Sybase Unwired mobilisiert SAP-Daten für verschiedenste mobile Endgeräte

Ausgabe 05/2012

Sybase Unwired mobilisiert SAP-Daten für verschiedenste mobile Endgeräte

Mobile Anwendungen liegen im Trend. Sybase stellt eine Plattform bereit, die anders als die Punktlösungen der Gerätehersteller verschiedenste Typen von Smartphones und Tablets einbindet und verwaltet.

DAS INTERESSE an mobilen Lösungen ist in jüngster Zeit deutlich gewachsen, wie die Investitionsumfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe DSAG zeigt: 59 Prozent der Befragten hatten in der diesjährigen Umfrage angegeben, dass sie in mobile Lösungen investieren wollen. Im Vorjahr hatten lediglich sieben Prozent diese Absicht geäußert.

Punktlösungen konkurrieren mit Universalplattformen

Um die Daten der Unternehmenssoftware auf Mobilgeräten verfügbar zu machen, gibt es prinzipiell zwei Wege: einerseits Punktlösungen, beispielsweise von den Herstellern der Mobilgeräte, die den Bedarf der heutigen Projekte abdecken, und andererseits den Aufbau einer Infrastruktur, die später wachsen kann. Ein Beispiel für die letztgenannte Möglichkeit ist die Sybase Unwired Platform, ein Framework aus Mobility Servern, mobilen Anwendungen und mobilen Services. Sie besteht aus dem Sybase Mobile Server, der Sybase Unwired Platform, der Sy­base Afaria Device Management Suite, Sybase iAnywhere Mobile Office und Sybase SQL Anywhere. Sybase Mobile Services beinhalten Applikationen und Dienste beispielsweise für mobiles Marketing und mobiles CRM. Hinzu kommen die von SAP Sybase und den Partnern erstellten Applikationen.
Ob die Unternehmen bei ihren Mobility-Projekten eher zu einer Punktlösung oder zu einer umfassenden Plattform greifen, hängt laut Marco Lenck, DSAG-Vorstand für Technologie, von den individuellen Anforderungen ab: „Wer hauptsächlich Online-Szenarien im Auge hat und auf mobile Standard-Applikationen setzt, der wird mit einer Punktlösung starten können. Wer hingegen eine umfassende Mobility-Landschaft im Auge hat, die mit Offline-Szenarien arbeitet und auf individuelle Applikationen setzt, der wird eher eine Infrastruktur wie die Sybase Unwired Platform nutzen.“ Der Einsatz einer Management-Plattform hänge vom Sicherheitsbedürfnis ab: „Unternehmen mit hohen Sicherheitsanforderungen erkennen, dass sie neben der Applikationsplattform auch eine Managementplattform brauchen, über die sie die Software auf den Mobilgeräten kontrollieren und die Devices bei Verlust oder Diebstahl abschalten können.“

Sybase behält beim Wechsel der Mobilgeräte das SAP-Backend

Tobias Philipp, Presales Manager Mobility bei SAP Sybase Europa, bezeichnet die Entwicklungskosten als Hauptvorteil der Sybase Unwired Platform: „Wer mit einer selbst entwickelten Lösung oder mit den Applikationen eines kleinen Herstellers startet, der muss möglicherweise in der zweiten Ausbaustufe komplett von vorne beginnen, weil die Plattform nicht skaliert oder der Hersteller aus dem Markt verschwunden ist. Die Sybase Un­wired Platform hingegen skaliert gut und unterstützt eine Vielzahl von Gerätetypen. Wer heute mit Apple und morgen mit Android arbeitet, kann die gesamte Backend-Integration in die Systeme wiederverwenden und muss lediglich die Frontends neu entwi­ckeln. Das spart Entwicklungskosten.“
Die Management-Plattform Sybase Afaria ist laut Philipp sowohl als Inhouse- als auch als Cloud-Variante erhältlich. Der Dienstleister T-Systems biete einen Komplettservice an, der von der Geräteauslieferung über das Betanken und Inventarisieren bis hin zur Ersatzbeschaffung reicht. „Für das Gerätemanagement nutzt T-Systems Sybase Afaria“, berichtet der Sybase-Manager. In der größten Ausbaustufe biete T-Systems diesen Dienst als Managed Service an, bei dem sich die Kunden um gar nichts selbst kümmern müssen. Wer die Kosten senken will, könne die Device-Management-Landschaft über ein Portal aus der Cloud nutzen und darüber die Geräte mit eigenem IT-Personal verwalten. Vergleichbare Lösungen bieten in Deutschland RDS Consulting und Veliq an.
Eine weitere Angebotsvariante von SAP Sybase stellten die sogenannten Rapid Deployment Solutions dar. Hierbei handelt es sich um definierte Lösungsszenarien, die zu einem Festpreis angeboten werden. „Diese Pakete stellen zu übersichtlichen Kosten einen Einstieg in die Mobility-Welt her“, berichtet Philipp. Sie können beispielsweise die Anpassung von existierenden Applikationen oder die komplette Umsetzung eines mobilen Genehmigungsprozesses enthalten.“

System Landscape Governance liefert Architekturvorlagen

Die Erweiterung eines SAP-Systems in Richtung Laptops, Smart­phones und Tablet PCs kann dessen Komplexität deutlich erhöhen. Die Anwendergruppe DSAG setzt sich daher im Rahmen ihres Projekts Sys­tem Landscape Governance dafür ein, dass die SAP den Anwendern Architektur-Blueprints zur Verfügung stellt, die aufzeigen, wie die Systeme bei einer solchen Erweiterung idealerweise aufzusetzen sind: „Viele Anwender stehen bei Mobillösungen vor der Herausforderung, dass sie Schnittstellen einrichten müssen, von denen sie noch gar nicht wissen, wie diese aussehen sollen“, erläutert Lenck. „Wir wollen ein Rezept haben, wie sich solche Landschaften möglichst einfach aufbauen lassen. Dabei geht es weniger um die mobilen Endgeräte, sondern um die Connectivity und die Plattform, auf der die Mobility-Lösungen laufen.“ Erste Gespräche in dieser Richtung habe die DSAG mit der SAP bereits aufgenommen, konkrete Resultate stünden allerdings noch aus. Immerhin hat SAP-Vorstandsmitglied Gerhard Oswald auf den DSAG-Technologietagen im Februar angekündigt, dass ab April der Support für SAP-Anwendungen und die Sybase-Plattform vereinheitlicht wird.
Über die Lizenzen für die Sybase-Lösungen haben die Walldorfer der Presse gegenüber jahrelang keine konkreten Aussagen gemacht. Tobias Philipp erklärt nun erstmals die Gründzüge des Gebührenmodells: „Wir lizenzieren die Sybase Unwired Platform auf einer User-Basis. Der Einsatz einer mobilen SAP-Anwendung geht von einer entsprechenden Lizenz auf dem SAP-Backend aus.“

Zugriff auf SAP-Transaktionen erfordert eine SAP-Lizenz

Sämtliche Schwierigkeiten dürfte  dieses Preismodell allerdings nicht ausräumen, wie DSAG-Vorstandsmitglied Lenck erklärt: „Die Lizenz enthält einen sogenannten SAP Mobile Platform User, der auf die Sybase-Lösungen sowie auf selbst entwickelte Applikationen zugreifen darf. Für Standard-Applikationen werden weitere User-Gebühren fällig.“ Greife allerdings der Anwender über sein Mobilgerät auf eine SAP-Transaktion im Hintergrund zu, müsse er die Lizenz für das entsprechende SAP-Modul besitzen: „Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein SAP-fremder Benutzer über eine Mobile App Daten in ein SAP-System eingeben oder daraus abrufen kann, ohne dass dafür Lizenzgebühren fällig werden.“
Zumindest bei einem deutlichen Ausbau der mobilen Landschaft könnten in dieser Abrechnungsvariante Probleme entstehen: „Für Unternehmen, die über mobile Applikationen ihre Endkunden ins SAP-System einbinden wollen, ist dieses Lizenzmodell nicht gemacht“, erläutert Lenck. „Wer so etwas anstrebt, muss die Gebühren individuell mit der SAP verhandeln.“
Ganz weit weg erscheint dieses Szenario nicht. Immerhin hat SAP-Co-Vorstand Jim Hagemann Snabe auf der Hausmesse Sapphire vor zwei Jahren erklärt, dass die SAP über mobile Applikationen künftig nicht nur ihre Lizenznehmer, sondern auch „die Kunden der Kunden“ erreichen will. jf