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Anwendungen mit SAP
Mit zwei
Produktlinien tritt SAP in Sachen Business Intelligence an: zum einen SAP Netweaver Business Intelligence, also das frühere SAP BW, und zum anderen die übernommenen Produkte von SAP BusinessObjects. „Beide Produktlinien ergänzen sich“, erklärt der unabhängige Business-Intelligence-Analyst Wolfgang Martin. „SAP Netweaver BI ist die Realtime-fähige BI-Plattform für SAP-Anwender, und die dazugehörigen Frontends für Analyse und Reporting kommen von SAP BusinessObjects.“
Ziel des Walldorfer Standardsoftwerker ist es laut Martin, die früheren Frontends für SAP BW aus dem Markt zu drücken. Anwender, die bereits seit längerer Zeit damit arbeiten, würden allerdings diese Frontends so schnell nicht los. Nach SAPs Übernahme von BusinessObjects entstand unter den Anwendern zudem eine anfängliche Unklarheit über SAPs Produktstrategie. „Kaum jemand hat sich vorstellen können, dass SAP die bisherigen Frontends rigoros rauswerfen will. Inzwischen empfehle ich jedem Unternehmen, das eine alte SAP-BW-Anwendung ablösen will, den Schritt zu SAP BusinessObjects. Die Produkte sind nämlich funktional sehr gut.“
SAP BusinessObjects zielt nicht nur auf SAP-Kunden, sondern auch auf Anwender von Nicht-SAP-Systemen. Solche Kunden hat BusinessObjects noch aus der Zeit als eigenständiger Hersteller. SAP hat nach der Übernahme laut Martin davon so gut wie keinen Anwender verloren. Ob Neukunden hinzukommen, sei schwierig festzustellen, weil die Walldorfer dazu keine Zahlen veröffentlichen. SAPs ursprüngliche Idee, die BusinessObjects-Module als Türöffner für einen späteren Verkauf von SAP ERP zu nutzen, bestehe nach wie vor, hat allerdings laut Martin eher wenig Erfolg: „Business-Intelligence-Anwendungen kaufen heute vorrangig die Fachabteilungen selbst ein. Sie interessieren sich für ihre Bedürfnisse in Sachen Analyse, Planung und Reporting, aber kaum dafür, was SAP sonst noch alles im Angebot hat.“
Ebenfalls an die Fachabteilungen richten sich die Lösungen von SAP-Partnern und BI-Spezialherstellern, die Frontends für SAP Netweaver BI darstellen und sich als Alternative zu SAP BusinessObjects positionieren. Verkaufsargumente sind laut Martin die geringe Komplexität sowie der vergleichsweise niedrige Preis dieser Lösungen: „SAP Business Objects ist ein Schlachtschiff, das über sehr viele Funktionen verfügt. Aber es ist für manch eine Fachabteilung zu mächtig, außerdem fällt der Preis vergleichsweise hoch aus.“ Die Partnerlösungen stoßen genau in diese Lücke. Die Anbieter werben, dass ihre Module sämtliche Funktionen abdecken, welche die Fachabteilungen benötigen, aber leichtgewichtig und vor allem preisgünstiger daherkommen. Unverzichtbar sind laut Martin zudem leistungsfähige Integrationsadapter: „Business-Intelligence-Frontends müssen SAP-Netweaver BW sowie weitere SAP-Systeme und Applikationen von Drittanbietern einbinden. Wenn die Schnittstellen SAP-zertifiziert sind, hat die IT-Abteilung der Unternehmen nichts daran auszusetzen.“
Als weiteres Differenzierungsmerkmal einiger Partnerlösungen wertet Martin die Branchenspezifikationen: „Arcplan, Cubeware und Qliktech bieten völlig branchenunabhäbgige Applikationen. Microstrategy hingegen spezialisiert seine Anwendungen unter anderen auf das produzierende Gewerbe, den Handel, das Finanzwesen, Telekommunikation sowie die Pharmaindustrie. Vorkonfigurierte Branchenlösungen nutzen Anwender gerne, da diese sich schnell implementieren lassen.“
Mit Arcplan Enterprise des SAP-Partners Arcplan entwickeln Unternehmen maßgeschneiderte Business-Intelligence-Lösungen sowie analytische Applikationen zur Steuerung der Unternehmensperformance und betrieblicher Aktivitäten. Die Applikation bietet den direkten Zugriff auf unterschiedliche SAP-Datenquellen einschließlich SAP BW. Im Gegensatz zu anderswo verfolgten datenorientierten Lösungsansätzen greift Arcplan Enterprise direkt auf alle vorhandenen Datenquellen über Schnittstellen zu, unabhängig davon, wie und wo die Daten gespeichert sind. So würden Abfragen nicht durch Beschränkungen der Datenquellen limitiert.
Arcplan Edge stellt eine Budgetierungs-, Planungs- und Forecasting-Lösung dar, welche laut Unternehmensaussage die Planungs- und Budgetierungsprozesse optimiert. Die Applikation biete Planern eine intuitiv nutzbare vertraute Umgebung, welche Zeit- und arbeitsintensive Konsolidierungsprozesse über ein webbasiertes Berichtswesen und Scorecards automatisiert. In Kombination mit den Business-Intelligence-Funktionen von arcplan Enterprise ermögliche arcplan Edge Unternehmen ein umfassendes Performance-Management, das von der Budgetierung und Planung bis hin zu Analyse und Berichtswesen reicht.
Der Business-Intelligence-Anbieter Board Deutschland hat 2008 mit Board 7.1 eine neue Generation seiner BI-Applikation vorgestellt. Sie zeichnet sich durch eine vollständige Integration von MS Office, eine interaktive Visualisierung sowie einen integrierten Webclient auf Basis von MS-Silverlight aus. Board 7 basiert auf einer Service-orientierten Architektur und setzt auf dem Microsoft .Net-Framework auf. Standardisierte Schnittstellen integrieren beliebige Vorsysteme. Innerhalb einer Applikation lassen sich mehrere Datenbanken anbinden. Über eine an MS Office 2007 angelehnte Oberfläche lassen sich die Applikationen einfach bedienen. Berichte, Analysen und Planungen stellen die Anwender über Drag&Drop zusammen. Der Zugriff auf die Applikationen ist über Einzelplatz-, Client-Server oder Web-Anwendungen möglich, unter anderem auch von Mobilgeräten wie Smartphones oder Tablet-PCs.
Die Applikationen sollen eine präzise Sicht auf Unternehmensinformationen ermöglichen und den gesamten Entscheidungsprozess abbilden. Sie reichen von Planung und Forecasting über Finanzplanung und Konsolidierung, Rentabilitätsanalyse und Simulation, Vertriebs- und Strategieplanung, Dashboarding und Scorecarding über Supply Chain Management bis hin zu Reporting, Analyse und Budgetierung.
Cubeware bietet für den Einsatz im SAP-Umfeld eine Reihe abgestimmter Lösungen an, welche sich eng in die Walldorfer Standardsoftware einklinken, aber auch Informationen etwa aus Datenbanken von Oracle, Microsoft und IBM analysieren. Dem Anwender stehen in einer einzigen Oberfläche Analysen, Reports und Werkzeuge für die Unternehmensplanung sowie Dashboards zur Verfügung.
Für das Business-Intelligence-Frontend Cubeware Cockpit V6 Pro stellen zwei Zusatztools die nötigen Verbindungen her. Zum einen ist das der Cubeware Importer, zum anderen Cubeware Connectivity for SAP Solutions. Für die SAP-Module Financials, Controlling, Sales and Distribution sowie Material Management bietet Cubeware vorkonfigurierte Analyse-Templates. Cubeware Cockpit V6 Pro dient als Frontend für SAP BW und versteht sich als benutzerfreundliche Alternative zu den SAP-Tools aus der Bex-Familie.
Cubeware-Applikationen unterstützen Fachanwender bei der Analyse und beim Report-Design. Das Frontend bietet flexible Layout- und Formatierungsmöglichkeiten und visualisiert die Ergebnisse beispielsweise in ABC-Analysen und Wasserfallgrafiken. Reports lassen sich ad hoc ausgeben oder automatisiert im Unternehmen verteilen. Als Ausgabeformate sind MS Word, MS Excel, MS Powerpoint, XML (Extended Markup Language), HTML (Hypertext Markup Language) sowie PDF möglich. Die Applikation kann unter Windows oder webbasiert laufen und greift auf das Rechtemanagement von SAP zurück.
Microstrategy 9 ist eine webbasierte Business-Intelligence-Plattform, die sich durch eine 64-Bit-basierende Datenauswertung im Hauptspeicher auszeichnet. Um diese In-Memory-Technik zu nutzen, müssen Unternehmen keine Änderungen an den Berichten oder Datenanbindungen vornehmen. Vielmehr wählen sie Teilbereiche eines Datenmodells oder einzelne Objekte aus und speichern sie für den schnellen Zugriff in der In-Memory-Datenbank, die Microstrategy als ROLAP-Cubes bezeichnet. Die hier bearbeiteten Abfragen belasten die Business-Intelligence-Datenbank nicht. Reporting und Dashboards legen dabei laut Herstelleraussage deutlich an Tempo zu. Entwickler erstellen Reports mit Hilfe der Metadaten und kombinieren dabei beliebige Daten aus dem ROLAP-Cube mit Informationen aus der Business-Intelligence-Datenbank.
Anwender erhalten mit Microstrategy 9 die Möglichkeit, lokale BI-Lösungen in zwei Schritten auf eine zentrale Reporting-Plattform zu überführen. Zunächst laden sie dabei Metadaten und Berichte in die Microstrategy-Anwendung, um sie dort in einem multidimensionalen Datenmodell weiterzuverwenden. Im zweiten Schritt migrieren sie die dispositiven Daten in das Data Warehouse der Microstrategy-Plattform. Laut Unternehmensaussage eröffnet dieser Ansatz einen Weg, die oft aus Zeit- und Kostengründen entstandenen Insellösungen in den Fachbereichen in einer zentralen Umgebung zusammenzuführen.
Der schwedische Business-Intelligence-Spezialist Qliktech setzt ähnlich wie Microstrategy auf die In-Memory-Technologie. Die BI-Lösung QlikView analysiert im Hauptspeicher Daten in Echtzeit. Der für SAP Netweaver zertifizierte Adapter QlikView Connector ermöglicht SAP-Kunden unternehmensweite Berichte. Er läuft über die von SAP angebotene RFC-Schnittstelle als Read-Only ODBC-Treiber (Open Database Connectivity). QlikView wertet außerdem sämtliche SAP-Daten auch im Kombination mit Nicht-SAP-Quellen, etwa Oracle, der MS-SQL-Datenbanken oder MS Excel, ad hoc oder nach individuellen Fragestellungen aus. Für schnelle SAP-Analysen in den Bereichen Finanzen, Controlling und Vertrieb bietet die Applikation darüber hinaus vordefinierte Abfragen.
Die schnelle Erlernbarkeit der Applikation reduziert laut Herstelleraussage den Schulungsaufwand erheblich. Anwender könnten bereits nach wenigen Tagen Analyse- und Reporting-Applikationen individuell entwickeln und implementieren. Die Systemimplementierung dauere im Durchschnitt weniger als fünf Tage. Vorteilhaft sei außerdem die Tatsache, dass für QlikView kein Data Warehouse erforderlich ist. QlikView kombiniert Analyse- und Reporting-Funktionen in einem einzigen Sys-tem. Dieses zielt laut Hersteller auf alle denkbaren Anwendungen: von ABC-Analysen im Vertrieb, Kennzahlen für die Finanzabteilung, Lieferanten-Ratings für den Einkauf, Auswertung der Maschinenauslastung in der Produktion bis hin zu Management Cockpits.
Der IT-Dienstleister Windhoff Software Services hat sich als einer der größten Partner für SAP BusinesObjects auf die Integration der Business-Intelligence-Werkzeuge in bestehende Plattformen wie SAP BW und SAP ERP spezialisiert. Darüber hinaus bietet er Unterstützung rund um die Themen Enterprise Reporting, Data Warehousing, Corporate Performance Management sowie Planning and Consolidation.
An mittelständische Kunden richtet sich das Paket Quick Start für SAP BusinessObjects Edge. Features wie Ad-hoc-Reporting und Dashboards helfen Anwendern bei der Aufbereitung, Visualisierung und Auswertung von Informationen. Das Quick-Start-Paket kombiniert zum Festpreis BI-Applikationen mit Dienstleistungen. Windhoff-Experten übernehmen dabei die Installation und Konfiguration des Systems und weisen die Anwender in die Bedienung ein. Bei Bedarf lässt sich das Quick-Start-Paket um eine leistungsstarke Datenintegrationslösung ergänzen. Ein weiterer Dienstleistungsschwerpunkt sind Migration Services. Windhoff plant und implementiert dabei als SAP-zertifizierter Migration-Specialist einen Systemwechsel auf die aktuellste Version von SAP BusinessObjects. Im September 2010 hat Windhoff eine Partnerschaft mit dem Stuttgarter SAP-Systemhaus All for One Midmarket geschlossen. Hierbei tauschen beide Partner ihre Erfahrungen rund um SAP BusinessObjects aus.
Kostenvorteile bei der Beschaffung und im Betrieb sowie eine einfache Bedienung und schnelle Implementierung sprechen wohl alle SAP-Anwender an. Anhand dieser Kriterien fällt die Entscheidung jedoch keineswegs automatisch für die hauseigene SAP-Lösung, ein Partnerprodukt oder die Lösung eines Spezialherstellers. „BI-Partnerlösungen werden in vielen Unternehmen an erster Stelle deshalb implementiert, weil es im Haus keine übergreifende Business-Intelligence-Strategie gibt“, berichtet Consulter Martin. „Die Anbieter sprechen dann direkt die Fachabteilungen an, und diese implementieren die Lösungen quasi unter dem Radar der IT-Abteilung.“ Auch wenn die Einzellösungen schlank und kostengünstig daherkommen, könne dieses Verfahren gerade in Großunternehmen leicht zu Nachteilen führen: „Wenn sich die eine Fachabteilung bei Spezialanbieter A und die andere beim Spezialanbieter B versorgt, entsteht im Unternehmen nach kurzer Zeit ein Flickenteppich unterschiedlichster Anwendungen, der sich nur sehr schwer übergreifend steuern lässt.“
Um diese Klippe zu umschiffen, empfiehlt Martin, dass die Unternehmen eine zentrale Strategie für ihre Business-Intelligence-Initiativen entwickeln und diese durch ein BI Competence Center ausführen und überwachen lassen. Dabei sollten die IT-Manager übergreifend denken und sich auf wenige BI-Anbieter konzentrieren. „Mit Rahmenverträgen ist eine zentrale Strategie fast immer kostengünstiger als die Painpoints der Fachabteilungen ad hoc mit punktuellen Anwendungen abzudecken.“ jf