Magic Quadrant von Gartner bewertet BI-Plattformen

Ausgabe 06/2011

Plattformstrategie für Business Intelligence: Magic Quadrant von Gartner bewertet BI-Plattformen

Große Anbieter wie Microsoft oder Oracle behalten ihre Marktdominanz im Business-Intelligence(BI)-Geschäft. 2010 griffen viele Fachabteilungen bei der BI-Auswahl laut dem Analystenhaus Gartner aber zu alternativen Lösungen.

Fachabteilungen

werden bei der Auswahl von Business-Intelligence(BI)-Plattformen stärker, wie Gartner-Analystin Rita Sallam, Hauptautorin des Magic Quadrant, berichtet: „Im vergangenen Jahr haben wir ein Ringen zwischen den Bedürfnissen der Fachanwender nach einfacher Bedienung und den Bedürfnissen der IT-Abteilung nach Standardisierung verzeichnet. Bedienung rangiert inzwischen höher als Funktionalität, und die Fachanwender richten ihre Kaufentscheidung danach aus.“ Trotz dieses Trends zu sogenannten Business-Discovery-Lösungen, also anwendergetriebener Business Intelligence, schnappen sich Marktgrößen nach wie vor den größten Teil des BI-Markts.
Im Magic Quadrant stellt Gartner dar, wie sich Anbieter nach den Kriterien Visionskraft und Umsetzungsfähigkeit in die Quadranten Leader, Visionär, Herausforderer oder Nischenanbieter positionieren. Zu den aktuellen Leadern gehören Microsoft, Oracle, Microstrategy, IBM, Information Builders, SAS Institute, QlikTech und SAP. Bei den Herausforderern finden sich Tableau und Tibco Software. Als Nischenanbieter bewerten die Analysten LogiXML, Board International , Targit, Salient Management Company, Bitam, Arcplan, Corda Technologies, Actuate, Jaspersoft und Panorama Software. Der Quadrant der Visionäre bleibt leer.
Microsoft übernimmt 2011 die Führung im Leaders Quadrant. Die Redmonder verpacken BI-Funktionen in MS Office, MS SQL Server und MS Sharepoint, was laut Sallam eine Verbreitung in Unternehmen mit einer Microsoft-zentrierten IT-Infrastruktur garantiert: „Die niedrigen Lizenzkosten sprechen Betriebe an, die viele Anwender mit BI ausstatten wollen.“ Positiv wertet Gartner, dass Microsoft als einziger Anbieter seine BI-Funktionalitäten eng mit der Collaboration-Plattform MS Sharepoint integriert. Allerdings berge dieses Bundling auch Risiken: „Die BI-Funktionen sind über drei Produkte verteilt, die auch andere Aufgaben wahrnehmen“, erklärt Sallam. „Das Integrieren zu einer Anwendung überlässt Microsoft Anwendern und Lösungspartnern. “
Oracles Business Intelligence Suite Enterprise Edition steuert laut Gartner die komplexesten Implementierungen mit den meisten Nutzern. Am häufigs­ten nutzen diese Suite international agierende Konzerne. Als Auswahlgründe nennen die Kunden die enge Integration, die niedrigen Total Cost of Ownership sowie den Support für große Implementierungen mit vielen Anwendern. Release 11g brauchte laut Sallam eine vergleichsweise lange Entwicklungszeit und lässt trotzdem bislang Innovationen in den Bereichen Mobile, In Memory sowie interaktive Visualisierung und Suche vermissen. Die Zufriedenheit der Anwender mit dem Oracle-Support sei niedriger als in den Vorjahren.
Microstrategy spezialisiert sich auf BI-Implementierungen auf Basis großer Data Warehouses. Als häufigste Auswahlgründe nennen die Anwender die Performance und die Unterstützung sehr großer Datenmengen. Die Zufriedenheit fällt hoch aus. Der Anbieter hat früh in BI-Applikationen auf Mobilgeräten investiert. Aufgrund der entwicklerfreundlichen Architektur von Microstrategy berichten Kunden von unterdurchschnittlichen Administrationskosten. Mit Hilfe umfangreicher Bibliotheken vordefinierter Objekte, Metriken und Statistikfunktionen ließen sich mit geringem Aufwand Reports erstellen. Dashboards jenseits von parametrisierten Reports seien allerdings auch für erfahrene Entwickler schwierig zu erstellen. Die Kosten für Lizenzen und Implementierung lägen zudem vergleichsweise hoch.
IBM hat die Applikationen von Cog­nos, SPSS und Applix unter dem Dach Business Analytics and Optimization vereint. Version 10.1 von IBM Cognos bündelt alle BI-Aktivitäten in einem einheitlichen Arbeitsraum namens Business Insight. Als Hauptvorteile sieht Gartner die schnellere Performance sowie die verbesserte Abfrage-Engine. Die Integration der Tools von SPSS ermögliche IBM Anwendungen für fortgeschrittenes Data Minung. Das Mittelstandsprodukt IBM Cognos Express für Reporting, Analyse und Planung verkaufen Partner. Als Risiko wertet Sallam, dass 23 Prozent der befragten IBM-Anwender über Performance-Probleme und hohe Lizenzgebühren bei IBM Cognos TM1 und SPSS klagen. Außerdem würden einige Kundenberichte nahelegen, dass Cognos-Applikationen schwierig zu implementieren seien.

Kunden von Information Builders zeigen sich überaus zufrieden

Webfocus von Information Builders hat seinen Schwerpunkt in der Entwicklung von Web-basierten BI-Lösungen. Kunden erstellen damit externe Applikationen für Partner oder Lieferanten. Die Anwender loben die Integration sowie die Möglichkeiten des Datenzugriffs. Die Zufriedenheit in Sachen Bedienung, Produktqualität und Support erreicht Spitzenwerte. Über interaktives Reporting verbreitern Kunden den BI-Zugriff im Unternehmen. Die schwierig zu bedienende Entwicklungsumgebung verhindere aber oft ein breiteres Deployment. Funktionalitäten für Ad-hoc-Analysen würden weniger häufig genutzt als bei den Mitbewerbern. Zudem seien die OLAP-Fähigkeiten von Webfocus stark limitiert.
SAS Institute fokussiert auf Data Mining und Predictive Analytics. Der Anbieter verfügt über das größte Portfolio von vordefinierten Analyse-Applikationen. Als Auswahlgründe nennen die Kunden Funktionalität, Datenintegration und die Produkt-Roadmap. Partnerschaften mit Herstellern wie Teradata ermöglichen es, die Informationen direkt im Data Warehouse zu analysieren. Die Dominanz von SAS Institute bei Predictive Analytics gerät laut Sallam unter Druck: IBM, Information Builders, Tibco, Microstrategy, SAP und Microsoft bauten Data-Mining-Produkte auf. Kritisch wertet Sallam, dass SAS Institute den Ruf vergleichsweise teurer Lizenzen und Implementierungsprojekte hat.
QlikTech ist das Paradebeispiel für Anwender-getriebene BI-Applikationen. QlikView basiert auf einer In-Memory-Datenbank und interaktiven Analyse-Tools. Wie in den Vorjahren bekam QlikView die höchsten Bewertungen für Benutzererfahrung und Business-Nutzen. Die Bewertung der Funktionalität ist gegenüber den Vorjahren leicht gesunken. Kritisch wertet Salam, dass QlikTech keine Anstalten macht, mit weiteren Produkten in den Markt zu kommen. QlikView biete nur eingeschränkte Funktionen für Metadaten-Management. Fehlende Fähigkeiten für hochvolumiges Enterprise Reporting und Planning erforderten, dass die Applikation stets zusammen mit anderen BI-Tools läuft.
SAP tritt mit SAP Netweaver BW und SAP Business Objects an. Die Systeme verzeichnen die höchsten Werte bei Datenvolumen und Anwenderzahlen. Business-Objects-Anwender nennen als Auswahlgrund die Fähigkeiten beim Ad-hoc-Reporting. SAP Netweaver BW wurde in keiner Disziplin besser als der Marktdurchschnitt bewertet, die OLAP-Analysen hingegen rangieren an der Spitze. SAP Business Warehouse Accelerator und SAP Business Objects Explorer bieten Erweiterungsmöglichkeiten für SAP Netweaver BW. Einige Kunden beklagen laut Gartner die hohen Betriebskosten sowie die unklare Roadmap von SAP Business Objects und SAP Netweaver BW. Über schwache Performance und schwierige Implementierung berichteten 32 beziehungsweise 40 Prozent der befragten Anwender. Das sind dreimal so viel wie der Durchschnitt. jf