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Analyse strukturierter und unstrukturierter Daten

Business Intelligence verlagert den Fokus von der Analyse auf Prognosen

Predictive Analytics sowie einfach zu bedienende Branchenlösungen betrachten alle Business-Intelligence-Anbieter als Trend. Bei Cloud-Angeboten divergieren jedoch die Ansichten von IBM, SAP und SAS Institute.

Drei Haupttrends

sieht Jürgen Fritz, Mitglied der Geschäftsleitung von SAS Institute Deutschland, derzeit im Business-Intelligence-Markt: Von der ehemals dominierenden Analyse historischer Daten verlegen viele Unternehmen ihren Schwerpunkt in Richtung Forecasting und Trendberechnung mit Hilfe von mathematischen Modellen. Diese Vorhersagen nutzen die Unternehmen, um ihre aktuellen Geschäftsprozesse mit Hilfe von Simulation zu optimieren. Ein dritter Schwerpunkt ist die Einbindung analytischer Funktionen in Branchenlösungen. „Oberstes Ziel ist es, die Fachanwender ohne tiefe Spezialkenntnisse in Statistik und Analyse so gut wie möglich zu bedienen. Business Intelligence ist künftig nicht mehr den Spezialisten im stillen Kämmerlein vorbehalten, sondern wendet sich an alle Mitarbeiter."

Wo früher noch Spezialisten die SAS-Module aufwändig an die eigenen Bedürfnisse anpassten, ersparen heute vorkonfigurierte Branchenpakete dem Anwender einen großen Teil dieses Customizings. SAS Institute arbeitet mit branchenspezifischen Datenmodellen beispielsweise für die Pharmaindustrie sowie für Banken und Versicherungen. Die Datenmodelle für die englischsprachigen und die zentraleuropäischen Versicherer unterscheiden sich stark, wie Fritz erklärt: „In den angelsächsischen Ländern enden Versicherungsverträge automatisch jedes Jahr. Die Anbieter müssen daher ihre Bestandskunden jedes Jahr neu mittels gezielter Marketingmaßnahmen für sich gewinnen."

Accenture hilft SAS bei Branchenlösungen

Um den Branchenfokus weiter zu stärken, gründet SAS Institute ein Joint Venture mit dem Consulting-Haus Accenture. In der Accenture SAS Analytics Group zielen die beiden Partner darauf, das umfangreiche Wissen zu verschiedenen Branchen und Geschäftsprozessen in vorkonfigurierte Lösungen zu gießen: „Wir unterstützen Unternehmen und die öffentliche Verwaltung bei der Implementierung von Analyse- und Prognoselösungen", erläutert Fritz. „Predictive Analytics nutzt die Geschäftsinformationen, die mit bestehenden Analyselösungen erzeugt werden, und kombiniert sie mit Optimierungsmethoden, statistischen Modellen und Prognoseverfahren."

Auch IBM setzt stark auf die Themen Predictive Analytics und Branchenlösungen. Im vergangenen Jahr hat Big Blue unter dem Label Business Analytics and Optimization ein Produktbündel vorgestellt, das Analyse-Applikationen, eine Plattform für die Datenintegration und Qualitätssicherung sowie einen Consulting-Anteil mit 17 vordefinierten Branchenlösungen enthält.

„In der Optimierung mit Hilfe von Business Intelligence sehen wir ein großes Wachstumspotenzial", berichtet Olaf Scamperle, Director Business Intelligence and Performance Management bei IBM Deutschland. „Die Unternehmen möchten ihre Geschäftsprozesse inzwischen nicht nur beschleunigen, sondern mit Hilfe von Geschäftsanalytik verbessern."

SPSS erweitert IBMs Forecasting-Fähigkeiten

Die Prognosefähigkeit hat IBM durch den Zukauf des Spezialanbieters SPSS im vergangenen Jahr deutlich ausgebaut, wie Scamperle berichtet: „Wir haben nun den Informationskreis geschlossen. Bisher haben unsere Applikationen in Unternehmen Fragen ‚Wo stehen wir?’ und ‚Warum ist das so?’ auf Basis der Analyse von Bewegungsdaten der unternehmensweiten Standardsoftware beantwortet. SPSS erweitert diesen rückwärtsgewandten Fokus um die zukunfsorientierte Vorausschau. Die Unternehmen können damit vorhersagen, welche Geschäftsentwicklungen sie mit einer hohen Wahrscheinlichkeit erwarten."

Wie SAS Institute will auch IBM Business Intelligence breit in den Fachabteilungen verankern: „Die Anwender brauchen heute kein Spezialwissen in Statistik mehr und kaum noch spezielle Ausbildung für die Business-Intelligence-Applikationen. Sie müssen lediglich ihr Geschäft verstehen und wissen, welche Informationen sie zu welchem Zeitpunkt an welchen Ort oder welchen Verteiler zu bringen haben. Die Auswertung der Informationen und die Ableitung von konkreten Maßnahmen ist dann wieder eine Aufgabe des Managements." Intelligente Systeme liefern Workflows und konkrete Handlungsanweisungen: „In einem Projekt messen wir die Temperaturschwankungen bei der Produktion von Motorblöcken und warnen, wenn eine Bläschenbildung in den Gehäusen droht", erklärt Scamperle. „Die Facharbeiter können dann sofort die Temperatur entsprechend anpassen."

Wie SAS Institute und IBM sieht auch SAP die Branchen Versicherungen und Banken als vielversprechende Kunden für Business-Intelligence-Anwendungen. Laut Michael Kleinemeier, SAP Geschäftsführer für Deutschland, Österreich und die Schweiz, ersetzen beispielsweise die Banken vielerorts gerade ihre selbstentwickelten Lösungen durch Standardanwendungen. Die SAP könne nun die Ernte einer mehrjährigen Entwicklung entsprechender Branchenlösungen einfahren.

Branchenlösungen für Business Intelligence haben die Walldorfer hauptsächlich in der Produktlinie SAP NetWeaver Business Warehouse (BW). Die Module des übernommenen Spezialanbieters Business Objects werten BW-Daten aus und nutzen das darin enthaltene Branchenwissen. Eine Schicht höher liegen die Industry Value Accelerators, das sind vordefinierte Analysemodelle und Reports für die Business-Objects-Applikationen. „In der kommenden Version verknüpfen wir das Branchen- und Prozesswissen des Bex-Analyzers mit der einfachen Benutzeroberfläche von Business Objects", verspricht David Meyer, Senior Vice President der SAP Business Objects Division. „Sämtliche Abfragen aus der Bex-Welt können die Anwender in dem neuen Release, das in der zweiten Jahreshälfte erscheint, ohne Anpassungen weiter verwenden."

Ende Februar hat SAP mit Business Objects On Demand eine Cloud-Lösung vorgestellt, die sich vor allem an Gelegenheitsanwender richtet. Sie bietet neben einer Suchfunktion und der Verknüpfung von Datenbeständen aus unterschiedlichen Quellen menügeführte Analysen an. In Web-basierten Business-Intelligence-Anwendungen sieht Meyer eine große Zukunft: „Unsere Vision für die Zukunft sind Hybridanwendungen. Diejenigen Systembestandteile, die am besten inhouse laufen, sollen dort bleiben. Alles andere wandert in die Cloud."

Als Beispiel nennt Meyer einen Manager, der auf Basis einer Datenauswertung mit Partnern zusammenarbeiten will, die über mehrere Unternehmen verteilt sind: „Sie können die Analysen in SAP Business Objects On Demand hinterlegen und dort über abgesicherte und verschlüsselte Verbindungen mit jedem Partner zusammenarbeiten, der einen Internet-Zugang hat."

Laut Meyer hat Business Objects derartige Cloud-Lösungen bereits seit einigen Jahren erfolgreich im Angebot: „Einige Großkunden betreiben ihr komplettes Data Warehouse im Internet. Teilweise sind das Lieferketten, die mehrere Unternehmen umfassen. Da die Daten in der Cloud liegen, kann jeder Partner darauf zugreifen und die Effizienz des Netzwerks analysieren und optimieren." Auch die Koppelung mehrerer On-Demand-Angebote hat SAP im Visier: „Wir glauben an vernetzte Lösungen und dabei ist es uns egal, ob die Anwendungen inhouse oder in der Cloud laufen", erklärt Meyer. „Wir binden auch die Applikationen von Wettbewerbern ein. Wenn ein Anwender in Business Objects On Demand seine Zugangsinformationen für eine Applikation von Salesforce.com hinterlegt, kann er per Mausklick nach wenigen Sekunden seine Kundendaten mit Business-Objects-Tools untersuchen."

Bedenken hinsichtlich der Sicherheit oder des Kundenvertrauens lässt Meyer nicht gelten: „SAP legt sehr viel Wert auf Verschlüsselung und Datenschutz. Da wir stark in Europa verankert sind, können unsere Kunden darauf vertrauen, dass wir sämtliche Regeln für Datenschutz und Compliance streng beachten."

Deutlich skeptischer zum Thema Business Intelligence in der Cloud äußert sich SAS-Institute-Manager Jürgen Fritz: „Es mag sein, dass in den USA die Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit geringer sind. In Deutschland sind die Unternehmen allerdings überaus zurückhaltend damit, hochsensible Kundendaten oder Finanzkennzahlen ins Internet zu verlagern. Einen Run auf On-Demand-Modelle stellen wir hierzulande nicht fest." jf