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Business Intelligence (BI)
Jede Software-Installation soll verschiedene Ziele erreichen bzw. hat verschiedene Nutzenkategorien. Im BI Survey 8 wurde wie in den Vorjahren nach neun Nutzenkategorien gefragt: Personalkosteneinsparungen im IT-Bereich, Personalkosteneinsparungen in den Fachabteilungen, Einsparungen bei den externen Kosten für die IT, Einsparungen außerhalb der IT, schnelleres oder genaueres Berichtswesen, höhere Umsätze durch verbesserte Vertriebs- und Marketing-Analysen, höhere Kundenzufriedenheit durch bessere Produktqualität oder verbesserten Kundenservice, verbesserte unternehmerische Entscheidungen aufgrund intensiverer und schnellerer Möglichkeiten zur Analyse von Unternehmensdaten und andere Gründe. Für jede dieser Kategorien wurden die Anwender gebeten, auf einer inkrementellen Begriffsskala anzugeben, inwieweit der Nutzen „erlebt" wurde. Maximal zehn Punkte wurden bei der Datenanalyse vergeben, wenn der Nutzen nachweisbar war und quantifiziert wurde. Am unteren Ende der Skala gab es minus sechs Punkte, wenn ein Nutzen negativ war, also die Kosten stiegen oder die Situation sich verschlechterte. Mit dieser Gewichtung wurde dann ein Business Benefit Index aus allen neun Nutzenkategorien berechnet: Je höher der Business Benefit Index, desto besser beurteilen die Anwender den Nutzen einer Software.
Überwiegend positives
offenbarte die achte Auflage des BI Survey: Die Anwender erfreuen sich am Einsatz von Business-Intelligence-Software – 73 Prozent berichten, dass ihre Projektziele nach der Einführung zum großen Teil oder vollständig erreicht wurden. Größtes Problem der Anwender ist bereits zum vierten Mal in Folge die mangelnde Geschwindigkeit der Datenbankabfragen – kurz Abfrage-Performance. Allerdings ging der Anteil der Projekte mit schlechter Abfrage-Performance um drei Prozentpunkte auf 18 Prozent zurück. Eine Überraschung gab es bei der Kundenloyalität zu einem Business-Intelligence-Produkt: Neueinsteiger QlikView setzte sich bei diesem Kriterium vor MicroStrategy, dem Spitzenreiter der Vorjahre. Überhaupt erfahren Hersteller, die ein kleines Portfolio an Business-Intelligence-Lösungen anbieten, mehr Loyalität ihrer Anwender als die „Mega-Anbieter" in Sachen Business Intelligence wie IBM, Microsoft, Oracle oder SAP.
Immer wieder überraschend ist die Verbreitung von Business-Intelligence-Tools in den Unternehmen: Hochgerechnet profitieren nur acht Prozent aller Mitarbeiter von ihren Vorteilen. Auch drei Jahre nach der Erstimplementierung steigt diese Quote kaum über neun Prozent. Nigel Pendse, Autor der BI Survey und weltweit anerkannter Experte für Business-Intelligence-Software, berichtet, dass die Anbieter von einem wesentlich höheren Verbreitungsgrad ausgehen, „der ungefähr 75 Prozent über der Einschätzung der Anwender liegt". Pendse fügt mit britischem Humor hinzu: „Es scheint, als glaubten die Anbieter etwas zu sehr an ihre eigenen Marketingaussagen über die hohen Installationszahlen ihrer Produkte."

Weltweit wurden Anwender – teilweise mit Unterstützung der Hersteller – aufgefordert, sich an dem BI Survey zu beteiligen. 3269-mal wurde der recht umfangreiche Fragebogen ausgefüllt – Eingang in die Ergebnisse des BI Survey fanden dann 2150 Antworten von Anwendern und Beratern. Außerdem wurden 472 von Herstellern ausgefüllte Fragebögen ausgewertet.
Explizit wurden Anwender nach ihren Erfahrungen mit 36 Softwareprodukten befragt. Der deutschsprachige Fragebogen enthielt eine Liste mit 39 Produkten. Konnten von mehr als 30 Nutzern die Erfahrungen mit einer Software berücksichtigt werden, so wird sie auch in den Detailauswertungen aufgeführt, was im BI Survey 8 für 23 Produkte der Fall war. Wegen der Bedingung „mindestens 30 Anwenderantworten" konnten zu zwei wichtigen Marktspielern keine Detailauswertungen gemacht werden: SAS und Open-Source-Business-Intelligence. Der amerikanische und nach eigenen Angaben marktführende Anbieter SAS hat, wie in den Vorjahren, seine Kunden nicht über den BI Survey informiert und eine eigene Kundenbefragung durchgeführt. Die Anbieter von Business-Intelligence-Werkzeugen mit einer Open-Source-Lizenz Actuate, JasperSoft, Jedox und Pentaho unterstützten zwar den BI Survey, konnten aber nicht ausreichend Anwender mobilisieren. Dazu schreibt Nigel Pendse: „Es kann sein, dass Open-Source-Business-Intelligence-Komponenten hauptsächlich in andere Applikationen eingebettet sind, so dass der Endanwender sich gar nicht über deren Nutzung bewusst ist. Was auch immer der Grund sein mag, scheint es so zu sein, dass Open-Source-Business-Intelligence nicht in direktem Wettbewerb mit proprietären Business-Intelligence-Tools steht."
Auch die SAP informierte ihre Kunden nicht über den BI Survey 8, trotzdem antworteten 161 Anwender, die Tools von Business Objects nutzen, und 102 Anwender, die SAP BW einsetzen, auf den umfangreichen Fragebogen. Da SAP BW bereits seit Jahren im BI Survey am schlechtesten abschneidet und insbesondere auch dessen unzureichende Abfrage-Performance beklagt wird, wurden die SAP BW-Anwender befragt, ob sie den SAP BW Accelerator einsetzen, um diesbezüglich Abhilfe zu schaffen. Über die Hälfte verneinten den Einsatz des SAP BW Accelerator sowohl in der Gegenwart als auch für die Zukunft. Gegenüber dem BI Survey 7 ist der Anteil der Anwender, die SAP BW Accelerator künftig nutzen wollen, um 20 Prozentpunkte auf jetzt 16,7 Prozent zurückgegangen.
„Was bringt mir das?" lautet die einfache Frage, auf die jeder Software-Anbieter eine Antwort haben muss, wenn er seine Produkte verkaufen will. Nigel Pendse hat für die vergleichende Nutzenbeurteilung den Business Benefit Index entwickelt, der sich aus neun Nutzenkategorien zusammensetzt (vgl. Kasten rechts). Den größten Nutzen beim Einsatz von Business-Intelligence-Software sehen die Befragten durch schnelleres oder genaueres Berichtswesen. Am zweithöchsten wurde der Nutzen aus verbesserten unternehmerischen Entscheidungen bewertet. Alle anderen Nutzenkategorien wurden geringer bewertet als der Business Benefit Index insgesamt. Einen „unwillkommenen Trend" diagnostiziert Nigel Pendse in diesem Zusammenhang: Im Vergleich zu den Vorjahren sind die Vorteile aus dem Einsatz von Business-Intelligence-Software nach Meinung der Anwender geringer geworden. Einzig der Nutzen aus dem Zuwachs der Kundenzufriedenheit wird höher bewertet.
Zu kritisieren wäre, dass bei dieser Erhebungsmethode der Nutzen subjektiv aus dem Blickwinkel der Anwender erhoben wird und technisch versierte Anwender andere Nutzenerwartungen haben als fachlich beschlagene Benutzer von Business-Intelligence-Software. Daher unterscheidet der BI Survey 8 auch nach diesen beiden Rollen der Anwender: Diejenigen, die entweder nur einen fachlichen oder technischen Fokus haben, bewerten den Nutzen viel geringer als diejenigen, die sowohl eine fachliche als auch eine technische Rolle haben. Externe Berater, die in Vertretung für Anwender geantwortet haben, schätzen den Nutzen aus dem Einsatz von Business-Intelligence-Software aber am höchsten ein.
Am interessantesten ist natürlich die Frage nach der Software mit dem höchsten Nutzen: Die Hersteller hoffen auf gute Ergebnisse, um sich mit ihnen brüsten zu können, und die Anwender sehen sich in ihrer Kritik bestätigt, wenn das von ihnen genutzte Produkt am unteren Ende der Liste auftaucht. Werkzeuge kleinerer Anbieter stehen seit Jahren in der Anwenderbeurteilung an der Spitze, was aber wohl aus der engeren Zusammenarbeit resultiert, die in kleineren Organisationen eher möglich ist, glaubt Nigel Pendse. Andererseits, so vermutet er, bleiben auch unzufriedene Anwender großen Anbietern gegenüber loyal, weil es eine langfristige, strategische Zusammenarbeit gibt, die sich auch auf andere Business Applications erstrecke. Damit spielt er auf das Abschneiden von SAP BW an, das bei der Nutzenbeurteilung der Anwender im BI Survey 8 wieder an letzter Stelle steht (vgl. Grafik).
Verschiedene Faktoren haben Einfluss auf den Nutzen von Business-Intelligence-Software: Wenn deren Einführung weniger als sechs Monate dauerte, wird sie sehr viel vorteilhafter beurteilt als bei längeren Projektlaufzeiten. Es gibt auch kulturelle Unterschiede: Anwender aus Südamerika beurteilten den erzielten Nutzen am höchsten, User aus Deutschland am geringsten.
„Was kostet mich das?" lautet die zweite wichtige Frage bei der Anschaffung einer Business-Intelligence-Software, verbunden natürlich mit der Suche nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Denn Mehrkosten bedeuten nicht automatisch höheren Nutzen. Hierzu kann der BI Survey 8 aber wenig belastbare Aussagen treffen. Zwar lassen sich aus den Antworten alle wesentlichen Kosten für ein Projekt ermitteln und Nigel Pendse verwendet viel Sorgfalt darauf, einen so genannten „Cost of Ownership Index" zu ermitteln. Allerdings relativiert er die Ergebnisse aufgrund recht kleiner Stichproben zu den einzelnen Produkten. Der Median der Lizenzkosten in einem Projekt liegt bei etwas über 65 000 US-Dollar. Der Median der Implementierungskosten beträgt 45 000 US-Dollar. 45 Arbeitsplätze werden im Median mit Business-Intelligence-Software ausgestattet. Damit liegen die Kosten pro Arbeitsplatz bei 2461 US-Dollar. Diese Zahlen dürften zumindest erste Kalkulationen des eigenen Budgets erlauben.
Die Schwankungsbreite des „Cost of Ownership Index" ist groß: Bei Cognos Analysis ist er halb so groß wie der Durchschnitt, bei der Implementierung von Oracle-Werkzeugen fast zweieinhalb Mal so hoch wie der Durchschnitt.
Sehr deutlich wird ein negativer Zusammenhang zwischen Mehrkosten und Nutzenzuwachs bei der externen Beratung: Je mehr Budget für externes Consulting zur Einführung genutzt wird, desto geringer bewerten Anwender den Nutzen aus der Anwendung von Business-Intelligence-Software. Die Hilfe von auf Business Intelligence spezialisierten Beratungsunternehmen brachte im Ergebnis höheren Business Benefit als die Beauftragung der Consultants der Anbieter oder von Managementberatungen.

Der BI Survey 8 fördert auch recht erfreuliche Ergebnisse zutage: Fast ein Drittel der Anwender – genau 31 Prozent – meldet keine Probleme bei der Installation und beim Einsatz von Business Intelligence Software. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als im BI Survey 7 – also durchaus eine signifikante Verbesserung. Andererseits melden über zwei Drittel der Befragten Probleme, die kategorisiert werden in Datenprobleme, menschliche Probleme und technische Probleme. Letztere Kategorie bezieht sich auf Probleme mit der eingesetzten Software. Datenprobleme und menschliche Probleme – im englischen Original „people-related problems" – haben ihre Ursache auf der Anwenderseite. Die Tabelle links zeigt im Überblick die Häufigkeit der Probleme – einmal genannt von den Anwendern und einmal genannt von den Herstellern. Während bei den Anwendern die Abfrage-Performance zum wiederholten Mal an der Spitze steht, sehen die Hersteller die schlechte Datenqualität bei den Anwendern am häufigsten als ein Problem an. Die Diskrepanz der beiden Sichtweisen zeige, wie weit die Hersteller sich von den Anwendern ihrer Software entfernt hätten, beklagt Nigel Pendse. Dies sei eigentlich besorgniserregend, aber anderseits haben die Anwender nach Herstellermeinung insgesamt viel mehr Probleme, als die Nutzer selber berichten. Beide Gruppen seien also unterschiedlicher Meinung, welche Art von Schwierigkeiten vorliege, urteilt der Autor des BI Survey 8 salomonisch.
Interessant ist natürlich auch, welche Produkte die meisten Probleme hervorrufen. Die vier Produkte mit den wenigsten gemeldeten Schwierigkeiten – nämlich Bissantz, QlikView, Cubeware Cockpit und Panorama – kommen von kleinen, auf Business Intelligence spezialisierten Anbietern. Groß ist die Spannbreite bei der Abfrage-Performance: Diese ist nur für zwei Prozent der QlikView-Anwender, aber für über 38 Prozent der Nutzer von SAP BW und Cognos Reporting problematisch. Obwohl es sich um technisch ähnliche Produkte handelt, werden Cognos TM1 und Infor PM OLAP ganz unterschiedlich beurteilt: Über die langsame Abfrage-Performance des ehemaligen Applix-Produktes TM1 beklagen sich neun Prozent der Nutzer, bei der Infor-Software sind es ein Viertel der Anwender.
98 Prozent der Anwender bewerten Excel, Microsoft Reporting Services und Bissantz als zuverlässige Software. Dagegen erleben über zwanzig Prozent der Nutzer Oracle Hyperion Essbase als unzuverlässig. Insgesamt beklagen etwas über sechs Prozent die schwierige Bedienung der eingesetzten Business-Intelligence-Software – beim Einsatz von SAP BW sind es 16 Prozent der Nutzer. Keiner der TM1- und arcplan-Anwender sah in diesem Punkt Probleme. Im Vergleich zu den Produktsuiten von Business Objects, Oracle Hyperion und IBM Cognos meldeten die Anwender des SQL Server von Microsoft die geringsten Probleme.
Ein kurzes Resümée: Der BI Survey 8 zeigt, dass die Sorgen der Anwender insbesondere von den großen Herstellern nur teilweise wahrgenommen und verstanden werden. dk