E-Payment im Webshop macht Besucher zu Käufer

Ausgabe 05/2011

ERP und E-Payment: E-Payment im Webshop macht Besucher zu Käufer

In Sachen Produktauswahl und Anbindung an Suchmaschinen werden viele Webshops ständig verbessert. Bei den Bezahlverfahren schlummert allerdings noch ein erhebliches Optimierungspotenzial.

Der Fokus

beim E-Commerce lag in den vergangenen Jahren auf Search Engine Optimization (SEO), um den Traffic zu steigern. Dies ist durchaus sinnvoll, denn ein Webshop macht nur dann Umsatz, wenn er im Netz gefunden wird. Traffic alleine reicht jedoch nicht aus, um aus Besuchern Käufer zu machen. Notwendig dafür ist unter anderem die Optimierung des gesamten Prozesses von der Landing Page bis zum Check-out. Das E-Payment als letztes Glied in dieser Kette wurde bislang eher stiefmütterlich behandelt. Dies mag daran liegen, dass die Bezahlung im Offline-Handel kaum ein Problem darstellt.

Im E-Commerce allerdings stellt E-Payment einen komplexen Prozess dar: Unterschiedliche Zielgruppen bevorzugen individuelle Bezahlarten, und diese wiederum ziehen unterschiedliche Ausfallquoten und Kosten nach sich. Der Markt für E-Payment ist in ständiger Bewegung. E-Shops können mittels E-Payment viel gewinnen oder auch verlieren. Da der E-Commerce-Umsatz weiterhin zunimmt, steigen auch die Summen, die sich durch ein optimiertes E-Pay­ment generieren lassen. Der Markt für E-Payment befindet sich – analog zur Entwicklung der E-Commerce Umsatzzahlen – in einer Wachstums­phase, wobei die genaue Entwicklung aufgrund der Marktdynamik noch nicht absehbar ist. Fünf Trends sind derzeit in diesem Markt zu erkennen:

  1. Moderne Bezahlverfahren legen zu
    Aufgrund des starken Wachstums des gesamten E-Commerce-Marktes steigt der Einsatz von modernen Bezahlverfahren. Studien prognostizieren ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich.

  2. Klassische Bezahlverfahren bleiben beliebt
    Bei den klassischen Bezahlverfahren zeichnet sich ab, dass die bereits etablierten Payments wie Kreditkarten und Lastschriftverfahren weiterhin signifikante Marktanteile behalten werden.

  3. Fehlende Standards führen zu Heterogenität
    Da sich bislang noch kein E-Payment-Standard entwickelt hat, bleibt die Heterogenität des Marktes mittelfristig bestehen. So haben kleinere Nischenanbieter auch in Zukunft Marktchancen.

  4. Sicherheitsbedenken der Nutzer nehmen abDie Einführung zentraler Standards im Internetbereich wird die Sicherheit für Anbieter und Kunden beim Kaufabschluss im Internet steigern. Derzeit gibt es bei den Bezahlverfahren noch zwei unterschiedliche Adressaten: Die eine Gruppe richtet sich in puncto Sicherheit an die Händler und bietet mit dem Bezahlverfahren der Vorkasse höchste Zahlungssicherheit. Andere Varianten wie beispielsweise Paypal verschreiben sich dem Käuferschutz. Auf lange Sicht sollten die Risiken beim Kaufabschluss gleichgewichtig zwischen Käufer und Verkäufer verteilt werden.

  5. Smartphone-Boom feuert Mobile Payment an
    Die steigenden Marktanteile von Smartphones und die Entwicklung einer Schnittstelle von Near Field Communication (NFC) erweitern die Bezahlverfahren in Richtung Mo­bile Payment. Dabei schließt sich der Kreislauf vom stationären über den Online- sowie mobilen Online-Handel bis hin zum stationären Handel.Mehrere E-Payment-Anbieter haben Schnittstellen für ERP- und Warenwirtschaftssysteme im Angebot. Die Erweiterung von unternehmensweiter Standardsoftware (ERP) und Warenwirtschaftssystem um E-Payment erfolgt über ein Web-Service-Interface, welches der Anbieter der Bezahllösung bereitstellt. Über dieses Interface laufen meist zweistufige Payment-/Authentifizierungsverfahren. Im ersten Schritt werden die vom Kunden zu zahlenden Beträge beim jeweiligen Payment-Anbieter autorisiert und zur Freigabe vorbereitet. Nach erfolgter und bestätigter Warenauslieferung durch den E-Shop-Betreiber wird anschließend der autorisierte Betrag vom Kundenkonto eingezogen und dem Händler gutgeschrieben.

Standards für E-Payment haben sich bisher nicht etabliert

Bei der Implementierung einer E-Payment-Lösung in eine bestehende Systemlandschaft bestehen mehrere Herausforderungen, die vor der eigentlichen Implementierungsphase geklärt werden müssen (siehe auch Link im Kasten „Mehr zum Thema“ auf dieser Seite). So ist die bestehende Systemlandschaft häufig ein komplexes Geflecht aus mehreren verknüpften IT-Systemen. Eine
E-Payment-Lösung muss sich in dieses Geflecht einordnen. Weil nicht alle Anbieter die gewünschten Bezahloptionen anbieten, müssen eventuell mehrere Bezahllösungen eingebunden werden. Bevor ein Online-Händler allerdings durch zusätzliche Schnittstellen die Komplexität seiner IT-Landschaft erhöht, sollte er genau prüfen, welche Payment-Verfahren er benötigt und welcher Anbieter dafür am besten geeignet ist.
Während im Supermarkt Barzahlung und EC-Karte dominieren, hat sich im E-Commerce noch kein Standard für E-Payment etabliert. Online-Händler müssen daher klären, welches Bezahlverfahren sich für ihre Produkte am besten eignet und auch von den Kunden gut akzeptiert wird. Nach der Portfolio-Optimierung und dem Suchmaschinen-Marketing bietet E-Payment das größte Potenzial zur Umsatzsteigerung. Die Optimierung des Bezahlverfahrens erfordert einen vergleichsweise geringen Aufwand. Dennoch gibt es keine Musterlösung.
Ein optimiertes Angebot für E-Pay­ment kann schnell zu Umsatzsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich führen. Webshops bieten inzwischen oft vier und mehr Bezahlverfahren an. Mehr ist aber nicht gleich besser, denn Ausfallwahrscheinlichkeit und Kosten der Zahlverfahren variieren ebenso wie der technische Aufwand für deren Anbindung. Eine E-Payment-Strategie ist daher ein betriebswirtschaftliches Muss für jeden E-Shop. Diese Strategie muss permanent weiterentwickelt und angepasst werden, da sich der Markt ständig ändert.

Der Autor: Achim Himmelreich, Partner bei Mücke, Sturm & Company