Erfolgreiche Einführung einer ERP-Lösung in der Praxis

Neustart bei ERP-Projekt

Die Einführung einer neuen Enterprise-Resource-Planning(ERP)-Software beim ­Lebensmittelhersteller Dr. C. SOLDAN stand vor dem Aus. Erst im zweiten Anlauf führte das mittelständische Unternehmen das Projekt zum Erfolg.

Der IT-Leiter

Thomas Erhard ist seit 2006 bei Dr. C. SOLDAN als Chief Information Officer (CIO) tätig. Sein Aufgabengebiet umfasst die Schwerpunkte ERP und Prozessdesign, Hardware und Infrastruktur, Netzwerke, interne Anwendungsentwicklung sowie den Rechenzentrumsbetrieb.

Abgebrochen

werden musste der erste Implementierungsversuch für die ERP-Suite M3 von LAWSON bei dem Lebensmittelhersteller Dr. C. SOLDAN. „Nach der Einführung der zwei Module Vertrieb und Versand war Schluss", berichtet Thomas Erhard, Leiter Finanzen und IT bei der Dr. Soldan Holding.

Der Implementierungspartner KTW des für seine Hustenbonbons Em-eukal bekannten mittelständischen Unternehmens beendete seine Unterstützung für die Produktlinie M3, ehemals Movex, von Intentia. „Es gab damals Spannungen zwischen Intentia, LAWSON und KTW. In dem Zusammenhang blieb die Einführung bei uns stecken", erklärt Erhard.

Doch eine neue ERP-Lösung war dringend erforderlich, da der Lebensmittelhersteller in der Verwaltung noch mit einem selbst geschriebenen RPG2-System arbeitete und in der Produktion mit einer Lösung von Franconia, für die keine Weiterentwicklungsmöglichkeiten mehr bestanden.

Als Thomas Erhard 2006 in der Position des Chief Information Officer (CIO) bei dem fränkischen Unternehmen tätig wurde, hatte er daher gleich eine wichtige Entscheidung zu treffen: Sollte das begonnene ERP-Projekt mit der LAWSON-Software weitergeführt oder ein neuer Softwarehersteller ausgewählt werden? IT-Leiter Erhard evaluierte nach eigenen Angaben zunächst unter anderem Lösungen von SAP und SoftM, entschied sich aber dann doch dafür, das M3-Projekt weiterzuführen: „Wir haben festgestellt, dass wir durch einen Wechsel keinen Vorteil hätten erzielen können."

Davor musste der IT-Leiter allerdings die Anwender des Lebensmittelherstellers überzeugen, die durch die vorangegangenen Projektturbulenzen der ERP-Lösung von LAWSON eher ablehnend gegenüberstanden. „Der ganze Prozess war sehr belastet", berichtet Erhard.

Das eigentliche Problem dabei sei aber nicht die Software an sich gewesen, sondern wie die durch den Projektabbruch entstandenen Vorbehalte abgebaut werden könnten. In einem viermonatigen Review hat IT-Leiter Erhard zusammen mit den Prozessverantwortlichen dann M3 noch einmal auf eine Einführung bei Dr. C. SOLDAN evaluiert. „Wir sind sehr gründlich alle unsere Geschäftsabläufe durchgegangen, vor allem in der Produktion, für die wir viele individuelle Funktionalitäten benötigen", berichtet Erhard und fügt hinzu: „Die Software überzeugte unsere Anwender hinsichtlich der abgebildeten Prozesse beispielsweise bei der Chargenfertigung."

Nachdem sich der IT-Leiter des Lebensmittelherstellers sicher war, das LAWSON-Projekt weiterzuführen, erfolgte der Neustart für das Projekt Mitte letzten Jahres. Als Implementierungspartner wählte Dr. C. SOLDAN jetzt das Systemhaus Terna aus Innsbruck, ein Partner des ERP-Herstellers LAWSON. M3 setzt der Lebensmittelhersteller in der Verwaltung in Nürnberg sowie in Produktion, Einkauf und Entwicklung in Adelsdorf bei Erlangen ein. Momentan arbeiten bei Dr. C. SOLDAN 65 Anwender mit LAWSON M3 RPG-Version 12.4. Die ERP-Suite läuft bei dem mittelständischen Unternehmen auf IBM System i, ehemals AS/400, in der Version V5 R4 mit dem IBM-eigenen Betriebssystem OS/400 und integrierter Datenbank IBM DB 2. „Hinsichtlich der Stabilität schlägt das kein Windows-Server", erklärt IT-Leiter Erhard und fügt hinzu: „Die Preise für IBM System i sind mittlerweile auch äußerst lukrativ, und der Wartungsaufwand phänomenal gering." Als Business-Intelligence-System implementierte Dr. C. SOLDAN Software vom Spezialisten Cognos, der jetzt zu IBM gehört. „LAWSON Analytics war zum Zeitpunkt der Entscheidung noch zu frisch auf dem Markt und noch nicht in einer deutschen Version verfügbar", begründet Erhard seine damalige Entscheidung.

Das Festhalten an LAWSON M3 hat sich nach Einschätzung von Erhard ausbezahlt. Das Unternehmen verfüge heute über einen durchgängigen und automatisierten Planungszyklus vom Kundenbedarf bis zur Produktionsfeinplanung. Der Vertrieb erstellt mit Hilfe des Demand Planners eine Absatzplanung. Dabei geben die Mitarbeiter ihre zu erwartenden Zahlen ein, auf deren Basis die Software einen Produktionsvorschlag erstellt. „Auf das Ergebnis können wir uns fast blind verlassen", freut sich IT-Leiter Erhard Das sei vorher überhaupt nicht der Fall gewesen. Die Rohstoffe im Lager seien daher nie am kommenden Bedarf ausgerichtet gewesen, sondern hätten sich an historischen Werten orientiert. Auch der manuelle Aufwand, beispielsweise bei der Chargenrückverfolgung, habe sich sehr stark verbessert. Zudem habe Dr. C. SOLDAN jetzt eine integrierte Kostenrechnung. „Das erfolgte früher alles in Excel", berichtet Erhard. hei