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Business Intelligence (BI)
„Klassische
Business Intelligence in Form von Reporting, Analyse und Dashboarding eignet sich derzeit nicht sehr gut für den Betrieb in der Cloud“, erklärt Evidanza-Geschäftsführer Thomas Groß. In allen drei Anwendungsfällen müssten die Anwender große Datenmengen aus den Inhouse-Transaktionssystemen in die Cloud laden. Hierbei ergäben sich schnell Probleme in Sachen Schnittstellen, Übertragungsgeschwindigkeit, Datensicherheit und Verschlüsselung.
Die zweite Einschränkung sieht der Evidanza-Geschäftsführer in der Branchenorientierung: Wenn ein Anbieter eine generische Business-Intelligence-Anwendung in die Cloud stelle, werde kaum ein Anwender dieses System verwenden können. „Business Intelligence soll die Leistungsfähigkeit bewerten und kontrollieren. Die Wertschöpfungsprozesse der Unternehmen sind sehr individuell, und das muss eine BI-Applikation auch in der Cloud abbilden.“ Groß bevorzugt sogar die Fokussierung auf Mikrobranchen: „Selbst Unternehmen innerhalb der gleichen Branche haben unterschiedliche Abläufe und Geschäftsmodelle. So unterscheiden sich beispielsweise die Wertschöpfungsprozesse in einem Handelsbetrieb und bei einem Mail-Order-Unternehmen fundamental.“ Positive Ausnahmen für den Cloud-Betrieb ergeben sich laut Groß bei Planung, Risikomanagement und Simulation. Bei allen drei Themen hänge die Eignung mit dem Volumen der Datenübertragung zusammen: Sowohl bei der Planung als auch beim Risikomanagement würden Daten in einer Applikation erfasst, welche das Unternehmen samt Organisationsstruktur abbildet. „Die Daten sind dabei ebenso in der Cloud wie die Applikationen für Identifikation und Bewertung von Risiken. Stellt man dazu in der Cloud Standard-Risikokataloge und ein Standard-Bewertungsverfahren, ergibt das eine runde Anwendung.“ In der Planung bestehe die Herausforderung in der meist notwendigen Verarbeitung der Ist-Daten. Über die Aggregation sinkt allerdings deren Volumen: „Die Planungsdaten gehen nicht auf die Ebene der einzelnen Transaktion herunter, sondern aggregieren Debitoren- oder Artikelgruppen und fassen Sachkonten zusammen“, so Groß. „Das senkt das Datenvolumen dramatisch.“ Auch bei der Simulation würden Stammdaten und Ist-Daten in einem Aggregationsgrad verarbeitet, der sich mit den derzeitigen Internet-Bandbreiten bequem verarbeiten lässt.
Die Hürden hinsichtlich der Menge der zu übertragenden Daten und der Vorkonfiguration auf Branchen will Evidanza in seinen Cloud-Applikationen überspringen: Im März ist eine Cloud-Lösung für Risikomanagement erschienen, welche einen Standard-Risikokatalog enthält. Im Juni soll eine Cloud-Applikation für Retail-Fashion-Betriebe auf den Markt kommen, welche die Abläufe der Modebranche sehr detailliert abbildet. In dieser Branche agieren laut Groß sehr viele Kleinbetriebe mit einem relativ geringen Datenvolumen. Evidanza wagt sich hier daher sogar an Analyse und Dashboarding: „Wir zielen dort eher auf Kennzahlen, die nicht auf Transaktionen basieren, sondern auf Zahlen, welche die Anwender in die Cloud-Applikation einspielen.“
Aus technischer Sicht wären die Einschränkungen der Branchenkonfiguration und der zu übertragenden Daten auch dann erfüllt, wenn das Transaktionssystem und die Analyse-Applikationen in der gleichen Cloud liegen. Das ist beispielsweise bei SAP Business ByDesign der Fall. „Eine Cloud-basierte Analyse-Applikation für SAP Business ByDesign halte ich für technisch gut machbar“, erläutert Groß. „Wir finden momentan allerdings nicht genug Ankerpunkte, um eine derartige Anwendung in der Breite auszurollen."
Unabhängig von der technischen Realisierbarkeit wirkt bei Cloud-Anwendungen nach wie vor das Bauchgefühl der Unternehmen als dämpfendes Element. Laut Groß haben Anwender in Deutschland, Österreich und der Schweiz starke Vorbehalte dagegen, Business-Intelligence-Daten einem Cloud-Sys-tem anzuvertrauen. Unternehmen aus den USA und England hätten hier deutlich weniger Bedenken. Bis in Sachen Business Intelligence Cloud-Anwendungen auf breiterer Front akzeptiert sind, werden nach Schätzung des Evidanza-Geschäftsführers noch mindestens drei Jahre ins Land ziehen. „Diese Zeit brauchen die Unternehmen, um zu verstehen, welche Möglichkeiten die Cloud ihnen bietet. Technisch dürften bis dahin intelligente Verfahren entwickelt worden sein, wie ein Unternehmen die Daten aus seinen Inhouse-Transaktionssystemen schnell und ohne aufwändige Schnittstellen-Entwicklung zur Analyse-Applikation des Providers exportiert.“ jf