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Business Intelligence (BI)
Wie hat sich die Verbreitung von Open-Source-Business-Intelligence-Angeboten in den vergangenen Jahren entwickelt?
Die Download-Zahlen sind stetig angestiegen, weil die Angebote im Markt stärker sichtbar sind als früher. Auch internationale Marktforscher nehmen inzwischen Notiz. So führt beispielsweise Gartner den Anbieter Talend im Magic Quadrant unter den Visionären auf.
Wie schneiden die Open-Source-BI-Angebote im Funktionsvergleich zur kommerziellen Konkurrenz ab?
Generell haben Open-Source-Applikationen inzwischen eine hohe Reife erreicht. Die Anwender müssen keine ungeplanten Ausfälle mehr fürchten. Im Vergleich zu den kommerziellen Applikationen fehlen ihnen allerdings häufig die letzten Prozente an Funktionalität. Das betrifft beispielsweise Administrationsfunktionen für große Implementierungen mit vielen Anwendern. Für kleine und mittlere Unternehmen kann das sogar ein Vorteil sein: Open-Source-Angebote sind nicht überfrachtet, sondern konzentrieren sich auf die Kernfunktionalitäten. Daher sind sie oft einfacher in der Bedienung und Wartung.
Eignen sich also Open-Source-Lösungen nicht für Großunternehmen?
So pauschal kann man das nicht sagen, denn es kommt immer auf das einzelne Produkt an. Auch einige Großkonzerne haben Open-Source-Applikationen im Einsatz. Das sind dann beispielsweise Fachabteilungen, die unabhängig von der IT-Abteilung eine Reporting-Lösung einführen.
Wo liegen die Motive für den Einsatz?
An oberster Stelle ist hier der Preis zu nennen. Open-Source-Anwender bekommen eine Menge an Funktionalität, ohne dafür Lizenzgebühren entrichten zu müssen. Zudem haben sich einige Unternehmen in der Vergangenheit über große Software-Anbieter geärgert, die ohne nachvollziehbare Begründung die Preise erhöht haben. Über Open Source versprechen sie sich ein Stück Unabhängigkeit von diesen Anbietern.
Implementierung und Support kosten aber.
Das stimmt. Sie sparen aber beim Beginn eines Projekts die Lizenzkosten. Die Support-Verträge kosten dann oft lediglich wenige tausend Euro im Jahr. Ein durchaus akzeptabler Betrag für Unternehmen, die Geld sparen wollen.
Wie gut lässt sich Open Source mit kommerziellen Applikationen kombinieren?
Das funktioniert sehr gut. Viele Unternehmen haben eine kommerzielle Datenbank von IBM, Oracle oder Microsoft und greifen darauf mit einer Reporting-Lösung oder einem ETL-Tool (Extraktion, Transformation, Laden) von einem Open-Source-Anbieter zu. Über die dafür erforderlichen Datenbankschnittstellen verfügen praktisch alle Open-Source-BI-Lösungen.
In einer BARC-Studie stellen Sie fest, dass Open-Source-Lösungen für BI in Sachen Offenheit und Anpassbarkeit Vorteile aufweisen.
Das liegt in der Natur der Sache. Die Applikationen sind quelloffen. Jeder kann sich den Code ansehen und ihn an eigene Bedürfnisse anpassen. Darüber hinaus setzen die Open-Source-Anbieter auf genormte Standards. Unternehmen, die das nötige Know-how haben, fügen beispielsweise mittels Java-Programmierung fehlende Funktionen hinzu.
Ändert ein Unternehmen den Quellcode, bekommt es eine individuelle Applikation, die händisch gepflegt werden muss. Wird das nicht teuer?
Da stimme ich zu. Bei Release-Wechseln müssen diese Anwender ihre Funktionen aufwändig anpassen. Dadurch kann der Kostenvorteil schnell schrumpfen. Außerdem hat nicht jedes Unternehmen in seiner IT-Abteilung Programmierer, die sich mit den Feinheiten der jeweiligen Codierung auskennen.
Welche Open-Source-Anbieter treten derzeit besonders hervor?
Als Integrationsspezialisten im ETL-Bereich sind Talend, Pentaho mit seiner Data Integration – das ehemalige Kettle – zu nennen. Bei den Datenbanken stechen MySQL, Ingres, PostgreSQL sowie MaxDB von der SAP hervor. Im Bereich Online Analytical Processing fallen Mondrian in Verbindung mit JPivot sowie die Jedox-Lösung Palo besonders ins Auge: Beim Reporting sind es Jaspersoft, Pentaho und Actuate mit Eclipse Birt, beim Data Mining Rapid-I mit dem RapidMiner und KNIME. jf