Update BusinessByDesign

Analysten bewerten SAP Business ByDesign

Mit der Multitenancy-Architektur hat SAP die Betriebskosten der On-Demand-Lösung gesenkt. Um den Mittelstand aber auf breiter Front anzusprechen, fehlen laut Analysteneinschätzung vor allem Branchenversionen.

Aufwändig und lange

war die Entwicklung der Walldorfer für die On-Demand-Software SAP Business ByDesign. SAP stellt damit eine integrierte Unternehmenssoftware (ERP) zur Verfügung, die vollständig in der Cloud läuft. Nach einer Implementierungszeit von zwei bis vier Monaten sollen Nutzer laut Unternehmensaussage in der Lage sein, diese Lösung ohne hausinternes Rechenzentrum zu betreiben. Vier Analysten diskutieren im Folgenden die Vor- und Nachteile der Cloud-Lösung aus Walldorf: Christian Hestermann, Research Director bei Gartner, Frank Naujoks, Analyst bei Intelligent Systems Solutions (i2s), Frank Niemann, Director bei Pierre Audoin Consultants (PAC) und Lynn Thorenz, Research- und Consulting Director bei IDC.

Als großen Vorteil von SAP Business ByDesign wertet Lynn Thorenz wie bei allen Software-as-a-Service-Lösungen das Preismodell: „Statt Lizenz- und Wartung zahlen die Unternehmen eine Miete pro User und Monat. Das bringt Vorteile bei der Finanzierung." Ebenfalls positiv für den Anwender sei es, dass er sich nicht um die Wartung kümmern muss, sondern die SAP dafür sorgt, dass das System stets aktuell und sicher ist. Dem stehe als Nachteil gegenüber, dass der Kunde auf Flexibilität bei der individuellen Anpassung verzichtet. „Customizing ist zwar möglich, aber längst nicht so stark wie bei einem On-Premise-System." Insgesamt spreche SAP Business ByDesign vor allem Unternehmen an, denen bisher ein ERP-System zu teuer und zu komplex war.

„SAP Business ByDesign punktet durch die vollständige Modulintegration mit allen daraus resultierenden Vorteilen: Dateneinheitlichkeit, Compliance-Erfüllung, Transparenz, Internationale Verfügbarkeit", lobt Naujoks. „Dadurch entfallen aufwändige Finanzkonsolidierungen und die Unternehmensleitung ist quasi per Knopfdruck auf dem neuesten Stand. Der gesunkene Einstiegspreises macht die Lösung einem breiteren Publikum zugänglich."

Kritischer bewerten die Analysten den Funktionsumfang der On-Demand-Suite: „SAP Business ByDesign verfügt über eine Reihe von Standardfunktionen, die für viele Anwender zunächst ausreichen", berichtet PAC-Analyst Frank Niemann. Der Funktionsreichtum von SAP ERP werde jedoch bei weitem nicht erreicht. „Es handelt sich um eine sehr breite, aber andererseits relativ generische Lösung mit nur wenig Branchenfunktionalität", bestätigt Gartner-Analyst Hestermann. In der heutigen Version eigne sich das Produkt zum Beispiel für Dienstleister. Unternehmen, welche branchenspezifische Funktionen benötigen, sollten bis nach 2011 warten, wenn die Partner auf Basis des Software Development Kit Industrieversionen entwickelt haben." Weniger streng argumentiert Naujoks: „Im Bereich Manufacturing ist es sicherlich sinnvoll, dass Unternehmen auf Branchenlösungen warten. Aber es entscheidet immer der Einzelfall, und ein späteres Hinzunehmen der Branchenfunktionen kann eine Option sein, die Lösung schnell einzuführen."

In der nächsten Version von SAP Business ByDesign bekommen die SAP-Partner ein Software Development Kit (SDK), mit dem sie Branchenfunktionen und komplette Branchenlösungen entwickeln können. „Das SDK auf Basis von Microsoft Visual Studio Dotnet macht die Add-On-Entwicklung auch für Unternehmen interessant, die über noch wenig einschlägige Erfahrung mit der SAP-Entwicklungsumgebung ABAP verfügen", lobt Niemann. Generell unterscheidet der PAC-Analyst zwischen Partnern, die wie der E-Commerce-Anbieter Hybris Add-Ons für die On-Demand-Lösung liefern, und solchen Partnern wie GUS, die auf dieser Basis komplette Industrielösungen erstellen. GUS hatte im März eine Laborlösung auf Basis von SAP Business ByDesign vorgestellt. Nach Einschätzung von Hestermann handelt es sich dabei aber noch nicht um eine marktreife Version: „Im Wesentlichen ist das wohl ein Prototyp, mit dem Entwickler eine Vorab-Version getestet haben. Marktreif wird das frühestens Ende dieses Jahres."

Bislang gibt es seitens der SAP keine Aussagen dazu, an welchen Branchenlösungen für Business ByDesign die Partner gerade arbeiten. Hestermann rechnet nicht damit, dass die Walldorfer beispielsweise mit einer Maschinenbau-Lösung eine funktionale Konkurrenz zu den etablierten Branchenpaketen auf Basis des On-Premise-Produkts SAP Business All in One entstehen lassen: „Nach meiner Einschätzung wird sich SAP zunächst auf Lösungen für die Emerging Markets wie Indien und China konzentrieren. Das könnte beispielsweise eine Textillösung für asiatische Hersteller sein, welche sich eng mit den Inhouse-Systemen der westlichen Abnehmer integrieren lässt."

Den Aufbau des Partnerkanals für SAP Business ByDesign hält Hestermann für die derzeit größte Baustelle auf dem Weg in die On-Demand-Welt: „Die heutigen SAP-Partner sind im Wesentlichen gut ausgelastet. Jeder einzelne wird sich da sehr gut überlegen, ob er zusätzlich eine On-Demand-Lösung in sein Portfolio aufnimmt und sich damit möglicherweise selbst den Markt abgräbt." Mit ganz neuen Partnern, die über keine oder nur wenig Branchenerfahrung verfügen, könne die SAP jedoch den Mittelstand keinesfalls überzeugen: „Anspruchsvolle Mittelstandskunden merken sofort, ob jemand Erfahrung hat oder ob er gerade erst von der Universität kommt. Derartige Consulter werden wohl sehr schnell scheitern." Trotz dieser Schwierigkeiten sieht Hestermann die Walldorfer auf einem guten Weg: „SAP hat jahrelange Erfahrung mit dem Aufbau und der Pflege eines Partnerkanals. Das bringt sie in eine deutlich bessere Startposition als einen Hersteller, der gerade erst ins Partnergeschäft startet."

Analyst Naujoks widerspricht der Ansicht, dass die bestehenden SAP-Partner ihr Geschäft nicht in Richtung On Demand erweitern wollen: „Branchenspezialisten haben die Möglichkeit, sich auf eine künftig mögliche Verlagerung ihres Stammgeschäfts langsam einzurichten, ohne dass sie ihr bisheriges Geschäft aufgeben. Wenn sie sich diesen Markt erarbeiten, sind sie auf den wohl kaum noch aufzuhaltenden Wandel in Richtung Cloud gut vorbereitet."

Nach dem Vorbild von Apple wollen die Walldorfer im Internet einen App-Store aufbauen, in dem die Partner Branchenlösungen verkaufen (siehe Interview mit Eric Duffaut auf Seite 12). Diese Vertriebsvariante sieht Hestermann kritisch: „Kein Unternehmen mit mehr als 30 oder 40 ERP-Usern kann sich ein komplettes System aus dem Web laden und meinen, das würde passen und laufen." Die Vorbereitungsarbeit bei der Einführung eines On-Demand-Systems sei ähnlich aufwändig wie bei einem On-Premise-System. „Ob Prozessdesign oder Datenqualität – der Aufwand bei der Vorbereitung dürfte praktisch identisch sein." Für kleine Zusatzapplikationen hingegen sieht Hestermann den Web-Verkauf als eine interessante Alternative. Ähnlich argumentiert Niemann: „Der App-Store ist meiner Meinung nach genau der richtige Schritt, um Zusatzmodule anzubieten."

Unabhängig von der Funktionalität hängt der Erfolg von SAP Business ByDesign davon ab, ob und in wieweit die Anwender das Betriebskonzept Software-as-a-Service als Alternative zum Inhouse-Betrieb akzeptieren. „In Europa fällt die Akzeptanz von Cloud-Lösungen im Vergleich zu den USA nach wie vor sehr verhalten aus", berichtet Hestermann. „In Marktsegmenten wie Team Collaboration, E-Mail, Web-Shops sowie Lieferantenanbindung hat On Demand einen sehr hohen Marktanteil. An zweiter Stelle kommen Applikationen für das Kundenbeziehungsmanagement. Die Bereiche Finanzbuchhaltung, Controlling und Warenwirtschaft hingegen kommen zwar auf ein interessantes Wachstum, machen aber in absoluten Zahlen nur einen sehr kleinen Marktanteil aus." jf