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Business Intelligence (BI)
Ende 2007 hat Software-Anbieter SAS Entscheider, Anwender und IT-Experten aus Kundenunternehmen zu ihren Erfahrungen und ihrer Zufriedenheit mit SAS befragt. Von den rund 1100 Teilnehmern, die entweder persönlich mit SAS-Lösungen arbeiten oder als Verantwortliche auf Kundenseite in direktem Kontakt mit SAS stehen, waren 93 Prozent insgesamt „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“. 84 Prozent der Teilnehmer bescheinigten dem nach eigener Aussage mit 2,15 Milliarden US-Dollar Umsatz weltgrößten Business-Intelligence-Anbieter eine hohe Sichtbarkeit im Markt. Eine gute Reputation bestätigten SAS 96 Prozent der Teilnehmer, umfassende Branchenkompetenz 81 Prozent. Erstmals wollte das US-amerikanische Unternehmen wissen, ob der Einsatz von SAS den Kunden auch einen Mehrwert für ihr Geschäft liefert: 93 Prozent gaben an, dass sich die SAS-Lösungen positiv auf den Return-on-Investment (ROI) ihres Unternehmens auswirkt. dk
Jede Software-Installation soll verschiedene Ziele erreichen bzw. hat verschiedene Nutzenkategorien. Im BI Survey 7 wurde wie in den Vorjahren nach neun Nutzenkategorien gefragt: Personalkosteneinsparungen im IT-Bereich, Personalkosteneinsparungen in den Fachabteilungen, Einsparungen bei den externen Kosten für die IT, Einsparungen außerhalb der IT, schnelleres oder genaueres Berichtswesen, höhere Umsätze durch verbesserte Vertriebs- und Marketing-Analysen, höhere Kundenzufriedenheit durch bessere Produktqualität oder verbesserten Kundenservice, verbesserte unternehmerische Entscheidungen aufgrund intensiverer und schnellerer Möglichkeiten zur Analyse von Unternehmensdaten und andere Gründe. Für jede dieser Kategorien wurden die Anwender gebeten, auf einer inkrementellen Begriffsskala anzugeben, inwieweit der Nutzen „erlebt“ wurde. Maximal zehn Punkte wurden bei der Datenanalyse vergeben, wenn der Nutzen nachweisbar und quantifiziert wurde. Am unteren Ende der Skala gab es minus sechs Punkte, wenn ein Nutzen negativ war, also die Kosten stiegen oder die Situation sich verschlechterte. Mit dieser Gewichtung wurde dann ein Business Benefit Index aus allen neun Nutzenkategorien berechnet.

Sind Anwender erfreut oder entsetzt über ihre Business-intelligence-Lösungen? Der BI Survey verrät es.
Zum siebten Mal
leitete der unabhängige Marktanalyst Nigel Pendse eine weltweite Anwenderbefragung zur Nutzung von Business- Intelligence-Software. Konstant bleibt die hohe Resonanz mit 2266 Antworten nach Datenbereinigung, davon 61 Prozent von Anwendern und über acht Prozent von Beratern, die über Anwendererfahrungen berichten. Der Rest der Antworten kam von Anbietern. Verändert hat sich der Name der Untersuchung: Von „OLAP Survey“ zu „BI Survey“. Mit dieser Namensänderung einher ging eine Überarbeitung des Fragenkatalogs, da sich auch das betrachtete Software-Angebot von „reinen OLAP-Tools“ hin zu „Business-Intelligence- Anwenderwerkzeugen“ verändert hat.
16 Produkte von neun Anbietern im Detailvergleich
Der BI Survey 7 erlaubt die Auswertung von Erfahrungen aus 1901 Software- Installationen, so viele wie nie zuvor. Zu 16 verschiedenen Werkzeugen machten jeweils mehr als 30 Befragte Detailangaben, so dass hier ein belastbarer Vergleich über Vor- und Nachteile aus Sicht der Anwender stattfinden kann. Dies sind: MicroStrategy, Microsoft Analysis Services, Applix TM1, Cognos Analysis, SAP BW/NetWeaver BI, Cognos Reporting, BusinessObjects, Infor ALEA, Board, Panorama NovaView, Information Builders WebFOCUS, Cubeware Cockpit, Hyperion Essbase, Microsoft Reporting Services, Crystal Reports und arcplan. Durch die Marktkonsolidierung im vergangenen Jahr, also die Übernahmen von Applix durch Cognos, von Cognos durch IBM, von Business Objects durch SAP und von Hyperion durch Oracle, werden diese 16 Produkte heute von nur neun Unternehmen angeboten. Erstmalig haben Anwender auch über Erfahrungen mit Open-Source-Software für Business Intelligence berichtet. Allerdings waren die 28 Rückläufer zur Software Pentaho/ Mondrian und sieben zur OLAP-Datenbank Palo zu wenig, um statistisch belastbare Aussagen zu machen. Relativ wenige Anwender (16) berichteten über den SAS Enterprise BI Server von SAS – vielleicht, weil das amerikanische Unternehmen seine Kunden nicht auf den BI Survey aufmerksam machte, obwohl es doch nach eigener Aussage hochzufriedene Kunden hat (vgl. Kasten rechts).

Projekterfolg hängt an der Performance
Bereits zum dritten Mal war die mangelnde Geschwindigkeit der Datenbankabfragen, kurz Abfrage-Performance, das aus Anwendersicht größte Problem. Die Klagen zu diesem Thema sind gegenüber den zurückliegenden Befragungen noch zahlreicher geworden, unabhängig davon, ob die Abfrage- Performance wirklich schlechter geworden ist. Die Toleranz der Anwender gegenüber Wartezeiten nimmt im Google-Zeitalter ab, schreibt Nigel Pendse, verantwortlich für die Auswertung des BI Survey 7. Wurde bereits beim Auswahlprozess das Kriterium Abfrage- Performance berücksichtigt, führt das zu größerem Nutzen aus dem Projekt. Der Zusammenhang zwischen Projekterfolg und Antwortzeiten bei Datenbankabfragen ist sogar fast linear. Interessanterweise lässt sich die Abfrage-Performance nur wenig auf die Hardware-Performance zurückführen, viel relevanter ist das Datenvolumen. Die Softwarehersteller erkennen die Bedeutung der Abfrage-Performance offensichtlich nicht. Nur etwa elf Prozent der teilnehmenden Anbieter denken, dass für Anwender schlechte Abfrage-Performance ein Problem ist. Unter den Beratern ist der Anteil mit zwölf Prozent nur geringfügig höher. Bei den Anwendern sind es dagegen 22 Prozent (vgl. Tabelle). Die meisten Beschwerden zur Abfrage- Performance gab es unter den Nutzern von SAP BW/NetWeaver BI – 38 Prozent sind unzufrieden. SAP-Anwender wurden denn auch explizit gefragt, ob sie den BI Accelerator nutzen, eine von SAP angebotene Data- Warehouse-Appliance, welche die beklagte schlechte Performance steigern soll. Über 15 Prozent nutzen den BI Accelerator bereits und rund 36 Prozent plant den Einsatz, während knapp die Hälfte auf dieses Tuning-Angebot von SAP verzichten will. Das Konzept von Business Intelligence in Echtzeit bzw. Realtime Business Intelligence ist in der Praxis noch nicht angekommen. Bei diesem Konzept sollen neue Daten in der Quell-Datenbank „in Echtzeit“, also sofort, auch für Analysen und Reports zur Verfügung stehen. Über alle Installationen hinweg betrachtet, beträgt diese so genannte Latenzzeit 51 Minuten. Den Nutzen aus Realtime- Installationen beurteilen Anwender auch als gering: Bei Latenzzeiten von Null bis zu etwa drei Stunden bleibt der Business Benefit Index (vgl. zur Erläuterung den Kasten rechts) nahezu konstant. Erst, wenn neue Daten nach mehr als drei Stunden genutzt werden können, sinkt der Projektnutzen.

Eine Software-Installation für mehrere Anwendungen
Durch die diesjährige Verbreiterung des Untersuchungsansatzes von reiner OLAP-Software auf Business- Intelligence-Software lassen sich die 16 detailliert betrachteten Werkzeuge funktional kaum vergleichen. Aber Ziel des BI Survey ist es auch nicht, ein „bestes“ oder „schlechtestes“ Produkt zu ermitteln. Vielmehr sammelt und analysiert der BI Survey naturgemäß subjektive Urteile der Anwender über die von ihnen eingesetzten Softwarewerkzeuge. Das erlaubt Rückschlüsse auf die Stärken und Schwächen eines Produktes und Hinweise auf Best Practices im Einführungsprojekt. Erstmals lässt sich mit dem erweiterten Untersuchungsansatz differenziert feststellen, für welche Art von Anwendungen die Business- Intelligence-Software genutzt wird. Jeweils mehr als 40 Prozent der BI-Survey-Teilnehmer machen Adhoc- Abfragen und -Analysen, Berichtswesen, Vertriebs- und Marketing- Analysen sowie Budgetierung/ Unternehmensplanung. Etwas weniger verbreitet sind Anwendungen für Dashboards, Deckungsbeitragsanalysen und handelsrechtliche Konsolidierung. Überraschend gering mit rund zehn Prozent ist der Anteil der Anwendungen für Customer Relationship Management und Clickstream- Analyse. Im Durchschnitt nutzt jedes Unternehmen seine Installation von Business-Intelligence- Software für 4,2 Anwendungen. Für Installationen von TM1 liegt dieser Wert bei 4,78 Anwendungen, so dass hier auf die höchste Flexibilität der Software geschlossen werden kann. Insgesamt lässt sich feststellen, dass jedes Tool aus Anwendersicht seine besonderen Fähigkeiten und Stärken hat. Eine „ideale“ Software für alle Anwendungen kristallisiert sich nicht heraus.
Geringe Verbreitung im Unternehmen
Über ein Viertel der Befragten gibt an, die mit der Einführung der Business- Intelligence-Software festgelegten Ziele erreicht oder gar übertroffen zu haben. Teilweise die Ziele erreicht haben aus Sicht der Anwender zwei Drittel der Software-Installationen. Verbleiben etwa acht Prozent: Diese Projekte werden fortgesetzt, obwohl bislang die Ziele in weiter Ferne liegen oder gar aufgegeben wurden. Das gilt aber für weniger als ein Prozent. Gegenüber den Vorjahren ist der durchschnittliche gewichtete Zielerreichungsgrad geringfügig gesunken. 87 Prozent der Befragten halten es für sinnvoll, in breiterem Umfang Business-Intelligence-Software in den Unternehmen einzusetzen. 38 Prozent planen den Kauf weiterer Softwarelizenzen, während 21 Prozent der Befragten keine weiteren Software- Investitionen tätigen wollen. Insgesamt ist die Verbreitung von Business-Intelligence-Software in den Unternehmen gering: Bislang nutzen berechnete 8,7 Prozent aller Mitarbeiter entsprechende Tools für ihre Arbeit. Drei Jahre nach Einführung der Software steigt der Anteil auf etwa zehn Prozent. Etwas höher – bei elf Prozent – liegt der Anteil nur im Handel, bei Telekommunikationsunternehmen und Versicherungen. Im Internet-Zeitalter wäre zu erwarten, dass ein großer Teil der Anwender die Business-Intelligence- Anwendungen über das Web nutzt. Der Anteil der Installationen, bei denen alle Nutzer über das Web auf die Anwendung zugreifen, ist mit 22,6 Prozent ähnlich wie bei den Installationen, wo kein Web-Zugriff möglich ist (24,1 Prozent). Alle anderen Installationen ermöglichen einem Teil der Anwender den Zugriff über Internet, Intranet oder Extranet. Die tatsächliche Verbreitung des Web-Zugriffes liegt immer hinter den Vorhersagen zurück. Der Fat-Client lebt also weiter – insbesondere in Deutschland. Denn in den USA liegt der Median für den Web-Zugriff mehr als zehnmal höher als in Deutschland. Dieser Unterschied ist auch darin begründet, dass große Organisationen tendenziell einem größeren Anteil der Nutzer den Zugriff auf die Business- Intelligence-Anwendungen über das Web ermöglichen. Deutsche Großunternehmen, die am BI Survey teilgenommen haben und wenig oder keine Anwender über das Web anbinden, drücken dann den Median. Ist das gut oder schlecht? Anwender beurteilen den Nutzen von Business- Intelligence-Software am höchsten, wenn zwischen 40 und 50 Prozent der Anwender für den Zugriff Web- Technologie verwenden. Als Technologie zum Einsatz für den Web-Zugriff kommt bei einem Drittel der Installationen .NET und bei einem Viertel J2EE. Web Services nutzen 17 Prozent und Asynchronous JavaScript And XML (AJAX) zwölf Prozent der Installationen. Dominant mit über 95 Prozent ist die Nutzung des Internet Explorer von Microsoft als Internet-Browser.

Ein Viertel der Lizenzen bleibt im Regal stehen
Insbesondere bei großen Installationen kaufen die Projektteams, unter Umständen um Mengenrabatte zu realisieren, mehr Softwarelizenzen als es Anwender gibt. Diese nicht genutzten, „im Regal stehenden“ Lizenzen werden leicht spöttisch als Shelfware bezeichnet. Die Shelfware-Rate liegt ausweislich des BI Survey 7 bei 24,8 Prozent. Ein Viertel der gekauften Lizenzen ist also ungenutzt. Das ist nach Ansicht von Nigel Pendse „akzeptabel“, lag die Rate doch 2004 noch bei 34 Prozent. Die Shelfware- Rate ist von Produkt zu Produkt unterschiedlich. An der Spitze liegen die Lösungen von Cognos und WebFOCUS mit Raten von über 40 Prozent. Die Lösungen von Cubeware und Infor Alea haben mit unter zehn Prozent die geringsten Shelfware-Raten. Natürlich hat der BI Survey 7 auch wieder nach den einmaligen und laufenden Kosten von Business- Intelligence-Lösungen gefragt. Die Lizenzkosten lagen im Median für alle Installationen bei 65 000 USDollar. Die Bandbreite schwankte von Produkt zu Produkt erheblich: von 291 000 US-Dollar für eine Installation von SAP BW/NetWeaver BI bis 6000 US-Dollar für Microsoft Reporting Services. Übrigens waren die geringen Lizenzkosten eindeutig der ausschlaggebende Grund für die Wahl der Open-Source-Software Pentaho/ Mondrian. Andere Auswahlgründe wie Anwenderfreundlichkeit, Performance oder Skalierbarkeit haben fast keine Bedeutung. Trotz der geringen Ansprüche war aus Anwendersicht der Zielerreichungsgrad bei Installation von Pentaho/ Mondrian geringer als bei den kommerziellen Produkten. Der Median der Kosten für die externe Beratung lag bei 51 600 US-Dollar. Cubeware-Installationen benötigten nach Angaben der Anwender am wenigsten externe Beratung, im Median nur für 13 800 US-Dollar. Projekte zur Einführung von SAP BW/NetWeaver BI verbrauchten dagegen im Median etwa 475 000 US-Dollar für externe Dienstleistungen. Aber die hohen Kosten für SAP-Installationen relativieren sich, denn pro Anwender liegen sie unterhalb des Durchschnitts. Lohnen sich die Investitionen in relativ teure Produkte? Grundsätzlich gibt es oberhalb von Investitionen von 100 000 US-Dollar keinen Zusammenhang zwischen der Höhe der Lizenzkosten und dem Nutzen einer Software-Installation, gemessen als Business Benefit Index oder dem Zielerreichungsgrad des Projektes. Feststellbar ist auch, dass Anwender bei Lizenzkosten zwischen 25 000 und 100 000 USDollar weniger zufrieden sind als bei geringeren und höheren Investitionen. Als Grund vermutet Nigel Pendse aber eher ein grundsätzliches Problem bei der Steuerung von IT-Projekten mit dieser Größe. Der Zusammenhang zwischen Anwenderzufriedenheit und den Ausgaben für externe Beratung lässt sich in einer Glockenkurve beschreiben: Bis zu Ausgaben von 50 000 US-Dollar steigt der Business Benefit Index, danach sinkt er im Trend. Wie in den Vorjahren ist der Business Benefit Index am höchsten, wenn spezialisierte Business- Intelligence-Berater für das Projekt beauftragt werden. Beim Einsatz von Consultants des Anbieters und großen Management- Beratungen ist der Erfolg des Projektes aus Sicht der Anwender am geringsten.
Konstanz der Erkenntnisse
Viele Erkenntnisse aus dem BI Survey 7 wiederholen sich aus den Vorauflagen dieser weltweiten Anwenderbefragung: etwa, dass eine strukturierte Auswahlentscheidung unter mehreren Software-Tools den Projekterfolg erhöht, dass zu lange und sehr große Projekte aus Anwendersicht weniger erfolgreich sind oder dass SAP-Installationen am schlechtesten beurteilt werden. Andererseits lassen sich aus den Ergebnissen auch einige Mythen aufdecken: Der Web-Zugriff auf Business-Intelligence-Anwendungen ist geringer als prognostiziert und Realtime Business Intelligence wird kaum realisiert. Die Anwender werden insgesamt anspruchsvoller – das zeigt sich bei den Erwartungen an eine hohe Abfrage-Performance. Eigentlich unverständlich, dass die Anbieter diese Tatsache verkennen. dk