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Business Intelligence (BI)

Deplatziert und aus einer anderen Zeit, aber als Exot irgendwie auch bewundert – ein Cowboy am Times Square
Selbstständig, frei und unabhängig:
So arbeitet der Excel-Cowboy. Zahl für Zahl, Zeile für Zeile, Makro um Makro erfüllt er höchste Programmieransprüche. Im wilden Galopp, mit Staub zwischen den Zähnen liebt er seine Arbeit, auch wenn sich die Herde der Zahlen jährlich verdoppelt. Selbst Tabellen mit vielen tausend Zeilen hat er im Griff, kennt sie, Zelle für Zelle, so genau wie seine Satteltasche. Wo andere hoffnungslos verloren sind, behält er den Überblick und ist bereit, die Dinge in die Hand zu nehmen. Dabei reichen ihm fundamentale Funktionen, um virtuos zu operieren. Vier Grundrechenarten, Summenformel, ein paar Verknüpfungen und Makros sind alles, was er für seine Arbeit braucht. Schließlich hat er auch in der Prärie seine Herde und sein Leben im Griff – dank Pferd, Lasso und Blechgeschirr.
Zügel fest in der Hand
So macht er sich ans Werk: Zahlen erfassen, zeilen- und spaltenweise summieren, auswerten, Kennziffern berechnen, Zellen verknüpfen und Makros definieren. Etwa im Rahmen der Projektabrechnung für eine schnell wachsende Unternehmensberatung. Sogar für größte Projekte ermittelt er den angefallenen Zeitaufwand, erstellt Fakturavorschläge und Provisionsberechnungen, Urlaubs- und Überstundenstatistiken, berechnet Auslastung und Rendite. Zuverlässig, pünktlich und genau. Auch wenn es Hunderte von Projektmitarbeitern und Tausende von Stunden zu erfassen gilt: Fest hat der Zahlenhüter die Zügel in der Hand und eigenhändig versieht er jedes Tier mit dem Brandzeichen. Unbeirrt genießt er sein Leben in der rauen Excel-Unabhängigkeit. Selbst als das Unternehmen weiter wächst, sich die Zahl der Mitarbeiter verzehnfacht hat und seine Excel- Herde schließlich einen großen Wilden Westen von Tabellen umfasst, behält er die Nerven und setzt sich hingebungsvoll ein: Und wenn er abends geduldig nach einem Eingabefehler sucht, sieht er sich am knisternden Lagerfeuer, wo er am Ende eines langen Tages erfüllt und zufrieden an seinem Zaumzeug flickt.

Götz Grabowski ist Leiter Unternehmenskommunikation bei sd&m software design & management AG.
Das neue System ist eine uneinsehbare Schlucht
Doch es kommt, wie es kommen muss. Irgendwann sind die Zeiten von Excel-Freiheit und -Abenteuer vorbei. Mangelnde Skalierbarkeit, geringe Ausfallsicherheit, schwierige Handhabung, lange Ladezeiten und eingeschränkte Übersichtlichkeit werden den Tabellen zum Vorwurf gemacht. Und so opfert man sie einer profanen Standardoder einer Individualsoftware. Vorbei ist dann der lässige Ritt durch staubiges Land, vorbei der gekonnte Lassoschwung, vorbei die Abende am Lagerfeuer. Der Cowboy wird zum Verwaltungsmitarbeiter: Will er nun eine neue Auswertung in das System integrieren, muss er sie programmieren lassen. Er muss ein Ticket beantragen, die Anforderung spezifizieren, Formulare ausfüllen, auf die Genehmigung und dann auf den Programmierer warten, mit ihm sprechen. Dann muss er sich gedulden, bis das Ergebnis eintrifft, muss das Resultat testen, vielleicht noch einmal mit dem IT-Fachmann reden, Änderungen anfordern, diese abstimmen. Wer mag dem Excel-Cowboy verdenken, dass ihm das neue System erscheint wie eine dunkle, uneinsehbare Schlucht, die alles im Verborgenen hält? Der Weg von der Zahl zum Ergebnis: nicht zu sehen. Neue Auswertungen: nicht selbst programmierbar. Heftig leidet der Cowboy unter dem Kontrollverlust. Ausgeliefert fühlt er sich. Als habe er dem Gegner die eigene Waffe überlassen, das Pferd dem Schlachter übergeben und das Lasso an den Haken gehängt. Doch wie ein echter Cowboy wird auch er nicht aufgeben, sondern aufstehen – und lernen, fortan mit der Union Pacific Railway durch die Prärie zu fahren.