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Business Intelligence
Zur Zukunft

von Business Intelligence haben Analystenhäuser immer einige „trendige" Aussagen parat. So glaubt die Experton Group, dass Business Intelligence eine fundierte Hilfe bei der notwendigen frühzeitigen Reaktion auf interne und externe Veränderungen sein kann und „zur optimalen Entscheidungsfindung" beitragen kann. Die Analysten sehen für das Jahr 2009 vier Trends:
• Zunahme der Datenquellen und des Datenvolumens: Unternehmen würden künftig verstärkt neue Technologien wie RFID oder Web 2.0 einsetzen, was erhebliches Potenzial für Analysen in sich berge. Daher würden aus diesen Quellen künftig vermehrt Daten in ein Data Warehouse eingespeist werden.
• Business Intelligence goes Web 2.0 (User Generated Analytics): Anwender aus den operativen Bereichen wie Marketing und Vertrieb würden vermehrt einfache, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Analysetools einsetzen, mit denen sie auch selbst schnell und einfach eigene Auswertungen durchführen können.
• Weitere Standardisierung und Automatisierung der Prozesse: Wegen der steigenden Anforderungen des Marktes zu immer schnelleren Entscheidungen und die weitere Verbreitung von Business-Intelligence-Werkzeugen in neuen Anwendergruppen wird auch die Standardisierung und Automatisierung der Business-IntelligenceProzesse weiter voranschreiten.
• Etablierung neuer Bezugsformen: Bezugsformen wie Software-as-a-Service und Open-Source-Lizenzen avancierten gerade in Zeiten der Krise aufgrund der Kostensparpotenziale, aber auch ihrer zunehmenden Reife zu einer ernstzunehmenden Alternative.
Die Redaktion des is report fragte bei vier ausgewählten Anbietern von Business-Intelligence-Lösungen, was aktuell „trendig" ist und mit welchen Angeboten sie die von ihnen genannten Zukunftsthemen „bedienen".
Zwei wichtige Trends im Business-Intelligence-Markt, die sich durch die Finanzkrise und durch „eingeschränkte Produktinnovation der traditionellen Business-Intelligence-Anbieter in 2009 weiter verstärken werden", sieht Kristian Raue, Vorstand der Jedox AG. Erstens werde Open-Source-Business-Intelligence (OSBI) sich im Markt weiter durchsetzen, sagt Raue und führt als Gründe die erheblich attraktiveren Total-Cost-of-Ownership an, aber auch die gewachsene Affinität der Unternehmen zur Open-Source-Infrastruktur, mit beispielsweise Linux, Apache, MySQL und PHP. Zudem schätzten immer mehr Unternehmen die Selbstkontrolle über die Software, also die Unabhängigkeit von Anbietern und deren Produktentwicklung. Als Reaktion erweitert Jedox nach Raues Worten das Open-Source-Angebot. „Jedox bietet mit der Palo Business Intelligence Suite eine Open-Source-Lösung für Business Intelligence, Planung und Performance Management an. Neben dem Palo OLAP Server 3.0 wird auch der bislang noch nicht unter die Open-Source-Lizenz gestellte Palo Worksheet-Server in der Version 3.0 in einer Open-Source-Edition verfügbar sein. Ergänzt wird diese Suite durch den Palo ETL-Server, der über ein Web-Frontend auf AJAX-Basis gesteuert wird und den schnellen Zugriff auf beliebige Datenquellen – inklusive SAP-Daten – ermöglicht."
Als zweiten Trend sieht Raue „Cloud Computing mit Business-Intelligence-as-a-Service". „Software aus der Wolke" werde auch für den Business-Intelligence-Markt neue Absatzpotenziale im Mittelstand und in Fachabteilungen schaffen. Viele Unternehmen müssten sich in der aktuellen Marktsituation mit Performance Management beschäftigen, suchten aber wegen stockender Business-Intelligence-Projekte oder Budgetkürzungen nach neuen Ansätzen.
Entsprechend bietet Jedox erstmals eine komplette Business-Intelligence-Lösung als webbasierte Software-as-a-Service-Lösung: für Planung, Analyse, Reporting, für die Extraktions-, Transformations- sowie Lade(ETL)-Prozesse von Daten und auch für die Datenmodellierung. „Dazu wird es in Zukunft ein zu 100 Prozent browserfähiges und sehr bedienerfreundliches Frontend geben", verspricht Raue. „Damit wird die bekannte Excel-Limitation im webbasierten Einsatz aufgehoben, und die Anwender können das ganze Business-Intelligence-Spektrum nutzen."
Eine Zunahme der Notwendigkeit an verlässlicher Zahlentransparenz für die Anwender und eine genauere Betrachtung des Preis-Leistungs-Verhältnisses bei Softwareprojekten sind für Bernd Kirschner, Geschäftsführer der Denzhorn Geschäftsführungs-Systeme GmbH, dieses Jahr die wichtigsten Trends. „Verlässliche Zahlen liefert unsere integrierte Planungs- und Controllingsoftware BPS-ONE. Durch die Zusammenführung von vernetzten Unternehmensdaten erhalten unsere Kunden den erforderlichen Gesamtüberblick über den aktuellen Status des Unternehmens. Immer wichtiger wird dabei eine detaillierte Liquiditätsplanung", sagt Kirschner. „Flexible Berichte und Analysen mit der OEM-Komponente BPS-BI unterstützen unsere Kunden nicht nur bei der internen Unternehmenssteuerung, sondern auch bei Verhandlungen mit externen Partnern. Gerade in Zeiten des knappen Geldes, überzeugt die anerkannte Planungssoftware BPS-ONE Kreditinstitute und hilft unseren Kunden, über ein positives Rating Zinsvorteile zu verhandeln."
Der restriktive Umgang mit IT-Investitionen führe zu einer genauen Prüfung von Kosten und Nutzen von Softwareprojekten, berichtet der Denzhorn-Geschäftsführer: „Nach unserer Erfahrung tendieren mittelständische Unternehmen dazu, mit kleinem, überschaubaren Invest den Schritt in die Business-Intelligence-Welt zu wagen. Das heißt: schnelle Einsetzbarkeit, leichte Bedienbarkeit und einfache Administration bei gleichzeitiger Gestaltungsfreiheit und Wachstumsflexibilität."
Als Antwort auf diese beobachteten Trends bietet Denzhorn nach Kirschners Worten die „integrierte Planungs- und Controllingsoftware BPS-ONE mit fertigen OLAP-Cubes und vordefinierten, jederzeit anpassbaren Standardreports für schnelle, überschaubare Business-Intelligence-Projekte." Gleichzeitig gewährleiste die offene Software-Architektur des Partners Cubeware eine sukzessive Erweiterung der kleinen Lösung durch die Einbindung heterogener Datenwelten.
Der Chief Technology Officer (CTO) von arcplan, Roland Hölscher, sieht in 2009 vornehmlich technologische Trends: „Web-2.0-Anwendungen werden zunehmend Einfluss auf Business-Intelligence-Lösungen haben. So sind etwa Mashups bedeutsam für den Aufbau von Composite Enterprise Applications, also zusammengesetzten Unternehmensanwendungen. Mashups ermöglichen die Integration sämtlicher Inhalte, die über einen Browser zugänglich sind", erläutert Hölscher. „Die Möglichkeiten beschränken sich dabei nicht auf die Einbindung zusätzlicher Inhalte, sondern erlauben die Anreicherung bestehender Inhalte durch externe Visualisierungsdienste und -komponenten. Dies wird zu einer deutlichen Erweiterung der Visualisierung und Personalisierung von Business-Intelligence-Lösungen und analytischen Applikationen führen."
Als Reaktion auf diesen Trend bringt arcplan gegenwärtig die neue Version arcplan Enterprise 6 auf den Markt, welche die Integration von Enterprise Mashups unterstütze. „Die Integration externer, von Dritten zur Verfügung gestellter Inhalte über Mashups liefert die Informationstransparenz, die notwendig ist, um Unternehmen in komplexen und wettbewerbsintensiven Branchen effektiv zu steuern und den Wettbewerb hinter sich zu lassen", sagt der arcplan-CTO. arcplan Enterprise festige damit seine Position als Plattform zur Entwicklung von Applikationen für Business Intelligence und Enterprise Performance Management, die auf die Anforderungen von Fachanwendern und Analysten zugeschnitten seien.
Außerdem erwartet Hölscher Veränderungen bei mobilen Anwendungen für Business Intelligence, denn laut Gartner wurden 2008 weltweit etwa 120 Millionen Smartphones verkauft und überwiegend im Businessbereich genutzt. „Mobile Architekturen unterscheiden sich heute nicht mehr stark von modernen Unternehmensanwendungen", sagt der CTO von arcplan. „Sie sind ebenfalls Browser-basiert und plattformunabhängig. Beim iPhone existiert bereits ein Nutzungsszenario, das mobiler Business Intelligence sehr entgegenkommt. Diesen Weg werden bis Ende 2009 auch andere Plattformen gehen."
Auch hier reagiert arcplan als Anbieter eines Business-Intelligence-Frontends: „Die Unterstützung mobiler Applikationen ist Bestandteil unserer Produktplanungen. Mobile Anwendungen auf Smartphones unterscheiden sich in ihren ergonomischen Anforderungen von herkömmlichen Applikationen. Anwendern müssen relevante Inhalte möglichst auf einen Blick zur Verfügung stehen, ohne umständlich Scrollen zu müssen", erläutert Hölscher. „Dies erfordert eine Software wie arcplan Enterprise, die Anwendungsdesigner, aber auch Business-Intelligence-Nutzer mit einfachen Mitteln in die Lage versetzt, flexibel auf individuelle Anforderungen zu reagieren."
„Trends mögen zwar eine schöne Sache sein," sagt Hermann Hebben, Gründer und Geschäftsführer der Cubeware GmbH. In der Praxis seien jedoch nach wie vor folgende Themen die wirklich wichtigen. „Erstens: Sinnvolle Funktionalitäten aus einem Guss für Analyse, Planung, Reporting und Dashboarding. Zweitens: Einfachheit in der Bedienung und Unterstützung für das Arbeiten im Team. Und drittens: Die reibungslose Integration in vorhandene Systemwelten. Beim Einsatz von Business Intelligence sollte zudem nicht das technisch Machbare, sondern immer das Sinnvolle im Vordergrund stehen."
Entsprechend stehe bei Cubeware der konkrete Anwendernutzen an erster Stelle und damit auch der Ausbau des Produktportfolios vor dem Hintergrund der „Einfachheit, Teamfähigkeit und Offenheit." Auf der CeBIT wird das Release 2 des Frontends Cubeware Cockpit V6pro vorgestellt. Zu den Neuigkeiten zählen dabei nach den Angaben von Hebben neben der Unicode-Fähigkeit, die durchgängige Interoperabilität der Windows- und Web-Versionen, verschiedenste Optimierungen in den Exportfunktionalitäten sowie die Unterstützung des Authentifizierungsdienstes Kerberos in der Benutzerverwaltung. „Darüber hinaus zeigen wir eine Vorschau auf die voraussichtlich im Sommer 2009 verfügbaren Maps-Funktionen für die Darstellung von Analysen auf Landkarten", ergänzt Hebben. Als Beispiel für die Integration von Systemwelten nennt Hebben die Erweiterung der für Cubeware Cockpit V6pro verfügbaren OLAP-Plattformen um Oracle Essbase, die Einbindung von integrierten Finanzplanungssystemen sowie umfassende Lösungen rund um SAP sowie für Microsoft Dynamics NAV und AX.

Die Nennungen der Anbieter zeigen, dass es aktuell keine eindeutigen Trends für Business Intelligence gibt. Das verunsichert wohl auch die Anwender: Denn nach einer aktuellen Umfrage von coretelligence, einem IT-Dienstleister mit Schwerpunkt auf Business-Intelligence-Projekten, sehen über die Hälfte der Anwender strategische Defizite, wenn es um ihre Business-Intelligence-Lösungen geht (vgl. Abbildung links).
Zum Schluss soll nochmals ein Analyst zu Wort kommen: Dr. Carsten Bange, Geschäftsführer des Business Application Research Center (BARC), nannte Anfang des Jahres in seinem Blog sechs Trends. Je zwei mit fachlicher Facette, technischer Facette und organisatorischer Facette. Hinsichtlich der Organisation sieht Bange einen Trend zu Data Governance und zur Einrichtung von Business Intelligence Competence Center. In technischer Hinsicht gehe es um Werkzeugstandardisierung, wobei nicht alle Werkzeuge von einem Anbieter kommen müssen, und um die Berücksichtigung innovativer Technologien, wie beispielsweise In-Memory-Datenbanken oder Data Warehouse Appliances. Fachlich geht es nach Meinung des BARC-Geschäftsführers künftig einerseits darum, dass Business Intelligence in Geschäftsprozesse gehöre und diese damit Gegenstand von Business Intelligence werden. Andererseits müsse Business Intelligence ganzheitlich für alle entscheidungsunterstützenden Prozesse auf strategischer, taktischer und operativer Ebene ausgerichtet werden. dk