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Business Intelligence

Schön anzuschauen waren auch manche Business-Intelligence-Angebote auf der CeBIT. Foto: Deutsche Messe
In Halle 4
der CeBIT präsentierten eine Reihe von Anbietern Lösungen rund um das Thema Business Intelligence. Ausnahmen wie IBM in Halle 2 bestätigen diese Regel. Auf dem Pressebriefing der IBM zum Thema Business Intelligence gab es keine Neuigkeiten: Rob Ashe, früherer Chef von Cognos und heute General Manager Business Intelligence und Performance Management bei IBM, versprach „new intelligence" und war voll des Lobes über die Integration von Cognos in IBM nach der Übernahme. Es sei keine Produkt-Roadmap für die Integration mit einer Laufzeit von mehreren Jahren notwendig, sagte Ashe auch als Seitenhieb in Richtung SAP und Business Objects. Der IBM-Manager glaubt an den Erfolg von branchenspezifischen Lösungen auf der Basis der Plattform von IBM Cognos für Business Intelligence, Data Integration sowie Data und Content Management.
Der Chief Technology Officer von SAP Business Objects, Sal Visca, sagte bei einem Pressegespräch am ersten Messetag mit freundlicher Miene nichts weiter, als dass Business Intelligence keinen Nischenplatz mehr besitze, SAP Business Objects sich mit seinem Angebot weg bewege von „traditioneller Business Intelligence" und dass das SAP Business Warehouse ein „wichtiges Element" sei, welches sehr gut in einer „Business-Objects-Umgebung" arbeite. Hierzu ist anzumerken, dass es doch eigentlich umgekehrt sein sollte: Eine Frontend wie Business Objects sollte mit einer Data-Warehouse-Umgebung wie SAP BW zusammenarbeiten.
Der Produktmanager von SAP NetWeaver BI, Lothar Henkes, machte in einem Telefoninterview mit dem is report zur Produktstrategie der SAP bei den Business-Intelligence-Angeboten einige Klarstellungen: Generelle Strategie der SAP sei es, mit den marktführenden Business-Objects-Tools den Kunden mehr Flexibilität bei der Anbindung von Systemen von Drittanbietern, also etwa von Oracle oder Microsoft, zu bieten. Das Tool zum Aufbau von Dashboards, Xcelsius, enthalte in einer für dieses Jahr geplanten neuen Version so genannte BI Consumer Services, die den Zugriff auf relationale Datenbanken und das SAP Business Warehouse (SAP BW) gegenüber den Schnittstellenstandards MDX oder ODBC verbessern. Für das unternehmensweite Berichtswesen wird Crystal Reports ab 2010 in einer Standardversion direkt mit dem SAP BW ausgeliefert. Bei der Standardversion „ist die Anzahl der produktiven Reports begrenzt", sagte Henkes. Weitergehende Berichtsmöglichkeiten müssen gesondert lizenziert werden. Das Angebot im Bereich der „OLAP-Analyse", das derzeit den Projektnamen Pioneer trägt, soll die Stärken des Business-Objects-Tools Analyzer und der SAP-BEx-Tools vereinen. Eine erste Version von Pioneer soll im ersten Quartal 2010 für das „Business Objects Enterprise" zur Verfügung stehen, die auch schon wichtige Funktionen und Migrationsangebote für SAP-Anwender enthalte. Der SAP-Produktmanager wies darauf hin, dass diese erste Version auch die Predictive Workbench für Prognosen und Hochrechnungen enthalte, für die eine OEM-Partnerschaft mit SPSS eingegangen wurde. Im vierten Quartal 2010 gebe es eine zweite Version von Pioneer, die auch eine Installation auf dem SAP NetWeaver Java Stack erlaubt.
Der SAP BW Accelerator, der die Query-Performance verbessert, werde künftig auch offen sein für Non-SAP-Daten und um Möglichkeiten für das so genannte Lightweight Modeling erweitert (vgl. is report 12/07, Seite 32). Henkes ist es wichtig zu betonen, dass noch 2009 auf vielfachen Kundenwunsch neben den Info Cubes auch die Data Store Objects im SAP BW Accelerator zur Verfügung stehen.
Nach der Abkündigung des PerformancePoint Server, deren Form von Marktbeobachtern und Partnern harsch kritisiert wird, startet Microsoft eine Business-Intelligence-Awareness-Offensive mit Anzeigen, unter anderem im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Die dazugehörigen Produkte sind nach Aussage von Tobias Schmidt, Produktmanager für SQL Server/Business Intelligence/Datenbanken, teilweise bereits jetzt und dann in 2010 verfügbar. Während der SQL Server dank besserer Performance durch vorgegebene Hardware-Architekturen künftig auch für Data Warehousing mit großen Unternehmen positioniert wird, bleibt Excel als Frontend das Maß aller Dinge. „98 Prozent aller Planungsanforderungen können mit Excel erfüllt werden", sagt Schmidt.
Allerdings soll die „Excel-Anarchie" durch ein Tool mit dem Arbeitstitel Gemini, das mit dem nächsten Minor Release des SQL Server ausgeliefert wird, „formalisiert" werden. Von der Idee her sollen wohl „Excel-Gebilde" eines Nutzers in den SharePoint Server überführt werden und in einer Datenbank auch anderen Anwendern zur Verfügung stehen.
Der Anbieter BOARD beschreitet mit der auf der CeBIT erstmals vorgestellten Version 7 seines Business-Intelligence-Toolkits BOARD weiter seinen bewährten Weg: Mittels eines Excel-Add-Ins können Planzahlen direkt in eine Datenbank geschrieben werden und stehen danach für das Reporting etwa in einer Web-Applikation zur Verfügung. In der Version 7 können Planzahlen auch „offline" – etwa am Wochenende – in Excel eingegeben werden. Hat sich der Anwender dann – am Montag – bei BOARD wieder angemeldet, werden die neuen Zahlen in die Datenbank übertragen. Bodo Herlyn, Deutschland-Geschäftsführer von BOARD, betont bei der Vorstellung des neuen Release, dass das Toolkit Microsoft-Standards wie das .NET Framework, die Windows Presentation Foundation und die Windows Communication Foundation verwendet.
Von den Produktstrategien bei den großen Herstellern mit langfristigen Roadmaps profitieren die kleineren Anbieter von Business-Intelligence-Lösungen: So konnte IDL bei EDEKA eine Installation von SAP EC-CS für die Konzernkonsolidierung ablösen. Das Projekt hat nach Aussage Bernward Egenolfs, Gründer und Geschäftsführer des Anbieters IDL, von Oktober bis Dezember gedauert. Für die Installation seien 30 Tage Beratungsleistungen vonnöten gewesen, was beweise, dass die Lösung IDL ein weitaus günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis biete. Die in Java programmierte Software von IDL könne auch mehrere hundert Unternehmen konsolidieren, was etwa bei den Referenzkunden Lidl oder Remondis der Fall sei. Schätzungsweise die Hälfte der etwa 6000 Konzerne in Deutschland agieren noch mit Excel, wenn es um die handelsrechtliche Konsolidierung geht, meint Harald Frühwacht, ebenfalls Gründer und Geschäftsführer von IDL. Eine ähnliche Verbreitung der Tabellenkalkulation als Werkzeug für die Unternehmensplanung diagnostizieren die beiden Geschäftsführer. Daher präsentierte IDL auf der CeBIT sowohl seine Lösung für die Konsolidierung als auch eine Lösung für integrierte Unternehmensplanung mit Fokus Finanz- und Bilanzplanung. Wert legen die beiden Geschäftsführer auf die fachliche Unterstützung ihrer Kunden und so werden die IDL-Lösungen ausschließlich von eigenen Consultants eingeführt und installiert. Von den fast 90 Mitarbeitern bei IDL seien über ein Drittel Consultants, sagt Egenolf: „Wir sind nicht nur ein Software-Anbieter, sondern auch ein Beratungsunternehmen."
Buchstäblich im Schatten des Microsoft-Standes stellte WINTERHELLER auf der CeBIT Professional Consolidation vor. Diese jetzt zum Verkauf freigegebene neue Konsolidierungslösung biete dem Finanzbereich einer Unternehmensgruppe mit hoher Leistungsverflechtung völlig neue Möglichkeiten, um den Abschluss, die Konsolidierung und das Berichtswesen zu gestalten. Als Neuentwicklung baue Professional Consolidation auf der aktuellsten Softwaretechnologie auf. Ebenso seien in die Entwicklung die Erfahrungen aus über 100 Konsolidierungsprojekten eingeflossen, die WINTERHELLER bisher mit anderen Produkten realisiert hat.
Jedox, Anbieter der multidimensionalen Datenbank Palo und des Worksheet Server, hatte nach Aussage von Vorstand Kristian Raue sehr viele Gespräche auf der CeBIT und will jetzt auch international expandieren. Raue setzt auf die Anziehungskraft der Open-Source-Idee und will Neukunden mit eine Benutzeroberfläche im „Excel-Look" und in der neuen Version von Palo mit verbesserter Performance überzeugen. Bereits überzeugen ließ sich der Business-Intelligence-Anbieter Cubeware, der ab sofort als offizieller Jedox Certified Partner auch Palo in sein Business-Intelligence-Portfolio aufnimmt. Cubeware versorgt Kunden und Partner mit einem Lösungspaket für Business Intelligence, das aus dem Frontend Cubeware Cockpit V6pro, dem Cubeware Importer und der multidimensionalen Datenbank Palo besteht.
Der Deutschland-Geschäftsführer des Business-Intelligence-Anbieters QlikTech, Ulrich Beckmann, begrüßt den Wettbewerb durch Open Source Business Intelligence: „Die freie Verfügbarkeit von Business-Intelligence-Software weckt beim Kunden das Interesse an einem Business-Intelligence-Projekt." QlikTech stelle im übrigen auch eine kostenlose Testversion Out-of-the-Box zur Verfügung, berichtet Beckmann. Weil die Anwender in der Vergangenheit viele negative Erfahrungen mit den Versprechungen von Business-Intelligence-Anbietern gemacht hätten, achteten Interessenten jetzt darauf, dass ihre Anforderungen mit den Produkten schnell verwirklicht werden können. Deshalb werde sich der Best-of-Breed-Ansatz durchsetzen, argumentiert der QlikTech-Geschäftsführer: „Die Zeit der Business-Intelligence-Plattformen ist vorbei." Dies beweise auch das Umsatzwachstum von 50 Prozent in 2008 des Business-Intelligence-Anbieters mit schwedischen Wurzeln. Stolz berichtet Beckmann von Neukunden aus dem Bankensektor: Die Deutsche Bank setze die Software QlikView jetzt im Risikomanagement und die UBS im Investmentbanking ein.
Ein Wachstum von 30 Prozent peilt der Anbieter von Business-Intelligence-Lösungen STAS an, sagte Vertriebsleiter Bernd Wenninger. STAS präsentierte seine Lösung STAS Control auf dem IBM-Stand in Halle 2. Die Business-Intelligence-Lösung ist sowohl auf Basis von Cognos 8 als auch auf Basis der Tools von Microsoft und Cubeware verfügbar. Nach Aussage von Wenninger fokussiert sich STAS auf mittelständische Unternehmen.
Die gleiche Zielgruppe will auch evidanza erreichen. Auf der CeBIT wurde die Business-Intelligence-Softwareplattform BIS. präsentiert, die jüngst mit BIS.risk und BIS.strategy um neue Lösungen für Risikomanagement und strategisches Controlling ergänzt wurde, die in der Einstiegsvariante 5000 Euro kosten. Die bereits seit längerer Zeit verfügbaren BIS.Module für Reporting, Analyse und Planung seien bereits ab 7500 Euro für eine Einzellizenz zu erwerben. „Selbst unternehmensweite Lösungen sind für fünfstellige Summen realisierbar", sagt Thomas Groß, Gründer und Geschäftsführer von evidanza. dk