Cloud-Analytics trifft hierzulande auf Skepsis

Ausgabe 04/2011

BI aus der Cloud: Cloud-Analytics trifft hierzulande auf Skepsis

Mit On-Demand-Angeboten locken BI-Anbieter Unternehmen in die Cloud. Während in den USA die Nachfrage steigt, sind deutsche Anwender skeptisch, ihre Daten einem Web-Provider anzuvertrauen.

Open-source-Anbieter

halten das Thema Business Intelligence aus der Cloud besonders hoch: Jaspersoft hat im November vergangenen Jahres 100 Kunden für sein Cloud-Angebot bei einem Wachstum von 300 Prozent in einem Jahr gemeldet. „Wir haben die Plattform für die Cloud-Lösung entwickelt und unsere Partner, Independent Software Vendors und Integratoren, erstellen daraus maßgeschneiderte Lösungen für die Endanwender“, berichtet Jaspersoft-CEO Brian Gentile. Als Vorteile des Betriebs in der Cloud nennt der Jaspersoft-Chef die schnelle Implementierung, das problemlose Skalieren nach oben und unten sowie Kosteneinsparungen gegenüber dem Inhouse-Betrieb.
Ähnlich argumentiert Pentaho: Das Open-Source-Modell eliminiere die Lizenzkosten und über den Cloud-Ansatz können Unternehmen Investitionen in Hardware sparen. Die Cloud Computing Edition der Pentaho-Suite biete End-to-End Business-Intelligence-Funktionalitäten sowie professionellen Support. Das Produkt ist vorkonfiguriert für Cloud-Umgebungen, beispielsweise von Amazon.

Apps erweitern Cloud-Lösungen funktional

Auch der Open-Source-Anbieter Actuate bietet seine BI- und Reporting-Lösung BIRT (Business Intelligence and Reporting Tool) im On-Demand-Modus an. Anwender können in der Cloud beispielsweise Dashboards selbst konfigurieren und auf In-Memory-Analysefunktionen zugreifen. Apps aus dem BIRT Exchange Marktplatz ergänzen die Suite funktional. Das Platform-as-a-Service-Angebot von Actuate stellt eine Plug-and-Play-Platform in der Cloud für BIRT-basierte Anwendungen dar. Partner und Entwickler stellen dafür BI-Applikationen bereit, welche beispielsweise auf dem Google Gadget Framework basieren. Unternehmen können laut Aussage des Anbieters mit BIRT on Demand neue BI-Funktionalitäten schrittweise einführen.
Die BIRT On Demand Accounts sind mit Speicherkapazitäten aus Amazon Relational Data Service vorkonfiguriert und enthalten Werkzeuge zum sicheren Datentransfer sowie Konnektoren zu anderen Cloud-basierten Datenbanken. In der jüngsten Version lassen sich sowohl Daten in Spreadsheets als auch Flatfiles in den BIRT-On-Demand-Speicher hochladen. Spreadsheets sollen sich so minutenschnell in mobile Reports und interaktive Dashboards umwandeln lassen.
Auch kommerzielle BI-Anbieter hissen ihre Fahne in der Cloud: Tibco bietet mit seiner Business-Intelligence-Lösung Tibco Silver Spotfire auch in der Betriebsart Software-as-a-Service an. Das On-Demand-Angebot enthält alle Funktionen der Inhouse-Version. Anwender können damit nach Unternehmensaussage Business-Analytics- und Business-Intelligence-Dashboards oder -Berichte in der Cloud entwickeln, veröffentlichen und gemeinsam nutzen. Zielgruppe seien vorrangig kleine und mittlere Unternehmen. „Mit Tibco Spotfire kann jeder binnen weniger Minuten Business-Intelligence-Applikationen nutzen“, erläutert Tibco-Chef Vivek Ranadivé. „Anwender müssen nicht mehr auf die IT-Abteilung warten, sondern legen sofort los.“ Typische Einsatzgebiete seien die Analyse von Sales- und Marketing-Daten, Budgetierungen, Planungen und Projektmanagement.
IBM hat insbesondere die Analyse sozialer Netze im Auge: Mit Core-
metrix hat Big Blue im vergangenen Jahr einen Anbieter von Cloud-basierten Analytics-Services übernommen. Anwender seien damit in der Lage, das Verhalten ihrer Kunden im Web zu beobachten. Informationen aus Online Services und Social-Media-Angeboten lassen sich laut Hersteller in Echtzeit in die inhouse implementierten Analyse-Applikationen integrieren. Die Vertriebsabteilung könne damit Marketing- und Werbeaktionen zielgenau platzieren.

SAPs Cloud-Vision zielt auf Hybrid-Anwendungen

Der Standardsoftwerker SAP hat 2010 eine neue Version von SAP Business­Objects BI On Demand vorgestellt. Bereits 275 000 Anwender (Subscriber) nutzen die SAP BI-Cloud-Lösung, die sich vor allem an kleinere Unternehmen und Gelegenheitsanwender richtet. Sie bietet neben einer Suchfunktion und der Verknüpfung von Datenbeständen aus unterschiedlichen Quellen vor allem menügeführte Anwendungen an. Dies sind nicht nur die klassischen Reports, sondern auch anspruchsvolle Dashboards und interaktive Datenanalysen. In Cloud-basierten Business-Intelligence-Anwendungen sehen die Walldorfer eine große Zukunft: „Unsere Vision für die Zukunft sind Hybridanwendungen“, berichtet Waldemar Adams, Senior Director des SAP Center of Excellence BI. „Diejenigen Systembestandteile, die am besten inhouse laufen (sollen), sollen dort verbleiben. Alles andere kann in die Cloud wandern.“
Business Objects hat laut Adams derartige Cloud-Lösungen bereits seit einigen Jahren erfolgreich im Angebot: „Einige Großkunden betreiben ihr komplettes BI samt Data Warehouse über das Internet. Teilweise sind das Verbände, die mehrere Unternehmen umfassen. Jeder Partner kann auf die Daten in der Cloud zugreifen und die Effizienz des Verbundes analysieren.“
Bedenken hinsichtlich der Sicherheit oder des Kundenvertrauens lässt Adams nicht gelten: „SAP legt sehr viel Wert auf Datenschutz. BI On Demand ist in seiner Nutzung einfach, aber gleichzeitig sicher. Für Kunden mit besonderen Anforderungen arbeiten wir an Private Clouds. Anwender können darauf vertrauen, dass wir sämtliche Regeln für Datenschutz und Com­pliance streng beachten.“

Deutsche Unternehmen misstrauen der Cloud

Deutlich skeptischer zum Thema Business Intelligence in der Cloud äußert  sich Jürgen Fritz, Mitglied der Geschäftsleitung von SAS Institute Deutschland: „Es mag sein, dass in den USA die Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit geringer sind. In Deutschland sind die Unternehmen allerdings überaus zurückhaltend damit, hochsensible Kundendaten oder Finanzkennzahlen ins Internet zu verlagern. Einen Run auf On-Demand-Modelle stellen wir hierzulande nicht fest.“ Ein weiterer Einwand von Fritz betrifft die Individualisierung: „Der Standardisierungsgedanke bei Cloud-Anwendungen widerspricht zum Teil der Idee von Business Intelligence. Zumindest unsere Kunden wollen sich häufig über das Fine-Tuning von Analysen und Prognosen von Wettbewerbern abheben. Dieses Customizing ist bei Cloud-Applikationen weniger möglich als bei einer Inhouse-Lösung.“ jf