Exklusiv: Interview mit James Franklin

Data Warehouse braucht hohe Datenqualität

Das Data Warehouse des Computerherstellers Dell hat mehr als 600 Terabyte Speichervolumen und mehrere Dimensionen. James Franklin, VP Business Intelligence bei Dell, sagt, worauf es dabei ankommt.

Welche Bereiche verantworten Sie bei Dell?

Als Vice President Enterprise Business Intelligence entwickle ich die internationale Business-Intelligence-Strategie, erstelle Architekturkonzepte und liefere einen Shared Service für die Entwicklungsteams, welche weltweit unseren Fachabteilungen zuarbeiten. Außerdem verantworte ich das Business Intelligence Consulting von Dell Services inklusive des im vergangenen Jahr übernommenen IT-Dienstleisters Perot Systems.

Welche Geschäftsprozesse bildet Dell über Business Intelligence ab?

Das unternehmensweite Data Warehouse mit mehr als 600 Terabyte Speichervolumen hat mehrere Dimensionen: An erster Stelle liefert es Ad-hoc-Reporting für alle Fachabteilungen. Dabei geht es zum einen um Finanzkennzahlen, zum anderen um die Optimierung unserer Lieferkette. Schließlich betreiben wir ein ausgefeiltes CRM-System für das Kundenbeziehungsmanagement. Die Fachabteilungen verwenden die unterschiedlichsten Leistungsindikatoren, so genannte Key Performance Indicators, um ihren Geschäftserfolg zu messen. Sie reichen von Finanzkennzahlen über Liefer- und Termintreue in der Herstellung bis hin zur Leistungsmessung der Call-Center-Agenten. Wir extrahieren dazu Kennzahlen aus den IT-Systemen und stellen sie den Fachabteilungen und teilweise auch unseren Geschäftspartnern zur Verfügung.

Nutzen Sie bei der unternehmensweiten Standardsoftware selbst erstellte Systeme oder Standard-Applikationen?

Wir verwenden beides. Da wir mit der Logistiksteuerung schon sehr früh angefangen haben, kommen hier überwiegend selbst erstellte Applikationen zum Einsatz. Seit einigen Jahren nutzen wir zusätzlich standardisierte Applikationen, um unsere Geschäftsprozesse abzubilden und zu steuern. Insbesondere unterhalten wir eine enge Partnerschaft mit Oracle für Datenbanken und Data Warehouses.

Implementieren Sie die Unternehmenssoftware nahe am Herstellerstandard, um Kosten zu sparen, oder nutzen Sie Customizing, um die Software möglichst eng an Ihre Bedürfnisse anzupassen?

Wir haben unser Data Warehouse gestartet, als die Analyse-Lösungen von Teradata, Oracle, IBM, SAP oder anderen Herstellern für unsere Zwecke noch nicht genug Leistung boten. Deshalb haben wir einen großen Teil der Business-Intelligence-Applikationen selbst entwickelt. Wir extrahieren die Daten aus sämtlichen Transaktionssystemen und führen sie in einer zentralen Datenbank zusammen. Seit wir auch Standardsysteme einsetzen, nutzen wir zusätzlich deren Analyse- und Reporting-Funktionen. So kombinieren wir die Vorteile beider Welten: Mit den in der Standardsoftware integrierten Analyse-Funktionen sparen wir Kosten und erzielen einen schnellen Return-on-Investment. Wo die Funktionalität der Standardlösungen für unsere Zwecke nicht ausreicht, nutzen wir selbst erstellte Lösungen.

Betreiben Sie einen zentralen Middleware-Stack oder nutzen Sie mehrere Integrationsarchitekturen parallel?

Im Rahmen unserer Standardisierungsbemühungen nutzen wir bevorzugt die Middleware unserer Standardsoftware. Allerdings betreiben wir auch eine ganze Reihe von Legacy-Systemen und diese binden wir mit den unterschiedlichsten Technologien ein, beispielsweise über Integrationslösungen von Informatica. Für unsere selbst entwickelten Applikationen brauchen wir noch zusätzlich individuell entwickelte Adapter. Da wir an vielen Stellen mit Echtzeit-Analysen arbeiten, beschäftigen wir uns auch intensiv mit der Service-orientierten Architektur.

Eines Ihrer größten Projekte ist der Umbau von Dells Data-Warehouse-Strategie. Was waren die Ziele dabei?

Ausgangspunkt waren zwei Herausforderungen: Erstens wollen wir die reichlich vorhandenen Informationen so für das Business aufbereiten, dass sich daraus Geschäftsentscheidungen ableiten lassen. Zweitens arbeiten wir daran, für unsere Datenbanken und Business-Intelligence-Systeme einen gemeinsamen Standard zu etablieren. Die erste Herausforderung lösen wir mit unternehmensweiter Standardsoftware zur Steuerung der Finanzen, der Logistik und für die Pflege der Kundenbeziehungen. Die zweite Herausforderung entstand aus der Tatsache, dass Dell weltweit aktiv ist und sich die IT-Systeme bislang stark an den lokalen Anforderungen orientieren. Der Bedarf der einzelnen Landesgesellschaften war unterschiedlich, was dazu führte, dass die IT-Systeme unterschiedlichen Architekturprinzipien folgten. Seit einigen Jahren arbeiten wir daran, die Systeme an einem gemeinsamen Standard auszurichten. Nur so können wir die Daten und die daraus abgeleiteten Schlüsse weltweit vergleichen.

Was stellte die größte Hürde dar?

Ganz klar die Harmonisierung der Daten. Diese Hürde wird niedriger, weil die Landesgesellschaften ihre Aktivitäten mit gleicher oder zumindest vergleichbarer unternehmensweiter Standardsoftware abbilden und steuern. Zudem haben wir mehrere Applikationen zur Verbesserung der Datenqualität im Einsatz. Diese Applikationen können aber nicht von sich aus die Datenqualität garantieren. Viel wichtiger dabei sind die Mitarbeiter, die täglich mit den Daten arbeiten.

Wer verantwortet bei Dell die Datenqualität, die Fachabteilungen oder die IT?

Beide teilen sich die Verantwortung für die Datenqualität. Die Fachabteilung definiert die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Sie ist Eigentümer der Daten und organisiert deren Pflege in Zusammenarbeit mit der IT. Die IT-Abteilung wiederum sorgt dafür, dass die Business-Applikationen korrekt und performant arbeiten.

Hat die Fachabteilung für die Datenpflege einen eigenen Funktionsträger?

Nein. Wir haben Teams in den Fachabteilungen, die sich um die Qualitätssicherung der Daten bemühen. Darüber hinaus stellen Reporting-Teams sicher, dass die für die Geschäftsberichte nötigen Informationen aus den IT-verschiedenen Systemen abgefragt und in einem Data Warehouse gesammelt werden.

Welche Erfolge verbuchen Sie in der Data-Warehouse-Initiative?

In Sachen Standardisierung kommen wir gut voran. Außerdem haben wir die Budget-Anteile für Betrieb und Innovation verschoben. Früher haben wir 80 Prozent für den reinen Betrieb ausgegeben und nur 20 Prozent für Innovationen. Ende dieses Jahres werden sich beide Bereiche erstmals die Waage halten.

War die Business-Intelligence-Transformation ein einmaliges Projekt oder ist das ein andauernder Prozess?

Letzteres. Business Intelligence muss sich ständig an die sich wandelnden Bedürfnisse der Fachabteilungen anpassen. Es geht dabei um Daten, Strategien und unternehmensweite Applikationen. Dabei wird das Data Warehouse ständig weiterentwickelt. Eine Business-Intelligence-Initiative ist generell ein ständiger Transformationsprozess.

Anbieter wie die Software AG betonen das Konzept von Business Process Excellence, ein ständiger Prozess aus Design, Implementieren, Messen und Optimieren von Geschäftsprozessen. Verfolgt Dell eine derartige Initiative?

Inhaltlich schon, auch wenn wir es anders nennen. Sämtliche IT-Projekte folgen im Großen und Ganzen einem solchen Zyklus. Wir erheben Daten, messen Abläufe, und die Fachabteilungen optimieren sie. Sobald die Fachabteilung den Nutzen einer speziellen Applikation erhoben hat, versucht sie, die Effizienz und den Business-Nutzen mit weiteren Initiativen zu optimieren. Die IT-Abteilung bekommt dann neue Anforderungen, die sie abbilden muss. Der Begriff Business Process Excellence ist ein gutes Beispiel dafür, wie Best Business Practices zu einem Schlagwort verdichtet werden. Business und IT können darüber kommunizieren, Ziele formulieren und Maßnahmen ergreifen, wie sie sich dem jeweils gewünschten Zustand nähern. jf