ERP-Studie zeigt Potenzial bei Professional Services auf

Ausgabe 09/2011

Studie der Trovarit AG: ERP-Studie zeigt Potenzial bei Professional Services auf

Eine aktuelle Studie analysiert den Einsatz von Enterprise-Resource-Planning(ERP)-Software bei Dienstleistern mit großem Beratungsanteil. Relevante Teile der Auftragsabwicklung werden bei längst noch nicht allen Befragten unterstützt.

Eine Befragung

des Marktanalysten und Beratungshauses Trovarit  ergab, dass es mit der Umsetzung von ERP-Software noch nicht ganz so weit her zu sein scheint wie in der Industrie oder im Handel: Nur rund 61 Prozent der Befragten geben an, dass sich eine ERP-ähnliche Softwarelösung im Einsatz befindet, die relevante Teile der Auftragsabwicklung unterstützt.
Dabei offenbaren sich große Unterschiede in Abhängigkeit der Unternehmensgröße: Während rund 80 Prozent der größeren Unternehmen (>100 Mitarbeiter) angibt, eine derartige Software einzusetzen, sind dies bei den kleineren Unternehmen (<20 Mitarbeiter)gerade mal knappe 45 Prozent.
Wenn Beratungsunternehmen ERP-/Business-Software nutzen, dann weisen sie dabei in der Regel eine überdurchschnittlich hohe Durchdringung mit ERP-Arbeitsplätzen auf, die häufig deutlich über 50 Prozent der Mitarbeiter liegt.
Die Studie „ERP für Professional Services“ wurde zwischen April und Juli 2011 unter mehr als 200 Anbietern beratungsintensiver Dienstleistungen von der Trovarit AG durchgeführt. Ziel der Studie war eine Bestandsaufnahme des Einsatzes von ERP-/Business-Software in Unternehmen, die Beratungsdienstleistungen anbieten.
Die ERP-Software nutzen die Befragten vor allem für das Angebotswesen und die Auftragsabwicklung (knapp 70 Prozent der Installationen), das Kundenbeziehungsmanagement (gut 55 Prozent) sowie Kostenrechnung und Controlling (circa 52 Prozent). Für das eher operative Projektmanagement und Controlling setzen dagegen mit knapp 40 Prozent nur relativ wenige der befragten Unternehmen ihre Business-Software ein.
Befragt man Beratungsunternehmen nach den Nutzenpotenzialen, die sie mit dem Einsatz von ERP-Software verbinden, dann ist man sich weitgehend einig: „Transparenz“ und „Effizienz“ geben jeweils über zwei Drittel der Befragten zu Protokoll. Wobei die kleineren Beratungen den Nutzen überdurchschnittlich in der „Effizienz“-steigerung sehen, während die Größeren, offenbar angesichts komplexerer Unternehmensstrukturen, die „Transparenz“ höher einstufen.
Mit deutlichem Abstand rangieren dagegen Nutzenpotenziale wie „Qualitätssteigerung“, „Durchlaufzeitreduzierung“ und „Steigerung der Kundenbindung“ auf den Plätzen (20 bis 30 Prozent der Befragten).
Interpretiert man eine ERP-Lösung als „Mittel zum Zweck“, dann werden die genannten Potenziale den Teilnehmern der Studie zufolge durch eine bessere Unterstützung der Geschäftsprozesse (circa 80 Prozent der Befragten) sowie die schnellere Bereitstellung qualitativ hochwertigerer Informationen (jeweils gut 50 Prozent) erschlossen. Insbesondere die kleineren Beratungsunternehmen verfolgen mit dem Einsatz der ERP-Software auch Effizienzsteigerungen durch die Reduzierung von Schnittstellen zwischen verschiedenen Softwarelösungen (circa 23 Prozent).
Diesen Chancen stehen aus der Sicht der Befragungsteilnehmer allerdings auch Herausforderungen gegenüber: Im Hinblick auf die Software selbst verbinden über 50 Prozent der Befragten mit „ERP“ Probleme wie „Mangelnde Bedienerfreundlichkeit“, „Unzureichende Abbildung der Geschäftsprozesse“ und „Fehlende Flexibilität der Software“.
Im Hinblick auf den Betrieb werden vor allem der „Aufwand für die Datenpflege sowie die System- beziehungsweise Anwenderbetreuung“ als pro­blematisch angesehen (circa 55 Prozent). Als weitere Herausforderung für den IT-Betrieb wird der „Mangel an internem Know-how“ sowie die daraus resultierende „Abhängigkeit vom IT-Dienstleister“ angegeben (45 Prozent bzw. 35 Prozent). Dabei scheint gerade bei den kleineren Beratungsunternehmen die Angst vor einer derartigen Abhängigkeit besonders groß zu sein.
Der Blick in die Zukunft lässt denn auch eine Angleichung an Verhältnisse in Branchen erwarten, in denen der Einsatz von ERP-/Business-Software deutlich etablierter ist: Demnach liegt den Teilnehmern der Studie zufolge eine zunehmende „Integration der Softwarelandschaft“  sowie eine „Größere Durchgängigkeit der Software-Unterstützung“ im Trend (circa 80 Prozent der Befragten). Knapp 68 Prozent der Teilnehmer erwarten eine „Zunahme des Einsatzes von Standard-Software“. Beide Aspekte weisen auf einen verstärkten Einsatz von ERP-/Business-Software im Beratungsgeschäft. Auf den Plätzen folgen Trends wie der „Mobile Einsatz von Business Software“  (circa 62 Prozent), „Sicherheitsrisiken durch zunehmende Vernetzung“ und die „Zentralisierung der Datenhaltung“ (circa 57 Prozent). Hype-Themen wie Cloud Computing oder Social Networks landen nach Einschätzung der in der Studie Befragten dagegen deutlich am Ende der Liste der wichtigsten IT-Trends in der Beratungsbranche.
Ein Blick auf die IT-Investitionen, die von den Beratungsunternehmen bis Ende 2012 geplant sind, zeigt denn auch im Branchenvergleich deutlich überdurchschnittliche Investitionstätigkeiten: Ähnlich wie in anderen Branchen stellt sich die Reihenfolge dar, bei der Lösungen für das CRM (circa 23 Prozent der Unternehmen), Dokumentenmanagement (circa 18 Prozent) und Controlling (17 Prozent) vorne liegen.
Branchentypisch ist dagegen die starke Position, die Software für das Projektmanagement bei den IT-Investitionen einnimmt (circa 19 Prozent). Ebenso branchentypisch – und dort vor allem für die IT-Dienstleister und -Berater relevant – sind die geplanten Investitionen im Bereich von Lösungen für das Ticketing und den Kundensupport.
Investitionen in „Integrierte ERP-Lösungen“ rangieren demnach mit zwölf Prozent der Befragten nur im Mittelfeld. Damit befindet sich das Marktsegment der Beratungsdienstleister jedoch im Vergleich zu den meisten anderen Branchen quasi auf der Überholspur, da dort in vergleichbaren Zeiträumen nur rund acht Prozent der Unternehmen ERP-Anschaffungen planen.
Eine Zusammenfassung der Studien­ergebnisse steht unter www.trovarit.com kostenlos zur Verfügung. Die Ergebnisse der Studie werden im Rahmen des ERP-Forums zur IT  & Business sowie am Stand der Trovarit AG (Halle 5, Stand 5E65) vorgestellt. Der Messekompass auf Seite 12 führt Besucher zu weiteren, interessanten Informationen.

Der Autor: Dr. Karsten Sontow, Vorstand der Trovarit AG