Branchenbasierte Inhouse-Lösungen konkurrieren mit Cloud-Systemen

Ausgabe 1+2/2012

Mittelstandslösungen auf der CeBIT: Branchenbasierte Inhouse-Lösungen konkurrieren mit Cloud-Systemen

ERP-Hersteller zeigen auf der CeBIT ihre Innovationen für mittelständische Unternehmen. Die vielfach angepriesenen Cloud-Angebote kommen bisher haupsächlich für Zusatzmodule wie die Reiseabrechnung zum Zug.

In vielen

mittelständischen Betrieben stehen derzeit Investitionen in betriebswirtschaftliche Standardsoftware (ERP) an, wie Kars­ten Sontow berichtet. Laut dem Vorstand des Aachener Analysten- und Consultinghauses Trovarit, das Unternehmen bei der Auswahl der passenden ERP-Lösung berät, sind die Erweiterungsinvestitionen zum einen der noch guten Wirtschaftslage geschuldet, zum anderen haben die Unternehmen in den vergangenen Jahren in diesem Bereich eher gespart.
Auf Seiten der Hersteller beobachtet Sontow, dass Themen wie die jahrelang propagierte Service-orientierte Architektur (SOA) inzwischen in der Realität angekommen sind. „Mehrschichtige Architekturmodelle, die Funktionsblöcke kapseln und modularisieren, halten bei praktisch allen Herstellern Einzug. Unterschiedlich ausgeprägt ist lediglich der Weg, wie die Anbieter dahin kommen.“

Branchenlösungen machen große Systeme handhabbar

Universell verbreitet sind inzwischen Branchenlösungen, die ein ERP-Sys­tem auf die Bedürfnisse einer bestimmten Anwendergrupppe vorkonfigurieren. „Noch vor zehn Jahren waren große Lösungen wie SAP R/3 für einen klassischen Mittelständler mit 150 Mitarbeitern kaum handhabbar“, berichtet Sontow. „Diese Kunden konnten maximal zehn Prozent des Potenzials der Lösung ausnutzen, mussten aber im Gegenzug ihr Unternehmen an der Logik und Arbeitsweise der Software ausrichten. Das war teuer und ineffizient.“ Heute hingegen würden Branchen-Templates die Lösungen paketieren, vorstrukturieren und dadurch dramatisch verkleinern. „Mit dem Erfolg, dass auch Anbieter wie SAP im klassischen Mittelstand heute gut vertreten sind.“ Im kleineren Mittelstand agieren vor allem Anbieter wie Sage, Mesonic und Büroware. SAP tritt mit  SAP Business One an, Microsoft positioniert sich mit MS Dynamics Nav für kleinere und mittlere und MS Dynamics Ax für größere Unternehmen mit mehreren Standorten. Den überwiegenden Teil des Marktes für Unternehmen zwischen 100 und 500 Miterbeitern machen laut Sontow viele mittlere und kleine Anbieter wie Abas, Godesys, Planat und Proalpha aus. „Diese Hersteller haben oft weniger als 500 Kunden und können davon wegen ihrer Strukturen gut leben. Ihr Erfolg beruht auf einem attraktiven Produkt für Teilsegmente des Markes.“

Kleinere Unternehmen mögen oftmals auch kleine Anbieter

Die Unternehmensgröße des Anbieters wirkt laut Sontow in zweifacher Weise als Auswahlkriterium: „Kleinere Unternehmen sind oft mit kleineren Anbietern besonders zufrieden, weil sie hier auf Augenhöhe agieren und direkt mit dem Unternehmensinhaber verhandeln.“ Anders herum betrachteten international aktive Anwender die Größe des Software-Anbieters. „Sie fragen sich, ob der Hersteller auch genügend Ressourcen hat, sie in Auslandsmärkten wie den USA oder China zu unterstützen. Dann wandelt sich die Forderung von ‚sollte nicht größer sein als’ um in ‚darf nicht kleiner sein als’.“
Kleinere Mittelständler verfügen oftmals über wenig IT-Kompetenz und wollen diese nur ungern teuer aufbauen. Die auf der CeBIT vorgestellten Cloud-Lösungen stellen laut Herstelleraussage einen Weg dar, ein IT-System ohne technisches Know-how zu betreiben. Bislang verzeichnet dieses Werben nach Beobachtungen von Sontow allerdings nur einen verhaltenen Erfolg: „Erfahrene ERP-Nutzer der dritten oder vierten Generation sind sehr anspruchsvoll. Mit Cloud-Angeboten freunden sie sich eher selten an, weil sie dort den Maßanzug nicht finden, den sie von ihren Inhouse-Systemen gewohnt sind.“ Für anspruchsvolle Fertigungsunternehmen seien Cloud-Systeme zudem wegen ihrer geringen funktionalen Tiefe in der Logistik noch weniger geeignet.

Dienstleister und Handel fahren auf die Cloud ab

Eine Nischenklientel springt allerdings nach Beobachtungen von Sontow stark auf Cloud Computing an: „Dienstleister, Berater und Agenturen, deren Mitarbeiter dezentral vom Home Office aus arbeiten, sehen ihre Bedürfnisse durch On-Demand-Systeme gut abgedeckt. Ebenfalls gilt das für stark wachsende Händler oder Großhändler, die oft sehr schlanke Strukturen haben und sich nicht viel mit IT auseinandersetzen wollen oder können.“ Software-Anbieter reagieren auf diese Präferenzen. So positioniert beispielsweise SAP das On-Demand-Produkt SAP Business ByDesign für den Vertrieb, nicht aber für Fertigungsunternehmen.
Teilkomponenten ihrer Unternehmenssoftware lagern Unternehmen aller Größen und Branchen bereitwillig in die Cloud aus. Hierzu gehören beispielsweise Module für Kundenbeziehungsmanagement (CRM), mit denen Pioniere wie Salesforce oder Rightnow seit Jahren Erfolge feiern, Reisekostenabrechung oder Procurement-Systeme. „Procurement-Anbieter machen Kataloge großer Lieferanten in ERP-Lösungen verfügbar“, berichtet Sontow. „Das lohnt sich für Dienstleister, die anbieterübergreifend arbeiten und ihr System als Shared Ressource über das Internet anbieten.“ Der ERP-Consulter geht daher davon aus, dass künftig zunächst hybride Cloud-Modelle Erfolg haben, bei denen das ERP-Kernsystem inhouse oder bei einem Hoster läuft und die Extensions zunehmend aus der Cloud kommen.

Plattformneutraler Mobilzugriff

Der sichere Zugriff auf die betriebswirtschaftliche Software über Mobilgeräte steht im Mittelpunkt des Messeauftritts des mittelstands­orientierten Standardsoftwerkers ABAS in Halle 5, Stand C18.
Die Anwendungen Abas Mobile Sales und Abas Mobile Service unterstützen Außendienst- und Service-Mitarbeiter bei ihren Aufgaben. Abas Mobile Sales erlaubt den Online Zugriff auf CRM und verkaufsrelevante Daten. Die mobile Lösung arbeitet plattform- und endgeräteunabhängig. Auch der After-Sales-Service lässt sich mobil betreiben. Mit Abas Mobile Service stehen dem Anwender von abas ERP die bei der Service-Abwicklung, dem Service-Anfrage-Management und der Service-Einsatzplanung die für Wartung und Reparatur notwendigen Funktionen zur Verfügung.
Da zum Managen der Prozesse im Unternehmen auch Anwendungen für Business Intelligence oder Dokumentenmanagement benötigt werden, hat ABAS diese direkt in seine Business-Suite integriert. Mithilfe der Portaltechnologie entsteht rollenbasiert ein maßgeschneiderter Arbeitsplatz.
Das Messethema Brasilien greift ABAS über die Präsentation eines Softwarepartners auf, der über 30 Jahre ERP-Erfahrung im diesjährigen CeBIT-Partnerland verfügt. Darüber hinaus treffen sich die internationalen Softwarepartner des Standardsoftwerkers zum Wissensaustausch in einem globalen Netzwerktreffen.

On-Demand-Lösung versus Inhouse-Implementierung

Mit zwei völlg unterschiedlichen Angeboten tritt das Systemhaus ALPHA Business Solutions in Halle 5, Stand B38, an: zum einen mit der mittelstandsorientierten ERP-Lösung proALPHA, zum anderen mit der On-Demand-Lösung SAP Business ByDesign.
Während die On-Demand-Lösung insbesondere auf kleinere Unternehmen zielt, unterstützt die Inhouse-Komplettlösung proALPHA auch Prozesse abseits der gängigen Standardanwendungen, die eher im gehobenen Mittelstand anzutreffen sind. So zeigt das Systemhaus beispielsweise, wie sich mit einer Barcode-gestützten Lagerapplikation Buchungen und Inventuren direkt vom Lager in die Planung integrieren lassen. Mit der eigenentwickelten Zusatzlösung ABS4Web lassen sich Web-Anwendungen realisieren, während das ABS-Unternehmenscockpit als Add-on für Reporting und Analyse fungiert.
Darüber hinaus zeigt ALPHA Business, wie kleine und mittelständische Unternehmen mit SAP Business ByDesign alle Kernprozesse vom Finanzwesen und Projektmanagement über das Kundenbeziehungsmanagement bis hin zum Einkauf und Personalwesen abdecken. Die On-Demand-Software stelle minimale Anforderungen an die unternehmenseigene IT und eigne sich so insbesondere für Unternehmen, die keine eigene IT-Infrastruktur und -Abteilung unterhalten wollen. Betrieb, Wartung und Support der Mittelstandslösung sind im Mietpreis enthalten.

Mobiler Zugriff über iPad und Android

„Mobiles ERP“ lautet das Schwerpunktthema der Oxaion AG in Halle 5 an Stand C36. Nachdem der Ettlinger Standardsoftwerker bereits 2011 in Hannover seine Lösungen auf dem iPad präsentierte, ist in diesem Jahr eine Android-App zu sehen. Im Fokus steht der Zugriff auf die Reports der betriebswirtschaftlichen Software. Ob Geschäftsberichte, Vertriebsauswertungen oder Umsatzreports – mit den Android- und iPad-Apps sollen Manager aktuelle Berichte, Diagramme oder Business Charts auf ihren Mobilgeräten abrufen.
An den Vertrieb richten sich mobile Auskünfte zu Geschäftspartnern aus dem Oxaion-eigenen CRM-Sys­tem IRM (Integriertes Relationship Management). Auf dem Weg zum Kunden sollen Außendienstmitarbeiter offene Posten einsehen können, sich durch den Abruf von Gesprächsnotizen die letzten Telefonate in Erinnerung rufen oder die gesamte Historie des Kunden studieren.
Darüber hinaus präsentiert der Standardsoftwerker in Hannover den mobilen Zugriff auf das Servicemanagement von Oxaion. Technikern und Monteuren steht damit beim Kundeneinsatz vor Ort auf ihren Tablet-PCs die Geräteakte zur Verfügung. Damit können sie sich schnell über Funktion, Zustand und Einsatzbedingungen des Geräts oder der Anlage informieren, die sie warten beziehungsweise reparieren.

Individualisierung erfolgt über Add-ons im Web-Portal

Der Stuttgarter Standardsoftwerker PLANAT zeigt in Halle 5, Stand G18, Add-ons zu seiner betriebswirtschaftlichen Lösung FEPA, wie zum Beispiel einen selbst entwickelten BI-Designer mit Dashboard-Funktionalität und den webbasierten Produktkonfigurator. Im Portal FEPA.net können Kunden laut Unternehmensaussage ihre FEPA-Software mit zusätzlichen Anwendungen individualisieren sowie unternehmens- und maskenspezifische Workflows effizient gestalten. Das sei ohne besonderes Expertenwissen oder Entwickler-Know-how möglich, wobei der rote Faden der FEPA-Prozesse sowie die Update-Fähigkeit stets erhalten bleibe.
Die Standardsoftware FEPA enthält neben betriebswirtschaftlichen Anwendungen Module für Produktionsplanung- und Steuerung, Logistik und Vertrieb. Sie basiert auf einem Drei-Komponenten-Konzept aus Basismodulen, Branchenobjekten und funktionalen Add-ons. Kernzielgruppe von PLANAT sind mittelständische Produktionsunternehmen, insbesondere aus den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Zulieferindustrie, Elektrotechnik sowie Kabel und Kunststoff.

Vom mobilen Zugriff bis hin zum anpassbaren Reporting Cockpit

Die proALPHA Gruppe präsentiert in Halle 5, Stand E 18, ihre betriebswirtschaftliche Standardsoftware sowie Beratungsleistungen für mittelständische Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen. Im Mittelpunkt stehen mittelstandsorientierte mobile Business-Intelligence-Lösungen für Tablets, Smartphones und das Web. Auf Basis des proALPHA Business Cockpit lassen sich laut Unternehmensaussage Fragen zur Unternehmenssteuerung ortsunabhängig direkt aus dem ERP-System heraus beantworten. Anwender sollen ihre Dashboards mit wenigen Klicks anpassen, erweitern und individualisieren können. Die ERP-Komplettlösung ProALPHA richtet sich an mittelständische Industrie- Handels- und Dienstleistungsunternehmen mit 100 bis 3000 Mitarbeitern.

Cloud Computing, E-Business und Web-Kalender

Sage präsentiert sein Portfolio in Halle 5, Stand B16. Zu den Highlights des Messeauftritts zählt die internetbasierte ERP-Lösung Sage Office Line 365. Der ERP-Hersteller will damit die Vorteile einer Inhouse-Lösung mit denen der Cloud kombinieren. Darüber hinaus bietet Sage einen mobilen Zugriff auf die Office Line: Mit dem Modul Sage Office Line Mobile können Anwender der Sage Office Line ihre Daten über iPad, iPhone oder ein Android-Gerät mobil abrufen.
Neu im Angebot ist die Dokumentenmanagement-Lösung Sage DMS. Anwender der Lösungen Sage Office Line, Sage ERP b7 und Sage New Classic können direkt aus dem ERP-System auf umfassende DMS-Funktionalitäten zugreifen und erhalten die Möglichkeit einer einfachen Archivierung und Ablage. Eine intelligente Volltextrecherche und automatische Verschlagwortung aller Dokumente sollen einen vereinfachten Zugriff auf archivierte Informationen ermöglichen.

Java-basiertes Variantenmanagement mit dazugehöriger Mobil-Lösung

Die VLEXgroup, ERP-Spezialist für variantenorientierte Fertiger und technische Großhändler zeigt auf dem Comarch-Partnerstand A 16 in Halle 5, wie Unternehmen die Komplexität ihres Artikel- und Variantenmanagements verringern und die Effizienz der Abläufe von der Kalkulation und dem Vertrieb über die Fertigung bis zum Controlling verbessern. Wollen Manager über geschäftskritische Vorgänge jederzeit auf dem Laufenden sein, können sie neben der Java-basierten Lösung
VlexPlus 3.2 die mobilen Applikationen der VLEXgroup nutzen, welche die Bereiche Business Intelligence, Reporting, Kommissionierung, Versand- und Lagerlogistik sowie Fertigungsrückmeldungen abdecken. jf