Zur Weiterentwicklung von SAP NetWeaver BI

Mehr Freiheit für Fachanwender

Zukünftig sollen Anwender in den Fachabteilungen autonomer und unabhängiger von der IT-Abteilung mit SAP NetWeaver BI arbeiten können. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Neuigkeiten bei der Business-Intelligence-Plattform von SAP.

BUSINESS OBJECTS

und dessen Produkte sind eigentlich das Hauptthema, wenn die Begriffe SAP und Business Intelligence zusammen genannt werden. Aber gemach: Die Akquisition soll erst am Ende des ersten Quartals 2008 abgeschlossen sein und es ist erklärte Absicht von SAP, dass Business Objects ein eigenständiger Geschäftsbereich bleibt.
Einen aktuellen Einblick in die geplante Weiterentwicklung von SAP NetWeaver BI geben der Fachzeitschrift is report der Produktmanager von SAP NetWeaver BI, Lothar Henkes, und Gerd Danner, als Vice President verantwortlich für das SAP NetWeaver Product Management bei den Themen Enterprise Information Management und User Interface.
Beide bestätigen die offizielle SAP-Stellungnahme, dass nach Abschluss der Übernahme von Business Objects ein Technologietransfer in beide Richtungen stattfinden wird. „Wir ergänzen unser Angebot an den Business User, da SAP traditionell eine horizontale Geschäftsdatenanalyse ,betreibt‘ und Business Objects den Business User in der vertikalen Sichtweise unterstützt – das ist eine hervorragende Ergänzung“, so die beiden Experten. Leser des is report wissen, dass die Tools von Business Objects schon sehr lange für SAP NetWeaver BI zertifiziert sind und Crystal Reports mal ein fester Bestandteil von SAP NetWeaver BI war, bis diese OEM-Partnerschaft gekündigt wurde (vgl. is report 7+8/2006, Seite 10).
Lothar Henkes erläutert auf Nachfrage auch die neue OEM-Partnerschaft mit Informatica, durch die das Datenintegrationswerkzeug PowerCenter Bestandteil von SAP NetWeaver BI wird (vgl. is report 9/07, Seite 9). Grund seien die Wünsche nach anwendungsspezifischen Extraktionsmöglichkeiten einer Reihe von Kunden, die zum Beispiel Siebel, J.D. Edwards oder Oracle Financials mit vordefinierten Extraktoren anbinden wollen.

Lightweight Modeling für die Fachabteilungen
Unter dem Schlagwort Lightweight Modeling sollen in einem BI Server Tools zur Verfügung gestellt werden, die den Anwendern in den Fachabteilungen eigenständig eine Modellierung und Analyse ermöglichen. Das entsprechend angelegte oder geänderte Modell kann sowohl für Ad-hoc-Szenarien verwendet als auch an die IT übergeben werden. Dadurch ist der „Closed Loop zur IT“ gewährleistet. Erläuternd fügt Gerd Danner hinzu, dass die Modellierung auf eine „höhere Abstraktionsebene“ gehoben werde.
In einer SAP-Umgebung für Business Intelligence würden Modelle bisher mit vordefinierten DataStore-Objekten und den Info Cubes erstellt. Dadurch sei zwar keine tiefe Kenntnis der Datenbank wie beim traditionellen Data Warehousing mehr notwendig, trotzdem überforderten komplexe Einstellungen wie beispielsweise Line Item Dimensions aber die Fachabteilungen. Der Fachanwender solle in die Lage versetzt werden, selber Analysemodelle zu entwickeln und direkt mit produktiven Daten in einer die produktive Business-Intelligence-Plattform ergänzenden Umgebung auszuführen,  ohne den eigentlichen Produktivbetrieb zu gefährden. „Was uns hier vorschwebt, ist folgender Ansatz. Das zentrale System für das Standard-Reporting ist eng integriert – durch den Austausch von Daten und Metadaten in beide Richtungen – mit einem durch die Fachanwender getriebenen Abteilungssystem“, sagt Gerd Danner.

Lösungsintegration und -erweiterung für die Planung
Auf die Frage, was sich nach dem Kauf von OutlookSoft bei den Planungslösungen von SAP tue, berichtet Lothar Henkes, dass die Software von OutlookSoft für das Büro des Finanzvorstandes positioniert werde, der eine einfach zu bedienende Planungsanwendung braucht. Derzeit schreibe OutlookSoft die genutzten Daten über Microsoft Analysis Services in die Microsoft-Datenbank SQL Server, daher sei im ersten Migrationsschritt die Möglichkeit vorgesehen, die Daten über SAP NetWeaver BI auch in die jeweils genutzten Datenbanken von Oracle, IBM oder Microsoft schreiben zu können. Entgegen der Aussage von Nenshad Bardoliwalla, Senior Director bei SAP in Palo Alto, dass dies bis Ende 2007 erledigt sei (vgl. is report 6/07, Seite 32), nannte Henkes als Termin das zweite Quartal 2008.
Für Gerd Danner werden mit dieser Integration die Tools OutlookSoft, eine flexible, gut für die Fachabteilung geeignete Anwendung, und BI Integrated Planning, eine relativ starre, für zentral gesteuerte unternehmensweite Planungsrunden geeignete Lösung, zusammengeführt. Hierbei werde der BI Server zum Bindeglied.
Im nächsten Schritt sollen die „sehr guten Usability-Funktionen“ von OutlookSoft auch in SAP NetWeaver BI und den Business Explorer übernommen werden. Langfristig wird es von SAP ein vollständig integriertes Angebot für die Planung geben. Eine geplante Weiterentwicklung ist auch die Stammdatenplanung. Dadurch wird es möglich, Planwerte für neue, nach außen noch nicht sichtbare Produkte zu erfassen.
Zusätzlich ist eine Lösung für das Planungsprozessmanagement, also für die Verwaltung des Planungsprozesses hinsichtlich den Inhalten, Terminen oder Beteiligten, geplant. Gerd Danner betont als Vorteil einer eigenen SAP-Entwicklung für das Management des Planungsprozesses die Möglichkeit, operative Prozesse einzubinden.

Appliances gewinnen an Bedeutung
Großen Anklang bei den Kunden habe das Konzept der Appliance gefunden, wie es beim BI Accelerator zur Anwendung gekommen sei, berichtet Lothar Henkes. Diese Verknüpfung von vorkonfigurierter Hardware und Software ist direkt nach der Installation einsatzbereit. Auch das Modul Enterprise Search werde aus diesem Grund als Appliance ausgeliefert. Daher sei geplant, auch den BI Server für das Lightweight Modelling weitgehend mit vorkonfigurierter Hardware und Software anzubieten.
Angesprochen auf die Kritik am hohen Preis für den BI Accelerator verweist Gerd Danner auf den Nutzen der Appliance.  Der SAP NetWeaver BI Accelerator sorge sowohl für eine Verbesserung der Performance bei der Abfrage von Daten, also der Query-Performance, als auch für eine deutliche Entlastung des Systemadministrators: Da der gesamte InfoCube an den BI Accelerator übergeben wird, muss der Administrator für diesen InfoCube nicht mehr länger die benötigten Aggregate modellieren und betreiben. Damit reduziere sich auch der Aufwand für Business-Intelligence-Implementierungen, aber auch für notwendige Anpassungen beim Laden von neuen und geänderten Daten (Deltainformationen) und bei Änderungen von Stammdaten signifikant.   Zukünftig werden auch zunehmend analytische Operationen wie Top-N-Analysen oder Zählfunktionen durch den BI Accelerator übernommen. Des weiteren ist es zukünftig geplant, in bestimmten Szenarien die Daten nicht mehr redundant in der Datenbank zu halten.

Vorbild SAP Business ByDesign
Nach Ansicht von Lothar Henkes verschwimmen die Grenzen zwischen Business-Intelligence- und ERP-Systemen immer mehr und er nennt als Beispiel das Thema Customer Relationship
Management. Um die Auswirkungen einer verkaufsfördernden Maßnahme analysieren zu können, will der Mitarbeiter in der Fachabteilung direkt aus der operationalen Anwendung auf das Business-Intelligence-System mit den aktuellen Daten zugreifen können. Diese direkte Verbindung von Business Intelligence zu ERP betrachte SAP als einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil und spricht hier von „Process-Centric BI“, ergänzt Gerd Danner: „Die ,klassischen ERP-Prozesse‘ werden mit den ,Information-Worker-Prozessen‘ verbunden.“
Ein gutes Beispiel für diese prozesszentrierte Denkweise der SAP, die beide Prozesstypen berücksichtigt, ist die neue Software SAP Business ByDesign. In ihr sind auf einer Oberfläche operative und analytische Teile mit einer Datenversorgung in Echtzeit integriert. „Der Anwender kann in der operativen Anwendung basierend auf den Informationen aus den Analysen die richtigen Entscheidungen treffen“, so Danner. dk