Quelloffene Lösungen bestechen vor allem durch den Preis

Ausgabe 05/2011

Open-Source-Werkzeuge: Quelloffene Lösungen bestechen vor allem durch den Preis

Open-Source-Tools für Business Intelligence gewinnen Marktanteile. Attraktiv an ihnen ist vor allem der Preis. Funktional liegen allerdings laut BARC oftmals die kommerziellen Anbieter vorne.

Drei Anbieter

legen momentan besonders stark zu: „Jaspersoft, Jedox und Pentaho gewinnen Auswahlprozesse deutlich häufiger als noch vor ein paar Jahren“, berichtet Barney Finucane, Analyst des Würzburger Business Application Research Center (BARC) und Hauptautor der Marktstudie BI Suervey 9. Einschränkend fügt er allerdings hinzu, dass dieses Wachstum von einer sehr geringen Basis aus stattfindet.
Der Hauptgrund, warum Unternehmen bei Business Intelligence zu Open-Source-Werkzeugen greifen, sind laut Finucane die Kosten: Nach den Ergebnissen der BI Survey sind Open-Source-Projekte deutlich güns­tiger als solche mit kommerziellen Werkzeugen. Niedrig sind nicht nur die Lizenzgebühren, sondern auch die Kosten für die Implementierung.

Zugang zum Quellcode findet bei Anwendern wenig Interesse

Bei der Auswahl von Business-Intelligence-Software richten sich die Unternehmen laut Finucane weniger nach den Präferenzen der hausinternen IT-Abteilung, sondern eher nach den Vorlieben und Bedürfnissen der Anwender. Diese wiederum interessierten sich hauptsächlich für Funktionalität und eine möglichst einfache Bedienung und nur ganz selten für Plattformfragen oder gar für den Zugang zum Source-Code einer Anwendung: „Die Tatsache, dass ein Werkzeug Open Source ist, dürfte wohl kaum einen Anwender eines BI-Tools interessieren.“
Auch bei der Benutzerfreundlichkeit schiebt der BARC-Analyst sofort eine Einschränkung nach: Kommerzielle BI-Tools seien funktional und in Sachen Bedienung den Open-­Source-Werkzeugen deutlich überlegen: „Open-Source-Anbieter punkten im Backend beim Datenmanagement, beim Data Mining sowie bei Extraktion, Transformation und Laden“, so Finucane. „Je näher sie allerdings zum Endanwender kommen, desto schwächer schneiden sie ab.“

Open-Source-Anwender sind kleinere Unternehmen

Unternehmen, die bei Business-Intelligence-Projekten zu Open-Source-Werkzeugen greifen, sind laut Studie deutlich kleiner als solche, die kommerzielle Lösungen anwenden. Ähnliches gilt für die Projektgröße: Bei kommerziellen BI-Anbietern liegt der durchschnittliche Lizenzpreis nach den Ergebnissen der BI Survey bei 47 000 Euro, bei Pentaho-Anwendern hingegen bei 16 000 Euro. Ähnliche Verhältnisse zeigen sich bei den Implementierungsgebühren: bei Open-­Source-Anbietern betragen diese lediglich sechs Prozent des Durchschnittswerts für Projekte mit kommerzieller Software. Bei der Branchenverteilung zeigt die Studie keine signifikanten Unterschiede zwischen den Anwendern kommerzieller Produkte und denen quelloffener Lösungen. „Open-Source-Anbieter richten sich vor allem an preissensible Mittelstandskunden“, erläutert Finucane.
Eine Community-Version ohne Support bieten die meisten Open-Source-Anbieter kostenlos an, während für die Variante mit professioneller Unterstützung durch den Hersteller Gebühren anfallen. Laut Finucane sollten auch extrem preissensible Anwender keinesfalls auf Support verzichten: „Unterstützung durch den Hersteller ist ein wichtiger Baustein für den Projekterfolg. Unsere Untersuchungen zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Qualität des Supports und dem Projekterfolg. Unternehmen sollten daher sicherstellen, dass sie Unterstützung vom Hersteller bekommen.“

Test-Implementierungen steigern die Chance für einen Projekterfolg

Einige Unternehmen nutzen die Community-Version für Test-Installationen und wechseln zur bezahlten Variante, sobald sie die jeweilige Software dauerhaft produktiv einsetzen. Die Idee solcher Test-Installationen hält Finucane für ausgezeichnet: „Wir empfehlen, dass Unternehmen ihre Produkte nicht auf Basis der Bekanntheit des Anbieters auswählen, sondern sich die Features und Funktionen genau ansehen. Eine Test-Implementierung eignet sich hierfür sehr gut.“ Die BI Survey 9 zeigt die Unterschiede auf, die zwischen dem völligen Verzicht auf eine Evaluierung, der Vorabprüfung lediglich eines Produkts und der Evaluierung mehrerer Lösungen bestehen: Von den Unternehmen ohne jegliche Evaluierung erreichen nicht einmal 15 Prozent ihre Projektziele in vollem Umfang. Bei den Unternehmen, die verschiedene Lösungen auf ihre Vor- und Nachteile abklopfen, erreicht ein Viertel die Projektziele.
Auch der jeweilige Einsatzzweck stellt einen wichtigen Faktor für den Projekterfolg dar: „Am stärksten sind Open-Source-Anbieter im Backend, und hier erwarten wir auch die härtes­te Konkurrenz zu Anbietern wie SAS Institute oder der IBM-Tochter SPSS“, erläutert Finucane und verweist auf das Datamining-Tool R und die ETL-Suite (Extraktion, Transaktion, Laden) Talend.
Die gemeinsame Erfolgsstrategie der Open-Source-Anbieter besteht darin, dass sie nicht als Vollsortimenter auftreten, sondern sich auf eine Nische konzentrieren und diese erfolgreich besetzen. „Open-Source-Anbieter sind allesamt relativ junge Unternehmen, die nach einer Nische suchen, in der sie wachsen können“, berichtet Finucane und beschreibt beispielhaft den Wettbewerb der Textverarbeitungspakete Open Office und Google docs mit Microsoft Office: „Keines der beiden Pakete will und kann Microsoft Office auf ganzer Front ersetzen. Aber sie sind kostengünstig und bieten gute Funktionen für die Online-Kollaboration. Ein ähnliches Nischenkonzept wird auch bei Open-Source-Anbietern funktionieren.“

Integration mit kommerziellen Tools fällt schwierig aus

Für den Anwender bedeutet der Nischencharakter der Open-Source-Produkte, dass er diese Tools immer mit kommerzieller Software integrieren muss. Genau das ist jedoch laut Finucane mitunter alles andere als einfach: „Nehmen Sie eine Open Source multidimensionale Datenbank als Beispiel: Kein Frontend, das ich kenne, unterstützt das.“ Auch Standards zur Integration der beiden Produktwelten helfen nur bedingt weiter, denn laut Finucane werden sie in der Business-Intelli­gence-Welt nicht sehr strikt beachtet. Als Beispiel verweist der BARC-Analyst auf die von Microsoft definierten Analysis Services für multidimensionale Datenbanken, die nicht Teil des Indus­triestandards MDX (Multidimensional Expressions) sind. MDX ist eine von Microsoft vorangetriebene Datenbanksprache für OLAP-Datenbanken (Online Analytical Processing).

Bei unternehmensweiter Standardsoftware greifen Mittelständler gerne zu vordefinierten Standardlösungen, um Kosten und Aufwand beim Customizing zu verringern und Implementierungszeit zu sparen. In der Open-Source-Welt können sie aus dieser Ecke keine große Unterstützung erwarten. Die meisten quelloffenen Business-Intelligence-Werkzeuge sind branchenneutral, und Finucane kennt auch von Seiten der Implementierungspartner keine vordefinierte Indus­trielösung. Im Umkehrschluss kann das heißen: Lizenz und Implementierungsgebühren sind bei Open-Source-Tools für Business Intelligence sehr günstig, aber mangels vordefinierter Lösungen zieht sich die Implementierungszeit in die Länge. jf