über unternehmensweite Standardsoftware", betont Andreas Liebe, Leiter EDV/Organisation. Seit Beginn der 90er Jahre setzt Felss das ERP-System der Berliner Psipenta Software Systems GmbH ein und deckt damit sowohl die Serienfertigung als auch die Auftragsfertigung ab. Sämtliche IT-Systeme laufen zentral im Stammhaus der Felss-Holding, und die Filialen greifen per Remote-Zugang darauf zu. Der Clou dabei: alle Werke arbeiten mit einer Standardinstallation ohne Modifikationen. Die Multisite-Funktionalität von Psipenta verwaltet sämtliche Konzernprozesse zentral und bildet außerdem die Arbeitsabläufe zwischen den einzelnen Filialen ab.
Eine Multisite-fähige ERP-Software ist die grundlegende Voraussetzung für die Internationalisierung der Felss-Gruppe. Neben den automatisierten Workflows zwischen den einzelnen Werken hilft dabei vor allem der geringere Wartungsaufwand durch die zentrale Installation der Software. Da kein Werk seine Software individuell modifiziert hat, fällt auch für die kleine Kernmannschaft in China lediglich ein minimaler administrativer Aufwand für den Systembetrieb an.
„Die hohe Flexibilität und Konfigurierbarkeit von Psipenta kommt uns bei der Steuerung unternehmensübergreifender Prozesse sehr entgegen", berichtet Liebe. Die Version 8 der Psipenta-Software ist unicode-fähig und unterstützt in allen Masken, Dialogen und Meldungen die chinesische Sprache. Das verbessere die Kommunikation mit denjenigen Mitarbeitern in China, die kein Englisch sprechen. jf