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Business Intelligence (BI)

Präsentierten in Stuttgart Ergebnisse einer Umfrage zum Thema Business Intelligence und Controlling: Prof. Dr. Burkhard Pedell (links stehend) und Prof. Dr. Hans-Georg Kemper (rechts).
Natürlich gibt
es zu Beginn eine Definition des Themas, wenn Professoren für Controlling und Wirtschaftsinformatik eine Konferenz für Praktiker ausrichten. Und so definierten Prof. Dr. Burkhard Pedell, Inhaber des Lehrstuhls Controlling, und Prof. Dr. Hans-Georg Kemper, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der Universität Stuttgart, Business Intelligence als „einen integrierten, unternehmensspezifischen, IT-basierten Gesamtansatz zur betrieblichen Entscheidungsunterstützung". Zur Verdeutlichung sagte Prof. Kemper in seinem Eingangsvortrag auf dem 28. Stuttgarter Unternehmergespräch vor etwa 180 Besuchern: „Business Intelligence lässt sich nicht kaufen. Nur die Werkzeuge lassen sich kaufen." Bei einer im Sommer 2008 durch die Stuttgarter Professoren durchgeführten Befragung nannten die über 700 Teilnehmer als größte Herausforderungen beim Thema Business Intelligence mangelnde Datenqualität, Heterogenität der Business-Intelligence-Analysesysteme, fehlende Funktionalität, ungenügende Abdeckung der Informationsbedarfe und unzureichende Performance. Kemper forderte zur Verwirklichung von Business Intelligence im Unternehmen „Strategieprojekte, deren Nutzen sich nicht sofort auf Cent und Euro berechnen lässt", und plädierte für „BI-Governance" zur Festlegung unternehmensspezifischer Regelungen.
Professor Pedell zeigte anhand der Ergebnisse der Umfrage, in welchem Umfang Business Intelligence im Controlling eingesetzt wird. Während über zwei Drittel der Unternehmen Business Intelligence regelmäßig für Planung und Budgetierung einsetzen, ist die Nutzung von Business Intelligence bei Kostenmanagement und Risikocontrolling vergleichsweise „stiefmütterlich". Über 60 Prozent der Unternehmen vertrauen bei diesen Themen nur fallweise auf Business Intelligence. (Details zu den Ergebnissen der Umfrage sind in der Fachzeitschrift BI-Spektrum, Ausgabe 3/08, dargestellt.) Die Zufriedenheit mit der Unterstützung durch Business Intelligence für das Controlling ist im IT-Bereich am geringsten. „Argwohn" nannte Pedell als Grund hierfür. Der Controlling-Professor plädierte vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise, der erratischen Rohstoff- und Energiepreise sowie der allgemeinen Konjunkturabschwächung für ein differenziertes und intelligentes Vorgehen beim Kostenmanagement, wo der regelmäßige Einsatz von Business Intelligence ebenso helfen könne wie auch im Risikocontrolling.
Nach der Lehre kam die Praxis zu Wort: Gerd Friedrich, Chief Information Officer (CIO) bei der Robert Bosch GmbH, berichtete über die Verwirklichung von Business Intelligence bei dem Automobilzulieferer mit über 46 Milliarden Euro Umsatz 2007. Der IT-Bereich, bei Bosch als Corporate Sector Information Systems and Services – kurz CI – bezeichnet, ist sehr zentral organisiert und hat knapp 3000 Mitarbeiter weltweit und ein Budget von 620 Millionen Euro. Das Controlling und damit auch Business Intelligence müssen das konzernweite „Bosch Prozessmodell" berücksichtigen und können auf ein Datenmodell und ein IT-Modell zurückgreifen. Dabei stehen aktuell einige Prozesse im Fokus von Business-Intelligence-Initiativen, wie etwa Produktentstehung, After Sales oder auch die Wirtschaftsplanung. Zur Vereinheitlichung der Datenmodelle über die Organisationseinheiten wurde nach Friedrichs Worten eine Reihe von Stammdatenprojekten gestartet, deren Einführungsgrad auf der Ebene eines Data Warehouse höher ist als auf der Ebene der analytischen Anwendungen.
Entsprechend dem Selbstverständnis der CI-Organisation bei Bosch erläuterte der CIO, was beim Thema Business Intelligence alles standardisiert wird: Das Spektrum reicht von der Harmonisierung der Stammdaten über die Vorgabe der zu verwendenden Business-Intelligence-Plattformen bis zum weltweiten Roll-Out-Management. Etwa 40 Mitarbeiter sind bei Bosch mit dem Thema Business Intelligence befasst und greifen in gleichem Umfang auf externe Kapazitäten zurück, berichtete Friedrich. Bei Bosch gelten die Kosten für die Verwirklichung von Business Intelligence als Teil der Prozessunterstützung und werden nicht gesondert budgetiert, antwortete Friedrich auf eine entsprechende Frage aus dem Plenum.
Einen Blick auf das (Zwischen-)Ergebnis eines Business-Intelligence-Projekts erlaubte Klaus Siegmund, Leiter Finanzen und Controlling beim Werkzeugmaschinenbauer TRUMPF. Ausgehend von einem unternehmensspezifischen und fest in der Unternehmenskultur vereinbarten Zielsystem werden Kennzahlen abgeleitet und in einem Executive Information System (EIS) sowie einem Kennzahlen-Informations-System (KIS) berichtet. Auf das EIS haben 70 Manager Zugriff, die ebenso wie die fast 1000 KIS-Anwender von einem gruppenweiten Standard bei der Kennzahlendarstellung profitieren. IT-technische Basis sind im Wesentlichen SAP-Systeme, wobei Siegmund die Nutzung des SAP Business Information Warehouse (SAP BW) für die Zukunft in Frage stellt. Elementar für das Management bei TRUMPF ist aber auch der „physische" Aushang der Kennzahlen an „realen" Tafeln in den Produktionshallen und Entwicklungslabors.

Über sechs Jahre Aufbauarbeit zum Thema Business Intelligence bei der Bayer MaterialScience AG berichteten Dr. Thorsten Pötter, Global Product Manager Business Intelligence bei der Bayer Business Services GmbH, und Dr. Lothar Burow, Leiter Business Intelligence Solutions bei Bayer MaterialScience. Auch nach dieser Zeit mit jährlichen Ausgaben von zwei bis vier Millionen Euro stellt sich in dem Geschäftsbereich der Bayer AG mit über zehn Milliarden Euro Umsatz immer noch die Frage, ob der Anwender die Zahl so versteht, „wie sie im System drinsteht". Denn die wahre Herausforderung beim Thema Business Intelligence sei es, Fragen zu beantworten – und zwar jede Frage, an jedem Ort, zu jeder Zeit, wie es Pötter und Burow plakativ formulierten.
Das eingesetzte SAP BW enthält zu etwa 96 Prozent des globalen Geschäfts von Bayer MaterialScience die relevanten Daten, hinzu kommen Daten in drei SAP R/3-Systemen an verschiedenen Standorten. Insgesamt stehen rund sechs Terabyte an Daten zur Verfügung, ebenso wie 500 Datenwürfel. Etwa 2500 Named User sind an den Systemen des Bayer-Geschäftsbereiches registiert. Pro Monat sind etwa 1500 Anwender aktiv, die 300 gänzlich neue Abfragen durchführen und anlegen, 45.000 Data Load Requests haben und 150.000-mal durch die Daten navigieren. Stolz sind die beiden Business-Intelligence-Verantwortlichen auf das so genannte bms:wiki, ein Glossar mit über 2000 Einträgen in einer selbstentwickelten Wiki-Software, die nach den gleichen Prinzipien funktioniert wie der große Bruder Wikipedia.
Als „sehr erfolgreich" bezeichneten Pötter und Burow die Berechnung der Consolidated Margins, die in der chemischen Kuppelproduktion unter Berücksichtigung der unternehmensinternen Verrechnungspreise die Gewinnmargen über alle Produktionsstufen ausweisen. Wichtiges Steuerungsinstrument ist auch der Order Based Sales Forecast, der auf Basis der Bestellungen und der Vergangenheitsdaten automatisch eine recht genaue Vorhersage über den am Ende einer Periode realisierten Umsatz erlaubt. Zusammenfassend erläuterten die Business-Intelligence-Verantwortlichen anhand der Grafik "Dominierende Entscheidungstreiber", warum Bayer MaterialScience auch künftig den Anteil von Business Intelligence zur Unternehmenssteuerung ausbauen wird.

Setzt auf die Intelligenz der Menschen vor den Bildschirmen: Dr. Michael Gorriz, CIO bei Daimler.
Über die „Umsetzung einer Business-Intelligence- und Data-Warehouse-Strategie im Rahmen des New Management Models der Daimler AG" berichtete Dr. Michael Gorriz, Chief Information Officer (CIO) des Stuttgarter Automobilherstellers. Gorriz nannte beeindruckende Zahlen: So verwaltet sein Bereich Information Technology Management 187.000 E-Mail-Konten, die pro Tag 1,9 Millionen E-Mails empfangen. In der weltweiten IT-Umgebung sind 7000 Terabyte an Daten gespeichert, von denen „das Geschäft vielleicht fünf Kilobyte wirklich braucht", wie der CIO sagte. Beim New Management Model handelt es sich um eine Matrixorganisation, was parallele Sichten in der Berichterstattung erfordert. Eine Bestimmung der Ausgangssituation im Jahr 2007 ergab Handlungsbedarf bei der Trennung der Reporting- und Planungsapplikationen und -komponenten von den transaktionalen Quellsystemen, die gleichzeitig stärker konsolidiert werden mussten. Die Reporting- und Planungsfunktionalitäten galt es darüber hinaus, in Webportalen verfügbar zu machen.
Business Intelligence bei Daimler ist nach Gorrizs Worten ein „Opfer des eigenen Erfolgs" geworden. Es gibt aktuell 8000 Business-Intelligence-Nutzer, die auf acht Terabyte Daten zugreifen und dabei von 160 Business-Intelligence-Entwicklern unterstützt werden. Während das Datenvolumen 2008 gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent gestiegen ist, wuchs die Anzahl der User um 25 Prozent. Um die Business-Intelligence-Gesamtlandschaft weiter beherrschen zu können, werden in den Divisionen und den Funktionen, die zusammen die Matrixorganisation bei Daimler bilden, Centers of Competence zum Thema Business Intelligence eingerichtet. Denn, so Gorriz, Intelligenz im Rechner helfe wenig, wenn die Intelligenz vor dem Rechner fehle. dk